En train de mourir
Da redet man ein halbes Jahr von besuchen kommen und nun ist das alles schon wieder vorbei.
Montag.
Mir war schlecht. Nein nein, nicht wegen dem Lieblingsort, sondern eine Grippe schien sich anzubahnen. Habe eigentlich so gar keine Zeit dazu. Denn Chantal kommt ja morgen. Gleich nach der Schule machte ich mich auf zu Apple. Mein MacBook Air ist krank. Ich weiss nicht wieviele Stunden ich in der vergangenen Woche bei Apple sass, dafür kenne ich jetzt das gesamte Innenleben meines MacBook's auf Französisch. Ob ich das jemals wieder brauche? Eigentlich sollte ich mich mal in Krankenhaus einliefern lassen, denn Wörter wie "Skalpell, aufschneiden, heilbar, etc. wären schon wesentlich nützlicher für meine zukünftigen Reisen, als das technische Innenlebens eines Computers. Ja in Afrika weiss man ja nie.. Zum Beispiel in Bolivien hätten wir - im Falle einer Operation -, dass Skalpell selber kaufen müssen.
Anyway. Man sagte mir: "Votre MacBook est en train de mourir". Na toll. Nicht hier. Nicht jetzt. Immerhin - so sagte der Apfelmann -, könne ich meine Daten retten. Erst daheim, kam mir in den Sinn, dass ich eben meine Daten nicht retten kann, da "Copy & Paste" nicht mehr funktioniert.
Nachtessen. Meine Gastfamilie und ich diskutierten über Politik. Es gibt Themen über die man nicht sprechen soll. Wie ich in Amerika gelernt habe, sollte man nie das Thema Religion ansprechen. Nie. Wir haben in Seattle an einem FlashMob mitgemacht. Mit dem iPhone Buchstaben machen und das ganze dann fotografieren (siehe Bild rechts). Dan-Vy, bei der wir gecouchsurft haben, hat uns dort hingebracht und ebenfalls eine Kollegin mitgenommen. Ich wollte wohl witzig sein und versuchte dieser Kollegin zu erklären, dass wir wie eine Sekte aussehen würden. Da ich das Wort "Sekte" in diesem Moment auf Englisch vergessen hatte, sagte ich halt "Scientology". Diana antwortete dann: "What's wrong with Scientology? I'm Scientology too"...
Also nie über Religion reden. Somit redete ich mit der Gastfamilie über Politik. Ich wusste, dass wir morgen in der Schule darüber reden werden, somit lenkte ich den SmallTalk auf die Politik. Ich fragte meine Gasteltern: "Est-ce que vous êtes satisfaits avec M. Scarkozy"?. Böser Fehler. Wie konnte ich nur. Patrick ja. Colette nein. Das ist die Kurzfassung. Etwa eine halbe Stunde sass ich stillschweigend mit ihnen am Tisch während sie diskutierten und diskutierten. Danach verzog ich mich in mein Zimmer. Noch 1 Stunde später sassen sie am gleichen Ort mit dem gleichen Thema. Sie streiten sich viel und häufig. Ich muss ja nicht dabei sein.
Der Tag war vorüber und alles was ihn noch retten konnte, war ein kurzer Besuch beim Lieblingsort.
Dienstag.
Mir erging es wie meinem MacBook:
Gleich nach der Schule befand ich mich wieder bei Apple. Die reden irgendetwas von wegen Festplatte in zwei Teilen und so versuchen, Daten zu retten. Hört sich gar nicht toll an. Ich vereinbarte einen Termin für Mittwoch.
Später dann, traf ich Chantal. Wohoo!!! Obwohl mein Kopf fast zersprang und sich "twice the size" anfühlte, war ich ready für den Abend. Schnell ins Hotel, ab in die Stadt, was essen und dann zum Lieblingsort. Wieder eine Live-Band. We like. Irgendwann kamen noch zwei-drei aus meiner Klasse dazu. Wir feierten in den 25. Geburtstag von Chantal hinein. Die Band kannte leider kein Happy-Birthday-Lied. Welche Band bitte schön, kennt kein Happy-Birtday-Lied??? Schade.
Irgendwann gingen wir nach Hause. Normalerweise hat man 30 Minuten. Aus irgendeinem Grund benötigten wir länger als 1 Stunde..
Mittwoch.
Meine Stimme war dahin. "Aphone" nennt man das hier. Melissa fühlte sich schuldig, da sie vergangene Woche krank war. Aber bei dem Wetter hier ist das kein Wunder. Ein Tag hat es um die 25°, am nächsten schon wieder 10°.
Mittags holte ich Chantal beim Grand Theatre zusammen mit ein paar Leuten aus der BLS ab. Gemeinsames Mittagessen, Wein trinken, Süss-Salziges Dessert (Schokokuchen mit Caramel und Salzstückchen) im Grand Theatre essen und wieder Wein trinken.
Abends gingen wir zum beliebtesten Restaurant der Stadt
Der Abend endete wieder beim Lieblingsort.
Ah und mein MacBook ist nun definitiv bei Apple. Das MacBook wird eingeschläfert. Festplatte austauschen. Daten konnten gerettet werden. Jetzt im Nachhinein merke ich, dass ich Word und Excel für Mac vergessen hatte zu kopieren.
Donnerstag, Freitag & Samstag.
Am Donnerstagabend kamen drei weitere Amigos angereist. Melanie, Pascal und Svenja. Ich freute mich unglaublich auch alle zu sehen. Und auch hier nochmals, nein meine Stimme ist nicht dahin, wegen dem Rumbrüllen beim Lieblingsort, sondern dank einer Erkältung. WIRKLICH! :D
Gegen 23 Uhr, gingen wir 5 zum Lieblingsort. Auch die heute angereisten waren sofort angetan vom "Haus der Parlamentarier". Der - so waren wir uns alle einig - talentierteste Barkeeper war wieder am Werk. Der machte Stimmung und brachte die Meute auch bei "My heart will go on", "Britney Spears", und "Lady Gaga" zum singen. Kurz vor Mitternacht ergatterten wir tatsächlich noch einen Tisch. Gleich bei der Bühne. Ein paar aus der BLS Schule waren auch da. Manuela hatte dort die glorreiche Idee dem singenden Barkeeper meinen baldigen Geburtstag mitzuteilen. Kurz nach Mitternacht schrie / sang / brüllte mir das halbe Pub "Happy Birthday" entgegen. Ja danke schön. Ich bin wirklich froh, dass die Wände dort rot sind, denn so fiel ich (hoffentlich) nicht so auf. In so einem Moment weiss man auch wirklich nicht wo man hingucken kann oder soll. Oben rechts oder doch eher unten links? Babys haben's gut. Die können in solchen Momenten anfangen zu weinen. Das Risiko gleich am 1. Tag vom neuen Lebensjahr auf YouTube zu landen war mir allerdings dann doch zu hoch und so liess ich das bleiben.
Nach 2 Uhr machten wir uns auf in "la boîte". Doodee, der Araber, empfahl uns eine in der Nähe. Pascal musste 10 Euro für die Büchse dort bezahlen. Total überrissen. Dort unten war es so eng, heiss, und alles andere als comfortable. Die aus der BLS-Schule verabschiedeten sich schon etwas früher.
Irgendwann dann, trieb es auch uns nach Hause. Ach so, auf dem Nachhauseweg liefen wir noch an einem Coiffeur vorbei. Mein Ego ist jetzt noch angeknackst. Steht da nicht, dass man unter 25 Jahren, 32 Euro bezahlt. Danach 39 Euro. Hätte ich meine Geburtsurkunde mit dabei gehabt, wäre ich noch am 11.11.11 vor 21.49 Uhr zum Coiffeur gegangen. Jetzt ist alles teurer.
25 ist eine ganz schöne Sache. Sogar mein Lieblingsmagazin "Neon", schreibt, dass "25" das Rentalalter ist. Dies bedeutet, dass man bis zum Rentalalter sich GRUNDLOS besaufen darf ohne dass es peinlich wird. Ob die jetzt 24.99 oder 25.99 meinen, steht in den Sternen. Und auch wenn's 24.99 sein sollte -> Gut habe ich immer einen Grund ( ;-) ).
Freitag.
Ausschlafen. Am 11.11. ist nämlich Feiertag in Frankreich. Meine Stimme übrigens, existiert nun gar nicht mehr. Wir 5 laufen ein wenig durch den
Es war ein toller Geburtstag und ich konnte ihn mit ein paar meiner Lieblingsmenschen verbringen. Danke nochmals für kommen, feiern und Spass haben. Sisch
Samstag.
Morgens um 6 aufstehen um Pascal und Melanie Tschüss zu sagen. Die beiden verabschieden sich auf die Malediven. Falls ihr das jetzt hier sieht: bitte Computer ausmachen! Auf den Liegestuhl oder ab ins Wasser. Schwimmt dann bitte auch für mich 1-2 Runden um die Insel. Viel Spass euch beiden, es sei euch zu gönnen!!!
C, S und ich trafen uns dann wieder gegen 11 Uhr. Es war Zeit für die heilige Katharina. Alle hatten die selbe Idee wie wir, denn die Strassen und Magasin's waren voll. Dennoch wurden die Karten und Scheine wieder gezückt. Dies ist ein böser Ort.
Abends nochmals beim Lieblingsort, aber es war Rugby-Zeit. Wir fanden "la Comptesse". Die Gräfin könnte eine gute Alternative zum Lieblingsort werden. Wir werden sehen.
Nächsten Mittwoch kommen schon die N & N's. Ich freu mich!!!
Current mood:
GrinsendUn échange culturel
Die Tage vergehen wie im Flug, dass ist ja unglaublich. Ich weiss schon gar nicht wo ich anfangen soll. Wir unternehmen viel. Setzen uns ins Bistro und trinken Wein. Viel Wein und guten Wein. Wenn das so weiter geht und ich jeden Wein kaufe, den ich mag, <muss> ich die alle noch vor dem 3. Dezember am Flughafen trinken (bis auf zwei). Nun gut. Donnerstag. Samstag. Wohoo und morgen ist es soweit. Chantal kommt! Bitte noch Ankunftsdaten durchgeben, damit ich weiss wann und wo ich dich abholen kommen kann J. By the way: Morgen ist Happy Hour beim Lieblingsort. Ich sag da nur: An die Bar!
Es sind viele Schweizer an der BLS. Somit unternehmen wir viel gemeinsam. Da wir noch eine Kanadierin dabei haben, klappt’s auch ganz gut mit dem Französisch. Wir lästern über unsere Gasteltern, so wie diese über uns lästern. Ich sag’s euch, das ist eine richtige Mafia. Sie kennen sich nicht, aber wissen trotzdem alles über die anderen Studenten und Gastfamilien. Scheinbar weiss die ganze BLS-Schule welche <spezielle> Gastfamilie ich habe. Mittlerweile bin ja auch ich informiert. Ja, was soll ich sagen? Es ist nicht eine Sache die öffentlich an den Pranger gehört. Aber das erklärt einige Verhaltensweisen (oder auch nicht). Jedenfalls weiss ich, dass nicht ich komisch bin und ihr wisst es nun auch.
Wie ihr wisst, besitze ich hier kein Internet. Das heisst ich steh ständig irgendwo an einer komischen Strassenecke und wedle mit dem iPhone herum, um ein offenes Wifi zu erwischen. Sehr schwer. Die meisten sind dann doch passwortgeschützt. In der „heiligen-Katharina-Strasse“ gibt es ein Apple Store. Apple ist so gütig und hat a) ein offenes Wlan und b) viele Laptops mit Internetanschluss. Donnerstag war bereits der 3. Tag in Folge wo ich dort war. Hab dort zwar nicht Zeit die Mails zu beantworten etc., jedoch kann ich kurz Wikipedia und Google öffnen, um dann die gewünschten Informationen zu fotografieren. Tja ihr wisst wie das früher war. Man ging zum Brunnen um Wasser zu holen. Heutzutage läuft man zu Apple um a) noch etwas von der Welt mitzukriegen und b) um die Hausaufgaben machen zu können.
Ein Mitarbeiter fragte mich an besagtem Tag ob ich einen Kaffee möchte. Ich warf ihm einen fragenden Blick zu. Er meinte dann nur, dass um 5 Uhr die Kaffeepause sei und ich doch dies als Mitarbeiterin wissen müsste. Witzig. Ich erklärte ihm dann, dass ich nicht hier sein müsste, wenn mein MacBook Air problemlos funktionieren würde. Seit jenes mit mier hier in Frankreich ist, läuft es wirklich viel langsamer. Keine Ahnung was los ist. Der Mitarbeiter liess mich dann ihn Ruhe. Ich ihn auch. Jedoch werde ich mich da wohl nicht mehr so schnell blicken lassen.
Freitag. Freitagmorgen ging wohl alles schief. Ich steh immer etwas früher auf, damit ich zu Fuss in die Schule kann (ca. 30 Minuten). An diesem Morgen stand ich noch früher auf, weil ich nochmals zu Apple wollte. Ein letztes Mal. Wirklich. Und auch nicht drinnen (war ja noch gar nicht offen) – nein nur kurz mit Wifi. Ich brauchte noch ein paar Kurzinfos für eine Präsentation über den öffentlichen Transport in der Schweiz. Soweit so gut. Wir wohnen im 12. Stock. Der Lift war kaputt. Toll. Ich rannte hinunter und fluchte wahrscheinlich ein wenig. Die Lift-Flicker-Frau grinste mich nur an. Unten angekommen, tot schlecht (Na, rennt ihr mal 12 Stockwerke im Kreis hinunter), kam es so wie es kommen musste. Geldbörse oben. Das Fluchen wurde etwas lauter. Rannte noch oben. Lift-Flicker-Frau grinste nun noch breiter. Ich verwünschte sie mittlerweile schon auf irgendeinen Planeten. Im Nachhinein denke ich da an Pluto. Der ist schön weit weg. Geldbörse geholt, wieder hinuntergerannt während mir die Lift-Flicker-Frau erklärte, dass der Lift nun wieder funktioniert. Ich quälte mich zu einem 10-vor-3-Mundwinkel-Gesicht. Zu Fuss reichte es nun natürlich nicht mehr und ich nahm das Tram. Kein Kleingeld für das Tram. Natürlich. Irgendjemand wechselte mir später mein 10-Euro-Schein. Der Automat schien mich an diesem Morgen auch nicht zu mögen, denn er akzeptierte einfach meine Münzen nicht. Habs dann mit der Kreditkarte bezahlt. Hab aber wieder das Tram verpasst und musste aufs Neue warten. Apple liess ich bleiben und lief den Rest direkt zur Schule. Dort hats zwar auch Internet, läuft aber nur sehr langsam. Auch mein Laptop wollte so gar nicht. Die Präsentation über die SBB und Swissair funktionierte allerdings gut. Später dann, nahmen wir Abschied vom Engländer Thomas. Er ist 70, pensioniert, ohne Frau und Kinder und lebt nach - ich zitiere - : „Je peux faire ce que je veux“. Er weiss wirklich alles. Und redet sensationell gut Französisch.
Am Nachmittag haben Samantha und ich erstmals so einen Käseteller probiert. Ehm einmal und nie wieder. Die Franzosen scheinen eine Schwäche für Blau-Schimmel-Käse zu haben. Grrr. Das Ganze hat uns auch noch ein halbes Vermögen gekostet. Der Wein war allerdings - tellement – super. Abends waren wir noch kurz in einer Latinobar. Die Atmosphäre erinnert mich da an genau 3 Wörter. Ich werde allerdings erstmal meine Besucher selbst „testen“ lassen, bevor ich dies hier beschreibe. An diesem Abend hab ich dann auch noch meinen jetzigen Lieblingsort gefunden: The House of Parliamentariers. Tolles Pub. Freitags jeweils Livemusik. Das Bier ist gut. Passt alles.
Wir waren in Arcachon. Wir 4 Schweizer + die Kanadierin Melissa mit Ihrem Mann. Der sieht übrigens aus wie ein Chinese. Als ich ihn fragte, ob er chinesisch spricht, verneinte er und sagte, dass dies die häufigste Frage sei, auf die ihn die Leute ansprechen. Arcachon hat die höchsten Sanddünen von ganz Europa. Trotz Regen, hatten wir einen tollen Ausblick. Wir blieben weniger lang als geplant, da das Wetter wirklich nicht so toll war. Abends wieder Bistro, Pub und <la Boîte>. Ich war alleine mit einer Schweizerin dort. Im Pub trafen wir dann noch 2 Araber von der BLS. Wir Schweizer übten arabische Schriften - sie versuchten sich an <Chuchichäschtli>. Am Sonntag würde in ganz Saudi Arabien ein Fest gefeiert werden. Fragt mich nicht nach dem Namen. Auf jeden Fall wurden Corinne, Samantha und ich zum Essen am Folgetag eingeladen. Ich freute mich bereits. Eine weitere Gelegenheit mehr über Saudi Arabien und über den Islam zu erfahren. Soweit als möglich jedenfalls, denn es ist nicht ganz einfach die Araber und ihr Französisch zu verstehen. Ah und einer davon ist ein Prinz oder so. Hat jedoch haufenweise Geld. So richtig viel.
Sonntag:
Endlich mal ausschlafen. Um 2 Uhr trafen wir die Araber. Sie haben für 200 Euro (!) Fleisch gekauft. Um Gottes Willen. Ob die wohl Schaf und Metzger zusammen eingekauft haben? Man weiss es nicht.
Die Schwester kochte für uns. Diese bekamen wir erst später zu Gesicht. Wir drei assen zusammen mit den 3 Saudis. Das Essen (Reis, Schaf, Gemüse, ..) war echt lecker. Wir assen auf dem Boden mit einer Plastikdecke und Plastikgeschirr. So konnte am Schluss alles zusammengewickelt werden ohne gross aufzuräumen. Ich erfuhr mehr über die Frau in der Küche. Gleich alt wie ich. Die Frau darf aber nicht zusammen mit uns essen. Was soll ich sagen – Für mich war es ein wenig schwer nachzuvollziehen, da ich die Linie irgendwie nicht kenne. Nun welche Linie? Die Saudis dürfen keinen Alkohol trinken. Dies ist verboten. Tun sie es trotzdem, dann heimlich und eine Flasche Whisky kostet gerne mal 500 Euro!!! Die Saudis trinken in Bordeaux/Europa viel Alkohol. Auch unsere Freunde geben hier <Vollgas>. Die Schwester unseres Freundes, befindet sich aber trotzdem alleine in der Küche. Nun gut. Andere Kultur. Es gilt diese zu akzeptieren.
Wir fragten dann „Ich vergess ständig seinen Namen“, ob wir uns mit seiner Schwester unterhalten dürfen. Wir bedankten uns bei ihr für das ausgezeichnete Essen. Sie sprach super Französisch. Ihr Bruder war während dem ganzen Gespräch bei uns. Irgendwann sagte er etwas zu seiner Schwester auf Arabisch. Sie wandte sich ab und für uns war klar, dass es Zeit war sich zurückzuziehen. Zurück im Wohnzimmer. Mein Rucksack war offen. Da wir zwischendrin ein paar Sätze auf Schweizerdeutsch sprachen, sagte ich das direkt (auf Deutsch) . Niemand antwortete und ich zweifelte bereits wieder ob ich ihn nicht doch offen liess. Später im Pub erzählte Corinne mir, dass auch ihre Tasche offen war. Was soll ich sagen? Geld werden sie mir keines nehmen, da sie wahrscheinlich pro Woche ausgeben, was ich im Monat verdiene. Ich glaubte nie wirklich ernsthaft daran, dass sie mir Geld nehmen würden oder sonstiges, denn sie können es sich ja einfach kaufen. Ich bin auch nicht wütend oder was weiss ich. Enttäuscht. Das trifft es schon eher. Wenigstens hätten sie den Rucksack und die Tasche wieder schliessen können. Aber ja. Schade. Das hinterlässt einen faden Beigeschmack für diesen tollen Tag.
Die zweite Woche hat begonnen. Ich geniesse, das längere Schlafen, die Konversationen mit meinen Gasteltern und anderen Studenten, die Schule, den Käse und den Wein. Oder wenn es am Vortag geregnet hat, man dann am Folgetag zur Schule läuft und es von den Dachrinnen immer noch auf den Kopf tröpfelt; Der Geschmack von Waschpulver in den Gässchen von Bordeaux und ebenso die nachts, parkierten Autos auf den schmalen Gehwegen, so dass man auf die Strasse ausweichen muss. Ich fühl mich hier wirklich wie zu Hause.
La vie est belle en France
Ich hatte schon Angst, dass die mich in ein Niveau A2 oder B1 stecken. Man weiss
ja nie. Aber ich bin tatsächlich im Kurs C1. Ich verstehe eigentlich alles, nur hab ich das Problem, dass ich viele Wörter auf Englisch verfranzösisiere. Aber das wird schon.
Das lustigste war in meiner Morgenklasse. Wir haben uns alle vorgestellt. Ich war an der Reihe und erzählte ein paar Sachen wegen der Arbeit und so. Nach mir präsentierte sich Michael. Man glaubt es kaum, aber er arbeitet ebenfalls für die SBB und hatte sich mit LinguaTop beworben. Michael arbeitete sogar einmal im Contact Center im 2. Stock. War ganz lustig- auch für die ganze Klasse, da wir vom 2. und 3. Stock sprachen – so als ob wir uns schon seit Ewigkeiten kennen würden. Ein pensionierter Engländer erkundigte sich danach, ob im Moment überhaupt jemand von unserer Firma arbeitet J.
Entgegen den Informationen die ich erhalten habe, ist die Schule voller Schweizer. Was machen die bloss alle da? Nun gut. Es hat noch einige von den Staaten, Japaner, Engländer, Saudis.. Keine Chinesen. Aber ich war auch noch nie in Saudi-Arabien;-) Passt schon.
Ich als fleissige Ameise, oder als arbeitendes Pferd (kleiner Insider), wollte doch gleich aus meinem Semi-Intensiv einen Intensiv-Kurs machen. Damit würde ich Donnerstag und Freitagnachmittag auch Schule haben. Aber das wäre zu utopisch. 330 Euro PRO WOCHE für 4 Stunden. Ehm non merci.
Meine Gastfamilie ist nett. Habe eigentlich keine Einschränkungen. Obwohl ich ein Chaot par Excellance bin, siehts hier ganz ordentlich aus. Selbst wenn nicht, würde das glaube ich kaum auffallen. Meine Gastmutter hat allerdings so ein paar Phobien. Demnach dürfen keine Kleider auf dem Leopardenstuhl liegen, sondern nur auf dem Tigerstuhl. Gestern war das auch schon so. Hab dann alles wieder umgeräumt. Heute befand sich das Ganze wieder beim Tiger. Der Schmuck gehört nicht auf das breitflächige Fenstersims, nein, sondern auf den Tisch. Meine Hausschuhe gehören nicht unter den Tiger sondern unter den Leoparden. So ganz hab ich die Logik noch nicht verstanden, aber ich werde mich hüten, nochmals alles umzuräumen.
Die anderen Schuhe gehören ins Foyer, welches weiter hinten bei der Küche ist. Es ist dort schon nüchtern kaum möglich, nichts herunterzuschlagen. Wie ich das um 4 Uhr morgens schaffen soll, ist mir ein Rätsel. À propos Nachtleben. Die Bars sind alle bis 2 Uhr offen. Erst danach öffnen die Clubs, welche dann bis 5 oder 6 Uhr geöffnet haben. „Les boîtes“, on dit içi.
Heute (Mittwoch), hatten wir Schule bis 12.45 Uhr. Danach sind wir direkt zu einem Schloss gefahren. Jaja Geschichte und so. Hauptsächlich aber Wein: Hab auch gleich meinen Liebling entdeckt. Ah oui ouii, la vie est belle en France J.
Es folgen noch diverse Degustationen in den nächsten Wochen, inkl. Käse und so. Freu mich schon darauf.
Bordeaux ist wirklich toll. Eine antike, stolze Stadt, die weder zu klein noch zu gross ist. Die Architektur der Stadt ist ebenfalls grossartig. Für die Studenten wird ebenfalls viel gemacht. Eine Kirche, die nun zum Kino umfunktioniert wurde. Man kann auch Velos mieten. Diese befinden sich an diversen Plätzen der Stadt. Wenn man das Velo dann nicht mehr benötigt, legt man es an der gewünschten Station ab und holt sich erst dann wieder eines wenn man eines benötigt. Die erste halbe Stunde ist gratis. Und danach 1 Euro pro Stunde oder so. Hyper-Chouette.
Ich freu mich schon auf meine Besucher. Ihr kriegt gleich noch ne Mail von mir. À bientôt..
Oui, Ouii .. Ouiiii
Im Hotel, habe ich ein wenig den Eventkalender vom Monat November studiert. Praktisch jeden Abend sind irgendwelche Bands in der Stadt. Hört sich doch echt gut an. Am Samstagnachmittag fand dann auch noch der Zombie Walk 2011 statt. Ab 14.00 auf dem Place de la Bourse. Okay nichts wie hin. Am Anfang bin ich wahrscheinlich in einem komischem Viertel herumgeirrt, denn lauter zahnlose Menschen kamen mir entgegen. Ich verirrte mich sogar in ein Geschäft, welches ausschliesslich Bilder von Diktatoren verkauft. Das grösste Bild allerdings, war vom Ladenbesitzer selbst. Nun gut. Irgendwann kam ich an besagtem Platz an. Noch war hier nichts los. Ich lief weiter bis zur heiligen Katharina. Diese wird mich wahrscheinlich noch um mein Bankkonto bringen, denn die Rue St. Catherine ist die längste Einkaufsstrasse von Europa. Hätte ich das gewusst, wär ich niemals nach Bordeaux ;-). Dauerte auch nicht lange, bis ich die ersten Einkaufstüten in den Händen hielt. Um 2 Uhr ging ich zurück zum Place de la Bourse. Lauter „Zombies“, die „Hirn“ auf diversen Sprachen schrieen. Der Platz war voller Touristen, Zombies und Fotografen. War sehr lustig anzusehen.
Um 15.50 begab ich mich samt Gepäck zum Bahnhof. Um 16.00 traf ich meine Gasteltern. Jedes Mal wenn mir ein Ehepaar um die 50 begegnet ist, dachte ich: „Oh Gott, das sind die“. Mein Herz setzte dann jedes Mal aus und ich dachte, dass ich gleich tot umfalle. Hier die gute Nachricht. Ich lebe noch. Noch vor 16.00 Uhr traf ich Colette und Patrick. Süss die beiden. Sie sprachen mit mir als wäre ich ein Kleinkind im Kinderwagen oder taubstumm. Mit grossen Augen und jedes Wort extrem betont. Beide redeten gleichzeitig. Ich bin ja auch nicht auf den Mund gefallen, aber synchronhören, das kann ich noch nicht. Als sie dann merkten, dass ich Französisch nicht zum ersten Mal in meinem Leben gehört hatte, normalisierte sich das Ganze.
Wir fuhren mit dem Tram zu Ihrem Apartment. Ich war, dank Chantal N., ein wenig skeptisch. Sie erwähnte netterweise – dank Google Maps -, in welchem hässlichen Gebäude ich leben werde. So hässlich ist es in Natura auch nicht. Das Apartment ist <jedoch> kitsch pur. An den Wänden hängen Fische (Was machen Fische an Wänden???), Schwerte, Uhren, Spiegel (Mehrzahl), Pflanzen, Teller, Bilder, Tiere, Essen und sonstiges Zeug. Auf jeder Abstellfläche liegt etwas. Die Wohnung ist nicht riesig aber in 3 Zimmern wird gegessen. Internet gibt’s hier nicht. Ich mag mein Zimmer. Auch hier Leopardenmuster, Tigermuster, sonstige Muster, aber es gefällt mir.
Heute (Sonntag) haben Sie mir die Schule gezeigt. 25 Minuten zu Fuss. Tip Top. Die Schule scheint klein zu sein. On verra.
Wir reden viel. Ich verstehe eigentlich fast alles. Nur hab ich extrem Mühe, verschachtelte Sätze herauszubekommen. Auch meine Konjugierung ist nicht mehr, dass was sie einmal war. Aber gemäss meiner Gastfamilie besteht noch Hoffnung J.
Das Beste: Um 9.30 Uhr fängt die Schule an. Das ist wie mit der Spätschicht anfangen und mit der Frühschicht aufhören.
Ich bleib somit für den Moment hier. I like. –A.
Sous le pont, à Bordeaux..
..Nein Gott Sei Dank - NICHT! Hab ein kleines Hotel in der Nähe vom Bahnhof gefunden.
Zwar sind haufenweise Bordeaux'ische Leute beim Couchsurfing-Portal angemeldet, jedoch scheinen die alle jenes nicht zu praktizieren. Schon im Juli 11 konnte ich keine Couch in Arras finden.
Von Total 9 Anfragen, hat sich gerade 1 Person die Mühe gemacht, meine Anfrage abzulehnen. Clémentine kehrt erst zu später Stunde nach Bordeaux zurück und weder sie noch ich haben Lust mitten in der Nacht einen Treffpunkt auszumachen. Wir werden uns aber nächste Woche wohl auf ein Bier treffen.
Am Nachmittag war ich kurz im Zentrum. So auf den 1. Blick hab ich das Gefühl, dass es sich hier sehr schön leben lässt :-).
Current mood:
Alles klar
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