Dieser Satz kam mir heute morgen schlagartig in den Sinn, es lief wohl im Radio. Das ist zumindest meine Ansicht der Dinge. Er resümiert den gestrigen Abend, von dem heute nur noch der Stempel auf meiner Hand zeugt.
Wie üblich wurde der Termin nicht eingehalten, die erste Band spielte eine Stunde zu spät. Gut für mich, ich war auch nicht pünklich und wollte meine Jungs unter keinen Umständen verpassen. Ich musste ja versprechen zu kommen, sonst wäre man verunsichert gewesen. Seltsame Musiker-Jugend. Schon am Eingang begegnen mir einige Freunde, die einen, weil sie arbeiten müssen, die anderen, da sie sich mit den Arbeitenden unterhalten. Die kleine Runde war also komplett. Nicht ganz. A. und N. fehlten noch. N. hatte mich noch angerufen, weil sie den ca. 200m langen Weg vom Bahnhof zum Zielort nicht fanden. Beide waren stark angetrunken - um sie nicht der Trunkenheit zu bezichtigen. So werden sie mich nicht abfüllen. Erster Punkt für mich.
Man lag sich in den Armen, N. hatte nur den Drummer im Kopf und A. suchte ersten Kontakt. Ich sollte tanzen. Dabei bin ich Tanzmuffel, wenn es sich nicht gerade um Ska handelt. Der stille Genießer hat auch die zweite Runde durch Punkte gewonnen. Kurzum, die Punk-Band oder eher der leidige Rumpf spielte zuerst. Drei Lieder und schon standen die Freunde auf der Bühne. Sie spielten zwar auch nur eine halbe Stunde, aber was erwartet man auch für einen Euro. A. und N. waren ganz aus dem Häuschen. A. nur aus Solidarität für N. - scheinbar so stark, dass die Band dachte, sie wäre es, die für ihren Drummer schwärmt. Pikanter Spott auf N.s Schüchternheit. Das Konzert war also schnell beendet und A.s und mein Ziel war es erst einmal, N. und den Drummer ins Gespräch zu bringen. Ein hartes Stück Arbeit, aber letztendlich war man erfolgreich.
Zwischendurch versuchte N., mich mit A. zu verkuppeln. Die rein hypothetische Frage, ob ich nicht auf jemanden anderes als die Muse stehe, wurde gekontert mit dem Einwand, der halbe Freundeskreis wolle mich verkuppeln. Zur Erklärung meines Widerstandes führte ich noch an, dass ich sie nicht liebe, die Zukunft aber nicht messen könne - etwas Hoffnung wollte ich noch lassen, aber ich hatte nicht einmal gelogen. Absolut sympathisch und attraktiv fände ich sie auch - wieder die volle Wahrheit. Aber für eine Partnerschaft sei ich nicht bereit. Where is the love?
A. bekam davon nicht viel mit, im Laufe des Abends wurde alles etwas sexueller. Die betrunkenen Frauen mussten sich im Suff gegenseitig ihre Tops herunterziehen, zu ihrem Glück konnten sie es jeweils verhindern, dass tiefere Einblicke möglich gewesen wären. Giggelnde und dämliche Weiber sind abstoßend. A. und N. wollten mit mir und einem Freund ein Spiel spielen, dass an American Pie angelehnt war. Kuss für Kuss. Mehr für Mehr. Wir als Männer haben erst einmal eingewilligt. Unseren Part haben wir leidig erfüllt, mehr als ein "Bussi", wie er es nannte, war nicht drin. Man bot mir an, in das leidenschaftliche Geknutsche der Beiden einzusteigen. Dies wäre wahrscheinlich eskaliert. Ich wäre wohl auf dem nächsten Klo respektive Bett gelandet. Meine Meinung dazu ist bekannt. Ich ging.
Die zwei folgten meinem Freund und mir. Man hatte ja denselben Fahrtweg. Im Bus saß man getrennt. Da erzählte N. wohl A. von unserem kleinen Gespräch. Ich hatte geahnt, dass sie im Laufe des Abend in aller Freundinnenmanier auspacken würde. Früher oder später. Unaufhaltsam. Mein Freund und ich setzten uns wieder nach vorne zu den zweien.
Und da saß sie nun: die sonst so fröhliche und lauthals lachende A. war am Boden zerstört wie nach einem schlechten Trip. Ein Gesicht spricht Bände. Ich fühlte mich schuldig. Schließlich hatte ich nicht den Mut, ihr es direkt zu sagen. Der Umweg über die Freundin schien einfacher. Ich wusste, wenn ich es N. erzählte, wüsste bald die halbe Welt davon. Ich nahm es billigend in Kauf. Die Boten, die einst für mich schmerzende Informationen über die Muse herantrugen, nehmen nun all den Schmerz wieder mit. Nicht postwendend. A. war der Empfänger. Ich fühle mich schuldig. Ich bin es. Sie ist nun am Boden zerstört, weil ich all ihre Hoffnungen zerstört habe. Weil ich seit langer Zeit mit ihr flirte und zu viel versprochen habe. Ich fühle mich schuldig.
Ich nehme mir vor, mit ihr zu reden. Bei einem Kaffee oder zwei. Ich werde es nicht einhalten, das ist jetzt schon klar.
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Neben alledem kam die Muse doch noch für eine halbe Stunde vorbei. Allen Erwartungen nach ignorierte sie mich. Pikant war nur, dass eine ihrer Freundinnen, mit der sie kam und die ich nie zuvor gesehen habe, auf mich zukam und meinen Benutzernamen im Schulforum kannte. Eine Freundin der Person, die ich hinter dem einem Alias vermutete. So zielstrebig und bestimmt. Sie war offensichtlich angeheurt. Zur Prüfung stellte ich eine einfach Fangfrage. Der Köder war bissig, die Unbekannte konnte nicht antworten.
Irgendwann - besagter Freund, ich, die Muse und ein paar Komparsen waren unter sich - machte die Muse eine plakative, angreifende Aussage in Richtung meines Freundes. Derart plakativ, dass sie genauso gut mich hätte angreifen können. Leider habe ich den Sachverhalt nicht verstanden, sodass ich mich einer Wertung erst einmal verwähre.
Weiterer Höhepunkt des Abends war die Nachricht, dass bekannter ICQ-Freund in die Muse verliebt ist. Ein Schock gleichwohl, noch vor einer Stunde kündete er an, A. "klar zu machen". Ein Schock, der doch keiner war. Man forderte eine Schlägerei von uns. Dazu kam es nicht. Nicht wir. Es gibt mehr in unserer Freundschaft als nur diese eine Person. Nicht mehr als eine Stunde später gingen die Muse, ihre Freundinnen und natürlich der ICQ-Freund wieder. Auf dem Weg zur nächsten Party. Man ließ mich mit dem duo infernale und dem Freund alleine. Alles weitere steht oben.
Resumée: Ein eigenartiger Cocktail aus Liebe, Schmerz, Überraschung, Enttäuschung und Freundschaft. Ich hatte an diesem Abend nichts getrunken. Dachte ich.

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