Gedanken zur Weihnachtstyrannei

So, Herrschaften: Weihnachten kommt, festhalten bitte! Untrüglich zu bemerken ist es an vielerlei Sachen...es gibt bunten Glasperlenkitsch zum Spottpreis, die Menschen entdecken plötzlich ihre Spendenbereitschaft, die elenden Winterreifen müssen aufs Auto und alle Menschen sind wieder ein bisschen mehr weniger unfreundlich im Umgang mit ihren Nächsten - kurzum, wir sind gefangen in einer Spirale, die nur eine Richtung kennt, die in einem großen Finale endet und an deren Ende wieder ein paar Ehen mehr kaputt sind. UND: Es gibt Umfragen zur Gefühlslage der Nation, in der über die Befindlichkeit der Deutschen in Sachen Festtauglichkeit geurteilt wird.

So wie die der Stiftung für Zukunftsfragen. Diese Initiative, ins Leben gerufen von der British American Tobacco, hat 1000 Deutsche befragt, und die gaben freimütig Auskunft. Da ist dann zum Beispiel zu erfahren, das 78 Prozent der Befragten zunächst einmal an einen geschmückten Baum denken. Sehr wichtig! Die 17 Prozent, die Weihnachten auch mit Kitsch in Verbindung bringen, gehören wohl nicht dazu. Aber auch egal, diese Miesepeter will ja eh niemand unterm Baum. Da denken doch viel lieber 71 Prozent an die Geschenke zum Fest und 67 Prozent an geschmückte Geschäfte in den Innenstädten. Weihnachten muss ja auch wie Weihnachten aussehen. Das Elend, an der Hauswand kauernd, einfach überstrahlen mit Glitzerbonbons aus PVC...

In Westdeutschland sei übrigens die Religiösität der Menschen zum Weihnachtsfest ausgeprägter als im Osten, so die Studie. Ein berufener Mensch der Studie führt das darauf zurück, dass die Leute mal eben die christliche Bedeutung von Weihnachten wieder entdeckt haben - aha. Da geht man das ganz Jahr über nicht ins Gotteshaus und dann traut man sich einmal im jahr hin, lässt sich Bespaßen und bekommt ein kleines Krippenspiel mit Laiendarstellern präsentiert. Am Ende verlassen alle seelig und benommen vor Glück den Ort des Geschehens und schwören sich: "Nächstes Jahr wieder." Das klingt doch wie Europapark für Arme.
Vielleicht gehen aber auch wieder mehr Menschen an Weihnachten in die Kirche, weil das Gemeindehaus über die Feiertage der einzige Platz ist, an dem die Jungs und Mädels mal wieder was Warmes zu beißen bekommen.

Ach ja, richtig süß ist folgendes Detail der Studie. Von 100 Befragten assoziieren 42 "strahlende Kinderaugen" mit dem Fest.

Jaja. Diese Kinderaugen. Eine Antwortoption, die von den Machern der Studie vorgegeben wurde, wohlgemerkt! Aber welche Offenbarung der weitere Banalisierung jedweder Dinge, wie sie unentwegt fortgetrieben wird. Weitere Klischees, die man hätte bedienen MÜSSEN: Duftende Plätzchen, rieselnder Schnee, dampfender Glühwein, Wham! - Last Christmas, das Christkind und das Geräusch, das es macht, wenn ein erwachsener Mensch mit einem Stapel von Geschenken eine Treppe herunter fällt!

Oh, dabei mag ich doch Weihnachten und die Adventszeit wirklich. Es ist der einzige Zeitraum des Jahres, an dem ein erwachsener Mann bei einem Händler ein Kilogramm feinstes Lübecker Marzipan am Stück ordern kann, ohne Aufsehen zu erregen.

...wartet auf Fortsetzung... 

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