Was machen bei "Zuvielgeld"?

Man kennt das ja. Ständig dieser Blick auf den Kontostand, mit zusammengepressten Lippen, voller Angst in den Augen. Und dann diese vielen Zahlen, und alle schwarz! Wenn das nicht zum Verzweifeln ist.

Nun kann man bei solchen Problemen nur zweierlei tun. Entweder man bringt sich und seine gesamt Familie schleunigst und mit brachialer Gewalt um die Ecke, damit der Staat den ganzen Schotter erben kann/verschleudern kann, oder man überlegt sich verlustreiche oder sinnlose Investitionen, wie zum Beispiel eine Badrenovierung für 100000 Euro, ein schickes, spritschluckendes Familienflugzeug, oder einen Einstieg bei Premiere. Die Frage, welcher Weg der Richtige ist, lässt man einfach von 13 reich entlohnten, aber vollkommen unkompetenten, Anwälten entscheiden.

Spaß beiseite, ihr Ärsche mit zuviel Schotter, die ihr trotzdem wie drei Tage Regenwetter in der Gegend rumglotzt, reißt euch gefälligst am Riemen! Stellt euch lieber einmal in eurem Leben die Frage, ob ihr das Geld, das ihr verdient oder geerbt habt, wahrlich verdient habt, im wahrsten Sinne des Wortes, oder ob es euch so mir nichts dir nichts zugeflogen ist, ihr es am Besten auch noch erstunken und erlogen habt. Wenn die Antwort auf diese Frage „ja" lautet, ihr also ehrliche, rechtschaffene Bürger wart, könnt ihr immer noch mit der Frage des Verschwendens hadern, oder es zu wirklich sinnvollen Zwecken ausgeben. Was dies in euren Augen ist, will ich lieber gar nicht wissen.

Ich will hier ja gar nicht die Neiddebatte wieder anfeuern, vielleicht geht bei euch alles mit rechten Dingen zu, vielleicht habt ihr es auch verdient, doch geht mir es sowas von abgrundtief auf die Nerven, dass ihr trotz des offensichtlichen finanziellen Erfolgs noch derart mit dem Leben unzufrieden seid, und hier nehme ich mich nicht einmal aus. Natürlich, viel Geld allein macht nicht glücklich, das kriegt man seit dem Kindergarten, ach was, noch davor, beigepult, aber es schafft einen Lebensstandard, nachdem sich 90% der Erdbevölkerung die Finger lecken würden, für die sie töten würden, denn, wir wissen es vielleicht nicht mehr, aber irgendwo da draußen geht es ums nackte Überleben, wahrscheinlich sogar bei mir um die Ecke, wo, so ganz nebenbei, seit einer geschlagenen Stunde ein Hund bellt, was mich tierisch auf die Palme bringt, wovon ich aber noch lange nicht meinen Lebensstandard, denn immerhin habe ich genügend Kohle auf dem Konto, ich habe es warm, ich wohne nicht mit 10 Leuten in dieser Wohnung, sondern allein, ich scheiße in ein Klo, nicht an einen Baumstamm, verfluche. Dieser Vergleich hinkt jetzt womöglich, aber wenigstens bewegt er sich noch, einige Männer schätzen sich glücklich, wenn sich überhaupt noch was rührt. Dementsprechend zu guter Letzt die wirklichen Tipps: Geht mal wieder schön mit eurer Frau oder eurem Mann aus, oder angelt euch einen, macht viele, wundevolle Kinder, spendet an UNICEF, Greenpeace, WWF, an die Nato und an die ganzen verhungernden Kids da draußen, das gibt euch ein gutes Gefühl und mir weniger Grund auf euch oder auf uns herumzutrampeln. Ansonsten lasst es euch weiterhin gutgehen, bescheißt niemanden, dann bescheißt vielleicht euch irgendwann auch keiner mehr, die Welt ist gut, ganz tief im Herzen, das wisst ihr doch! Na los! Zeigt es mir, das wäre mein größter Wunsch.

 

Über die Schulter geguckt.

Ich werde beobachtet, scheinbar die ganze Zeit. Wenn ich auf den Bahnsteig renne, um die Bahn noch zu erwischen, schaut mir jemand über die Schulter, ich spüre das. Auch in der Bahn bleibe ich unter Beobachtung und beim Umstieg in den Bus ist klammheimlich jemand dabei, genauso während der Fahrt zum Ziel, während ich mein Buch lese oder zu der Musik aus dem MP3-Player mit dem Fuß wippe. Gruselig, doch ich kann nichts machen, das Gefühl geht nicht weg, selbst dann nicht, wenn ich mich zum Einkaufen in der Stadt wiederfinde, bei H&M oder Schlecker, ganz egal. Und dann drehe ich mich einmal um die eigene Achse, um den Verfolger ausfindig zu machen, doch ich finde ihn nicht. Mit dem Gefühl, aus der Luft beobachtet zu werden, strecke ich meinen Kopf in den Himmel, wodurch mir schwindelig wird und ich mich auf eine Bank unter einem Baum mitten in der Stadt setze. Und dann passiert es. Endlich spricht mich jemand an, ganz in blau gekleidet und mit einer Mütze auf dem Kopf, mit ernster Miene bittet er mich, mit ihm zu gehen. Ich weigere mich, weiß ich doch nicht, weshalb ich dies tun sollte, doch die Person weiß das besser als ich und sie hat die Macht dazu, mich zu zwingen. Widerstrebend werde ich abgeführt und in das von ihm angesprochene Gebäude gebracht, wo ich in eine Zelle eingesperrt werde, immer noch das Gefühl der ständigen Beobachtung in mir, und jetzt endlich begreife ich, was geschehen ist.

Gibt es dir ein Gefühl der Sicherheit, wenn du aus dem Haus gehst und dir eine Kamera ins Gesicht blinzelt? Muss es ja, warum denn sonst lässt du genau dies zu? Wieso veröffentlichst du deine Adresse im Internet, auf dem Marktplatz bei einer „Postbank-Auto-Lotterie", bei einer Umfrage am Telefon? Warum lässt du es zu, bei einer Fahrt mit der S-Bahn gefilmt zu werden genauso wie beim Betreten des Elektrogeschäfts? Doch bestimmt nicht, weil du gerne in der Öffentlichkeit stehst. Wie weit möchtest du gehen, was deine persönliche Big-Brother-Mentalität angeht, was hältst du aus? Und bringt das wirklich mehr Sicherheit in dein Leben, oder vielleicht doch mehr Angst, als dir lieb ist, immer darauf bedacht, ja nichts Falsches zu tun, um nicht eingebuchtet zu werden. Der Überwachungsstaat ist nur die Vorform des Polizeistaats und es ist meiner Meinung nach höchste Aufmerksamkeit geboten, damit dieser fließende Übergang nicht vollzogen wird, was er, wenn er nicht selbst unter Beobachtung steht, nur zu gerne tut, immer mit dem Vorwand, dich doch nur schützen zu wollen. Aber wer schützt dich vor dem Beschützer?

 
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Blankeneser Gebaren

Man sah es schon beim Einstieg in die Bahn, welche Mitreisenden zu mir gehörten und welche nicht. Irgendwie strahlten sie allesamt eine übereinstimmende Stimmung aus, obschon sie doch so wunderbar oder schrecklich unterschiedlich aussahen, ein Spiegelbild unserer Gesellschaftsjugend. Heute war der erste FSJ-Seminartag.

Am Trägerhaus, dem Elsa-Brändström-Haus, und an dieser Stelle für jene, die vielleicht nicht wissen, wo genau ich aktuell arbeite, eine kleine Hilfestellung: Ich bin vom DRK angestellt, die dort ihren Sitz haben, um bei meiner Einsatzstelle, dem Louis-Braille Haus oder auch Blinden-und Sehbindertenverein Hamburg, ebenjene Menschengruppe zu betreuen, naja, an diesem Haus halt angekommen, richtete sich mein Augenmerk mehr und mehr diese eigenartigen Mischung aus Menschen, sehr interessant. Einige noch ziemlich jung im Vergleich zu mir, manche aber auch älter wirkend, alle aber in gewisser Weise sozial eingestellt, positiv, freundlich, am Anfang allerdings noch recht schüchtern. Ich setzte mich erst einmal auf einen Platz im Saal, auf eine der hinteren Bänke, und musterte die Umgebung. Ich schaute mir an, welchen Gesichtern ich welche Charakteristik zuordnen würde, nebenbei lief Mr. Bean per Projektor vor mir. Nach etwa einer Stunde stellten sich die Leiter des Seminars der Reihe nach vor und erläuterten die Wochenplanung. Nicht weiter interessant. Kurz darauf gabs Mittagessen, ich saß neben meinem Kollegen und zwei anderen Typen, die er wohl zu kennen schien, keine Ahnung. Ziemlich komische Leute, der eine erzählte eine geschlagene halbe Stunde von seinen Essensvorlieben, kurz zwischenzeitlich unterbrochen von einem Gespräch über die verschiedenen Jobs, die jeder von uns hatte. Währenddessen überlegte ich, weshalb ich wohl so intensiv meine Mitmenschen beobachtet hatte und noch beobachtete. Zwei Gründe taten sich mir auf: Erstens war es der erste Tag, den ich ganz und gar alleine auf mich gestellt mit unzähligen neuen Leuten verbrachte, dementsprechend zu analysieren hatte, an welche Personen man sich gewissermaßen ranhängt, in den Pausen, während der Vorträge, damit man nicht komplett als Aussenseiter abgestempelt wird. Zweiter Grund ist, dass ich, unbewusst oder bewusst, wohl eine Art Aktivität in der Kontaktaufnahme in mir hatte, also neue Kontakte suchte, was ja nicht zu verübeln ist, da ich bei meinem Stammberuf mit niemandem außer alten blinden Leute in Verbindung komme, die man ungern als Freunde, Kumpel, was auch immer.

Naja, nach dem Mittagessen und nach der Gesundheitsbelehrung war es dann soweit, ich kam ins Gespräch, das Eis ist denke ich gebrochen und selbst der wohl schüchternste der 100 FSJler kann es, obwohl kläglich, denn ich bin einfach kein Smalltalker, das langweilt mich einfach abgrundtief, aber ich habe es mir selbst bewiesen und aus der Not eine Tugend gemacht. Mal sehen, wie weit die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Analyse sowie das Mutmaßen über die Charakteristik meinen Tag morgen beeinflussen.

 

Nachtgedanken

So, Nacht. Das heißt, es ist ein paar Stunden später als gerade eben. Viele Menschen schlafen jetzt, viele andere schlafen nicht, so wie ich. Ich möchte ein bisschen darüber nachdenken, welchen Tätigkeiten sie jetzt wohl gerade nachgehen. Ich kann mir zum Beispiel gut vorstellen, dass viele von ihnen gerade mit anderen Menschen schlafen, also per Definition Sex haben. Andere wiederum fahren gerade in der U-Bahn zur Arbeit oder kommen von dieser, oder arbeiten ganz schlicht und ergreifend. Haben sie dabei ein Lächeln im Gesicht oder ist ihr Ausdruck eher gelangweilt?

Nicht zuletzt sterben in dieser Nacht wieder sehr viele Leute. Noch kein Grund in irgendeiner Form besorgt zu sein, das ist schließlich normal, zumindest manchmal. Haben sie ein schönes Leben hinter sich? Haben die vielen Schlafenden noch ein weiterbringendes Leben vor sich? Man will es hoffen, aber letztendlich ist das Ansichtssache. Ihre Sache. Ich kann nur für Voraussetzungen sorgen, wenn überhaupt.

In wievielen Haushalten in Deutschland jetzt noch das Licht brennt? Und die viel wichtigere Frage: Wieviele Lampen von ihnen sind Energiesparlampen? Aber verstricken wir uns nicht wieder in Anklagen, sondern bleiben wir auf der Sonnenseite, die sich momentan wohl vom brasilianischen Regenwald über den Atlantik bis nach Australien und China erstreckt (Zeit:00:19). Auf Hawaii dürfte es in diesen Augenblicken ziemlich heiß sein, es sei denn, es regnet, dann ist es eher naß, schlecht für die Badegäste, gut für die Natur, denn Regen wird immer rarer, wie allerorten zu hören ist.

Ich kann mir nicht helfen, ich kann Heute keinen romantischen Blick mehr aufnehmen. Dies wird heutzutage allerdings generell schwieriger, denn wie soll man noch romantisch sein in Zeiten von 24-Stunden Einkaufsmöglichkeiten und 430 km/h schnellen Magnetschwebebahnen? Findet ihr das schön, bei halsbrecherischer Geschwindigkeit bei Amazon Bücher einzukaufen? Ist doch höchstens praktisch, wo bleibt die Sorgfalt, das Faible für den richtigen, den echten Einkauf? Ich wünsche mir ein wenig Entschleunigung, sodass ebendieser Einkauf wieder zum Erlebnis wird, nicht zum Leid. Dass hierfür entweder ein längerer Tag oder ein anderes Leben nötig wird, ist mir durchaus bewusst. Man wird jawohl mal träumen dürfen.

 

Outside the Classroom

Vor mir liegen die weiten Weiten der Prärie, die unendliche Aussicht, der niemals nahe Regenbogen, der Horizont.

Hinter mir liegt das Nichts, ich bin ein Aussätziger, aber ich habe es geschafft, das Nichts zu überwinden, wodurch ich zu Etwas wurde. Darauf bin ich stolz.

Nur noch ein paar Schritte und die Freiheit erreicht ihren Höhepunkt. Ich weiß, dass ich sie nicht für immer besitze, ich weiß, dass sie schneller vorbei ist, als mir lieb ist, ich weiß es, doch es ist mir egal. Das muss es auch sein, denn sonst wäre es nicht vollkommen.

Ich trinke mein Bier, es prickelt, ich habe morgen keine Schule, nichts, was mich aufhält, keine Verpflichtungen, die meinen Kater verhindern, ganz im Gegenteil, nun beginnt die Zeit, in der der Rausch Realität sein muss, um zu wissen, was ihn ausmacht.

Mit einer unglaublichen Hochstimmung bin ich am Montag aus der Schule gegangen. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Die Prüfung war sehr in Ordnung, mein Gefühl war gut, nun sollte es ans Feiern gehen. Als erstes den Sekt, dann das Bier, zwischendurch nochmal die Noten abholen, Erleichterung, weitertrinken, nochmehr Alkohol kaufen, Freude spüren, lachen. Keine Sekunde, kein Moment war verkehrt, und dies stundenlang, bis in die Nacht hinein. Nichts zu sehen von herannahendem Fall nach Ende der Schulzeit, von Ahnungslosigkeit, was zu tun ist mit der neu gewonnenen Freizeit. Bis jetzt natürlich, aber auch die folgenden Tage lassen solche Gedanken nicht zu. Und warum auch? Viel zu kurz ist die Zeit, deswegen lieber genießen, anstatt zu verpassen.

Nun muss es nur noch wieder richtig Sommer werden, das Eis muss den Sangria kühlen, jemand muss das EM-Revolverheld-Lied vernichten, natürlich muss der Weltfriede her und die Socken müssen gewaschen werden. Dann ist wirklich alles gut. Aber auch sonst ist's okay.

 

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