Ich vermisse sie. Auf eine seltsame Weise. Dabei wüsste ich gar nicht, was ich tun würde, wäre sie hier. Wir haben uns nun schon seit mehr als einer Woche nicht mehr gesehen, zwei werden es am Ende sein. Letzte Woche blieb sie wegen einer Angina daheim, am Sonntagmorgen fuhr sie mit dem Landesjugendorchester nach Rendsburg, Schleswig-Holstein. Eine Woche Probenlager, jeden Tag musizieren von morgens bis abends. Und dann jeden Abend Party. Sie nimmt immer noch die Medikamente, die Mischung mit Alkohol versetzt sie schon fast in Rauschzustände. Ich wäre gerne dabei. Nicht nur wegen ihr. Auch vom musikalischen Standpunkt aus würde ich gerne einen Tag miterleben dürfen. Aber ich wäre wohl fehl am Platze. Im Gegensatz zu ihr bin ich ein miserabler Violinist. So muss ich also auf ihre Rückkehr warten und kann mich am Ostermontag vom Erfolg dieser Woche überzeugen. Im Konzerthaus am renommierten Gendarmenmarkt. Edles Haus. Ich bin sogar etwas stolz auf sie. Ich freu mich schon. Ich musste versprechen, in Anzug dort zu erscheinen. Selbstverständlich. Sie freue sich auch schon darauf, mich im Anzug zu sehen. Und ich mich, sie im Orchester zu sehen. Ich habe Plätze direkt vor ihr in der ersten Reihe geordert, vielleicht kann sie ja die Platzwahl beeinflussen.
Sie gewöhnt sich gerade das Rauchen ab. Vor ca. zwei Wochen meinte ich eigentlich nur beiläufig, dass sie doch angesichts der üblichen Gesundheitsbedenken aufhören solle. Reine Nächstenliebe. Sie nahm es so ernst, dass sie schon am Folgetag aufhörte zu rauchen. Bis jetzt hat sie sich wohl gut geschlagen. Auch mit der ganzen rauchenden Partygesellschaft in Rendsburg. Noch ein Grund, stolz auf sie zu sein. Wer weiß, was sie darüber dachte und denkt, dass ich ihr ans Herz gelegt habe, damit aufzuhören. Vielleicht sah sie darin eine Notwendigkeit für eine Beziehung. Ich nicht unbedingt. Zwar ist es für mich als Nichtraucher schon unangenehm, eine Raucherin zu küssen, aber davon würde ich nie ernsthaft eine Beziehung abhängig machen. Dennoch freue ich mich sowohl für ihre Gesundheit, als auch für unsere immer wahrscheinlicher werdende Beziehung.
Seitdem meine Ansicht über das komplexe Thema Liebe / Verliebtheit / Verknalltheit / Schwärmerei / Interesse und die daraus folgende sichere Determinierung des jeweiligen Zustandes nicht unmaßgeblich verändert wurde, setze ich mich kritischer damit auseinander. In dieser überaus groben Skala stehe ich wohl zwischen Verknalltheit und Verliebtheit. Wo genau, ist schwer zu bestimmen. Jedoch denke ich, rückt letzteres immer näher. Wer weiß, vielleicht ist es schon in den Ferien soweit. Ich weiß es nicht, ich möchte nichts überstürzen. Schon alleine aus Unsicherheit. Aber mir schwebt immer wieder dieses Bild im Kopfe, dass ich eines Tages unverhofft an ihrer Türe stehe, klingle, sie aufmacht und ich dann nur in Referenz auf ihre eine SMS sage: "Ich sollte doch durchklingeln, wenn es soweit sein sollte." Bestenfalls bin ich den Weg zu ihr durch strömenden Regen gelaufen. Erscheint mir passends für diese Situation. Aber andernfalls wäre ich auch nicht weniger engagiert. Wer weiß, früher oder später wird der Tag kommen. Nur weiß ich nicht, ob die Zeit für oder gegen mich spielt.

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schön zu hören... dass sie sich das rauchen abgewöhnt ist ein gutes zeichen. dass der denkanstoß von dir kam ist sicher nicht unmaßgeblich für ihre entscheidung. denn, dass es ungesund ist wusste sie mit sicherheit auch bevor du ihr das gesagt hast.
ich hab da ein gutes gefühl...
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