Bella Ciao
Sie kündigten ihn schon vor Stunden an, die singenden Genossen, und nun ist er da, so schön wie selten, was will er mir damit sagen? Dass sich das Aufbleiben lohnte? Dass der Ort wohlgewählt? Wohl kaum, denn er sagt mir nichts, das ist sein Schicksal. Er verrichtet seine Dinge, lässt sie aufgehen und wieder versinken, nur aus meinem Blickwinkel, nicht aus dem des Allmächtigen, da scheint sie immer, und immer fort. Bis sie irgendwann zerberstet, denn sie ist nicht geschaffen von Gott, das sind wir alle nicht.
Sie hat noch nie Vertrauen in mich gehabt, so sagte sie. Hat sie es wahrlich ernst gemeint? Wohl kaum. In der Hitze des Gefechts werden Dinge gesagt und Taten vollrichtet, an denen sich später niemand mehr gern erinnert oder gar aufrichtet, trotzdem werden sie gesagt oder getan, und das ist die Bredouille, in der wir uns alle befinden. Wir beide.
Im Krieg befinden wir uns. Niemand will das wahrhaben. Kurzfristig werden Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet, die nur kurz darauf widerrufen werden. Oder es werden gar keine Abkommen mehr unterzeichnet, denn der Feind untermauert all solche diplomatischen Gepflogenheiten mit Bomben, Granaten und Hinterhälten ja eh. Dann tun wir es ihm gleich, bezeichnen dies als Notwehr, und denken dies auch. Allein, es ist keine. Ein Blick zurück, und jeder selbstkritische Mensch beginnt zu begreifen, dass er selbst den Fehler begangen, dass er selbst den Hass ausgesäht. Jeder nicht selbstkritische Mensch beginnt nichts zu begreifen, nur, er greift wieder zu den Waffen, als sei es sein gutes Recht. Von wegen.
Irgendwann löst sich das Rot am Himmel, und das Gold schaut hervor. Es ist ein Zeichen des Sieges, ein Zeichen des Triumphs, dass wir, die wir nicht am Himmel kleben, sondern am Boden, irgendwann nicht nur das Blut vom Boden aufzuwischen haben, sondern auch das Gold der Reichen zu putzen. Und wir fühlen uns noch nicht einmal betrogen dabei, nicht erniedrigt, sondern sind glücklich, denn auf der Suche nach einer passenden Aufgabe fanden wir etwas erfüllendes, weil goldenes, doch leider ist es kein echtes Gold, nur billiges Messing, aber das wissen wir nicht. Zu dumm, zu unerfahren, zu kahl auf dem Kopf und im Gesicht.
Blühe noch einmal, du Blume, denn du bist die Einzige, die nicht lügt. Singe noch einmal, du Vöglein, denn dann ist es klar, es ist Morgen.
Bella Ciao, Bella Ciao, Bella Ciao Ciao Ciao.
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