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Appendizitis, die 2.

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Vermutlich könnte ich bald ein Buch drüber schreiben. Im letzten Jahr lag ich Ende November für ein paar Tage mit Verdacht auf Blinddarmentzündung flach. Der Untersuchung meines Hausarztes und die Blutwerte ergaben aber nicht so eindeutig, ob der nun akut entzündet / nur entzündet / nur gereizt war. Ich wurde „nur“ krankgeschrieben (also musste nicht ins Krankenhaus), durfte nix essen (aber immerhin normal trinken), sollte den Unterbauch kühlen (ist immer gut bei Entzündung) und nach ein paar Tagen war der Spuk vorbei.

Letzten Samstag Nachmittag (fast auf den Tag genau ein Jahr später) treten die gleichen Beschwerden auf wie im letzten Jahr... nur waren die Schmerzen diesmal noch ein bisschen schlimmer. Samstag Abend ging’s mir dann schon ziemlich schlecht und ich hab mich kurzentschlossen ins Krankenhaus bringen lassen.
“Möchtest Du in das oder in das Krankenhaus?“ -
„Mir egal, Hauptsache IRGENDWOHIN!“

Irgendwann lag ich dann in der Notaufnahme unseres Kreis-Klinikums. Flach liegen war schon mal gut. Während nebenan Finger verbunden, Knieschneiben eingerenkt (naja, so in etwa *g*) und besoffene alte Männer versorgt wurden, harrte ich der Dinge, sprich der Blutwerte die da kamen. Fazit nach gut zwei Stunden: Nur die weißen Blutkörperchen waren zu hoch, alles andere normal, die Tast-Untersuchung sprach auch nicht für eine akute Appendizitis (wie man so schön sagt). Der diensthabende Arzt: „Ich glaube nicht, dass der entzündet ist, aber Sie sollten mal zur Beobachtung hierbleiben.“
Also am Samstag Abend um 22 Uhr rauf auf die Chirurgische Station, Null-Diät - das hieß nix Essen und viel schlimmer nix Trinken! - dafür aber eben Elektrolyt-Infusion. Von Samstag Abend bis Montag früh. Ab dann durfte ich immerhin Tee trinken und Zwieback essen, Montag Nachmittag wurde ich dann vom Tropf befreit und Dienstag und heute durfte ich dann sogar wieder etwas „Richtiges“ essen... was man sich halt so richtiges unter „Aufbau-Kost“ vorstellen kann *g*
Die Schmerzen waren im Prinzip Sonntag Nachmittag schon wieder viel geringer, Montag ging’s mir schon wieder ziemlich gut und gestern erst recht. Der Grund warum ich so lange dort ausharren musste, war eben dass meine Blutwerte (wie schon im letzten Jahr) nicht so eindeutig waren. Ein andere Entzündungswert war angestiegen und der musste erst wieder sinken, bis ich nach Hause durfte. Was dann heute Nachmittag der Fall war.

In 4 Tagen Krankenhaus hat man aber viel Zeit nachzudenken. Über die Frage, warum eigentlich zwischen 10 Uhr und 20 Uhr im deutschen Fernsehen eigentlich nur Schrott bzw. nichts Interessantes läuft, über die Unterschiede zwischen Krankenhaus-Realität und Krankenhaus-Fiktion wie z.B. in „Nikola“ (mein Chefarzt war übrigens netter als im Fernsehen *g*) oder auch in „Emergency Room“. Für „ER“ hab ich mich irgendwie nie begeistern können, aber gestern hab ich es zum ersten Mal geschaut, weil es laut TV-Zeitung auch um einen Patienten mit Verdacht auf Blinddarmentzündung ging. Wie passend! So hektisch wie in ER ging’s in „meiner“ Notaufnahme aber nicht zu, es liefen auch keine Kinder von Mitarbeitern stundenlang ungefragt durch die ganzen Flure und bei mir kam auch keiner auf die Idee wegen des Blinddarms ein CT zu machen... Sehr komisch alles. Und mir definitiv auch zu hektisch gefilmt, aber nun gut :-)
Man kann auch über die Frage nachdenken, was Sony Pictures wohl im Mai 2005 mit den vielen nicht mehr benötigten „Nikola“-Requisiten anfangen wird oder über gewisse „schriftstellerische“ Probleme-Konstellationen und vor allem darüber, was man in seinem vorherigen Patienten-Leben verbrochen hat um in diesem nun mit einer sehr anstrengenden Zimmer-Nachbarin gestraft zu werden.

Ok, es ging ihr an den ersten Tagen wirklich nicht so gut und sie war eigentlich lieb und nett, aber eben anstrengend! Eine Oma (im wahrsten Sinne) Ende 60: schwerhörig, mit enormen Atem-Problemen (ich hab noch nie jemanden so keuchen hören, wenn sie nur ins Bett steigen muss), auf Dauer schwer erträglichem Ruhrgebiet / Bergisches Land Dialekt („Ich muss schon widda nachm Klo!“) sehr mitteilungsbedürftig und was das Anstrengendste war, in gewissen Dingen eben doch eher unselbständig. („Kumma, issas durchgelaufen? Soll ich nache Schwester klingeln?“) HILFE!
Es gibt so Momente da frage ich mich schon warum ich nicht zu der Sorte Mensch gehöre, die ihre Mitmenschen (und eben auch deren Probleme) ohne Schwierigkeiten ignorieren können. Und die in so einem Zimmer dann eben nicht 2 Tage lang heimlich ein Auge drauf haben, dass die Zimmer-Nachbarin sich nicht zum 2. Mal versehentlich die Braunüle aus dem Handrücken zieht. Andererseits... würde ich mich als so eine Sorte Mensch vermutlich auch nicht wohlfühlen. :-)

Melli am 2. Dezember 2004 um 17:59
Hi du Arme!
Krankenhaus ist immer Mist! Ich war das letzte Mal glaube ich mit 8 drin aber ich hasse sie immer noch.
Toi toi toi, dass das nicht wieder passiert, oder einfach das Ding rausnehmen beim nächsten Mal! Dann hat der Spuk ein Ende.
Ich wollte eigentlich schon längst in der Stadt sein (Uni erst um 13 Uhr), aber dieser Krankenhausbeitrag war einfach zu gut. Die Oma war vortrefflich beschrieben :). Und man hat es wirklich schwer, wenn man seine Mitmenschen nicht igonieren kann, ist aber auch besser so, sonst wären wir ja nicht hilfsbereit, nett, fürsorglich und aufopfernd.
In diesem Sinne!
LG
Melli

   

SonjaR am 2. Dezember 2004 um 18:46
Ach du Arme!
Das klingt ja wirklich nach "wunderbar erholsamen" Tagen ;-)
Deine Zimmer/Bettnachbarin kann ich mir lebhaftest vorstellen - kenn ich von meiner Oma!
Als kleiner Trost: du hast halt noch ein Herz für deine Mitmenschen - kommt eh viel zu selten vor!
Also, weiter so!
LG, Sonja

   

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