die Schranke zwischen unseren Welten
Heute haben wir sie besucht. Kaffee getrunken, nicht viel geredet. finde ich.
Es war so ruhig, ich wäre fast durchgedreht. Diese Klinik. Das Sterile. Dieser Geruch.
Stille. Du konntest deinen eigenen Atem hören. Alles war so ... menschenleer.
Kann Stille so heilend sein? Kommt die Stille daher, bietet einen Platz zum Ausruhen und danach sind alle alten Probleme weg und die heile Welt kann beginnen?
Ich konnte heute nicht einschätzen, wie sie zu der Therapie steht. Ob sie sich wirklich drauf einlässt oder ob sie uns nur gefilterte Informationen zukommen lässt. Aber nunja, sie hat noch viele Wochen, um dies herauszufinden. Sie soll sich Zeit nehmen. mal auf andere Dinge im Leben achte, wobei ich nach heute der festen Überzeugung bin, dass dies nicht der Ort ist, wo - ich zumindest - diese anderen Dinge im Leben erkennen und wertschätzen könnte.
Aber wir sind anders. und mich beschleicht das Gefühl, dass wir uns gegenseitig eine Art Schuld für dieses Anderssein geben.
Das letzte mal hatten wir uns im Streit getrennt - ich damals im festen Gewissen, dass wir uns erst in frühstens einem Monat wiedersehen. Du hattest mir mit deiner gerissenen Art einen Nerv aufgerissen. Hattest es so hingestellt, als ob ich Mitschuld daran hätte, dass deine letzte Therapie vor zwei Jahren nicht geholfen hat.
Ich brauche meinen Freiraum. Ohne ihn kann ich nicht. und wenn du mich in einer deiner sanfteren Ausbrüche festhälst und mir sagst, dass ich so wäre wie du (nur um mir zu sagen, dass wir doch eigentlich zusammen halten müssten), dann rüttelt es mich innerlich hin und her. Das stimmt nicht! Zumindest will ich nicht, dass es stimmt.
Also gehen wir los und suchen Zugang zueinander. Klopfen an Türen, die beim jeweils anderen verschlossen sind und übersehen die offenen.
Es ist nicht leicht.
Du bist meine Mutter. Aber was heißt das? Ich vermisse dich nicht, im moment. Woran liegt das? Ich weiß es nicht.
ich weiß nur, dass es mir nicht schwerfällt, die nächste Zeit ohne dich auszukommen. sage ich jetzt.
ich wäre stolz zu sagen, dass ich dich nicht brauche. aber davon sollte man nicht ableiten, dass ich dich nicht in meinem Leben will. Was ich nicht mehr will, das sind deine Anschuldigungen. Deine Schranken und all die Steine, Ungewissheiten, Ängste, unnötigen Verpflichtungen, die du mir in den Weg stellt.
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