Bereitschaft zum Protest

 

Im moment lese ich die Biografie von Frida Kahlo und bin immer mehr hingerissen von der Persönlichkeit und Stärke dieser Person.

Zu Zeiten der mexikanischen Revolution waren es vor allem die gesellschaftlichen und politischen Veränderungen und die zum Teil utopischen Hoffnungen der jungen Leute auf mehr Gerechtigkeit in einem neuem System, die Frida mit Herz und Seele einnahmen.

Und dann schlage ich die Zeitung auf und lese diesen Artikel. Und ich frage mich, was wäre, würden wir in einer anderen Zeit leben. Denn dieses neue Bild unserer jungen Gesellschaft macht mir mehr und mehr Angst. Zum Teil spüre ich sogar schon leichten Groll in mir. Und ich weiß auch, dass es eigentlich nicht richtig sein kann. Wie mein Geschichtslehrer zu sagen pflegt: Wenn es einen gut geht, dann hat man gar kein Interesse daran, etwas am System verändern zu wollen.

Aber wenn mir dann so Schlagwörter wie Angepasst, gleichgültig, konzeptlos, beliebig, unpolitisch, unsolidarisch ins Gesicht fliegen, dann fühle ich mich manchmal wie eine Fremde in meiner eigenen Generation.

Distanz zur Demokratie wächst // Bereitschaft zum Protest nimmt ab

Zu vielen Sachen stehe ich etwas zu kritisch gegenüber, das mag sein. Und mit kritischen Blicken betrachte ich die sich im Narzismus ertränkenden Mitschüler und die im Gucci-Modemagazin blätternden 40-jährigen Frauen im Zug. Ich spüre großes Unverständnis gegenüber Gleichaltrigen, die sich die Welt noch durch dicke Mauern aufgetrennt vorstellen und ihrer Meinung nach das gößte Problem der Menschheit die Frage ist, was für eine Fingernagelform am schönsten aussieht.

Aber wir alle haben unsere eigene Lebenseinstellung. Nur weil ich niemals so leben könnte, weil es gegen meien Prinzipien verstößt, macht es mich auf eine gewisse Art sehr wütend.

Aber diese Wut ist wahrscheinlich die gleiche, wie sie andere verspüren, wenn ich kein Interesse für die neuste Schuhmode oder die neuen amerikanischen Trendserien im Fernsehen zeige.

Das Wichtigste ist wohl, dass man gegenseitige Toleranz zeigen kann.

 

am  23. Februar 2009  um  01:15

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Ach.. ich könnte hier jetzt einen 4 seitigen Bericht darüber schreiben, was der Gesellschaft in MEINEN Augen am meisten fehlt.. und das würde mich wieder unglaublich traurig machen.
Ich bin schon in den letzten Jahren in der Schule nicht mehr mit den Menschen meines Alters klar gekommen.. bis auf wenige Ausnahmen eben.
Die Dinge, die mich am meisten gestört haben, waren die Oberflächlichkeit, die Unaufrichtigkeit und die mangelnde Zivilcourage.
Mein Kurs war das Paradebeispiel für dumme, oberflächliche Partytussies (Entschuldigung!). Ein riesiger Haufen aufgetakelter, arroganter Hühner, die sich gegenseitig vorgespielt haben, eine oberklassige Clique zu sein. Alle reden sich untereinander nur mit Süße, Schatzi und Schlampe an, gehen zusammen voll cool Party feiern und müssen in der Schule dann auch ständig davon prahlen und Bilder rumzeigen, auf denen sie sich die Zunge in den Hals stecken.
Ich fand sie unglaublich ordinär, noch dazu weil einige von ihnen richtig dumm waren.
In ihren Augen zeichnet sich ein Mensch wahrscheinlich wirklich dadurch aus, dass er viel Party macht und viele Leute zum Partymachen kennt.
Und so hat man sich eben schön was vorgeheuchelt und sich gegenseitig angemacht und hintenrum wurde doch über jeden hergezogen. Sehr reifes Verhalten..
Das sind bestimmt nicht die Leute, die sich über das, was in der Welt passiert, Gedanken machen.
Aber eben noch nicht mal über das, was direkt vor ihren Augen passiert. Auf dem Weg zur Bahn haben mal ein paar jüngere Schüler eine Oma von ihrem wackligen Fahrrad gestoßen.. und mir ist fast das Herz in die Hose gerutscht vor Mitleid und Hass, dass all die, die vor mir liefen, nur an ihr vorbeigegangen sind und sich dreisterweise den ganzen Weg noch umgedreht und gegafft haben. Aber NIEMAND hat sich mal den Finger schmutzig gemacht, der Frau zu helfen. Ist ja peinlich, wenn einem alle dabei zugugucken.. Oh Mann!
Ich hab ihr dann aufgeholfen und ihren Einkauf zusammen gesammelt und sie hat geweint. Und ich hätte am liebsten mitgeweint. So leid tat es mir um sie und darum, dass unsere Gesellschaft so geworden ist. Eine Gesellschaft, die vor Oberflächlichkeit und Potenzprotzerei nur so strotzt und der aber langsam die wichtigsten Werte verlorengehen. Das ist so traurig.. vielleicht geht es uns ja wirklich zu gut.
..
Mh, und zu Frida Kahlo.. ich finde sie großartig! Hast du den Film gesehen? Der ist wunderwunderschön, ich kann ihn dir nur empfehlen! (:
Ich drück dich ganz lieb! Denk dran, dass wir nicht allein sind. Es gibt auch noch Menschen, die mit dem Herzen leben..
Deine Katzi
am  23. Februar 2009  um  19:12

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Hm ok, nachdem ich jetzt auch den Artikel gelesen habe, muss ich mich etwas vorsichtiger ausdrücken.
Ich kann mich outen. Ich bin ehrlichgesagt auch eine von diesen unpolitischen Personen. Also sagen wir mal, ich bin zumindest in keiner Partei aktiv oder sonstwie politisch engagiert.
Politik war auch das mit Abstand trockenste und langweiligste Fach in der Schule - interessehalber hätte ich eventuell schon gern bis zum Abi weitergemacht, aber da es eben nicht in dem Maße interessant war, wie ich es mir erhofft hatte, war ich froh, es abwählen zu dürfen.
Manchmal schäme ich mich schon für solche Dinge. Also nicht mehr Interesse zu zeigen. Es gab eine Zeit, da habe ich mich wirklich dazu gezwungen. Hab mir all die politischen Artikel in den Zeitungen durchgelesen - und bin trotzdem nicht wirklich weitergekommen. Ich finde keinen Zugang. Und mittlerweile... habe ich vielleicht auch aufgehört, ihn zu suchen, ich weiß es nicht.
Soviel dazu.
Und zu den anderen Dingen hat das Katzilein ja schon alles entsprechende gesagt.
Mich macht das auch imerm wütend, wie sehr man seine eigene Generation manchmal hassen kann.
Wenn in unseren supervollen Schulbus eine ältere Frau einsteigt, die kaum laufen geschweige denn stehen kann und KEINER seinen Hintern vom Sitz bewegt.
Da frage ich mich: Sind wir so verblendet, dass wir unsere Umwelt einfach nicht wahrnehmen - oder interessiert sie uns nur nicht?
Und wenn ich selbst dann schon auf dem Boden sitze und jemanden auffordere aufzustehen, der vllt 3 jahre jünger ist als ich und nur einen schiefen Blick von oben oder eine freche, ziemlich dumme Antwort bekomme...
Dann ist es mir peinlich, irgendwie auch dazu zu gehören.

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