Eine Stadt wird ermordet
Sie sind alle tot. Mausetot. Und es werden immer mehr mausetot. Ganze Familien von Karlsruhern werden um die Ecke gebracht. Erwürgt, erschossen, erstochen, ertotet sozusagen. Das ganze geschieht nicht echt, es wäre ja wirklich eine schreckliche Sache...nein, es sind Krimis, die sich alle in Karlsruhe abspielen. Einen ganzen Tisch voller Bücher habe ich heute in einer Buchhandlung erblickt. Literaten, Buchrücken an Buchrücken, alle mit Karlsruher Motiven auf dem Cover und alle mit toten Karlsruhern zwischen den Seiten.
Karlsruhe-Krimis haben Hochkonjunktur. Nicht einmal, weil Karlsruhe so eine kriminalistische Stadt ist, die so aufregend ist, dass sich sogar der SWR hin und wieder dazu genötigt sieht, seine spannenden Tatorte teilweise in Karlsruhe zu drehen, sie aber dann flugs ins nahe gelegene Ludwigshafen zu verorten....
Nein, einfach weil Krimis so verdammt easy zu schreiben sind und es in dieser mittelprächtigen Beamtenstadt nichts anderes gibt, worüber man schreiben müsste. Oder sich einfach noch nie jemand die Mühe gemacht hat, nachzugraben...Naja gut, um die literarische Ehre dieser Stadt zu retten, muss gesagt sein: Es gibt auch einige Sci-Fi-Autoren in dieser Stadt, die in Sammelbänden auftauchen. Aber im Vergleich zu den Massen an KK (Karlsruhe-Krimis) wirkt das kleine Büchlein an fantastischer Literatur nur...naja...spärlich. Besser sind KK aber auch nicht....eigentlich machen sie sich vor allem in einer Sache schuldig...die Banalisierung ehemals lesenswerter Literatur, oder wie ich auch jetzt mal so sage: das Wolfgang Hohlbein-Syndrom. ;)
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