Die Abiturklausuren sind vorbei. Sie waren eine Art Unterschrift unter einem nun dem Ende geweihten Lebensabschnitt. Aber mir scheint es, als wäre ich wie in Trance gewesen, als ich den Stift auf das Papier aufgesetzt habe und langsam meine Linien gezogen habe. 

Wo bleibt die einschlagende Einsicht? Das unglaubliche Gefühl der Befreiung? Der Stolz, etwas geleistet zu haben? Kommt dieser, wenn man das Zeugnis in den Händen hält?

Mathe war ein federleichtes Geschenk. Chemie war einfach nur unfair und mehrere Schläge in den Magen. Französisch war maladroite.

 

Morgen fängt das Arbeitsleben an. Vollzeit-Bürojob, eine Art von Job, die ich nach diesem Sommer nie wieder in meinem Leben machen will. Aber ich bin ja noch jung ... (und brauch das Geld).

 

9 Tage bis zur Mündlichen Prüfung. Und das Wochenende war eine einzige Feier. eine schöne Feier. schon lange nicht mehr so sehr getanzt. schön. kein andres Wort. doch: Erfüllung.

doch ich vermisse mein Herzklopfen. Wieso lässt mich so vieles unaufgeregt?

 

bis zum Meer

 

 

man möchte alles so festhalten. aber das geht nicht. schöne, und schlechte, momente kommen, und gehen. ihre wirkung, bleibt, fliegt hinterher. hinterlässt einen schweif in unserem leben und legt sich als kleine kühle tropfen auf unsere überhitzte haut nieder.

mit der zeit verdunsten sie. das will ich nicht. 

 

ich hab so viel gespürt. so viel glück, so viel verzweiflung. alles ging so schnell, da war auf einmal die letzte schulwoche, da war auf einmal der Donnerstag und am Freitag gings ab nach Berlin zum Auswahlseminar. Immer der Blick nachvorne. Was war gestern nochmal? Ich habe meinen letzten Schultag nicht miterlebt und habe es nicht bereut.

Denn ich habe eine solche Bereicherung erfahren. ich lebte, und fühlte mich wohl. Besondere Menschen! alles war so voller Besonderer Menschen! Das Funkeln in den Augen, das Lächeln, die Nacht der Talente, die Gitarrenklänge, die Gruppenspiele, die Eindrücke aus anderen Lebenswirklichkeiten. Das Singen am Morgen, die Sprachen. Der Theaterworkshop. Der Schlafentzug, lauernt auf Isomatten. Kaltes Wasser und keine Duschen. Ein kleiner Single-Herd um 80 Leutchen satt zu kriegen. Essen auf dem Boden, mit Fingern, nach bolivianischer Tradition. Teilen. Menschen mit Idealen. Afrikanische Tänze. Becherrythmus.

Und Sonntag nachts, da sind wir zurückgedüst. in den Westen. In den Alltag, sozusagen, und doch kein Alltag mehr. Schon jetzt ist alles im Umbruch, alles anders. Jetzt heißt es Lernen, und keiner kanns, weil einfach zu viele Wellen innerlich geschlagen werden.

Im Zug, Heimweg, eine komische Gruppe. Gitarrenklänge in unseren Ohren. Dem Sonnenuntergang entgegen. Und irgendwie etwas wie Ruhe und Frieden gespürt. "als wenn wir uns schon jahre kennen, und dabei kennen wir uns erst seit drei Tagen". ja, wie wahr. Mit anderen erlebt man etwas Vergleichbares eher selten. aneinandergekuschelt und ausgeruht, und doch kein auge zugemacht. Dreimal fast den Zug verpasst, und auch noch drüber gelacht. Nachts am Bahnhof in den Schlafsack gekuschelt, 1 1/2 std auf den Anschlusszug gewartet. Mundharmonikakenntnisse vertieft. Ausgetauscht.

 

Berlin kann auch warm sein. der Fernsehturm war unser Morgenbote, irgendwie irreal, alles. 

ich habe nun noch mehr Sehnsüchte. Nach dem Meer. Schwedenbilder gesehen. ich würde jetzt so viel dafür geben, aber man kann nicht alles haben. Ich bin dankbar, für diese Zeit. zeitlich gesehen - kurz. menschlich - einmalig.

 

 

VIVA LA VIDA! 

ahora es para siempre - heute ist immer noch [Frida Kahlo]

 

 

 

 
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18

 

 

Achtzehn. Sie kam daher, vor genau 364 Tagen, frisch und irgendwie mit dem Geruch von Freiheit verbunden.

Als ich sie das erste mal auf meiner Zunge schmeckte, da schmeckte sie süß und fruchtig. Und damals wusste ich ja noch nicht einmal, dass sie so viel verändern würde.

Achtzehn.

Nun sitze ich hier mit dieser magischen Zahl und wir stoßen auf ein letztes Glas zusammen an. Irgendwie liegt schwere Nostalgie in der Luft, aber durch das offene Fenster kommt ein beruhigendes Lüftchen Optimismus hineingeweht. 

Nach der Achtzehn kommt die Neunzehn. Es fühlt sich so komisch an. Bin ich wirklich schon so weit?

Muss ich mich nun nicht mal langsam "erwachsen" fühlen?

Ich bin mit keinen Erwartungen in dieses Jahr gestartet und habe Momente erlebt, von denen ich dachte, dass es sie nur im Kino gibt. Ich habe mich gefunden, noch nicht ganz, aber mehr als je zuvor zu irgend einer Zeit. Ich weiß nun, was mir wichtig ist, wo ich stehe und wo meine Füße mich hintragen sollen.

Und nun fängt morgen ein Lebensjahr an, in dem sich so viel verändern wird, wie noch nie zuvor in meinem Leben. Macht mir das Angst? Ich freue mich auf die bevorstehenden Veränderungen! Ja, ich kann es genau gesagt kaum erwarten! Aber die ganzen Erwartungen, die ich mir in meinem Köpfchen mit bunten Fingerfarben ausmale, die sind sehr empfindlich. Von Höhenflügen bis Höllenqualen können sie alles in mir verursachen, und ich weiß, dass es gefährlich ist, ihnen so viel Macht zu geben. Es ist ein ewiger Hochseilakt. Ja, ist es das wirklich? Und wenn ja, gibt es ein Sicherheitsnetzt unter meinen Füßen?

Dieses Jahr habe ich viel richtig gemacht. Natürlich gibt es immer wieder Fehler, die mich im Nachhinein nur den Kopf schütteln lassen. Aber wenn man alles aufsummiert, dann kommt unter dem Strich eine deutlich positive Zahl heraus (und solche Formulierungen benutzt eine im moment etwas frustrierte Mathe-Lklerin ;).

 
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und nicht zu vergessen:

 

Ich wünsche euch allen Frohe Weihnachten.

Ich hoffe, ihr findet in diesen Tagen Erfüllung in euren engsten und liebsten Kreisen. Denn auch wenn Weihnachten jedes Jahr wieder kommt, so sollte man diese doch jedes Jahr auf's Neue suchen.

 

 

der letzte Monat

 

Im moment bräuchte ich Tage mit mehr als 24 Stunden.

Ich kann mich vor Anfragen zum Nachhilfegeben gar nicht mehr retten und ich schaff es nicht, nein zu sagen. so habe ich jetzt vier Nachhilfeschüler pro Woche. Und die Stunden mögen vorbereitet werden. Vor allem Mathe Jgst. 12 - zwar nur Grundkurs, aber der Stoff von vor einem Jahr (Analysis) liegt irgendwo ganz hinten im meinem Kopf unter Wahrscheinlichkeitsrechnung und Lineare Algebra vergraben. Naja, man wird sehen. Zeit zum Auffrischen werde ich bis Mittwoch nicht so viel finden, weil zwei Klausuren anstehen.

Aber Nachhilfe finanziert im moment mein Leben. Meine Hobbies. Meine kleinen Wünsche, angefangen von Büchern, Leinwänden, Farben, CDs. Und seit zwei Monaten spare ich gewaltig - in der Hoffnung, dass Sylvester in Paris realisierbar ist.

 

Meine Weihnachts-Wunschliste füllt sich von Tag zu Tag.

> CD Filmmusik von "Faubourg 36" (weil ich es kaum erwarten kann, den Film zu sehen. am liebsten auf Französisch. on vera)

> eine schöne Weltkarte für mein Zimmer (Zum Festhalten von geliebten Orten)

> Abbitte - Ian McEwan (Nachdem der Film mich in Berlin verzaubert hatte)

> Wahrheit und Macht - Arundhati Roy (Nachdem meine geliebte band TRYO ihr auch das lied "mrs roy" widmete, habe ich mich in dieses lied verliebt und diese Frau weckt in mir nur noch mehr Interesse)

> ein Porte-monnaie (weil mein altes auseinanderfällt)

> das anvisierte AcrylfarbeSet + Leinwand + neue Pinsel (weil ich viele für die Ölmalerei geopfert habe) 

> Ausrüstung zum Skypen: Kopfhörer, evtl. Kamera (um mir von meinen Liebsten von weit weg ein Bild machen und ihre Stimmen in meinen Ohren hören zu können)

 

 

Die Liste abseits der ganzen materiellen Wünsche ist natürlich um einiges länger und lastet deutlich schwerwiegender auf meiner Unruhe. 

 

Aber naja, hier handelt es sich um Dinge, die man sich selbst mit stundenlangem Nachilhilfegeben nicht leisten kann.

 
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