Einträge "Juni 2005":

Samstag, 25. Juni 2005

Anklage

Hah! es gibt ihn noch, den blöden Karl-May-Comicheft-Hollywood-Orientalismus. Heute Mittag beim Zappen, auf Sat 1. Leider wurde der Empfang ein Paar Mal durch Gewitter unterbrochen. Eine Art von Gerichtsverfahren, nicht sehr realistisch dargestellt. Ich glaube wenigstens nicht, daß man in deutschen Gerichtshöfen so durcheinander schreit.
Angeklagter war ein Araber, ein angeblicher Jemenitischer Ölscheich, unermeßlich reich, in einem Gewand aus dem Kleidungsverleih. Er hat angeblich eine deutsche Frau übers Internet ersteigern wollen für seinen Harem. 75.000 €, ein Schnäppchen! Drei Frauen hatte er schon; die Blondine wäre der Schlußstein gewesen.
Die eine Unwahrscheinlichkeit folgte der anderen in diesem Kinderkammerspiel.
- Der Jemenit hatte seine drei verschleierten Frauen zur Sitzung mitgebracht. Sie hatten auf der Tribüne platzgenommen, in der ersten Reihe. Das ist äußerst unwahrscheinlich. Die Frauen bleiben zu Hause.
- Dann gab es noch eine Haremswärterin(?), eine Frau in Bikini mit darüber ein knallorangenes, ziemlich durchsichtiges Gewand mit Kopftuch. Bekloppt.
- Der Scheich hatte angeblich seinen jungen Bedienten (noch mal Kleidungsverleih; etwas billiger und ziemlich oben ohne) beauftragt, eine Vorauswahl aus dem Frauenangebot zu treffen. Äußerst unwahrscheinlich. So etwas überläßt man nicht seinem Personal, und schon gar nicht wenn dies jung und gutaussehend ist.
- Der Mann glaubte, daß man in Deutschland Frauen kaufen kann. Dafür, und für Einsperrung der Kandidatin, ist er letztendlich auch verurteilt worden. Jeder Araber seiner Klasse weiß aber, daß man bestimmte europäische Frauen zwar mieten kann, aber Frauen generell nicht kaufen kann. Arabische Frauen kann man auch nicht kaufen. Sogar in Saudi-Arabien ist die Sklaverei abgeschafft worden, ich glaube im Jahre 1962. Als es sie noch gab, konnte man tatsächlich eine Frau kaufen. Aber solche heiratete man dann gerade nicht!
- Im Jemen soll es angeblich die Gewohnheit sein, vor der Ehe die sexuelle Tauglichkeit einer Frau zu testen. Weit gefehlt! In Deutschland ja; im Jemen nein.
Die einzige ‘Rechtfertigung’ für diese Hinterwaldethnologie ist, daß die mitspielenden Deutschen noch um einiges blöder und unwahrscheinlicher auftraten als die Araber, und daß die Kentnisse über Europäer in arabischen Ländern genau so miserabel und beschämend sind als umgekehrt.
Ich denke noch oft, daß die Europäer, als mehr entwickeltes Volk, den Arabern weit überlegen sind und ihnen deshalb ein Vorbild sein sollten. Sind sie aber nicht.


Autor: hatif in: “Orient”

Naßangst

Ganz früher, als das Klima noch nicht verrückt spielte und der Sozialismus noch real existierend war, regnete es in Kairo zwei Mal pro Jahr. Der Verkehr war dann ein Chaos; viele Leute blieben einfach zu Hause, die Stadt war nicht darauf eingerichtet. Es gab nämlich keine Rinnsteine. Pfützen sollte man meiden, man warnte einander davor, denn wenn das Wasser zu einem nackt liegenden Stromkabel Kontakt gefunden hatte, konnte es tödlich sein. Ich erinnere mich eines Esels, der das nicht wußte, und demzufolge mit aufgeblähtem Bauch elektrisiert in einer Pfütze lag. Nach seinem Tod zog das Tier mehr Aufmerksamkeit als je zeit seines Lebens.

Aber insgesamt war Kairo trocken; so trocken, daß Autos nicht mal durchrosteten. Das war in Alexandrien anders. Trotz der Trockenheit waren viele Kairener (Kairoten?) jedoch beunruhigt wegen der Feuchtigkeit (rutûba). Mütter warnten ihre Söhne: bevor man es wußte holte man sich eine Erkältung und wie konnte jemand überhaupt ohne Schal und Pullover? Leute die ständig husteten schrieben dieses Übel der Feuchtigkeit zu, obwohl die Luftverschmutzung (mitsamt ständiges Kettenrauchen) eine wahrscheinlichere Ursache war. Auch für Gelenkschmerzen war meistens die Feuchtigkeit verantwortlich. Vielleicht hatte man diese Beschwerden englischen Lehrbüchern entnommen; für London hört es sich plausibel an.


Autor: hatif in: Kairo früher

Geruch

Bei 33˚ hört sich das Hupen der Autos anders an. Mehr sowie in Kairo; ja, daran erinnert es. Offenischtlich hat Wärme Einfluß auf die Akustik. Aber der Geruch von Kairo bleibt einzigartig. Nichts in Europa erinnert daran, auch nicht im Süden. Europa ist geruchlos, mit Ausnahme von England. Böse Zungen behaupten jedoch, das liege an einem Reinigungsmittel, das man dort inselweit benutzt.
Autor: hatif in: Kairo früher