In meiner letzten Veranstaltung habe ich das Wort Menstruation ausgesprochen. Dabei habe ich mir nichts gedacht; das Wort mußte gesagt werden in Zusammenhang mit den islamischen Reinheitsvorschriften. Aber als ich es sagte, sah ich, wie zwei islamische Studentinnen zusammenzuckten. Ich mußte zurückdenken an die Sechziger, als das in Europa auch noch ein Tabuthema war. Wie peinlich war es, als meine Schwester einmal krank war und ich für sie eine Packung Monatsbinden kaufen mußte. Es war in England; vielleicht war das damals noch etwas prüder als Europa. Die Dame in der Drogerie war auch sichtlich geniert; sie errötete und tauchte ab unter den Ladentisch, um kurz danach mit einem ziemlich großen Päckchen in braunem Papier wieder hoch zu kommen.
Das Thema verdankt seine Enttabuisierung wohl der Erfindung des Tampons; oder nein, vielmehr erst der frechen Werbung für das Zeug: die Produkte mit Flügelchen, das eine noch starker absorbierend als das andere, was immer mit einer Flüssigkeit, die aussah wie Blue Curaçao, demonstriert wurde. War das 1990 ?
Die islamische Welt ist wie immer etwas später. Im Jahre 2001 hat der Syrer Ammar Abd al-Hamîd einen Roman mit dem provozierenden Titel Menstruation geschrieben - ja, auf Englisch. Der Autor hat eine Vergangenheit als fundamentalistischer Imam und möchte in diesem Buch alle denkbaren Tabus verletzen. Nicht nur über Menstruation handelt sein flott geschriebenes Werk, auch über viele Varianten der Sexualität. Unterhaltsam ist zum Beispiel, wie eine Frau einen Koranstudienverein besucht um dort eine Freundin zu finden, aber auch um für eine andere Freundin ein Treffen mit einem Kerl zu regeln. Oder wie ein Mann sich bei seiner Mutter beklagt über seine Frau, weil diese nicht begeistert genug guckt bei der freudlosen Nummer, die er ihr immer wieder antut. Und wie Frauen lesbisch werden, weil es mit ihrem fantasielosen Macho-Typ doch nie etwas wird. Ein Höhepunkt ist, wie eine verschleierte Frau bereits im Eingangsbereich ihrer Wohnung ihre ebenfalls verschleierte Freundin mit dem ‘Scheißding’, das sie sich vom Kopf zieht, wie ein Stierkämpferin herausfordert: Toro, toro! , bis sei beide laut lachend und balgend auf das Ehebett landen. Im letzten Kapitel, das weniger erzählend ist, wird regelrecht der Prophet beleidigt, was wohl der Grund ist, daß Verlage es nicht abgedruckt haben. Man kann es noch immer im Internet lesen: http://www.amarji.org/menstruation/conferen.htm
Vielleicht bringt es etwas, so ein Roman; aber ich glaube, Tamponwerbung ist wirksamer. Überdies ist eine Übersetzung ins Arabische noch lange nicht vorstellbar.