Endlich Koren & Nevo, Crossroads to Islam, Amherst N.Y. 2003 gelesen. Es bestätigt, ja betont das Bild, das in der neueren Forschung über die Entstehung des Islam aufgekommen ist. Einige Hauptpunkte:
- über Mohammed ist so gut wie nichts bekannt.
- das Oströmische Reich hatte sich militärisch schon aus Syrien zurückgezogen. Das Gebiet was kampflos in die Hände von Arabern gefallen, die unter sich dann um die Vorherrschaft gekämpft haben. Keine „rechtgeleitete Kalifen“ also.
- Der Islam entwickelt sich erst ab 690, nicht ab 632.
Die Islamforschung tendiert immer mehr in diese Richtung. Die Muslime machen nicht mit; hier liegt ein riesiger Konfliktstoff. Wo die armen Schlucker es doch schon so schwer haben in der Welt, untergräbt man jetzt auch noch ihren Gründungsmythos. Ehrliche, gebildete Muslime werden klammheimlich einsehen, daß etwas dran ist, an diesen Forschungsergebnissen. Sie werden also mit einer doppelten Wahrheit leben müssen, wie christliche Pfarrer auch. Eleganter wäre es gewesen, wenn die Forschung nicht von Außenstehern, sonder von Muslimen selbst vorgenommen würde. Kommt vielleicht noch.
Vielleicht ist es hilfreich, auch auf andere Gründungsmythen zu schauen, wie verlogen die waren. Man kann klein anfangen, z. B. der vom Staat Israel, der leicht auffliegt („3000 Jahre Jerusalem“; eine Bibel, die niemand lesen will/kann; Palästinensische Dörfer, die jetzt alttestamentliche Namen tragen usw.). Oder der Türkische: es sieht ja so aus, daß das verschlissene Türkentum im Sinne von Atatürk seine längste Zeit hinter sich hat.
Ach, wozu braucht man auch einen Gründungsmythos? Ich lebe seit Jahrzehnten ohne, und es geht mir gut.
Das Christentum zu knacken war eine viel größere Arbeit, aber sie ist getan worden. Es ist auch viel Arbeit, die Abtakelung des Christentums nachzuvollziehen, aber vielleicht könnten intellektuelle Muslime damit anfangen. Das tut nicht Weh, und einige von ihnen würden dann vielleicht auf die Idee kommen, dasselbe auch mal mit dem Islam zu versuchen.