Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein,
die Engel.
Sie gehen leise, sie müssen nicht schreien,
oft sind sie alt und hässlich und klein,
die Engel.
Sie haben kein Schwert, kein weißes Gewand,
die Engel.
Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand,
oder er wohnt neben dir, Wand an Wand,
der Engel.
Dem Hungernden hat er das Brot gebracht,
der Engel.
Dem Kranken hat er das Bett gemacht,
und er hört, wenn du ihn rufst, in der Nacht,
der Engel.
Er steht im Weg und er sagt: Nein!
der Engel,
groß wie ein Pfahl und hart wie ein Stein -
es müssen nicht immer Männer mit Flügeln sein,
die Engel.
(Rudolf Otto Wiemer)
Dieses Gedicht war heute Teil der Trauerfeier für die Frau, die für
unsere Familie sehr oft der rettende Engel war und ich kann es mir ohne
sie irgendwie noch gar nicht so richtig vorstellen. Und ich hab wieder
mal gemerkt, wie sehr ich die Menschen mit einem tief verwurzelten,
überzeugten und klaren Glauben an Gott beneide. Ich glaube schon, dass
denen Abschiednehmen ein klein wenig leichter fällt als mir...
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Liebe Liljan,
Glauben (d. h. sich einem Anderen anzuvertrauen) bedeutet nach meiner Meinung, schon zu Lebzeiten Abschied zu nehmen - Abschied vor Allem von der Vorstellung, selbst Alles wissen, erklären und machen zu können und zu müssen. Dass heißt freilich auch, die Verwirklichung von Wünschen aufzugeben bzw. aufzuschieben und in eine andere Hand zu geben ...
Ja, und dann ist eben wohl auch leichter, zum Schluss auch das Leben ohne inneres Widerstreben aufzugeben und sich einfach in eine andere Zone jener Hand gleiten zu lassen.
Alles Gute und herzlichen Gruß
Eike