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Walpurgisnachtslegenden

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In der heutigen BZ am Sonntag (30. April 2006, Axel-Springer-Verlag) wird auf den Seiten 6 und 7, der ersten Regionaldoppelseite tituliert:

„Chaoten proben Groß-Angriff auf Berlin“ und in der Tickerzeile darüber:

„+++ Steinwürfe im Volkspark Friedrichshain +++ Szene ruft zur verbotenen Groß-Demo auf +++“

In diesem Artikel wird Bezug genommen auf eine Versammlung von ca. 200 Jugendlichen im genannten Park vom 28. April 2006. Dass es sich hierbei keineswegs um eine Generalprobe für die Walpurgisnacht oder den ersten Mai handelte, wird verschwiegen. Zwar kam es tatsächlich zu den genannten Lagerfeuern, der Verbrennung einer Deutschland-Flagge, später auch einer Schlägerei und einem Polizei-Einsatz. Doch wird hier vollkommen willkürlich eine Verbindung zu den geplanten Demonstrationen und Konzerten der nächsten Tage gezogen. Dass nämlich der größte Teil der am Freitag anwesenden Jugendlichen gar nicht aus der Krawall-Szene kam und nur ca. 10% Punks und Alternative waren, die jedoch auch nicht strafrechtlich mit vergangenen 1.-Mai-Krawallen in Verbindung gesetzt werden können, wird ebenfalls verschwiegen. Dazu präsentiert die Zeitung unter ihrem Artikel das Foto einer Handvoll Jugendlicher - augenscheinlich eher gewöhnliche Hip-Hopper als Polizei-gesuchte Mai-Randalierer - mit Bierkästen, wie sie den Park betreten. Diese werden in der Bildbeschreibung als "Krawall-Jugendliche im Friedrichshain" beschrieben. Ob diese an der Schlägerei teilnahmen, kann man bezweifeln, da sie beim Betreten des Parks gezeigt werden. Zur Zeit der Ausschreitungen, gegen 21.30 Uhr, kann dieses Bild nicht entstanden sein, weil noch Tageslicht zu erkennen ist.  Einem Zeitpunkt, an dem der nicht namentlich genannte Autor dieses Artikels gar nicht vor Ort gewesen sein kann. Ergo ein Bild von einem anderem Datum. Vielleicht vom 29. April, schließlich ließ sich die Redaktion genug Zeit für diesen Artikel.

Es werden also die üblichen Besucher des Volkspark Friedrichshains mit den Vorfällen vom 29. April in Verbindung gebracht, Kollektivschuld wird erhoben.

Unter jenem Artikel befindet sich ein anderer, thematisch verwandter. Hier wird über eine Internetseite berichtet, die den "ermordeten Polizisten als Demoschläger" (Uwe Lieschied) bezeichne. Es sei auf dieser Homepage, deren Adresse mir bekannt ist, ein Foto von ihm zu finden. Er werde dort auch als "Demoschläger" bezeichnet. Beide Behauptungen sind schlichtweg erfunden. Ein Bild von ihm ist nicht zu finden, dafür von einigen anderen Zivilfahndern, die in der Vergangenheit durch Gewalttaten gegenüber Demonstranten aufgefallen sind. Das Wort "Demoschläger" taucht auf der gesamten Seite nicht ein Mal auf. Weiterhin schreibt die BZ:

"Bilder zahlreicher Spezialkräfte finden sich auf der Seite. Und eben auch das Foto von Uwe Lieschied. Die Chaoten bezeichnen den Polizisten nicht nur als Demoschläger. Unfaßbar: Sie schreiben außerdem, Uwe Lieschied sei bei einem "Angriff auf Parkbesucher in der Hasenheide gefallen"." (Hervorhebung wie im Original)

Davon abgesehen, dass sich jenes Foto nicht auf der Seite befindet, ist die "zitierte" Textstelle auf der Seite so und auch nicht in anderer Form nicht aufzufinden. Wieder hat der "recherchierende" Reporter schlichtweg Informationen erfunden und somit gegen den Pressekodex verstoßen, den auch die Axel-Springer-AG anerkannte. Aber über den wahren Inhalt der Seite, nämlich Demonstranten über bestimmte gewaltbereite Beamte in Zivil wie diesem in der Szene mittlerweile namentlich bekannten Herren zu informieren, wird nur folgender Nebensatz verloren:

"[...], um ihr Chaoten-Klientel vor den Fahndern zu warnen." (Hervorhebung wie im Original)

Was erwartet man sonst von der linksfeindlichen Springer-Presse.

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