Aufkommende Nervosität
Oh Man, schreckliche Nacht.
Wenn du alle 5 Minuten aus dem Schlaf hochschreckst, den gerade erlebten Traum noch im Gedächtnis, dann ist das nicht gerade wunderschön. Wenn du allerdings alle 5 Minuten aus dem Schlaf hochschreckst, den immer gleichbleibenden Traum noch im Gedächtnis, dann ist das kaum zum Aushalten. Ein wahres Wunder, dass es insgesamt 8 Stunden Schlaf wurden. 8 Stunden voller Angstträume, in denen ich Matheformeln paukte, zur Prüfung ging, wieder lernte, erkannte, dass ich nicht genug könne, mit einer mir fremden Mathelehrerin sprach, in denen einfach alles um das eine Thema kreiste, die kommende mündliche Prüfung. Ausgeruht ist was anderes.
Ich hätte nie gedacht, dass ein solcher Event mir derart aufs Zahnfleisch fühlt, dass ich förmlich auf ihm zu gehen habe, dem Zahnfleisch. Dabei ist mir tagsüber kein Stress anzumerken, weder nach Außen, noch innerlich, eigentlich bin ich ganz entspannt. Wahrscheinlich will sich mein Körper seine Nervosität nicht anmerken lassen, und um trotzdem ein Ventil zu haben, verpackt er sie in Traumgestalt, was wiederum zur Folge hat, dass die Nervosität sich auf den ganzen Tag verbreitet.
Am Ende stehe ich, der ich mit Anspannung auf den nächstgelegenen Montag blicke, der sich immer und immer wieder das Erlernte ins Gedächtnis holt, der die nächsten 2 Tage verflucht, denn sie sind geprägt von dieser Anspannung, der bei jeder sich ergebenen Frage bezüglich des Stoffs in blanke Verzweiflung gerät.
Ganz ruhig Marten, entspann dich. Es sind nur 4 Punkte bis zum Ziel, 8 Punkte bis zum Sieg, 12 Punkte bis zum Titel. Und wenn alles versagt, gewinnen wenigstens die Deutschen gegen Österreich, du wirst es erleben, soviel Übel hat der liebe Gott nichteinmal für dich vorgesehen.
Was is? Nichts. Na los sag! Is nichts.
War heute irgendwie scheiße drauf.
Konnte meinen Stil nicht mehr wiederfinden, musste ihn irgendwo zwischen Koldenbüttel und Friedrichsfelde verlegt haben. Man war das Scheiße, stundenlanges Rumgesuche, aber keine Spur von ihm!
Manchmal denke ich schon, ich hätte gar keinen Stil. Natürlich rede ich von Schreibstil, nicht von solch billigen Attitüden wie Modebewusstsein oder Ausstrahlung, ich spreche von einem wirklich wichtigen Wert. Ohne ihn bin ich nichts, kann nicht weiterschreiben würde mitten im Satz.
Da ist er ja! Ein Glück, hatte sich wohl nur versteckt und war mir die ganze Zeit gefolgt, so ein Gauner. Wäre ja auch nicht auszudenken gewesen, noch ein Grund weniger auf der Welt zu sein, Existenz zu heucheln, Leben zu vergeuden.
Zurück zum Thema, mir konnte noch nicht einmal der Jägermeister helfen, und dabei wusste ich gar nicht recht, was los war, kam aus heiterem Himmel, ich konnte gar nichts machen. Manche Leute sagen, das gibt sich mit der Zeit und in den meisten Fällen tut es das sicherlich auch, wie sie sehen auch in meinem, schließlich strahle ich ja wieder, zumindest im übertragenem Sinne, aber ich war mir ziemlich sicher, dass ich nie wieder aus dem Tief herauskommen würde.
Neben mir läuft der Fernseher, nun ja, was soll ich sagen, so ganz der Alte bin ich doch noch nicht. Er ist auf stumm geschaltet, ich weiß nicht, was gerade läuft, ich schaue nicht hin, schweife ab, widme mich wichtigeren Dingen, leider hab ich keine Ahnung, was das für Dinge sind. Stehe neben mir, ist ein gewohntes Bild, diese Leere, zuviel wurde gesagt und zugleich zuwenig, das macht mich kaputt. Na, wovon rede ich?
Ich hoffe, die nächsten Tage bringen mehr Licht ins Dunkel, obwohl ich das wie immer bezweifle und die Hoffnung zu wagen scheue, denn bis dato wurde ich stets enttäuscht. Nichts desto trotz, und das sage ich jetzt nicht, nur weil ich es schon immer mal sagen wollte, bin ich froh, schon so viel erreicht und noch so viel vor mir zu haben. Nicht wertend, sachlich, kompetent.
Eins noch:
Mein Leben ist so leer,
ich wünscht ich wär ein Bär,
mein Leben ist so fad und grau,
ich wünscht ich wär ne Sau.
Genug der schlechten Wünsche,
hilft ja doch nichts.
Tägliche Gebrechen
Ungenügender Schlaf, viel zu oft hochgeschreckt, nervende Träume. Aufgestanden, keinen fitten Eindruck gemacht, aber aufgestanden, die Nase war zu dem Zeitpunkt schon dicht, da können sich chinesische Staudämme eine Scheibe von Abschneiden. Vom Hungergefühl gelenkt, auf in die Küche, nach Essen suchen, Mutter gefunden, die gesprächsbereit ist, was man von mir nich sagen kann. Also Gespräch, danach Nudeln, zum Frühstück, nagut, was solls, ist ja auch schon halb eins. Moment? Etwas vergessen? Ja. Meine Buchauswahl lief nicht ganz nach meinen Erwartungen, kam doch glatt das falsche Buch heraus, aber davon will man sich den Tag ja nicht vermiesen lassen, oder?
Zwischendurch: Aufatmen, denn ich lebe noch.
Nach dem Essen, ein wenig Entspannung, aber nicht zuviel, denn Mathe wartet. Die Formeln sind einmal mehr Fremdkörper, Frust kommt hoch, sinkt wieder hinab in die Magengegend, bis ich ihn auskotze, aufhöre. Die ganze Zeit über laufende Nase, tränenreiche Augen, voller Pollen. Apropos Augen, fühlen sich nicht gut an, sind am Schmerzen, wenn ich aufstehe, aufs Klo gehe, sie zu schnell in ihrer Höhle bewege, wenn ich auf Bildschirme starre. Verklärt mir die Sicht.
Draußen: Trübe, windig. Nichts mehr da von Summerfeeling, keine schreienden Kinder im Schwimmbad, kein Schweiß auf der Stirn. Aber ganz ehrlich, vermisst du das? Staubtrocken ist doch schon alles und der Klimawandel ist Schuld, immer wieder Klimawandel, ist an allem Schuld. Auch an Langeweile.
Kopf tut ein wenig weh, Fußball ist zuende, natürlich haben die Falschen gewonnen. Herzschmerz. Ungewollte Müdigkeit, ohne bekannte Herkunft, illegaler Einwanderer, Ausländer raus, Inländer: Ab in den Süden! ...Schwierige Fragen vertag ich gern auf morgen und hoffe zugleich, dass morgen einem besseren Start ein besseres Ende folgt, wohlwissend, dass dies ganz und gar unmöglich ist. Der ganz normale Wahnsinn hat als prägnantestes Merkmal die Normalität und mit der hat ein jeder gefälligst klarzukommen. Und überhaupt: Ist doch alles halb so wild!
Nach 13 Jahren, 1. Teil
Noch eine Woche und es hat ein Ende, eine Wende im Leben, drastisch, obwohl es gar nicht so scheint. Nächste Woche bin ich wohl endgültig von der Schule befreit.
Die letzten Halbjahresnoten stehen fest, nächste Woche gibt es die Ergebnisse der schriftlichen Prüfungen, in 2 ½ Wochen ist auch die mündliche Prüfung gelaufen. 13 Jahre voller Klassenarbeiten, voller mündlicher Noten, voll von Zahlen, Fakten, Diskussionen, Regeln, Hausaufgaben, Referaten, Meldungen, Ausflügen, Ferien, voll von Mathematik, Deutsch, Biologie, Erdkunde, Geschichte, HSU, Religion, Englisch, Dänisch, Französisch, Physik, Chemie, Projektkurs, Methodik, Sport, Kunst, Musik, Philosophie, Wirtschaft/Politik, 13 Jahre Lebensinhalt gehen zu Ende.
Das ist noch nicht einmal das Drama, das ist letztendlich normal, doch irgendwie sollte es zumindest für einen persönlich von äußerster Wichtigkeit sein. Merkwürdig langweilig gehen indes die letzten Tage ins Land, hin und wieder wird man sich seiner Situation bewusst, dann freut man sich, doch viel mehr auch nicht. Dabei ist jetzt der bedeutendste Einschnitt des bisherigen Lebens für so gut wie Jeden meines Jahrgangs gekommen.Wahrscheinlich wird man erst nach den letzten Prüfungen richtig aufatmen, richtig loslassen können. Noch ist man zu sehr behaftet in der Schule, braucht die zerteilende Brisanz der Abifeiern, damit Distanz aufkeimt, um sich klar zu werden, was war und was ab jetzt sein wird.
Ich wollte eigentlich ein Fazit schreiben, doch es kommen mir nicht viele Worte in den Sinn, die den großen Rahmen eines Fazits der letzten 13 Jahre einigermaßen füllen könnten. Gestern dachte ich mir, es wäre das Wort „Frust", doch dies beschreibt nur eine Seite der Medaille, denn was wäre ich ohne die gemachten Erfahrungen in der Schule? Ohne die Erlebnisse, sei es die erste Klassenfahrt, sei es die beste Arbeit der Klasse, sei es eine Pause voller Zusammentreffen mit Freunden. Auch wenn sie nicht die beste Instanz der Welt ist, viele instrumentative Fehler hat, sie ist doch Herberge der Jugend und nichts dergleichen ist auf der Welt zu finden.
Ob ich bereit bin? Ich denke schon. Ich glaube, dass mir die Schule soviel beigebracht hat, wie sie konnte, den Rest werde ich wohl oder übel alleine schaffen müssen. Denn das wird nun, bei nahendem Ende, doch deutlich. Dass die Schule ein wohlbehüteter Ort war.
Jetzt gilt es, in der wirklichen Welt klarzukommen, und die ist hässlich, soviel konnte ich sogar schon während der Schulzeit lernen. Aber was solls, vielleicht wird sie durch mich ein wenig schöner. Das zu erreichen ist mein Ziel, mag es vermessen sein oder nicht.
Surfen im Internet birgt viele Risiken.
Ich habe gerade etwas sehr eigenartiges herausgefunden. Es geht um mich selbst, oder zumindest jemanden, der meinen Namen trägt. Die Rede ist von Marten Lorenzen.
Auf den ersten Eindruck scheint mein Vorhaben ziemlich selbstgefällig bis neugierig gewesen zu sein, aber ich denke, letztendlich hat jeder Internetbenutzer es schon einmal gemacht. Ich habe den oben genannten Namen bei Google zur Suche eingegeben und geguckt, was herauskommt. Ich habe das schon einmal gemacht, damals habe ich nichts weiter wichtiges herausgefunden, außer, dass es noch einen Gleichnamigen irgendwo in Nordfriesland gibt. Ich habe auch ein paar Verweise auf meine Aktivitäten im Internet gefunden, nichts weiter interessantes.
Heute aber scrollte ich ein wenig weiter, auf die letzte Seite um genau zu sein, und erlas einen sehr merkwürdigen Link, ja sogar diffamierend, bei oberflächlicher Betrachtung: "Notable is also the nationalist Marten Lorenzen, writer of short stories and poems, and translator of the Gospel According to John."
Leider stand auf der dazugehörigen Seite nicht viel mehr, doch es schien, als ob nicht ich gemeint wäre. Ein Glück. Aber vielleicht gab es mich ja schon einmal, vor 70 Jahren? Immerhin bin ich im Deutsch LK, und hobbymäßig schreiben tue ich auch! Allerdings bin ich (noch) kein Nationalist, Gott, oder wer auch immer, bewahre!
Die Textstelle entstammt übrigens dem Buch: Encyclopedia of Literature. Book by Joseph T. Shipley; Philosophical Library, 1946. 1188 pgs. Auf der Seite http://www.questia.com/PM.qst?a=o&docId=76778295 ist dies nachzulesen. Verrückter Zufall: Der Genannte stammte offensichtlich ebenso wie ich aus Nordfriesland, zumindest lässt die Textstelle darauf schließen.
Ich habe auf Grund des Fundes versucht, andere Quellen im Internet über diesen ominösen "Marten Lorenzen" zu finden, doch ich scheiterte bisher. Ist das alles nur ein großer Schwindel, oder bin ich da meiner eigenen Identität auf der Spur? Wer war dieser Mensch, lebt er noch, lebt er in mir, warum steht er in diesem einen Buch, ist aber sonst nirgends zu finden? Bei weiteren Erkenntnissen werde ich darüber berichten.