DRK Emergency Response Unit (ERU) Einsätze Marcus Sting Einsatztagebuch von Marcus Sting. Der gebürtige 32 Jährige Siegener ist seit über 20 Jahren im DRK Ortsverein Siegen-Nord e.V. aktiv und arbeitet als Medien und Öffentlichkeitsarbeiter sowie als Rettungsassistent für den DRK-Kreisverband Siegen-Wittgenstein e.V.
Der Spezialist für Trinkwasseraufbereitung war schon in Afrika ( Zaire, heute Kongo) , Afrika (Ruanda), Polen, Peru, Sri Lanka, Pakistan 2005, Pakistan 2006.

Einträge "Neueste Einträge":

Samstag, 9. Dezember 2006

Neuer Einsatz in Kenia

Ich werde heute in einen neuen DRK ERU Einsatz nach Kenia fliegen.

Das Online-Tagebuch findet Ihr unter www.drk-siegen-wittgenstein.de/tagebuch oder direkt unter http://marcussting.blogspot.com/ da der Blog hier nicht zuverlässig bei der Veröffentklichung per Email arbeitet.

 

Gruß Marcus

geschrieben von: drkeru in Rubrik: Einsatztagebuch Pakistan 2006

Montag, 20. März 2006

Erdbeben

Heute Morgen bin ich von einem lauten Grollen und dem mir bekannten wackeln der Erde aufgewacht. Es war 7.48 unserer Zeit, als es ein neues Nachbeben gab. Kurz hintereinander gab es noch zwei kleinere Erdstöße. Zulfi sagte sofort, das es um die 5,6 gewesen sein muss. Laut Internet lag er fast genau richtig. Mittlerweile haben die Menschen hier sich an die Afterschocks gewöhnt. Ich selber habe an mir auch keine große Fluchtreaktion feststellen können. Zum Glück leben wir ja noch in Zelten, so das die Gefahren sich in Grenzen halten. Ich kann mich aber noch gut an das erste Nachbeben erinnern, dass ich je in meinem Leben gespürt habe. Da war ich sichtlich irritiert.

Der Tag gestern verlief danach sehr normal. Ich habe mich um die Administration gekümmert und den wöchentlichen Sachstandsbericht geschrieben. Abends haben meine deutschen Kollegen für mich gekocht. Zulfi wollte uns erst in das Thai Restaurant einladen. Er hatte sich extra dafür von seinem Bruder Geld geliehen. Ich konnte es ihm aber ausreden. Stattdessen haben wir ihn zum Essen bei uns eingeladen. Es gabe Kartoffeln mit Hänchen Geschnetzeltem und Gurkensalat. Typisch Deutsch. Zulfi war es auch nicht scharf genug. Kurzerhand nahm er sich ein paar grüne Chillieschoten, wusch sie und biss genüßlich hineinen. Vor jedem Bissen tat er dasselbe. Mir wäre der Mund verbrannt. Ihm schien es aber überhaupt nichts auszumachen.

Zulfi erzählt mir schon die ganze Zeit, das er beten werde, damit es an meinem Abflugtag Cats and Dogs regnet. Er möchte einfach nicht, das der Hubschrauber starten kann. Er möchte einfach nicht, das ich wieder nach Hause fliege.

Nun sind meine Sachen gepackt und ich warte auf meinen Hubschrauber Flug nach Islamabad...

 

geschrieben von: drkeru in Rubrik: Einsatztagebuch Pakistan 2006

Freitag, 17. März 2006

Armut und Stolz

Die letzten Tag hat es wie aus Kübeln geschüttet. Es wollte gar nicht mehr aufhören. Unsere Straße zum Camp hat sich in einen einzigen Morrast verwandelt. Letzte Woche haben wir Steine aus dem Abriss des Krankenhauses zur Befestigung der Straße geholt. So richtig hat es aber nicht geholfen, den aufgeweichten Boden zu befestigen. Heute ist der erste Tag, an dem die Sonne wieder scheint. Als ich heute morgen um 4 Uhr aufgewacht bin, habe ich die Kälte der Sternenklaren Nacht direkt gespürt. Der Mond schien hell auf unser Camp. So wie es aussah, haben wir Vollmond. Die Schneebedeckten Bergspitzen wurden mitten in der Nacht angeleuchtet, als ob irgend jemand das Licht angemacht hätte.

Die Arbeit hier läuft weiter auf Hochtouren. Überall wachsen unsere grünen Latrinen und die weißen Waschhäuser in den Himmel. Gestern haben wir in einem Ort, ca 1 Stunde von Battagram entfernt, auf einem Berg gestanden und die grünen Häuschen gezählt. In vielen Orten wo wir mit unseren weißen Landcruisern mit den Roten Kreuzen und Halbmonden auf den Türen vorbei kommen, werden wir sehr herzlich begrüßt. Es ist Dankbarkeit, Hochachtung und ein Hauch von Erleichterung zugleich, den wir den Menschen ansehen. Auch wenn wir die Arbeit im Zeichen des Roten Kreuzes und roten Halbmondes durchführen, gilt der Dank meistens uns als Helfer vor Ort. Auch wenn die Arbeit hier anstrengend ist, bekommen wir den Lohn für unsere Arbeit durch die fühlbare Dankbarkeit der Bürger von Battagram.

Ich wurde vor einigen Tagen von einem Fahrer des französischen Roten Kreuzes ganz spontan in seine Hütte zum Essen eingeladen.
Ich habe schon beim letzten Besuch in Pakistan von Ihm erzählt. Er war derjenige, der mich nach Islamabad gefharen hat. Damals habe ich von seinem interessanten und zügigen Fahrstil erzählt.
Sein Name ist Husan Khan. Khan heißt hier jeder zweite mit Nachnamen.
Mir schoss sofort der Gedanke durch den Kopf, wie ich wohl das Essen vertragen würde. Es war aber nun zu spät die Einladung auszuschlagen.

Er wohnte nicht weit weg von unserem Camp. Eigentlich ist er direkter Nachbar von uns. Bisher hatte mich aber noch niemand in seine Hütte eingeladen.
Es war eine aus Planen, Brettern und Lehm zusammengebaute Hütte. Die Tür hatte er irgendwo geschenkt bekommen. Sie wollte so gar nicht in das Gebäude hinein passen. An die Hütte grenzte ein Zelt. Ich wurde hineingebeten und war direkt tief betroffen. In dieser Hütte befan sich ein Stuhl, ein kleiner niedriger Tisch, der sofort eilig gesäubert und zurecht gerückt wurde. In einer Ecke gab es eine kleine Feuerecke. Der Lehmboden war übersäht nicht gerade sauber. Husan rückte mir den einzigen Stuhl zurecht. Mir schien, als ob es normalerweise sein Platz sein würde. Er selber setzte sich auf den Boden.
Ich bekam sofort einen Teller mit Reis, ein Stück Hünchen und eine Schüssel mit einer Art Suppe und Kartoffeln darinnen. Da ich keinen Löffel gereicht bekam, mußte ich mit der Hand essen. Sofort reichte er mir eine Schüssel,schüttete mir Wasser zum Reinigen über die Hand und schaute mich erwartungsvoll an, wie mir das essen schmecken würde. Da man hier nur mit der rechten Hand ißt, war es nicht gerade so einfach das Hünchenfleich vom Knochen zu bekommen. Sofort schickte Husan seinen Sohn los um mir eine 7up zu besorgen. Ich war eigentlich schon satt von unserem Essen im Camp. Nun dachte ich mir aus , du mußt aus höfllichkeit den Teller wenigstens leer essen. Ich war froh als ich merkte, das ich die Aufgabe bewältigen würde. Der Teller war leer und ich war proppe voll. Das was ich als höflich ansah, nahm Husan als Aufforderung den Teller sofort wieder zu füllen. Alle Versuche, den zweiten Teller abzuwehren schlugen fehl. Jetzt wußte ich wie der Hase lief. Man durfte also den Teller vollständig leeren. Dann war dem Gastgeber klar, das er mich satt bekommen hat.

Schnell wurde noch ein Schai gereicht. Die Verständigung lief mit Händen und Füßen. Husan kann nur ein paar Brocken Englisch und wenige Worte Französisch. Innerlich war ich sehr traurig. Eine Traurigkeit, die uch in der ganzen Zeit noch nie so gespürt hatte. Plötzlich hatte ich ganz unbewußt diese Ärmlichkeit, diese Lebensumstände an mich herangelassen. Der Stolz mit dem Husan dieses Leben lebte, beschämte mich in irgendeiner Weise. Jeder von uns in Deutschland hat bestimmt noch nie so ein Leben führen müssen, wie es Husan mit seiner Frau und den acht Kindern führte. Husan war nur ein Beispiel für die vielen Tausend Familien, die unter ganz einfachen Verhältnissen hier leben.
Bedrückt und nachdenklich zugleich verabschiedete ich mich von Husan. Seine Frau habe ich nicht gesehen, da sie verschleiert im Zelt saß. Ich ging zurück in mein Camp und dachte noch lange über den Abend nach....

geschrieben von: drkeru in Rubrik: Einsatztagebuch Pakistan 2006

Dienstag, 14. März 2006

Ein Stück Normalität zurückgegeben

Heute bekamen wir Besuch von einer Delegation einer der übrig gebliebenen Schulen in Battagram. Der kleine Mann mit dem schönen Titel Principal der Al-Seyed Garden Public School und einige seiner Lehrer baten mich um ein Gespräch. Es war nichts außergewöhnliches, das wir plötzlich Besuch in unserem Camp bekamen. Wir setzten Tee auf und der Principal, was man in Deutschland wohl am ehesten mit einem Direktor vergleichen kann, schilderte mir seine Sorgen.

Die Schule, die inmitten von Battagram liegt, wurde durch das Erdebeben sehr stark in Mitleidenschaft gezogen. Der Schulbau hat aber das Erdbeben mehr oder weniger unbeschadet überstanden. Die meisten anderen Schulen in Battagram wurden zerstört. Die einst private Schule hat die meisten Schüler der anderen schule aufgenommen. Mehr als 600 Schüler werden nun meistes im Freien, teilweise in provisorisch wieder hergerichteten Klassenräumen unterrichtet. Das Problem des Direktors bestand nun darin, das die Wasserleitung der Schule komplett zerstört wurde. Die Wassertanks der Schule werden durch das Wasser von einem in 1,3 Km entfernt gelegenen Hochbehälters gespeist. Diese Leitung war an vielen Stellen gebrochen. Die Finanzen der Schule reichten nicht aus, um die Wasserleitung wieder zu reparieren, Das Wasser für die Schüler, Toilette, und Hygiene musste mit Eimern auf Schubkarren vom Fluss geholt werden.

Als erster Gedanke kam mir in den Sinn, die Schule durch unsere Wassertrucks zu versorgen. Diese Möglichkeit lies ich aber am nächsten Morgen wieder fallen. Ich hatte einen Besichtigungstermin ausgemacht. Ich stelle immer wieder fest, das die Menschen hier mit der Pünktlichkeit der Deutschen überfordert sind. 10 Uhr heißt eben für einen Pakistaner im laufe des Tages. Um so erfreuter war der Principal, das ich mein Versprechen eingehalten hatte. Die Schule lag mitten in der Stadt. Die einzige Zugangsmöglichkeit war eine schmale Straße, die man nur über einen Platz anfahren konnte, der als Busbahnhof herhalten musste. Dementsprechend war der Verkehr dort. An eine Durchfahrt mit unseren schweren M6 Trucks des Norwegischen Roten Kreuzes war überhaupt nicht zu denken.

Also schauten wir uns gemeinsam die gebrochene Wasserleitung an. Ich machte Bilder, ein paar Notizen und sprach mit unserem Headquarter in Berlin ab, ob wir für dieses Projekt Geld zu Verfügung stellen könnten. Ich holte mir Angebote über 1,3 Km Schlauchleitung ein sowie über Zubehör. Die Zusage wurde recht schnell erteilt. Die Wasserleitung wurde komplett erneuert. Die alte Leitung war nicht mehr zu flicken. Nach drei Tagen waren die Arbeiten abgeschlossen. Der Unterricht in der Al Seyed Garden Public School konnte wieder ein wenig mehr an Normalität gewinnen. Der Principal dankte im Namen seiner Schüler für die Unterstützung des Roten Kreuzes. Mir blieb es auch hier nicht erspart eine Tasse Schai zu trinken. Ablehnen hatte überhaupt keinen Sinn...

geschrieben von: drkeru in Rubrik: Einsatztagebuch Pakistan 2006

Samstag, 11. März 2006

Tee Drive In von Chatta Plain

Heute haben Zulfi und ich an einem Tee-Drive-in angehalten. Ich sollte unbedingt den Tee im berühmten Chatta Plain probieren. Zulfi hielt am Straßenrand eines Restaurants an. Wenn ich Restaurant schreibe, kann sich wahrscheinlich kaum jemand vorstellen, wie ein Restaurant in ländlichen Gebieten aussieht. Meistens sind die Wände Schwarz vom offenen Feuer, das Möbilliar besteht aus einem Sammelsurium von Bänken, Stühlen und Tischen. Auf unnötige Dekoration wird bewußt verzichtet. Oft findet man auch eine Aussenterasse. Man darf sich aber nicht wundern, wenn einem ein 30 Tonner fast über den eigenen Fuß fährt. Der Abstand zur Straße ist nur minimal.

Hier in Pakistan wird viel mit Gas gekocht. Die Küche wird von fritierten Kartoffeln in einem sehr scharfen Teigmantel, fritierten Teigwaren mit allerlei verschiedenen Füllungen, Reis, Hühnchen, Lamm, und Rind dominiert. Oft ist es so scharf, das alle guten Ratschläge von daheim, den Brand im Mund nicht löschen können. Weder Brot noch Milch helfen da. Es brennt einfach nur noch im und um den Mund herum. Im Mund und Rachenraum spürt man in der Zwischenzeit rein gar nichts mehr. Der Schmerz läßt einen nichts anderes Übrig, als zum Wasserglas zu greifen, was einem im gleichen Augenblich auch schon wieder Leid tut.
Das Gefühl der Betäubung verstärkt sich nämlich um ein hundertfaches. Na gut, ein wenig übertreibe ich gerade, aber nicht viel.

Wir haben also angehalten und Zulfi rief irgendetwas in Urdu in Richtung Restaurant. Es dauerte nicht lange, da stand an unserem Fenster ein Mann mit zwei Porzelantassen samt Untertasse. Schon tranken wir einen leckeren Shai (Tee) mit Büffelmilch im Landcruiser. Um uns herum bebte das Leben. Autos fuhren hupend an uns vorbei, allerlei Fußgänger und Tiere schauten in unser Auto. Wir aber tranken schwarzen Tee mit Büffelmilch und Zucker.
Mir war nie ganz wohl bei dem Gedanken, das ich jetzt vielleicht frisch gezapfte Büffelmich trinken sollte.
Übrigens gibt es hier Milch von Büffeln. Ich meinte auch zu Zulfi, das das doch männliche Tiere seinen. Zulfi klärte mich auf, das es die auch in weiblicher Form hier gäbe. Ich habe es mal einfach so hingenommen und den Tee getrunken.

Man muss nur aufpassen, das man den Tee nicht genüsslich bis zum letzten Tropfen hineinschlürft. Spätestens dann hat man den bitteren Teesatz in der Speiseröhre. Schlürfen gehört hier zum guten Ton. Mittlerweile mache ich das auch, was für einen westlich erzogenen Menschen gar nicht so einfach ist. Der Hintergrund ist, das das Schlürfen den mitunter sehr heißen Tee, auf eine trinkbare Temperatur herunter kühlt.

Zulfi rief noch einmal. Schon war der afghanisch aussehende Mann wieder an unserem Auto. Nahm die leeren Tassen entgegen, hielt sie beide gekonnt in einer Hand und gab mit der anderen Hand das Wechselgeld heraus. Tee ist eines der Getränke, das zu jeder Tages- und Nachtzeit in Pakistan getrunken wird. Zu meinem Leidwesen auch bei jedem Vertragsabschluss, bei größeren Einkäufen, oder bei Verwandschaften von einem unserer Arbeiter. Da es als sehr unhöflich angesehen wird, einen angebotenen Tee zurückzuweisen, habe ich abends Bauchschmerzen vom vielen Tee.

geschrieben von: drkeru in Rubrik: Einsatztagebuch Pakistan 2006

Donnerstag, 9. März 2006

Einer Muslimischen Frau gibt ein Mann nicht die Hand

Die letzten Tage vergingen wie im Fluge. Es gab eine Menge zu erledigen. Meetings mit der UN/WHO/Unicef und Meetings in der Föderation nehme einen Großteil der täglichen Arbeit in Anspruch. So langsam kehrt wieder ein normales Leben in Battagram ein. Überall werden instabile Häuser abgerissen, oder die Reparaturarbeiten sind im vollen Gange. Das ehemalige Krankenhaus von Battagram ist schon fast komplett abgerissen worden. Japanische Geldgeber bauen es wieder auf, moderner als jeh zuvor.
Gestern mußte ich einen Scheck bei einer Bank in Abottabad einlösen. Ich habe noch nie mit einer Tragetasche voll Geld eine Bank verlassen. Das war wirklich unheimlich. Irgendwie hatte ich das Gefühl jeder schaute mich an. Das habe ich mir bestimmt eingebildet.

Ansonsten wird jeden Tag fleißig gearbeitet. Immer wenn ich zum Franzosen Camp rübergehe, rufen von überall her die Kinder meinem Namen. Jeden Tag werden es mehr, weil es sich herumspricht. Vor einigen Tagen habe ich eine Schule in Battagram besucht. Dort mußte ich für ein Wasserprojekt die Schäden begutachten. Es hat nicht lange gedauert, als aus einer offenen Klassentür ein Schüler Marcus schrie. Da mußte ich schon innerlich Schmunzeln. Ich habe übrigens wieder etwas dazu gelernt. Man gibt einer Muslimischen Frau nicht die Hand. Ich bin zwar voll in das Fettnäpchen hineingetreten, aber die junge Dame hat es ganz humorvoll genommen und es mir erklärt. Ab jetzt weiß ich es .

geschrieben von: drkeru in Rubrik: Einsatztagebuch Pakistan 2006

Sonntag, 5. März 2006

DRK-Feuerwehr Brigade in Battagram

Heute hat es zum dritten Mal in Battagram gebrannt. Adil, einer unserer Vorarbeiter kam in mein Zelt und teilte mir mit, das es auf dem Basar brennen würde. Sofort habe ich unseren LKW Fahrern bescheid geben lassen. Unsere zwei LKW's wurden sofort zur Wasserbefüllung gefahren und hastig mit Wasser vollgepumt. Man konnte schon von weitem die aufsteigende Rauchsäule in der eng besiedelte Stadtmitte von Battagram sehen.
In einem für die Straßenbreite viel zu schnellen Tempo wurde die Fahrt mit den vom norwegischen Roten Kreuz gespendeten Trucks aufgenommen. Die Hupe mußte dabei Höllenqualen erleiden, da sie unnuterbrochen aufheulte. Die German Red Cross Fire Brigade war nun schon zum dritten mal seit Beginn des Hilfseinsatz in Battagram im Einsatz. Uns fehlte nur noch das richtige Martinshorn. Wobei das hier bestimmt eh niemanden richtig beeindrucken würde um die Straße frei zu machen.
Es brannte ein Haus mitten in der Stadt. Der ganze Basar war von einer Menschenmenge dicht bevölkert. Der LKW schob sich rückwerts in die Richtung des Brandes. Sofort wurde die Wasserpumpe gestartet und der Schlauch eilig ausgerollt. Die Menschenmenge konnte von der Polizei kaum zurückgehalten werden, immer wieder kletterten sie auf unseren Truck um eine bessere Sicht auf die Lage zu haben. Zulfi war der erste Mann an der Spritze. Zum Glück war das Feuer schnell gelöscht. Es kamen auch keine Personen zu Schaden. Das hätte vielleicht anders ausgesehen, wenn die Feuerwehr aus dem zwei Stunden entfernten Standort eingetroffen wäre. Dann hätte es schon zu spät sein können.
 
Am nächsten Tag standen wir sogar in der Zeitung und eine Meldung ging durchs Radio.
 
Was für ein Tag.... 
geschrieben von: drkeru in Rubrik: Einsatztagebuch Pakistan 2006

Donnerstag, 2. März 2006

Die Arbeit in Battagram macht mir zur Zeit richtig Spaß. Es ist zwar sehr anstrengend, das wichtigste ist aber, das es produktiv ist. Wir arbeiten jeden Tag bis spät in den Abend. Wenn wir auch zur Abenddämmerung im Camp sein müssen, bedeutet das nicht das wir direkt Feierabend haben. Es gibt immer etwas zu tun. Angefangen von administrativen Arbeiten, persönlichen Dingen, Vorbereitungen für den nächsten Tag oder auch einfach nur das Zubereiten von Essen.

Ich falle meistens schon Abends um 21 Uhr todmüde ins Bett.

Die Wasserproduktion läuft wieder auf Hochtouren. In den letzten Tagen hat uns das sehr kalte und vor allem schlammige Wasser echte Schwierigkeiten bereitet. Die Wasseraufbereitung lief nur sehr schleppend. Wir kamen kaum mit der Zubereitung von Wasser hinterher, so schnell war es auch schon wieder in den Tankwagen unterwegs zu den Entnahmestellen.

Ich habe mich dann entschlossen, die Arbeiten neu zu verteilen und zwei Schichten einzuführen. Jetzt wird erst einmal bis 23 Uhr Wasser produziert. Die Wassererwärmung hat nicht ganz zu meiner Zufriedenheit funktioniert. Das Problem mit der unzureichenden Flockung des Eisen 3 Chlorid, wollten wir mit einer erhöhung der Wassertemperatur in den Griff bekommen. 8000 Liter Wasser um 3-4 Grad zu erhitzen stellt aber ein Problem da.

Die Ideen waren Vielseitig. Ich versuchte ersteinmal die Hitze unserer Zektheizungen irgendwie ins Wasser zu leiten. Dieser Versuch scheiterte aber an dem Hitzeendabschalter. Die Heizung lief einfach zu heiß.

Na gut, wenn es nicht ins Wasser funktioniert, dann versuchen wir den langen, dicken Schlauch der Heizung eben durchs Wasser zu legen, so dass die Luft am anderern Ende wieder entweichen kann. Das machte zwar die Heizung mit, das Wasser lies sich aber davon überhaupt nicht beindrucken. Es blieb kalt. Man konnte sich höchstens einbilden, das man eine Erwärung spürte.

Der pakistanische Einfall, war auch der gefährlichste. Ein ortsansässiger Elektriker wurde beauftragt ein Tauchsieder zu bauen. Der war nicht teuer, gerade mal 3 Dollar. Ich konnte mir nicht helfen, irgendwie erinnerte er mich doch stark an eine Dynamitstange mit seinem roten Kabel mit zwei schwarzen Plastikrohren am unteren Ende. In den Plastikrohren verliefen 2 Spiralendrähte. Ich traute der Sache überhaupt nicht. Schnell wurde ein Verlängerungskabel geholt, der Tauchsieder angeschlossen und gewartet. Ins Wasser wollte trotzdem keiner packen. Ich lies den Strom im Wasser prüfen. So wie ich es vermutete stand das Wasser unter leichtem Strom. Das sei kein Problem in Pakstan, erklärte man mir. Das mag ja sein, wenn ich aber hineinpacke ist das für mich schon Problem und lies die Konstruktion wieder abbauen.

Die Sanitation Gruppe arbeite wirklich in einem enormen Tempo. Letzte Woche wurden 71 Latrinen gebaut und übergeben. Insgesamt wurden über die Zeit seit Anfang diesen Jahres 271 Latrinen und 63 Waschhäuser gebaut. Heute morgen war der Water and Sanitation Delegate von der Federatiuon bei uns. Wir haben einen neuen Vertrag für 120 weitere Latrinen erstellt und unterschrieben.

Die Firma schwißt die Häuschen zusammen und baut einen Holzboden mit einem Loch und einer Klappe für das Loch. Es besteht aus Einzelteilen, die dann von unseren Arbeiter vor Ort zusammengebaut werden. Das Loch für die Latrine wird meisten in Zusammenarbeit ausgehoben.

Gestern war ich den ganzen Tag in Mansheira. Die Fahrt verlief erfreulich Magenschonend ab. Das Teamleiter Meeting ergab einen neuen Überblick über die Gesamtsituation und einen Ausblick für weitere Projekte.

Danach bin ich mit Zulfi nach Abottabad gefahren um verschiedene Dinge einzukaufen. Abottabad liegt noch einmal 30 Kilometer weit entfernt von Mansheira. Das heißt fast 45 Minuten Fahrt. Wir brauchten Neon Lampen für die Wasserproduktionshalle. Das Licht ist zu Dunkel um überhaupt eine Flockung zu beobachten. Dann brauchten wir noch eine neue Druckerpatrone, Druckertreiber usw.

Am Abend bin ich so gegen 19 Uhr wieder im Camp eingetroffen. Dort wartete schon das nächste Meeting auf mich. Es war Bruno von Echo. Freundlicherweise hat er es auf heute morgen um 8.30 Uhr verschoben. Ich war wirklich hundemüde.

Die Nachtwächter sind übrigens nur noch wenig Nachts am schlafen...

geschrieben von: drkeru in Rubrik: Einsatztagebuch Pakistan 2006

Freitag, 24. Februar 2006

Schlafende Nachtwächter

Die Nacht über hat es in Strömen geregnet. Ich bin immer wieder aufgewacht. Irgendwann ist mir eingefallen, das ich irgendwo Oropax in meiner Kiste mitgenommen hatte. Die haben dann endlich Ruhe gebracht.

Mitten in der Nacht bin ich allerdings doch noch einmal wach geworden. Auf dem Weg zu Küche, viel mir auch unsere schlafende Nachtwache auf. Erst habe ich gepfiffen, dann habe ich ihm mit der Taschenlampe in Gesicht gestrahlt, schließlich habe ich an ihm gezupft. So richtig wollte er aber nicht wach werden. Dabei sind die letzten Wachen erst entlassen worden, weil sie Nachts immer geschlafen haben.

Heute Morgen fing der Tag dann sonnig an, der Regen hatte sich zum Gück verzogen. Als erstes stand jemand vor der Tür der Geld für in Auftrag gegebene Latrinen wollte. Da ich erst zur Bank mußte, konnte ich ihn nur auf Nachmittags vertrösten. So bin ich mit Zulfi zur Wechselstube gefahren. Ein Büro im ersten Stock eines schiefen Hauses, welches man nur über eine Wendeltreppe aus Stahl erreichen konnte. Vor dem Eingang standen eine Reihe Menschen, die sich unterhielten und anscheinend auf Geld warteten. Die Wechselstube war gerade so groß, das eine Bank, ein Tisch und ein Thresen mit einem Trenngitter hinein passten. Zuerst wurde auf das staatliche Zertifikat zum tauschen von Devisen hingewiesen, welches an der Wand hinter dem Thresen hing. Zulfi erklärte mir das 20 Dollar Noten allerdings einen schlechteren Umtauschkurs als 100 Dollar Noten bringen würden. So wurde das Wechselgeld auch schön getrennt für die 100 Dollar Noten und für die 20 Dollar Noten ausgerechnet und übergeben. Das muss einer verstehen. Das zählen des pakistanischen Geldes dauerte ein Weile, so dass ich den angebotenen Tee gerne annahm. Der Inhaber der Wechselstube drückte mir noch schnell seine Visitenkarte in die Hand und ich bedankte mich mit "Schukria" was soviel wie Danke auf Urdu heißt.

Auf dem Rückweg habe ich noch schnell Cracker für Wilhelm gekauft, der mit einem Magenproblem flach lag. Man lernt immer wieder bei den Einkäufen in Batagram dazu. Telefonkarten sollte man nicht einfach im nächsten Laden kaufen. Sulfi wußte natürlich wo wir Rabatt bekommen können und wer keine Steuer auf die Karten aufschlägt.

Im Camp zurück war es mir doch ein Anliegen, die Produktion des Wassers ein wenig zu beobachten. Mir war aufgefallen, das ziemlich viel Chemikalien für den Filter verbraucht wurde. Mir war aber nicht klar, warum das so ist. Es gab verschiedene Ursachen für das häufige Anspülen des Filters. Ich schaute mir erst einmal an, wie unsere pakistanischen Mitarbeiter für die Wasserproduktion die einzelnen Schritte durchführten. Das Spülen des Filters wurde nicht sorgfältig genug gemacht.  Dies hat keine Auswirkungen auf die Qualität des Wassers, eher auf die Schnelligkeit wie sich der Filter wieder zusetzt. Ich habe verschieden Schritte noch einmal erläutert, konnte aber immer noch nicht feststellen, das mit einem Filterkuchen mehrere 8000 Liter Behälter gefiltert werden konnten. Also nahm ich mir als nächstes die Vorbehandlung der Wasserbehälter vor. Hier wird das Wasser aus dem Fluss mit Chemikalien soweit vorbehandelt, das es nahezu klar wird.

Da für den Winterbetrieb eine Halle über die Becken gebaut wurde, konnte man gar nicht so genau erkennen, ob eine Flockung und eine Sedimentation im Behälter stattfindet. Wir haben dann die Rezeptur der einzelnen Becken stetig geändert und an die veränderten PH-Werte des Flusswassers angepasst. Morgen werden wir wohl eine etwas andere Rezeptur benutzen.

Wir werden auch oft die Wasserkocher genannt, weil wir verschiedene Chemikalien in unterschiedlichen Dossierungen ins Wasser geben und dann mit einem riesigen Paddel so lange im Wasser herumrühren, bis sich Flocken bilden. Das ist eine Reaktion des Eisen 3 Chlorids. Es bindet alle Schwebteilchen und nimmt sie durch ihr zunehmendes Eigengewicht mit auf den Grund des Behälters. So können wir das saubere Oberflächenwasser abnehmen und filtern. Je sauberer die Vorbehandlung ist, umso länger läßt sich mit einem angeschwommenen Filter das Wasser filtern.

Wir werden morgen sehen, ob es den gewünschten Effekt bringt.

Heute Abend haben uns unsere Arbeiter in eine "Restaurant" eingeladen. Es war eigentlich ganz witzig. Es gab scharfes Hühnchen, Reis, Linsen, und jede Menge Brot. Vorher erklärte mir Zulfi noch ganz bedeckt, das sie es gar nicht gewohnt seien mit Messer und Gabel zu essen. Es wäre zu umständlich. Er fragte, ob es uns etwas ausmachen würde, wenn Sie mit den Fingern essen würden. Wir sollten es auch einfach tun. Also haben wir unser Essen mit Brot und den Fingern zu einer handlichen Portion verarbeitet und dann gegessen. Für unser Arbeiter bedeutete es sicher ein Vermögen, uns zum essen einzuladen. Sie haben aber darauf bestanden. Wenn man solche Gastfreundlichkeiten ablehnt, kann man hier jemand schnell zu tiefst beleidigen. Für uns hätte das Essen für 10 Leute gerade einmal 10 Dollar gekostet.

Das zeigt mir, das unsere Hilfe sehr honoriert wird. Ich merke, wie die Menschen uns grüßen und genau wissen, das das Wasser vom Roten Kreuz kommt.

Als ich dann heute abend zum Duschen ins Franzosen Camp ging, welches nur gerade mal 100 Meter entfernt ist, hörte ich immer wieder Kinder "Marcus, Marcus.." rufen. Auch mein kleiner Freund kam heute ins Camp. Es war derjenige, der mir immer wieder die Hand gereicht hat um mich zum Franzosencamp zu begleiten. Alledrdings war er etwas zurückhaltener als beim letzten Mal...

 

geschrieben von: drkeru in Rubrik: Einsatztagebuch Pakistan 2006

Donnerstag, 23. Februar 2006

Der lange Weg nach Batagram...

Nun sitze ich hier im Office- und Auffenthaltszelt im Camp in Batagram und merke wie mir langsam die Augen zufallen. Heute Morgen bin ich um 9.00 Uhr in Islamabad mit einem Fahrer aus dem Headquarter nach Batagram gestartet. Auf der Hälfte des Weges, in Manseira, sollte ich dann von einem Fahrer aus unserem Camp abgeholt werden. Mir wurde noch schnell auf den Weg mitgegeben, das um 12.00 Uhr in der Föderation in Manseira das wöchentliche Teamleader Meeting stattfindet wird. Wir haben uns also auf den Weg gemacht. Am frühen Morgen merkte ich schon etwas in meinem Bauch rumoren. Das passte wie die Faust aufs Auge. Die Berg und Tal Fahrt nach Batagram vor Augen und mir war schon jetzt übel. Bevor ich losgefahren bin, habe ich schnell noch im Camp in Batagram bei Wilhelm, unserem Hygiene Promotor angerufen. Er hat unserem Vorarbeiter Zulfi zwei Kapseln Immodium zugesteckt. Für alle Fälle habe ich mir gedacht.

Die Fahrt war wie nicht anders zu erwarten ein Horror. Mir wurde ja von der Berg und Tal fahrt schon das letzte mal schlecht. Da ging es mir allerdings vorher noch gut. Ich habe mich also auf dem Beifahrersitz hin und her gewunden um das allerschlimmste zu verhindern. Ich merkte wie mir bei jeder Kurve die Farbe mehr und mehr aus dem Gesicht viel. Ich fing an zu schwitzen, merkte wie ich immer käsiger wurde. Mein Fahrer schien das auch zu bemerken. Er fragte, ob alles in Ordnung sei. Damit wir nicht noch langsammer vorran kommen würden sagte ich natürlich, das alles ok sei. Dem war ganz und gar nicht so. Ich habe krampfhaft versucht, den Sicherheitsgurt vom Bauch fern zu halten. Irgendwie hat mich das abgelengt.

Nach 2 1/2 Stunden kamen wir endlich in Manseira an. Ich bin aus dem Auto gesprungen und habe den erst besten gefragt, wo denn hier die Toilette sei. Das war ein Herr mittleren Alters, dem Aussehen nach Japaner. Er trug eine rote Weste mit einem Roten Halbmond und einem Roten Kreuz. Unser offizielles Logo. Ich wurde mit den Worten"Grüß Gott" begrüßt. Darauf war ich ja nun gar nicht vorbereitet. Er begrüßte mich und zeigte mir den Weg zur nächsten Toilette.

Als ich nach 10 Minuten die dringenste Not hinter mir hatte, gelang es mir doch einfach nicht die Türe wieder aufzubekommen. Das war so ein amerikanisches Drehschloss mit so einem Pinn in der Mitte zum umdrehen. Der lies sich in alle Richtungen drehen, aber die Tür konnte ich trotzdem nicht öffnen. Da die Luft im WC nicht die allerbeste war, wollte ich auch kein zu großes Aufsehen erregen. Also habe ich langsam und möglichst lautlos an diesem verdammten Griff gedreht, gezogen und gedrückt. Irgendwann hatte ich die Türe auf und ich stollperte erleichtert und um mich schauend au der Toilette. Das Meeting war im 1. Stock. Im Meeting angekommen, sehe ich natürlich als erstes den netten Herrn mit dem asiatischen Aussehen wieder. Es war der oberste Boss von der Föderation in der Region. Er sprach englisch, warf aber immer wieder ein paar Brocken Deutsch in de Raum. War ja klar......

Als das Meeting zuende war, habe ich erst einmal meine Immodium eingenommen. Zulfi hat mich abgeholt. Mittlerweile war es schon 13.30 Uhr. Eine Kollegin aus Australien fragte, ob wir sie nach Batagram mitnehmen könnten. Das taten wir dann auch. Zunächst mussten wir aber noch einen Drucker kaufen. Der alte Drucker hat durch die Stromschwankungen den Geist aufgegeben. Das Problem bestand nur darin, das wir erst noch einmal 30 Kilometer in die entgegen gesetzte Richtung fahren mußten. In Abottabad angekommen klapperten wir sämtliche Läden ab die iregendwie danach aussahen, das sie Drucker verkaufen würden. Der erste Laden hatte auch unser kaputtes Modell. Wir sind natürlich zum Preisvergleich in andere Läden gegangen. Es stellte sich aber schnell heraus, das diese Händler nicht dumm, schnell zu unserem ersten Verkäufer rannten und sich für den selben Drucker einen Preis machen liessen. Also haben wir direkt beim ersten Verkäufer den Drucker gekauft. Natürlich ohne Garantie, ohne Treiber CD und ohne Tintenpatronen. Dafür aber im Original Karton:)

Der Preis war dann auch ok. Da wir die Patronen und Kabel ja  noch im Camp hatten, wurde der Preis glatt um die Hälfte reduziert. Statt 6000 Rupien, bezahlten wir nur 2500 Rupien. Das entspricht so ungefähr 30 Dollar. Mittlerweile war es schon 15 Uhr und wir mußten sicher noch 2 bis 3 Stunden nach Batagram fahren. Also ging es wieder los. Es wurde gehupt, in den Kurven überholt, gebremst, wieder angefahren und der Überholvorgang abrupt abgebrochen. Das alles schonte meinen Magen in keinster Weise. Mir war K...übel. Dann wollte Zulfi sich auch noch gerne mit mir unterhalten. Ich habe mich aber so auf meine Übelkeit konzentrieren müssen, das ich die Hälfte des Gesprächs überhaupt nicht mitbekam.

Plötzlich hielt Zulfi an und präsentierte mir ein neu gelerntes deutsches Wort "Karrdoffel". Diese kaufte er auch direkt und hielt sie mir Stolz unter die Nase. Der Geruch von fritierten Kartoffelstücken gab mir den Rest. Bis zum Ende der Fahrt war ich nicht mehr ansprechbar.

In Batagram kamen wir gegen 18 Uhr an. Es hat sich alles sehr verändert. Der Zustand der Straßen lies erahnen, wieviele LKW's sich durch Batagram mit Hilfsgütern gequält haben müssen. Es hat die letzten Tage sehr geregnet. Die lange Zufahrt zum Camp ist mit Schuhen nicht mehr zu begehen. Am Rand stehen 3 riesengroße weisse Trucks mit Föderationszeichen, die unser Wasser in der Stadt und Umgebung verteilen. Fast das komplette Camp ist überdacht. Die Trinkwasseraufbereitung ist  für den Winter in einer aus Holz gebauten Halle untergebracht worden.

Am Eingang zu unserem Aufenthaltszelthing ein Transparent mit der bunten Aufschrift -Wellcome to Marcus Sting-, geschmückt mit Blumen und Papier. Das hat mich ja dann doch sehr berührt. Alle Arbeiter die schon bei uns zu meiner Zeit gearbeitet hatten sind immer noch dabei. Mittlerweile ist das Team aber viel größer geworden. Es arbeiten fast 20 Menschen aus Batagram für uns. Es gab noch nie so wenige Arbeitslose wie zu dieser Zeit.

Nun sitze ich hier und versuche den Drucker zu installieren. Wer mich kennt, der weiss das mir so etwas keine Ruhe läßt. Es läßt sich aber der Treiber des alten Druckers nicht finden. Es gibt nämlich einen kleinen Unterschied zum alten Drucker. Es ist ein Model der Firma HP aber es steht auch noch NEC drauf. Der alte Treiber funktioniert nicht. Das Problem werde ich aber wohl dann doch eher morgen lösen. Ich bin einfach zu müde. Zudem regnet es jetzt auch noch in Strömem.

Die andern beiden deutschen Teammitglieder sind schon im Bett. Ich werde jetzt auch schlafen gehen.... Hoffentlich.

geschrieben von: drkeru in Rubrik: Einsatztagebuch Pakistan 2006