Sommer... Sommerpause... Entspannung. Gelassenheit. Sonne, leichter Wind auf der Haut, träge Sinnlichkeit. Ein Sommer wie aus dem Bilderbuch und nach so langen Wochen die ignorante Gewissheit, dass es bis Oktober so bleiben wird...
Weblog von Katrin Heins
Sommer... Sommerpause... Entspannung. Gelassenheit. Sonne, leichter Wind auf der Haut, träge Sinnlichkeit. Ein Sommer wie aus dem Bilderbuch und nach so langen Wochen die ignorante Gewissheit, dass es bis Oktober so bleiben wird...
Spätestens seit der Fußball-WM geht es beim Fußballgucken nicht mehr um Fußball. Es geht um Emotionen, auch ganz offiziell. Fußball ist unsere Religion, Fußball ist der Spiegel auf unser Leben. Na gut, dann gucke ich jetzt mal durch diesen Spiegel auf mich selbst.
Als ich zwei Tage vor dem Spiel gegen Portugal (auch Spiel um die goldene Ananas genannt) zum ersten Mal davon gehört habe, dass Oliver Kahn dieses Spiel machen sollte, war meine Reaktion eindeutig. So ein Almosen, wie demütigend, das würde ich ja nie machen an seiner Stelle, dieses Angebot anzunehmen. Schließlich hätte ich meinen Stolz, dachte ich stolz. Abgesehen davon, dass ich nie in einer vergleichbaren Situation gewesen bin - ich hätte mich durch meinen Stolz um den Lohn meiner jahrelangen Arbeit gebracht. Olli Kahn hat sich mit diesem letzten Einsatz ein Denkmal gesetzt, ein größeres vielleicht, als wenn er als Nummer Eins Weltmeister geworden wäre. Olli Kahn ist endgültig vom Affen zum Menschen mutiert. Da ging es nicht um sportlichen Erfolg, um sportliche Leistung, da ging es um menschliche Größe, um die Erfahrung, plötzlich, unabhängig vom Sportlichen von den Fans geliebt zu werden.
Das hätte mein Stolz verhindert. Was verhindert er noch alles?, frage ich mich seitdem.
Irgendwie ist der Gedanke an morgen unheimlich. Morgen ist alles vorbei. Keine Fußball-WM. Unsere Stars sind im Urlaub - verstreut in alle Winde. Ein paar Diskussionen noch - bleibt Klinsi, wären wir Weltmeister geworden, wenn Frings im Halbfinale nicht gesperrt worden wäre, werden wir jetzt 2010 Weltmeister? Zwei, vielleicht drei Tage können wir uns damit vielleicht über Wasser halten, können uns noch ein bisschen auf die Schulter klopfen - Weltmeister der Herzen, Weltmeister im Weltmeisterschaft austragen. Aber dann... dann ist es unwiederruflich vorbei, und die nächste WM kriegen wir frühestens in 30 Jahren. Das ist eine verdammt lange Zeit. Vielleicht gibts zwischendurch noch eine Europameisterschaft oder Olympische Spiele. Aber lässt sich mit dieser wagen Hoffnung unsere Seele nähren. Tatsache ist, dass wir in den Alltag zurückmüssen - und das geradewegs im Sommerloch. Wir werden uns mit der 4. Wiederholung einer ZDF-Schmonzette den Abend vertreiben müssen - wohl kaum ein Anlass für Public Viewing. Und die Tour de France kann dieses Loch in diesem Jahr auch nicht füllen, präsentiert sie sich doch als bodenloses Schlammloch in der Dopingschlacht.
Tja, da müssen wir uns wohl mit uns selbst beschäftigen. Man könnte ja mal wieder selbst Sport treiben. Oder sich verlieben. Oder einfach nur im Biergarten sitzen - ohne Kampf um die beste Sicht auf den Fernseher. Summer in the city. Als Gesprächsthema bietet sich zur Abwechslung das Wetter an, dass in letzter Zeit irgendwie unbeachtet blieb.
Und im September ist das erste Spiel zur EM-Qualifikation...
Es gibt ja auch Tage, über die lässt sich einfach nichts sagen. Ich glaube, dass solche Tage vermehrt an Donnerstagen auftreten. Ist auch gar nicht schlimm. Es sind keine schlechten Tage, diese Donnerstage, nur Tage des Donners sind sie nicht, nicht für mich. Es sind oft Tage, an denen ich viel schaffen kann, an denen die Arbeit gut von der Hand geht, auch von der Hand gehen muss, denn das Wochenende naht. Tage vielleicht, die sich mit den Sachen selbst beschäftigen, ganz unmittelbar und produktiv, aber unkommentiert.
Heute ist so ein Tag. Donnerstag. Vielleicht kommen die angekündigten Gewitter ja bis Bremen. Dann wird der Donnerstag auf diese Art und Weise seinem Namen gerecht.