Einträge "Oktober 2008":

Samstag, 25. Oktober 2008

Luft schnappen in Kairo 8

Limousine. ‘Warum mietest Du dir kein klimatisiertes Auto mit Chauffeur für den Tag? Es ist erschwinglich, und so kommst Du überall hin ohne durch diesem schweren Gestank waten oder fahren zu müssen.' Das riet mir ein Freund, aber er hat es nicht verstanden. Überall hin? Ich muß nirgendwo hin. Ich habe in Kairo nichts zu tun, außer da zu sein, und meine Erinnerungen zu erfrischen und mit neuen Einzelheiten zu bereichern. Der Weg ist das Ziel. Die Autobusse kann ich nicht mehr nehmen, weil sie voller sind als je - oder scheint das nur so? Überdies traue ich mir nicht mehr, darauf zu springen und mich von außen an der Tür oder an der Traube der Fahrgäste festzuhalten und dann rechtzeitig abzuspringen. Ich habe nicht mehr die jugendliche Kraft, Schnelligkeit und Gelenkigkeit, aber es kommt noch dazu, daß auf die Traube kein Verlaß mehr ist. Man ist nicht mehr bereit, Ausländer aufzunehmen. Wie mir bei meinem vorigen Besuch ein empörter junger Mann erklärt hat: ich soll Taxi fahren. Die Menschen haben recht: sie wissen inzwischen sehr wohl, daß ich hundert Mal mehr verdiene als sie, und ich nehme ihnen nur den Platz. Bleiben also der Fußweg oder die einfachen Taxen der Billigklasse.
Autor: hatif in: Verschiedenes

Dienstag, 21. Oktober 2008

Universität und Islam

Den Münsteraner Professor der Islamwissenschaft Kalisch hat man seines Unterrichts enthoben, weil er eine Meinung verkündet hatte, die einem islamischen Verein nicht genehm war. Schlägt jetzt eine Welle der Empörung durch die deutschen Universitäten? Nö. Wahrscheinlich werden alle Universitäten so handeln wie die in Münster. Geld und Studentenzahlen sind was zählt; nicht der Inhalt der Lehre.

Nicht nur Neonazis, auch Islamisten werden hierzulande immer wieder gerne toleriert.

Autor: hatif in: Verschiedenes

Freitag, 17. Oktober 2008

Luft schnappen in Kairo 7

Toiletten. Längst ist die Zeit vorbei, daß man als ausländischer Mann nur in den großen Hotels, bei Groppi oder bei den ausländischen Fluglinien aufs Klo gehen konnte. Jetzt gibt es auch ein Netzwerk von MacDonalds, Kentucky Fried und etliche Coffeeshops, was Männern mit schwachem Blasen das Leben sehr erleichtert. Es gibt sogar einige öffentliche Toiletten in Kairo, Eintrittspreis £E 0,50; wegen mangelnder Hygiene aber nur in Notfällen zu empfehlen.
Islamische Männer können ihre Notdurft bei der Moschee verrichten; christliche nicht. Und die Frauen aller Glaubensrichtungen? Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung, wie sie es machen, aber ohne Zweifel sind sie in Kairo klomäßig unterprivilegiert, wie in anderen Weltstädten auch.

Autor: hatif in: Verschiedenes

Dienstag, 14. Oktober 2008

Luft schnappen in Kairo 6

Französisch. Der Aufstieg war nicht leicht gewesen: die ägyptische Schule mit Fremdsprachenabteilung, also etwas Englisch gelernt, aber nicht genug für ein wirklich guten Job. Das reicht nur zum Bellboy in einem Hotel o.ä.. Dann aber die zweite Chance: weil M. Kopte ist, konnte er eine Ausbildung und Job bei einer ausländischer Kirch bekommen. Hat also doch noch richtig Englisch gelernt. Jetzt geht es ihm recht gut. Aber was macht der Idiot? Er schickt, unter beträchtlichen finanziellen Opfern, seine beiden Kinder in die französische Schule. Als Reaktion gegen Amerika kann ich das noch verstehen. Aber es geht ihm also nicht darum, den Kindern praktische Chancen zu geben, er will, daß sie chic werden, zur Oberschicht gehören. Aber dazu reicht die französische Sprache nicht, dazu braucht man auch Familienhintergrund, Immobilien und viel Geld, von dem man nicht reden muß. Überdies bröckelt das Französisch als Elitesprache seit Jahrzehnten. In Kairo ist es eher die Sprache von reichen Großmüttern geworden. M. hat ein veraltetes Vornehmheitsideal.
Die altersschwache Tageszeitung Le Journal d‘Égypte mit ihren hilarischen Society-Seiten, habe ich diesmal nicht mehr gesehen. Wahrscheinlich ist ihre Herausgeberin Lita Gallad, das Urgestein der Francophonie, letztendlich verstorben. 

Autor: hatif in: Verschiedenes

Montag, 13. Oktober 2008

Luft schnappen in Kairo 5

Child obesity. Spazierte gerade durch Nord-Zamalek als die Schulen ausgingen. Tobende Meuten wohlhabenden Kinder in Schuluniformen warteten auf Bussen oder Sammeltaxen. Die Zeit der silbernen Rolls-Royces mit Chauffeur ist vorbei, aber die Kinder auf diesen Schulen gehören noch immer zur Oberschicht. Das bedeutet sehr viel Taschengeld, und Sucht nach Cadbury Dairy Milk Chocolate, Mars, Bounty, Snickers, M&M, Werters Echte und vieles mehr. Das Ergebnis: viele Kinder hier sind dick, nein richtig fett! Die Kinder lernen jetzt was in Deutschland längst gang und gäbe ist: wer etwas kaufen kann, muß es auch kaufen.

Autor: hatif in: Verschiedenes

Luft schnappen in Kairo 4

Unterwäsche. Warum kaufen Ägyptenbesucher immer solche blöde Skarabäen, Aschenbecher, Stoffkamele oder Alabasterpyramiden mit Innenbeleuchtung? Ich habe für 20 Euro wieder einen Haufen Unterwäsche gekauft, der in Deutschland in dieser feinen Qualität mehr als 200 kostet. So habe ich mir ein Teil der Reiskosten zurückverdient.
Das einfachste ist, Sie gehen einfach ins Kaufhaus Omar Effendi (http://omareffendi.com.eg) und bedienen sich z.B. bei der Marke J de Jil. Die Festpreise stehen darauf; wo anders kriegt man dasselbe noch günstiger. Ob das Angebot auch für Damen attraktiv ist, weiß ich allerdings nicht.

Autor: hatif in: Verschiedenes

Samstag, 11. Oktober 2008

Luft schnappen in Kairo 3

Cleopatra. Unerwartet mußte ich heftig weinen, ja ganze Nilarme habe ich geweint, als ich die mitgebrachte CD ‘Cleopatra’ von Mohamed Abdel Wahab auflegte, einfach so, zwischen Morgenkaffee und Dusche, um mal kurz rein zu hören. Davon konnte aber nicht die Rede sein; ich mußte auf einmal alles hören, und danach war ich zerschlagen, wie der Morgen auch.
Ja ja, ich weiß: ein Klassiker des Orient- und Nilkitsches, ich hatte ihn früher ja oft gehört, sentimentale in sich selbst festfahrende Liebesbetrunkenheit mit einem Hauch Nationalismus. Ich kenne den Hintergrund dieses Lieds nicht, aber ich stelle mich einen Film aus 1948 vor, im Cinéma Rivoli, wobei Cleopatra oder welche geträumte Geliebte auch immer sanft in einer Schaluppe über den Nil gerudert wird. Ein Hintergrund von Palästen, Palmen und rotem Sonnenuntergang, alles aus Pappkarton.
Allerdings habe ich das damals nicht gesehen und gehört; es war weit vor meiner Zeit! Warum weine ich nicht um meine eigene altbackene Vergangenheit, verdammt? Oder um das eintretende Zerfall? Stoff gäbe es genug.
Was mich trotz allem zum Weinen bringt ist wohl diese unkaputtbare Stimme, unter den Männerstimmen wohl die allergrößte der arabischen Welt.

Sie dürfen gerne mithören, aber ob Sie auch mitweinen können?
http://www.maqam.com/mohamedabdelwahab_cleopatra.html#Samples  (Cleopatra anklicken; Detail)
http://wahab.infomideast.com/listreal.html  (vollständige Wiedergabe; Nr. 35 anklicken)

Autor: hatif in: Verschiedenes

Freitag, 10. Oktober 2008

Luft schnappen in Kairo 2

Kopftücher. Wozu eigentlich das Getue um die islamische Kopfbedeckung, die seit 1977 in Ägypten zunehmend stark anwesend ist? Ich habe Hunderte herausfordernde, sexy junge Mädels gesehen, so um die siebzehn. Knallige Oberteile und ein Kopftuch in kontrastierender Farbe, z.B. leuchtend Grün und knallig gelb. Oder etwas mit Popbuchstaben drauf, wie die Jungs auch auf ihren Jeans haben. Handy in der Hand, genug Geld für Pepsi und Big Mac. Schweres Make-up und ggf. Botoxlippen; wer weiß auch noch ein Nabelpiercing drunten. Diese Mädels denken sichtbar nur an das, woran Siebzehnjährige nun mal denken: Sex. Titten und Hinten werden unverschämt zur Schau getragen, geflirtet wird mit allem, was männlich ist. Religion und Kopftuch scheinen das eher zu fördern als zu hemmen. Ich fand dort viel weniger Zurückhaltung als z.B. in Deutschland. Beruht das ganze Übermaß an Textil vielleicht nur auf eine Verschwörung der Textilindustrie?

Autor: hatif in: Verschiedenes

Freitag, 10. Oktober 2008

Luft schnappen in Kairo

Gerade wieder mal Luft geschnappt in Kairo. Bin hustend zurückgekommen; nicht wegen Erkältung, sondern weil  die Stadt heutzutage gerade im Oktober noch dreckiger ist als sonst. Wußte ich noch nicht. Das muß aber niemand daran hindern, dorthin zu fliegen. Seit den Olympischen Spielen in Peking scheinen Dreckstädte geradezu Konjunktur zu haben. Und nach London und Athen ist man doch früher auch gefahren. Jetzt sitze ich aber auf meinem Balkon, mit Winterjacke an, und atme tief die saubere Luft.
Vielleicht schreibe ich in den nächsten Tagen ein Paar Eindrucke nieder.
Autor: hatif in: Verschiedenes