Einträge "August 2007":

Dienstag, 28. August 2007

First Lady

Frau Gül, die neue First Lady der Türkei, steht jetzt vor einem Spagat. Sie braucht Bekleidung, die Gott und den Wählern ihres Mannes gefällt, aber möchte selbst bestimmt wie eine Frau von Welt ausschauen. Vielleicht kann dieses Istanbuler Bild aus der Illustration (1907) sie inspirieren ... . Sollte sie eine Lösung für das islamische Bekleidungsproblemchen finden, so könnte sie sich sehr verdient machen.

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Autor: hatif in: “Orient”

Montag, 13. August 2007

Neuere Islamforschung

Endlich Koren & Nevo, Crossroads to Islam, Amherst N.Y. 2003 gelesen. Es bestätigt, ja betont das Bild, das in der neueren Forschung über die Entstehung des Islam aufgekommen ist. Einige Hauptpunkte:
- über Mohammed ist so gut wie nichts bekannt.
- das Oströmische Reich hatte sich militärisch schon aus Syrien zurückgezogen. Das Gebiet was kampflos in die Hände von Arabern gefallen, die unter sich dann um die Vorherrschaft gekämpft haben. Keine „rechtgeleitete Kalifen“ also.
- Der Islam entwickelt sich erst ab 690, nicht ab 632.
Die Islamforschung tendiert immer mehr in diese Richtung. Die Muslime machen nicht mit; hier liegt ein riesiger Konfliktstoff. Wo die armen Schlucker es doch schon so schwer haben in der Welt, untergräbt man jetzt auch noch ihren Gründungsmythos. Ehrliche, gebildete Muslime werden klammheimlich einsehen, daß etwas dran ist, an diesen Forschungsergebnissen. Sie werden also mit einer doppelten Wahrheit leben müssen, wie christliche Pfarrer auch. Eleganter wäre es gewesen, wenn die Forschung nicht von Außenstehern, sonder von Muslimen selbst vorgenommen würde. Kommt vielleicht noch.
Vielleicht ist es hilfreich, auch auf andere Gründungsmythen zu schauen, wie verlogen die waren. Man kann klein anfangen, z. B. der vom Staat Israel, der leicht auffliegt („3000 Jahre Jerusalem“; eine Bibel, die niemand lesen will/kann; Palästinensische Dörfer, die jetzt alttestamentliche Namen tragen usw.). Oder der Türkische: es sieht ja so aus, daß das verschlissene Türkentum im Sinne von Atatürk seine längste Zeit hinter sich hat.
Ach, wozu braucht man auch einen Gründungsmythos? Ich lebe seit Jahrzehnten ohne, und es geht mir gut.
Das Christentum zu knacken war eine viel größere Arbeit, aber sie ist getan worden. Es ist auch viel Arbeit, die Abtakelung des Christentums nachzuvollziehen, aber vielleicht könnten intellektuelle Muslime damit anfangen. Das tut nicht Weh, und einige von ihnen würden dann vielleicht auf die Idee kommen, dasselbe auch mal mit dem Islam zu versuchen.

Autor: hatif in: “Orient”

Samstag, 11. August 2007

Der europäische Islam

Das will die EU, sagt sie, einen europäischen Islam. Keine Importbärte, keine Hinterwäldler aus rückständigen Gebieten, sondern hier ausgebildete Imame, die eine westeuropäische Sprache sprechen, so ungefähr wie die christlichen Pfarrer.

Aber es gab doch schon einen europäischen Islam, in Bosnien-Herzegowina? Den hat man vernichtet. Natürlich, der große Bösewicht und kleine Diktator Milosevic hat das getan. Aber ganz Europa hat ihm bei der Arbeit schweigend zugeschaut und ist dadurch mitschuldig. Mir war 1989 gleich klar, was für einer das war, der Milosevic, und Fachpolitiker wollen das nicht gewußt haben?

Es war ein schöner Islam, dort in Jugoslawien. Kosmopolitisch, gebildet, lebensfroh. Alles weg jetzt. Die Überlebenden sind irgendwelchen wahhabitischen Langeweilern zum Opfer gefallen—genau was Europa behauptet, nicht zu wollen. Wo man die Bäume umhackt kommen Brennessel.

Bosnien-Herzegowina gehörte vor hundert Jahren einige Jahrzehnte lang zu Österreich-Ungarn. Und siehe da: dieser Staat war sehr wohl in der Lage, gute Gesetze und Regelungen für den Umgang mit dem Islam zu kreieren. Auch alles vergessen.

 

Autor: hatif in: “Orient”