Blankeneser Gebaren

Man sah es schon beim Einstieg in die Bahn, welche Mitreisenden zu mir gehörten und welche nicht. Irgendwie strahlten sie allesamt eine übereinstimmende Stimmung aus, obschon sie doch so wunderbar oder schrecklich unterschiedlich aussahen, ein Spiegelbild unserer Gesellschaftsjugend. Heute war der erste FSJ-Seminartag.

Am Trägerhaus, dem Elsa-Brändström-Haus, und an dieser Stelle für jene, die vielleicht nicht wissen, wo genau ich aktuell arbeite, eine kleine Hilfestellung: Ich bin vom DRK angestellt, die dort ihren Sitz haben, um bei meiner Einsatzstelle, dem Louis-Braille Haus oder auch Blinden-und Sehbindertenverein Hamburg, ebenjene Menschengruppe zu betreuen, naja, an diesem Haus halt angekommen, richtete sich mein Augenmerk mehr und mehr diese eigenartigen Mischung aus Menschen, sehr interessant. Einige noch ziemlich jung im Vergleich zu mir, manche aber auch älter wirkend, alle aber in gewisser Weise sozial eingestellt, positiv, freundlich, am Anfang allerdings noch recht schüchtern. Ich setzte mich erst einmal auf einen Platz im Saal, auf eine der hinteren Bänke, und musterte die Umgebung. Ich schaute mir an, welchen Gesichtern ich welche Charakteristik zuordnen würde, nebenbei lief Mr. Bean per Projektor vor mir. Nach etwa einer Stunde stellten sich die Leiter des Seminars der Reihe nach vor und erläuterten die Wochenplanung. Nicht weiter interessant. Kurz darauf gabs Mittagessen, ich saß neben meinem Kollegen und zwei anderen Typen, die er wohl zu kennen schien, keine Ahnung. Ziemlich komische Leute, der eine erzählte eine geschlagene halbe Stunde von seinen Essensvorlieben, kurz zwischenzeitlich unterbrochen von einem Gespräch über die verschiedenen Jobs, die jeder von uns hatte. Währenddessen überlegte ich, weshalb ich wohl so intensiv meine Mitmenschen beobachtet hatte und noch beobachtete. Zwei Gründe taten sich mir auf: Erstens war es der erste Tag, den ich ganz und gar alleine auf mich gestellt mit unzähligen neuen Leuten verbrachte, dementsprechend zu analysieren hatte, an welche Personen man sich gewissermaßen ranhängt, in den Pausen, während der Vorträge, damit man nicht komplett als Aussenseiter abgestempelt wird. Zweiter Grund ist, dass ich, unbewusst oder bewusst, wohl eine Art Aktivität in der Kontaktaufnahme in mir hatte, also neue Kontakte suchte, was ja nicht zu verübeln ist, da ich bei meinem Stammberuf mit niemandem außer alten blinden Leute in Verbindung komme, die man ungern als Freunde, Kumpel, was auch immer.

Naja, nach dem Mittagessen und nach der Gesundheitsbelehrung war es dann soweit, ich kam ins Gespräch, das Eis ist denke ich gebrochen und selbst der wohl schüchternste der 100 FSJler kann es, obwohl kläglich, denn ich bin einfach kein Smalltalker, das langweilt mich einfach abgrundtief, aber ich habe es mir selbst bewiesen und aus der Not eine Tugend gemacht. Mal sehen, wie weit die zwischenmenschlichen Beziehungen und die Analyse sowie das Mutmaßen über die Charakteristik meinen Tag morgen beeinflussen.

malän
am  2. September 2008  um  14:36

und wie wars heute ?

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