mais oui!
Heute meine mündliche DELF Prüfung überstanden. 20 Minuten mit einem Franzosen diskutiert. Was für ein lustiges Völkchen, ich bin doch immer wieder hin und weg. Ich habe seine Sympathie gewonnen, weil ich seine Sprache sprach. (und das im zweideutigen Sinne). Ich kannte seine Lieblingsgruppe und die ersten fünf Minuten haben wir leicht unprofessionel über französische Musik philosophiert. eigentlich gar nicht mein vorgegebenes Thema. Aber diese Abwechslung ging ich nur allzu gern nach.
Jeder Franzosen, den ich bis jetzt kennen gelernt habe, ist so unglaublich stolz auf seine France! Man könnte fast ein schlechtes Gewissen haben, deutsch zu sein. Les grèves sind so wie so die Lösung auf jedes Problem - wenn es irgendwo stockt oder nicht weiter geht, dann muss halt ein Streik her. Wir Deutschen würden vor Verzweiflung in Ohnmacht fallen, wenn Franzosen ihren Kaffee trinken und sich fröhlich C'est la vie zurufen.
Da hatte ich einen netten Text (vollgestopft mit unbekannten Fachwörtern) über das téléchargement sur internet gezogen - illegaler Download in Internet. Und bei meinem letzten finalen Punkt (Vergleich der Situation in Frankreich und in Deutschland) habe ich natürlich als Beispiel die Werbung gegen Raubkopierer herangezogen. Man erinnert sich, eine Mutter steht mit ihrem beiden kleinen Kindern vor der Gefängnismauer und schreit ein Geburtstagslied herauf. "mama, wie häufig müssen wir noch singen" "noch drei mal mein schatz, noch drei mal" däm däm däm däääm: Raubkopierer sind Verbrecher.
Und wo ich doch gerade das radikale und dabei gut abschreckende (vielleicht leicht übertrieben dargestellte) Vorgehen Deutschland ins rechte Licht rücken wollte, da fällt mir mein Prüfer ins Wort: "Baaaahhh oui!! je connais cette publicité! J'étais choqué!!" was so viel heißt wie man sollte diese Werbung auf den Index der menschenverachtenden Filme setzen und jede Erinnerung an ihn aus den Gedächtnis der Menschen löschen. In Frankreich wäre es une catastrophe gewesen, so etwas zu zeigen! fing er an auszuführen.
Dieser Ausruf ließ meine schon auf französisch getrimmten Gehirnzellen schnell umdenken und ich befürwortete nur brav seine Einstellung. Ich sag nur soviel, er war zufrieden. und schließlich haben wir uns gut verstanden.
liebe mich weniger
aber liebe mich länger.
bis bald.
ich möchte gerne mal Deutschland vermissen. bis jetzt ging es nämlich bei mir noch nie so weit.
mal sehen. erstmal eine Woche weg mit 3 LKs, wie sie gegensätzlicher nicht sein können. zwar noch in Deutschland, aber auch kulturell dürften genügend Unterschiede vorhanden sein, da unten im Freistaat.
Also werde ich dem Blog hier ein paar Schlafpillen geben. Mal sehen, wie lange sie wirken. Vielleicht breitet sich die eine Woche auf drei aus. We'll see. im moment spüre ich kein dringendes Bedürfnis, zu schreiben.
Meine letzten richtigen Ferien (in denen ich genügend Zeit habe und mich keine stressigen Feiertage und Lernphasen plagen) stehen an. Vollgepackt mit schönen Reisen und Menschen, die ich endlich wieder in die Arme schließen kann! Ich erfülle mir kleine Träume und freue mich unheimlich!
Ich kann mich so glücklich schätzen, so unheimlich glücklich ... ein Lebensstandart, ein Land mit dem Länderbündnis der EU und die Chancen einer Generation, die es mir ermöglicht. eine liebe Einladung, nur eine kurze Entscheidung, nur ein kurzes Klicken im Internet und die Flüge sind gebucht. Rucksack packen, Fotoaparat und Notizbuch. los gehts. Den weiten Rock nicht vergessen. Salsa-und Swing tanzen. Konzerte besuchen. bei einem Festival mithelfen. Filmtheater. Spraßenfestival! neue Bekanntschaften machen. meine ersten tschechischen Wörter erproben. meine erste Tuchfühlung mit einem WG-studentenleben. Und auch das eigenartige Gefühl, anderes Geld als den Euro in der Hand zu halten.Lachen, lachen, lachen.
Kleine und größere Herausforderungen stehen an, keine Urlaube zum Ausruhen ... und ich liebe es, mich lebendig zu fühlen!
Das einzige, was mir fehlt, ist Paris. Und jemand, der Deutschland vermisst. Und Deutschland vermisst ihn.
Nach.gedacht
„ … Er fuhr fort wie jemand, der ein neues Land sucht, müde des alten, zweifellos begierig, seinen eigenen Glücksschrei zu hören, aber was er wirklich suchte, war sein neues Land, nicht ein unbekanntes, sondern ein bekanntes, nicht eines, das andere, sonders eines, das er selber gebaut hatte, und zwar in seinem Kopf. Er fand dieses Land nicht. Es liegt anscheinend nicht auf diesem Planeten.
Er fuhr allzu unvorbereitet. Aber er fuhr nicht unberührt. Er brachte nicht nur den Staub mit an seinen Schuhen. Er ist nun enttäuscht, nicht nur darüber, dass dies nicht sein Land ist. Er nimmt es dem Land übel. Man muss das verstehen: Er war nicht in der Lage, nach seiner Reise zu sagen: Dieses Land ist so und so, seine Menschen tun das und das, ich verstehe es nicht ganz. Er erwartete ein Urteil von sich, er stand selber in der Schar derer, die auf ihn blickten. Er hatte wohl von Anfang an nicht vor, mitzuteilen, wie dieses Land ist, sondern wie er ist …“
[Bert Brecht]
Die Kulturell Kreativen
Eine Gesellschaftsschicht, von der ich zu hören bekam, die mein Interesse weckte, und über die ich mich seither genauer informiere.
Ich versuche mich nicht irgendwo einzuordnen. Mit einigem kann ich mich durchaus identifizieren (ja, mit manchen Aspekten sogar 100 %), mit anderem jedoch weniger.
Wir sind alle einzigartig. we are all unique. solange wir unseren eigenen Kopf benutzen und nach unseren eigenen Überzeugungen handeln und uns nicht einer Institution unterwerfen. um welche Institution es sich auch immer handelt ... kritisch analysierend, man muss sich umschauen, sachen in frage stellen, mit denen man aufgewachsen ist.
Die Ergebnisse einer repräsentativen amerikanischen Studie legen nahe, dass derzeit eine neue Bevölkerungsschicht entsteht, die jenseits von Traditionalismus und Modernismus nach neuen Wegen sucht. Der Soziologe Paul H. Ray nennt sie die "Kulturell Kreativen". Seinen Untersuchungen zufolge machen sie erstaunliche 24 Prozent der amerikanischen Gesellschaft aus. In Europa dürfte die Zahl der Kulturell Kreativen sogar deutlich höher liegen.
Ihre Haltung ist gekennzeichnet durch Interesse an (auch spiritueller) Selbstverwirklichung, Wertschätzung von Beziehungen und ökologischer Lebensweise, engagierter Anteilnahme an der Welt. Weitere Merkmale sind Offenheit für fremde Kulturen und neue Ideen sowie für die Transformation der Geschlechterrollen. Aufschlussreich ist auch, was die Kulturell Kreativen ablehnen: Die Intoleranz der religiösen Rechten, den gedankenlosen Hedonismus der kommerziellen Medien und die skrupellose Umweltzerstörung im Namen des Big Business.
Und weil ich die Internetseite durchaus lesenswert finde, habe ich gleich hier eine neue Linkliste angelegt (welche übrigens ständig erweitert werden soll).