Tu vas me manquer
Und schon wieder eine Woche vorbei. Kann nicht irgendjemand die Zeit anhalten? Wenigstens für einen kleinen Moment?
Die Woche war aufregend. Soviel dazu. Am Dienstag musste ich bereits Melissa auf Wiedersehen sagen. Wohlgemerkt: "Au Revoir" und nicht "Adieu".
Sie und ihr Mann haben mich ins "La Provence" zum Essen eingeladen. Spätestens als sie mir sagte "Tu vas me manquer", hätte ich losheulen können. Ich hasse Abschiede. Ich bin dafür einfach nicht gemacht und viel zu Nahe am Wasser gebaut.
Ich weiss nicht, die sagen alle immer, man solle sie besuchen kommen. Die wissen ja alle noch nicht, dass ich spätestens in 2 Jahren mit Rucksack und Schweizer Schokolade auf deren Türmatte stehe und an die Tür klopfen werde. Ich nehm das nämlich Ernst. Ebenso würde ich mich natürlich sehr über einen Besuch in der Schweiz freuen, auch wenn ich schon mit halb Japan und Korea auf dem Jungfraujoch war..
Am Mittwoch sind dann schon die N & N's gekommen. Mann, hab ich mich gefreut euch zu sehen! Danke nochmals für den Besuch und für's Neon :-).
Den Abend haben wir natürlich mit einem Wein abgesegnet.
Donnerstag.
Schule. Ich würde die BLS (liegt wahrscheinlich am Namen), niemandem empfehlen. Die Schule hat wirklich ein Organisationsproblem. Meine Französischlehrerin ist zwar nett, aber sie hört sich selber ganz gern reden. Sie vergisst wahrscheinlich ab und an, dass sie bereits Französisch spricht. Nunja. In der Schule sind wir für diese Woche gewöhnlich zu dritt. Safaa ist nie da, Juan aus Spanien, Otto von Zürich und ich. Ich kann Otto und Juan kaum das Wasser reichen - nicht unbedingt aus sprachlichen Gründen, sondern eher wissensbedingt. Die beiden Herren haben aber auch schon einige Jahre mehr auf dem Buckel.
Nachmittags Sushi mit den N & N's. Dank euch bin ich dort langsam Stammgast. Alles kein Problem, solange mir selber keine Flossen wachsen.
Aus einem mir unbekannten Grund kommen wir kaum aus der heiligen Katharina-Strasse heraus. Freut mich, dass die N & N's es hier mögen. Nur schade, dass ihr den talentiertesten Barkeeper der Welt nicht konntet singen hören, aber "Pöpperle" hat wohl auch viel Spass gemacht.
Freitag.
Schule. Abschiede. Nicht nett. Unsere Französischlehrerin hat dann 10 Minuten nach Schulschluss noch erklärt, dass unsere C1-Klasse aufgelöst wird und wir mit der B2-Klasse zusammengemixt werden. Find ich überhaupt nicht toll. Jetzt sind wir wahrscheinlich zu 9., und 7 davon sind Schweizer. Es ist ja nicht so, dass ich meine Artsgenossen nicht mag, aber so hätte ich mich gleich in Zürich in der Migros-Klubschule anmelden können.
Ausserdem kann ich mir die Grammatik selber beibringen, ich muss reden und will beim reden korrigiert werden. Bei 9 Studenten ist das schwer.
Später dann: Noch schnell Abschied nehmen von ein paar Studenten. Bei einigen fällts mir leichter - bei anderen weniger..
Die N & N's und ich sind dann wieder bei der heiligen Katharina gelandet und ich konnte nicht anders als noch ein paar Schuhe zu kaufen.
Tja und dann; die N & N's haben meine Behausung hier in Bordeaux begutachtet. Ich bin ja sehr froh, dass die die selbe Meinung haben, wie ich. Sie konnten den Tigerteppich sehen (fehlt nur noch der Kopf, dann hätte es wahrscheinlich <Dinner for one 2011> gegeben), den Leopardenstuhl, den Kronleuchter mit nur einer Glühbirne (welcher Platz für 6 hat), die aufgestellten Insekten im WC, die aufgehängten Fische in der Küche, der Zebra-Teppich im Esszimmer 3.. Meine Gasteltern sind dann nach Hause gekommen und die N & N's konnten so noch Bekanntschaft mit ihnen machen.Zur Krönung der Besichtigung trug meine Gastmama tatsächlich noch so ein Tigerkleid (-kostüm). In diesem Moment wusste ich nun wirklich nicht mehr wo ich hinschauen sollte. Ich werde wohl lebenslang ein Trauma von solchen Tiermuster haben!
Später hatten wir (die N & N's und ich) dann noch die saublöde Idee, Käsefondue zu essen. Worst Fondue ever. Ja ich weiss, vielleicht sollte man keine Schweizerspezialität im Ausland essen, aber in La Paz (Bolivien) hatten wir ja auch Glück. Grausam. Der Abend endete wie gewohnt in einer Weinbar. Santé.
Samstag. Frühe Abreise der N & N's. Es war schön mit euch :-).
Um 9 Uhr bin ich dann nochmals schnell Busstation. Studenten verabschieden. Ich hasse Abschiede. Never say <Goodbye>. Just say <Bye> and it won't be for <good>.. (Ja, manche Sachen hören sich einfach besser in Englisch an).
Keine Zeit zum Traurig sein. Nachmittags sind wir nach St. Emilion gefahren, ein kleines Weindörfchen in der Nähe von Bordeaux. Welches Bijoux. Echt toll. Und der Wein erst. Nicht trocken, sondern richtig erfrischend. Irgendwann dann noch eine Flasche Sauternes (mon petit ami, mein Liebling).
Abends: Wir haben ne tolle Bar gefunden wo die Drinks einigermassen bezahlbar sind. Über den Wein muss ich wohl nicht reden, der ist manchmal billiger als eine Cola.
Sonntag.
Toller Tag. Bin mit Corinne auf den Lebensmittelmarkt. Gleich beim Fluss <La Garone>. Hab auch der Gänseleber nochmals eine Chance gegeben, aber nein - nie mehr wieder. Wie kann man nur? Whatever.
Was macht man in Bordeaux Sonntags, um 12 Uhr?. Richtig Baguette, Käse, Oliven und eine Flasche Sauternes kaufen und am Fluss picknicken. Ich weiss nicht wieviele Male ich wirklich mit 0.0% durch Bordeaux laufe. So langsam aber, bekomme ich das Gefühl, dass es nicht wirklich oft ist. Wenn das so weitergeht, sollte ich mir vielleicht einen Platz bei den AA's vorreservieren.
Jedenfalls habe ich hier meinen Spass. Mein Französisch wird auch besser.
Ich fange sogar an französische Musik zu mögen wie zum Beispiel Pendentif (aus Bordeaux) oder auch Coeur de Pirate (Kanada)... Bisher empfand ich französische Musik immer als ganz fürchterlich. Edith Piaf und Co. hören sich ja auch an, als ob jeden Moment die Welt untergeht.
Coeur de Pirate wird sogar am 29. hier in Bordeaux auftreten. Werd wohl mit von der Partie sein.
Oui, oui.. La vie est belle en France.
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