Paulo Coelho

Dieses Buch hat mich "nur" eine Woche begleitet, bis ich es durchgelesen hatte. Gelesen im Zug, am See, im Garten und vorm Schlafengehen.
Das, was mich an diesem Buch am meisten gereizt hat: es behandelt ein Thema auf komplett andere Weise, als man erwartet. Es stellt klare Kontraste zwischen dem körperlichen und sinnlichen/seelischen Begehren heraus, und gleichzeitig auch ihre enge Verknüpfung! Nachdem man dieses Buch gelesen hat, merkt man erst, wie oberflächlich die Gesellschaft und man auch selbst mit diesem Thema umgeht. Welche Vorurteile von klein auf in uns verankert werden: "männer wollen immer nur das eine", "prostituierte sind abschaum und haben mit wahrer liebe nichts am hut", "sex ist das wichtigste und tollste und aufregendste und jeder denkt den ganzen tag daran" ... aber nein, es sind nur ganze 11 minuten von der gesamten ewigkeit, in welcher man einander liebt!
obwohl ich zugeben muss, dass ich mich auf diesem terrain noch etwas unerfahren bewege, will ich nicht sagen, dass ich allem zustimme, was Coelho deutet. Etwas gestört hat mich der regelmäßige (eingeschobene) Bezug auf Gott, da die Hauptfiguren meiner meinung nach sehr gläubig waren, und ich mich hingegen mit den christlichen Vorstellungen nicht eins zu eins identifiziere.
Hätte ich nur ein paar Ausschnitte zunächst gelesen, so wäre ich wohl etwas zögernd an das Buch gegangen. Aber man muss es auf jeden Fall als ein Gesamtwerk sehen: es geht um die Entwicklung der Protagonisten.
Auf der Suche nach etwas, von dem zu wissen glaubt, dass man genau weiß, was es ist: Die liebe des lebens, geld, abenteurer. Und ich fande es sehr interessant, dass diese absurde Einstellung so stark herausgehoben wurde: Bevor man sich ins "Abenteuer" wagt, definiert man seine Ziele und setzt sie fest. und macht es dadurch unmöglich, sich währenddessen beeinflussen zu lassen, vielleicht einen neuen Weg zu wählen können weil man sich selbst (und damit auch seine Ziele) verändert.
Lesenswert!
kamera.
sie ist da, sie ist da, sie ist da!
und gleich wurde sie benutzt, um ein paar sommeremotionen einzufangen ....
marascaKirschen.
Ich träume. ich schwebe dahin. Und ich liebe diese Sehnsucht, den süßen Schmerz, den sie verursacht. Das Leben, eine Kirsche in meiner Hand.
Und nun wird man vor die Entscheidung gestellt: Reinbeißen, die knackige Hülle zerreißen, den ersehnten Geschmack genießen ... oder lieber warten. sich an der visuellen schönheit erfreuen, sich das wesentliche für später aufbewahren, nur davon träumen?
Wer sagt mir, dass die Zeit reif ist?
Zeilensprung
"Ich bin zwei Frauen: Die eine will die Freude, das Abenteuer, die Leidenschaft, welche das Leben ihr bieten kann, voll auskosten; die andere will Sklavin einer Routine, eines Familienlebens sein, all der Dinge, die geplant und erfüllt werden können. [...] Die Begegnung einer Frau mit sich selbst ist ein Spiel mit ernsten Gefahren. Ein göttlicher Tanz. Wenn wir uns selbst finden, sind wir zwei göttliche Energien, zwei Universen, die aufeinandertreffen. Wenn in diesem Aufeinandertreffen die nötige gegenseitige Achtung fehlt, zerstört ein Universum das andere."
Paulo Coelho - Elf Minuten
( danke Nachtkatze ;)
be my mirror.
"Wie schaffst du es, in allen Unglücken immer noch die positiven Seiten zu sehen?"
weil ich an mir gearbeitet habe. und weil ich es noch immer tue. seit jahren. jeden tag. weil ich das ewige gemeckert vor ein paar jahren satt hatte. diese ewige schlecht-macherei, die nichts aber wirklich nichts verändert und nur zu innerer und äußerer unzufriedenheit führt. dafür, so habe ich mir überlegt, ist mir meine kraft zu schade. nun soll man nicht denken, ich sei einer dieser aufgesetzten dauer-lächlerinnen, die sobald sie merken sie werden beobachtet nur mit ihrer schrillen quietischigen stimme verdeutlichen wollen "hach schaut her ich bin ja so gut gelaunt, 24 std am tag, niemals gehts mir schlecht". die eine schow in der schule abziehen und mit ihrer aufgesetztheit doch wirklich gute eindrücke bei manchen hinterlassen! aber sobald sie kurz aus der öffentlichkeit verschwinden, sieht es mit ihrer friede-freude-eierkuchen-einstellung doch gleich ganz anders aus.
nein. ich habe mir nur als vorsatz gesetzt, mich in nichts mehr mich hineinzusteigern, was mir eigentlich nur schadet. eine etwas egoistisch ausgerichtete einstellung, weil vor allem meine mutter bekommt wohl manchmal zu spüren, dass ich mich einfach nicht mehr in ihre überdrehten wutausbrüche integriere. dass ich ihr weder zustimme, wenn sie wieder psychisch übertreibt, noch ihr widerspreche. ich entziehe mich einer konfrontation aus den angehäuften erfahrungen, eine weiterbringende kommunikation aufzubauen würde eh scheitern. sie kann gerne kommen, wenn sie sich abreagiert hat. aber ich bin kein boxsack mehr. soll sie doch woanders draufschlagen. der alte boxsack braucht nun seine energie für sich selbst, er zentriert sie lieber auf die schönen seiten des lebens, seines lebens. verantwortung übernehmen für sein eigenes glücklichsein, und nicht die gründe seiner unzufriedenheit außerhalb suchen.
manchmal ist es nicht ganz so leicht, aber gerade wenn man solch einen satz von einer mitschülerin ehrlich ins gesicht gesagt bekommt, wo man es doch selbstverständlich fand das problem auf diese weise anzugehen, sehe ich das als einen beweis, dass sich da langsam aber sicher (wirklich sicher?) ein optimismus in mein unterbewusstsein einnistet.
so schreibe ich dich.
auf deutsch, weil ich mich auf französischen Sprachterrain zu unsicher fühle. ich hoffe, du hast dein Wörterbuch zur Hand. weil es mir wichtig ist, weil du mir wichtig bist, und weil es mir wichtig ist, dir meine Sicht der Dinge offenzulegen.
"l'enfer, c'est les autres". aber gleichzeitig können sie auch der himmel sein.
Weil du mir Halt gegeben hast, weil du mir auf eine undefinierte schöne Weise neue Orientierung verschafft hast, so habe ich mich vielleicht zu sehr auf den äußeren Kampf konzentriert. Auf mich selbst und meine Überlegungen. und auf dich und dem, was du von dir verraten hast.
aber da gibt es noch mehr.
Der innere Kampf, ausgeführt in den dunkelsten Ecken unserer Seele, alleine, verloren. wir verschließen uns vor anderen und unserem Umfeld aus Angst vor Missverständnissen, vor Enttäuschungen, vor Verrat. Und diese Angst ist dort in uns, weil wir selbst schon alle mal jemanden enttäuscht haben. weil wir in einem Augenblick unseres Lebens schon alle mal jemanden verraten haben. Weil wir es zugelassen haben, dass Missverständnisse in uns herranwachsen und Vorurteile in uns füttern, die uns die Sicht auf die Realität versperren.
Während ich hierbei triumphierte, "meinen inneren Kampf gewann", mein Lebensgefühl nach und nach wieder zurückkam und ich mich für andere Sachen öffnen konnte, so war es für mich immer ein Rätsel, ob ich dich gerade glücklich und erfüllt sehen kann, oder ob du doch in deinem inneren auf der Suche bist, ewig unsicher und orientierungslos.
Ich sehe in dir einen unendlich gutmütigen Menschen. Verständnisvoll. Interessiert an den Lebensgeschichten anderer, und mögen es noch so unwichtige Einzelheiten sein. Du willst Menschen nach ihrem Charakter und nicht nach ihrem Aussehen bewerten. Du denkst an Menschen, denen es schlechter geht in der Welt. Du hast Leidenschaften, für die du dich hingibst. du hast einen weiten unabhängigen Horizont. Du kannst anderen Menschen viel geben.
Du bist gut! Aber du bist auch nur ein Mensch, der Fehler macht. Aber solange du diese in dir ausfindig machst, und über dich selbst reflektierst, selbstkritisch (was du bist), solange du aus ihnen lernst, solange zeugt dies nur noch zusätzlich von deinem verständnisvollen, aufrichtigen Wesen. Ungeschehen kannst du deine Fehler, deine Worte, deine Beleidigungen niemals machen. Aber fange an, dir und deinem Wesen zu vertrauen. Vertraue dir selbst, dass du nicht schlecht bist. nein, dass du gut bist.
Du hast etwas aus deinen letzten zwei Jahren gemacht, mehr als wohl die meisten Menschen in deinem Alter. Du hast dich Herausforderungen gestellt, und sicherlich viele von ihnen gemeistert. und es ist wohl irgendwo normal, dass man auch sachen rückblickend findet, über die man enttäuscht ist. aber siehe bitte nicht nur die negativen seiten.
Das alles schreibe ich aus meiner Sichtweise. Mehr kann ich nicht schreiben! Das ist alles was ich weiß, und ich maße mir an, dich so zu kennen. Ich sehe dich so. ich habe dich so kennengelernt. ich habe so mit dir geredet. ich habe so mit dir im wildpark gesessen nachts. ich habe so mit dir einen spaziergang in der sonne um den see gemacht. ich habe so mit dir gerdet. ich habe so mit dir stundenlang tee und kaffee in deiner kleinen wohnung getrunken und musik gehört.
denn ich vertraue dir.
Wenn ich jetzt von Vertrauen spreche, so muss ich sagen, dass ich nicht ehrlich war. Ich weiß von deinem Blog, schon seit Mitte März. Und damals, am 20. April, so war bereits ein Eintrag mehr oder weniger an dich gerichtet: meine ängste in deinen worten. , angestoßen von dir, "les psychotropes".
Du fehlst hier. Heute bin ich zum Bahnhof gelaufen, an deinem Haus vorbei. es ist nicht mehr das gleiche. etwas Leben wurde hier genommen. nicht wirklich, aber für mich. aber ich bin nicht traurig, es ist nur die nostalgie, die mich etwas trübt. auch ich wünschte, ich hätte einige sachen anders gemacht. aber ich sage mir, dass es auf die zukunft und gegenwart ankommt.
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