Gestern gab es den letzten Auftritt des Chores vor der Sommerpause. Eigentlich hatte ich mich im Vorfeld auf das Konzert in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gefreut, doch die richtige Stimmung wollte nicht so recht aufkommen. Routine regierte über opportunistische Publikumsbeglückung. Irgendwie war es nicht dasselbe, 23 Uhr zur WM-Zeit vor einem kleinen, vom Fußball erschöpften Publikum und ohne Mikrofonständer zu singen. Bald war auch dieser Auftritt zu ende und so ging es noch schnell zu T.s Geburtstagsfeier, die recht ausgestorben war. Heute nun konnte ich nur sporadisch schlafen, schließlich war ich drei Uhr nachts zu Hause und muss heute gegen 14.00 Uhr losfahren um rechtzeitig zur Generalprobe für den Abiball zu erscheinen. Wohl gemerkt nicht meiner, aber das Abi-Komitee äußerte den Wunsch, dass die Band doch eventuell spielen könne. 22.15 haben wir dann unser kleines Zeitfenster, wofür ich den Tag verschleudern und nicht einmal A. sehen kann.
Ich sehne mich nach ihr, doch die Zeitpläne kumulieren leider in den letzten Tagen weniger. Es ist unabänderlich, aber dennoch würde ich sie heute gerne sehen. Am Dienstag fährt sie ja mit ihrem Kurs nach Weimar. Nicht einmal zum Bus kann ich sie bringen, weil die Planer heutzutage lieber auf die Bahn setzen. Irgendwie erfüllt mich ihre Abwesenheit mit Unbehagen, ich könnte eigentlich zuversichtlicher sein. Schwarzmalerei ist ein Seelengift, Schluss damit.
Ich weiß nicht mehr, warum ich noch zur Schule gehe. Sicher, ich sehe A. und sehr viele Freunde, doch der Bildungsteil bleibt gänzlich auf der Strecke. Da werden Fehlinformationen betreffend die abiturielle Laufbahnplanung gestreut, die mich und andere Schüler stark einschränken. Da wird Unterricht unter Niveau erteilt, da wird im Englischunterricht nur Deutsch geredet und nahezu 100 Prozent der Unterrichtszeit mit Filmen und Projektarbeit verbracht - Wissenserwerb gleich null, meine Sprachfähigkeit lässt nach, kaum auszumalen, wie es den anderen gehen muss. Da kann man für Nichtstun auf dem Zeugnis zehn Punkte erhalten, da werden einem chronisch Gelangweilten wie mir fünfzehn Punkte für möglich erklärt. Der Anspruch an dieser Schule ist inakzeptabel. Einzig mein Mathematik LK macht etwas Spaß, aber wirklich fordernd ist der auch nicht. Der Biologie LK ist unterkühlt, da muss noch geklärt werden, zu welcher Klasse der Feuersalamander zählt und da kann man die ganze Zeit in seiner Langeweile schlafen/quatschen/rumblödeln und zählt dennoch zu den Kursbesten.
Und dennoch sind meine Noten nicht die besten. Ich gehe nur noch zur Schule um mich zu langweilen. Vielleicht ist dies der Grund für meine lediglich "guten" Leistungen. Früher, auf der alten Schule, war alles besser. Ich wünschte, ich hätte damals die Möglichkeiten genutzt, die Klassen zu überspringen.

Gelangweilt
)
Traurig
Alles klar
Ärgerlich
Verliebt