Dumm, dumm, daß Amerika und Europa die Palästinenserregierung jetzt doch nicht weiter finanzieren wollen. Das wäre doch mal eine Chance gewesen, an einem zentralen Ort im Nahen Osten und unter (durch Israel) kontrollierten Bedingungen ein Experiment mit einer islamistischen Regierung zu wagen. Wäre das halbwegs ein Erfolg geworden, dann wußte man, daß sie das doch können; wenn es jedoch -- viel wahrscheinlicher! -- daneben gegangen wäre, dann wäre der Islamismus deutlich geschwächt worden.
Wenn es jetzt daneben geht, werden die Islamisten wieder sagen, daß sie nichts dafür können und es alles der Schuld des bösen Westens ist. Überdies wird so die Tür zur Finanzierung aus anderen Quellen geöffnet und werden Islamismus und Terrorismus weiter geschürt.
Einträge "April 2006":
Montag, 10. April 2006
Freitag, 7. April 2006
Kreuzfahrer
Weil ich nicht so vertraut bin mit der deutschen Geschichte, stehe ich manchmal vor Überraschungen. Der erste Kreuzfahrer der Neuzeit war nicht George Bush, sondern Wihelm II! Am 31. Oktober (Reformationstag!) 1898 ritt der deutsche Kaiser in einem selbst entworfenen Tropenanzug die heilige Stadt Jerusalem hinein, um dort u.a. die von ihm errichteten Erlöserkirche einzuweihen. Ein Teil der Stadtmauer mußte abgebrochen werden um dem Kaiser einen sicheren und fotogenen Einzug zu gewähren. Ende Oktober ist es in Jerusalem sicherlich nicht wärmer als in einem Berliner Sommer; also kein Grund für einen Tropenanzug. Aber so ein Kostüm war ein koloniales Symbol, und Deutschland war nun mal Kolonialmacht. Die Presse nennte den Kaiser einen „neuen Kreuzfahrer“, nicht zuletzt durch offizielle Propaganda und durch die Kunstwerke in der Kirche inspiriert. Der Dichter Wedekind spottete:
Mit Stolz erfüllst du Millionen Christen;
Wie wird von nun an Golgatha sich brüsten,
Das einst vernahm das letzte Wort vom Kreuz
Und heute nun das erste deinerseits.
In Damaskus besuchte Wilhelm das Grab des Saladin, der islamische Kriegsheld aus der Zeit der wirklichen Kreuzzüge. Diesen „Ritter ohne Furcht und Tadel“ pries er himmelhoch in einer berühmt gewordenen Ansprache, in der er dem Sultan und den 300 Millionen Muslimen seine bleibende Unterstützung versprach. Es war diese Publizität, die Saladin in die arabische „Erinnerung“ zurückbrachte. Am Anfang des 20. Jahrhunderts bekam er, unter türkischen und europäischen Einfluß, auch in der arabischen Welt Heldenstatus als Besieger des Christentums. Ein evangelischer Kreuzfahrer pries also den ehemaligen islamischen Feind und versprach Muslimen Hilfe gegen ihre ebenfalls christlichen Widersacher. Es hört sich an wie eine Oper mit einer verwirrten Handlung. Aber seit Wilhelm waren die längst vergessenen Kreuzzüge zurück in den arabischen Köpfen. Ab den Zwanzigern, und erst recht nach der Gründung Israels, wurden sie im antiwestlichen Diskurs eingesetzt.
Mit Stolz erfüllst du Millionen Christen;
Wie wird von nun an Golgatha sich brüsten,
Das einst vernahm das letzte Wort vom Kreuz
Und heute nun das erste deinerseits.
In Damaskus besuchte Wilhelm das Grab des Saladin, der islamische Kriegsheld aus der Zeit der wirklichen Kreuzzüge. Diesen „Ritter ohne Furcht und Tadel“ pries er himmelhoch in einer berühmt gewordenen Ansprache, in der er dem Sultan und den 300 Millionen Muslimen seine bleibende Unterstützung versprach. Es war diese Publizität, die Saladin in die arabische „Erinnerung“ zurückbrachte. Am Anfang des 20. Jahrhunderts bekam er, unter türkischen und europäischen Einfluß, auch in der arabischen Welt Heldenstatus als Besieger des Christentums. Ein evangelischer Kreuzfahrer pries also den ehemaligen islamischen Feind und versprach Muslimen Hilfe gegen ihre ebenfalls christlichen Widersacher. Es hört sich an wie eine Oper mit einer verwirrten Handlung. Aber seit Wilhelm waren die längst vergessenen Kreuzzüge zurück in den arabischen Köpfen. Ab den Zwanzigern, und erst recht nach der Gründung Israels, wurden sie im antiwestlichen Diskurs eingesetzt.
Sonntag, 2. April 2006
Studentenwohnheim
Mein Zimmer im Studentenwohnheim war in dem Altbau gelegen, im sogenannten mabnâ Hilton, nach dem gleichnamigen Hotel. Dort waren Ausländer untergebracht. Mein Nachbar war ein Japanischer Muslim namens Ashraf; weiter im Korridor wohnten Philippiner, nette Jungs, die wahrscheinlich später Guerillakämpfer auf entlegenen Inseln geworden sind. Auch gab es Somalier, mit denen ich besonders gerne verkehrte. Die waren hoch intelligent, angenehm im Umgang und hatten eine viel besseres Abitur als die ägyptischen Studenten. Als ihr Land noch existierte, muß es nicht schlecht gewesen sein.
An dem Tag, das wir unser Zimmer verließen um es zur Verfügung der Mekka-Pilger zu stellen, die in Quarantäne mußten, hat der Japaner mich überrascht. Unglücklicherweise gab es an dem Tag kaum Taxis, weil es in der Innenstadt schwere Unruhen gab. Die Nilbrücken waren gesperrt. Ashraf hatte jedoch ein Pferd und einen Wagen organisiert. Ich muß gestehen: da war ich nicht drauf gekommen.
Das Essen. Der Staat hatte verstanden, daß Studenten potenzielle Unruhestifter sind. Deshalb stellte er drei Mal am Tag etwas grobe, aber reichhaltige und doch eigentlich auch leckere Mahlzeiten zur Verfügung, um ihnen das Maul zu stopfen. Die Studenten aus armen Verhältnissen müssen das als große Luxus empfunden haben. Die ganze Verpflegung kostete £ E 5,50 pro Monat; das war ein eher symbolischer Preis, wenigstens für mich.
An dem Tag, das wir unser Zimmer verließen um es zur Verfügung der Mekka-Pilger zu stellen, die in Quarantäne mußten, hat der Japaner mich überrascht. Unglücklicherweise gab es an dem Tag kaum Taxis, weil es in der Innenstadt schwere Unruhen gab. Die Nilbrücken waren gesperrt. Ashraf hatte jedoch ein Pferd und einen Wagen organisiert. Ich muß gestehen: da war ich nicht drauf gekommen.
Das Essen. Der Staat hatte verstanden, daß Studenten potenzielle Unruhestifter sind. Deshalb stellte er drei Mal am Tag etwas grobe, aber reichhaltige und doch eigentlich auch leckere Mahlzeiten zur Verfügung, um ihnen das Maul zu stopfen. Die Studenten aus armen Verhältnissen müssen das als große Luxus empfunden haben. Die ganze Verpflegung kostete £ E 5,50 pro Monat; das war ein eher symbolischer Preis, wenigstens für mich.
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