Morgen werde ich wandern gehen. Morgen und übermorgen und überübermorgen. 70 Kilometer durch den Harz. Zum Glück ist wandern ja total in, seit Manuel Andrack (der von Harald Schmidt) das Buch "Du musst wandern" geschrieben hat und Hape Kerkeling den Jakobsweg gegangen ist. Das ist beruhigend. Man fühlt sich doch immer besser, wenn man sich vom allgemeinen Trend begleitet fühlt. Außerdem ist das praktisch. Man kann ganz einfach sagen, dass man wandern geht. Keine Entschuldigungen, kein Rechtfertigungsdruck. Auf die möglichen Reaktionen ist man schließlich vorbereitet. Entweder kennt das Gegenüber den Trend. Dann kann man sich an seinem bewundernden, zumindest wissenden Gesichtsausdruck erfreuen. Vielleicht sagt er, ja, das habe ich letzten Monat gemacht, so dass sich ein Fachgespräch über die besten Wandergebiete entwickeln kann. Oder - noch besser - er sagt, das wollte ich auch schon immer tun, dann kann man sich mehr oder weniger still an seinem Neid ergötzen. Wenn das Gegenüber den Trend nicht kennt, ist eine andere Strategie gefragt. Es kommt auf Nuancen an, eine mitleidig-hochgezogene Augenbraue, ein schneller Blick nach links und rechts, um dem Gegenüber zu signalisieren, dass man mitfühlend abcheckt, ob auch niemand aus der Umgebung seine Trend-Kapitulation anhören musste. Dann ist es an der Zeit, das unwissende Gegenüber mit adäquaten Mitteln aufzuklären - dabei ist darauf zu achten, ein ausreichendes Maß von Mildtätigkeit in die Stimme zu legen.
Morgen geht es also los. Morgen um diese Zeit ist der Brocken hoffentlich bezwungen. Von da ab bis nach Schierke geht es nur noch bergab...
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