A. fragte mich heute, was ich von Abtreibung halte. Um Missverständnissen vorzugreifen: Der Grund hierfür liegt definitiv nicht in eventuellen Versäumnissen der Vergangenheit, ich denke, wohl eher in der Vorbereitung auf alle Eventualitäten.
Ich wusste nicht, was ich antworten sollte. Auch starkes Drängen konnte mir keine Antwort entlocken. Ich weiß es nicht. Ich habe schon so viele Debatten über dieses Thema vor dem heutigen Tage geführt und bin nie zu einem einheitlichen Standpunkt gelangt. "Du sollst nicht töten." contra Menschheitsdefiniton. Umso überraschender kam diese Frage.
Ich habe mich nun dazu angelesen. Ein wenig bei Wikipedia reingeschaut, um fundamentales Wissen über den medizinischen und rechtlichen Aspekt eines Schwangerschaftsabbruchs in Erfahrung zu bringen. Zwar konnte auch die Enzyklopädie nicht klären, ab wann ein Mensch ein solcher ist, jedoch bin ich auf den kurzen Halbsatz "Ein Fötus ist erst ab 6 1/2 Wochen vorhanden" aufmerksam geworden. Was ist nun ein Fetus? "Die Bezeichnung für den menschlichen Embryo nach Ausbildung der inneren Organe." Ich hoffe, man darf diese Definition so verstehen, dass das Lebewesen zuvor kein Mensch ist. Demnach bestehen auch keine ethischen Bedenken, bis zu diesem Stadium eine Abtreibung zu unternehmen. Dabei erscheint mir der medikamentöse Abbruch als besonders geeignet. Umso zeitiger, desto besser für alle Beteiligten.
Dennoch kann ich nicht von der Hand weisen, dass da ein Lebewesen getötet wird. Die Schwammigkeit der Festlegung, wann ein Mensch ein solcher ist, verschärft meine Unsicherheit. Du sollst nicht töten. Tiere ja, aber Menschen, nein, niemals. Als Tiere kann man Embryonen kaum bezeichnen, auch wenn sie in ihrer Entwicklung Stadien durchlaufen, in denen sie mehr Fisch, Molch bzw. Küken als Mensch sind. Doch die Gene sind immer noch die eines Menschen. Harte Worte, schneidende Argumente.
Was aber bedeutet die Abtreibung für die anderen Parteien, auch wenn es in erster Linie um das (werdende) Kind geht? PAS ist ein ernst zu nehmendes Syndrom und hält nicht selten viele Jahre nach der Schwangerschaft an. Neben diesen beiden Tragödien nicht zu unterschätzenden Ausmaßes gesellen sich weitere psychische und soziale Probleme, vor allem was die Partnerschaft der potentiellen Eltern angeht. Auch diese Probleme scheinen unlösbar. Gar nicht erst daran zu denken, dass alle Bestreben zum Schwangerschaftsabbruch keine hundertprozentige Erfolgsquote versprechen können, man siehe nur einmal das Beispiel des nun quicklebendigen Tim.
Was also bleibt, ist den nötigen Respekt voreinander, der Situation und die daraus folgende Vernunft unbedingt zu wahren. Komme was wolle; doppelt hält besser. Ein Kind passt gar nicht in mein Leben. Dafür weiß ich Sorge zu tragen. Hoffentlich.

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