Fürs Archiv: altes Weblog Tagebuch 2007

Sonntag, 25. Februar 2007, Gebärmaschine
Gehört, Professorin im Radio: „Ich kenne persönlich keine Gebärmaschine.”

Mittwoch, 7. Februar 2007, Klimawandel 2
Wenn das Eis an Nord- und Südpol weggeschmolzen sein wird, können die Erdölgesellschaften dort endlich mit der Gewinnung von Öl und Gas anfangen und kann die Welt wieder mindestens zehn Jahre in zu großen Autos herumfahren.

Samstag, 3. Februar 2007, Klimawandel 1
Jetzt glaubt es die ganze Welt auch offiziell: die Schuld des Klimawandels liegt bei uns, Menschen. Vielleicht ist es tatsächlich so, oder wenigstens zum Teil; wer weiß das schon.
Gegen die Auffassung spricht aber, daß der Mensch schon immer sehr gerne etwas verursacht haben möchte, bzw. Schuld an etwas haben wollte. Das macht ihn wichtig. Wenn es etwas Schönes ist, das er verursacht hat, kann er sich Lorbeerkränze aufsetzen. Wenn es böses ist, kann er gleich anfangen zu beten/arbeiten um es weder gut zu machen. Vielleicht fällt ihm dann eine göttliche Gnade zuteil, und dabei fühlt er sich wohl. Er könnte sich die Schuld am Klima also sehr wohl eingeredet haben, genau so wie irgendwelche archaische Stämme, die, wenn der Vulkan rummelt, meinen, sie haben den Ahnenkult vernachlässigt.
Denkbar ist es, daß man 2050 an den schwedischen Palmenstränden laut lachen muß über den Gedanke, daß der Mensch den Klimawandel verursacht hat.
Aber auch wenn der Mensch vielleicht keine Schuld daran hat: laß ihn auf jeden Fall glauben, daß er Schuld hat. Sonst wird er nie aufhören, sein Umfeld zu verschmutzen. Ohne den Zwang eines ängstlichen Glaubens wird er nicht aufräumen.

Dienstag, 23. Januar 2007, Frühableben
Eine Sache ist schon interessant in der düsteren ZDF-Reihe ‘Aufstand der Alten’: die Möglichkeit, die es später vielleicht geben wird, sich ab 75 Jahren mit Hilfe der Krankenkassen töten zu lassen: das ‘freiwillige Frühableben’. Dann muß man es nicht mehr selber machen, was ja schwer ist. Und man vermeidet auch, daß man zu behindert sein könnte um es selber zu machen, so daß man in die Fänge irgendwelcher pensionslüsternen, lebensverlängernden ‘Pflegeorganisationen’ fällt.
Kommentar: Ich: Hah! und als ich das schrieb, hatte ich noch nicht mal die dritte Lieferung gesehen.

Freitag, 12. Januar 2007, US Erfolg
Aber die US Invasion auf der Karibikinsel Grenada (1983) war doch ein Erfolg, oder?



 

Fürs Archiv: altes Weblog Tagebuch 2005. Nummer 2.

Knirps æterna

Mein erster Knirps Regenschirm hat 18 Jahre gelebt und Schauer und Sturmwinde frohen Mutes ertragen. Mein zweiter war vielversprechend, ist aber zu früh von mir gegangen. Ich habe ihn nach zwei Jahren irgendwo in einem Zug vergessen. Mein dritter Knirps war nach dreiviertel Jahr kaputt. Irgendein billiger Plastikteil hatte den Geist aufgegeben. Früher war das aus Metall gewesen.

Die weiße Eterna Hemde aus der Schweiz haben mir Jahre lang hervorragend gedient. Die neuesten zwei Exemplare taugen aber nicht. In den Manschetten ist ein Material verarbeitet, das schon nach kurzem Tragen schwillt und sich faltet. Sieht jämmerlich aus.

Gehen die soliden bürgerlichen Marken den Bach herunter? Dann bleibt nur die Wahl: Billigzeug aus dem Kaffeeladen oder Maßanfertigung. Die meisten Menschen haben diese Wahl nicht.

Dienstag, 20. Dezember 2005       »14:17

 

Binnenmauer

Was war das gerade im Fernsehen? Eine Frau von den ‘Heimatvertriebenen’ erinnerte sich ihrer Jugendzeit als Flüchtlingskind. Vater, Mutter und zwei Kinder aus dem verlorenen Osten fanden sich wieder in einem Zimmerchen irgendwo in West-Deutschland. Die Kinder spielten zwar mit den Kindern des Dorfes, in dem sie Unterkunft gefunden hatten, aber hatten ständig das Gefühl, nicht richtig dazu zu gehören. Die Frau hatte als Kind damals gespürt, daß sie schweigen sollte über wie es bei ihnen in der Familie war, bzw. früher gewesen war. Das war ein unausgesprochenes Gesetz; ihre Eltern mußten es ihr nicht mal sagen.

Könnte das eine Erklärung sein für die Verschwiegenheit, die ich Deutschland so oft beobachte? Diese Neigung, alles Persönliche in Gesprächen auszuklammern?

Wenn ich mit dieser Vermutung halbwegs richtig liege, ist es bestimmt eine Binsenwahrheit, die jeder deutscher Soziologe kennt. Mir hat das aber bis jetzt niemand erklärt. Allerdings muß es noch andere Erklärungen geben; denn nicht alle Deutsche waren Flüchtlingskinder.

Und auch nicht alle sind verschwiegen.

Donnerstag, 17. November 2005    »23:03

 

Feen

An jedem Wiegchen steht eine böse Fee; bei der Geburt der großen Koalition wimmelt es geradezu von solchen Kreaturen, die ihr böses wünschen und vorhersagen. Nicht tun, Feen; Mund halten! Laßt sie jetzt erst mal ran! Auch wenn es nicht so ganz spektakulär werden sollte, was jetzt kommt: eine Regierung ist besser als gar keine. Die Blockierlust soll nicht ins lächerliche getrieben werden.

Sonntag, 13. November 2005    Kommentar:

Stolle  (Homepage)  am 13. November 2005 um 23:15

Stimme völlig überein - natürlich wünscht man/frau sich vieles ganz anders, natürlich hätte man sich keine Erhöhung der Mehrwertsteuer gewünscht. Außerdem: noch bleiben wir für ein Jahr von ihr verschont.

Aber die Realitäten sind eben so.

Einen ganz üblen Kommentar leistet sich dieser Herr:

http://www.ftd.de/me/cm/30091.html

Ebenso schön und sehr treffend die Replik auf dieser Website.

Ja, die Neo-Liberalen sind eben doch in ihrem verbalen Handeln eher intolerant.

 

Warm

Im September und Oktober keine Heizung gebraucht; jetzt nur ein wenig. Das macht die große Preiserhöhung des Erdgases wieder wett. So bleiben sie auf ihrem Stinkgas sitzen.

Mittwoch, 9. November 2005    »20:03

 

Anker Steinbaukasten

Die Bilder des Wiederaufbaus der Frauenkirche haben mich an die Anker Steinbaukästen erinnert, mit denen ich als Kind gespielt habe. Sie waren sehr viel älter als ich: mein Vater hatte schon damit gespielt, und vielleicht schon mein Großvater. Wenn ich an die Gestaltung dieser Kästen zurückdenke, das sah doch eher nach 1900 aus.

Als Spielzeug war es zeitlos und für ein Kind sehr schön. Auch war es meine erste Bekanntschaft mit der deutschen Architektur. Es passiert mir noch oft, daß ich ein Haus aus der Gründerzeit sehe, das mir bekannt vorkommt. Das ist manchmal, weil man es mit dem Anker Steinbaukasten nachbauen konnte.

Auch kommt es vor, daß ich eine Kopie oder Verwandte einer Villa in der Türkei oder Griechenland schon gesehen hatte, und dann hier das Original wiedererkenne.

Sonntag, 30. Oktober 2005    »19:39

 

Frauenkirche Dresden    »19:20

Es kam mir anfangs ziemlich bekloppt vor, ein Gebäude das es schon nicht mehr gab, für sehr viel Geld wieder aufzubauen. Und dann noch eine Kirche; jetzt, wo doch praktisch niemand mehr in die Kirche geht, und im Osten schon gar nicht.

Als ich aber merkte, wie viele Deutsche diesen Wiederaufbau für wichtig hielten, habe ich es einfach akzeptiert. Es ist offensichtlich etwas, das man als Ausländer nicht nachvollziehen kann, habe ich gedacht; na, dann sei es so.

Durch die vielen Fernsehbeiträge, heute zur Eröffnung der neuen alten Kirche, ist das Ganze mir gefühlsmäßig doch näher gekommen. Ich habe sogar ein bißchen mitgeweint als gezeigt wurde, wie die Glocken hereingingen.

Abrechnung mit dem Weltkrieg, Deutsche Einheit, private Initiative versus öffentliche Lähmung: es spielt alles eine Rolle, aber es erklärt das Wunder nicht. Die Kirche ist auch wunderschön!

Mehr als einmal soll es aber nicht geschehen. Glaube ich. Es bleibt ja die Frage, aber das ist keine typische deutsche Frage: Warum kann man heute nichts neues mehr bauen? Wo doch das technische und künstlerische Können offensichtlich vorhanden ist? In China und in den Golfstaaten, dort kann man jetzt bauen. Dort sind die Architekten, dort ist das Geld, dort ist der Mut zur Zukunft.

 

How low can you go?

Wie heißt ein wino in Frankfurt? Klar: ein apple wino. Einen liegen gesehen auf der Zeil, neben einer leeren Flasche von dem Apfelgesöff. Dann ist man wirklich am Boden.

Samstag, 29. Oktober 2005    »15:48

 

Mitmenschen     »07:26

Man tut sein Bestes, sich den Menschen zu öffnen, sie zu nehmen wie sie sind: Nasenringen, Tätowierungen und Kopftücher zu übersehen und sich zu konzentrieren auf den Gehirninhalt, auf den es ankommt. Aber soll man auch Toleranz haben für Leute mit Cowboystiefeln und zu großen geländegängigen Fahrzeugen mit Fußgängerschieber? Es gibt doch Grenzen.

 

Habemus mamam?

Montag, 10. Oktober 2005   »20:16      

1 Kommentar

Stolle  am 10. Oktober 2005 um 21:36

ja, aber ihre inthronisation wird nicht so stilsicher ausfallen wie diejenige in rom.

und auch das weltweite interesse wird sich in überschaubaren grenzen halten.

ob's gut wird? ja, was will man erwarten?

 

Klopapierhalter

Das erste Mal, daß ich die Toilette unseres Instituts besuchte war am Tage meines Dienstantritts, im April 1996. Bereits ein Monat danach verschwand der Klopapierhalter. Jemand hatte ihn einfach abgeschraubt und mitgehen lassen. Ziemlich frech; ziemlich jämmerlich auch, wenn man so arm ist. Jetzt, höre und staune! nach so vielen Jahren unkontrollierten Abrollens, hat die zentrale Verwaltung auf einmal wieder einen Klopapierhalter montiert. Keinen neuen; ein gebrauchtes Exemplar ist es. Aber in guter Verfassung. Und siehe da: in der Kabine nebenan genau so einen.

Das bedeutet, daß es irgendwo in der Uni ein Depot mit gebrauchten Klopapierhaltern geben muß. Und jemand, der das verwaltet. Und jemand, der den Zustand der Gebäude im Auge behält, bis in Einzelheiten. Einer, der sich wirklich kümmert.

Deutschland mag noch so arm werden, so lange es so etwas gibt, ist es reich!

Dienstag, 4. Oktober 2005   »11:33

 

Lehrermängel

Nach dem ‘Pisa-Schock’ wurden erst die Schüler schlecht geredet; jetzt liest und hört man mehr über die mangelnden Qualitäten der Lehrer. Dabei wird oft erwähnt, daß viele nur Lehrer werden, weil sie keinen anderen Job finden konnten, also als letzte Wahl. Mein Freund C. ist so einer. Gerne wäre er an der Uni geblieben, oder bei einem Verlag gelandet, oder bei der EU in Brüssel; das ging aber nicht. Jetzt versucht er notgezwungen, Pubertierenden und jungen Erwachsenen Französisch und Kunstgeschichte beizubringen. Wie ich höre ist er dabei erfolgreich: bei den Kollegen gern gesehen, von den Schülern respektiert und sogar mit dem ‘Beibringen’ klappt es. Er mag seinen Job. Körperlich hat er nicht viel Autorität, geistig hat er aber eine robuste Verfassung, und er hat keine Mühe, Ruhe und Ordnung zu bewahren. Er macht selbstverständlich etwas mehr als von ihm verlangt wird, weil er nicht faul ist und kein Minimalist: Was immer er tut, will er gut tun.

Ich behaupte, er macht seinen Lehrerjob so gut, weil er ihm egal ist. Selbst könnte ich nie Gymnasiallehrer sein, weil ich zu sensibel bin. Ich würde unter der Grobheit, den Obstruktionsversuchen und der gähnenden Leere in den Schülerseelen(, die auch aus vielen Schülerblogs spricht) leiden und mich um den Schlaf bringen lassen. C. keineswegs; ihm kann nichts etwas anhaben, und gerade daß er kein Berufener ist, befähigt ihn, ein guter Lehrer zu sein.

Sonntag, 2. Oktober 2005    »22:43

 

Papst evangelisch?

Ist der Papst evangelisch geworden? Es wird berichtet, daß er jetzt alle seine schwulen Mitarbeiter entlassen will, und zwar nicht nur diejenigen, die beichtbares getrieben haben, sondern auch diejenigen, die nur schwul sind. Der Priestermangel wird also dramatisch zunehmen. Gilt es auch für die Bischöfe und Kardinale? Und er selbst, ist er hetero; und wenn ja, woher weiß er das? Hat er doch mal mit einer Frau ...? Oder reicht es schon, daß er beim Onanieren seinerzeit immer nur die korrekten Versuchungen vor Augen gesehen hat?  

Wie soll man sich die Sitzungen der Inquisition vorstellen? Einschlägige Pornoheftchen auf dem Tisch, wobei der um Job und Rente bangende Verdächtige verzweifelt versucht, eine Erektion zu unterdrucken?

Dieser bekloppte kleine Kulturkampf hat also auch Rom erreicht; obwohl ich davon überzeugt bin, daß er evangelischer Herkunft ist. In Süd-Europa, geschweige denn im Nahen Osten, hatte man nie so einfache Ideen über Sexualität. Hetero, Homo und wenn man gar nicht mehr weiter weiß Bi; das ist doch wirklich eine zu einfache Einteilung eines so komplexen und flexiblen Phänomens. Die Gedanke, daß ein Mensch schwul sein kann, also eine eindeutige und bleibende schwule Identität hat, kommt meines Wissens traditionell nur in Nord(west)-Europa und Nord-Amerika, also in den evangelischen Teilen der Welt vor.

Donnerstag, 22. September 2005   »20:05

 

Luftquatschen

Jetzt auch Handyverkehr im Flugzeug möglich. Kann man dann nirgendwo mehr ruhig sitzen?

Dienstag, 20. September 2005  »19:31    

2 Kommentare

strongCurrent am 21. September 2005 um 11:41

Plakatquatschen

Jetzt wird es auch bald von allen Plakaten, Litfaßsäulen etc. (interaktiv)quatschen.

(http://adfab.typepad.com/adfab/2005/09/first_talking_a.html)

Schluss mit Ruhe!

Ich, am 22. September 2005 um 16:50

Dann warten wir in Wind und Regen auf die Bahn!

 

Kanzlerruhe

Was macht der Bundeskanzler heute Abend? Nach dieser letzten Scheißwahlkampfveranstaltung in Frankfurt hat er es so satt! Er will so schnell wie möglich nach Hause, mit dem Bundeshubschrauber oder dem Bundes-Maybach. Schade daß er den ICE nicht nehmen darf.

Zu Hause küßt er flüchtig Frau und Kind und spielt kurz mit dem Hund. Dann schenkt er sich erst mal einen doppelten Whisky ein, von dem ganz besonderen Tröpfchen, das Tony ihm neuerdings aus London mitgebracht hat. Eine Zigarre der vertrauten Sorte beruhigt ihn; dann aber überfällt ihn ein tiefes Gefühl der Leere. Er weiß bei Gott nicht, was er heute Abend machen soll. Ausnahmsweise schmeißt er mal den Fernseher an: Big Brother: Die Entscheidung vielleicht; ja, das ist doof genug. Karikaturen von Untertanen, regelrecht zum Kotzen; gerade worauf er jetzt Lust hat.

Die Kanzlergattin hatte sich gleich zurückgezogen; sie weiß, wann er nicht ansprechbar ist. Dann lockt sie ihn aber vorsichtig ins Eßzimmer: sie hat seine Verfassung vorgesehen und ein festliches Abendessen zu zweit vorbereitet. Während des Essens lebt er auf: er mag sie, ja, er liebt sie, und schlägt ihr vor, heute früh ins Bett zu gehen; man muß ja nicht gleich einschlafen. Diskret räumt die Kanzlergattin nach dem Essen die Whiskyflasche weg. Morgen beim Urnengang sollen sie ja frisch sein und strahlen; das bringt noch Stimmen. Aber das muß nicht unbedingt gleich um neun sein.

Samstag, 17. September 2005 »19:07

 

Noch mehr altes Zeug

Mittwoch, 15. November 2006
Obermann
Anbei einige Tipps für Herr Obermann, der behauptet, Telekom attraktiver für Kunden machen zu wollen.
1. Ersparen Sie uns die widerwärtige und aufdringliche Werbung. Telekom soll der vornehmste Telefonanbieter sein, nicht der ordinärste.
2. Schreiben Sie mal ehrlich auf einem Din A4 Blatt was Ihre Produkten kosten und veröffentlichen Sie das. Schon zweimal habe ich etwas nicht bei Telekom gekauft, weil Preis, Tarif und Folgekosten völlig unklar waren.
3. Unterbinden Sie sofort die telefonische Werbung- und Marketingkram von anderen, die dem Kunden beim Abendbrot oder sogar im Mailbox, zum Teil jetzt auch vollautomatisch, aufgedrängt wird und die Ihren Kunden um den letzten Rest Sympathie für Telekom bringt.

Samstag, 28. Oktober 2006
Der Zug endet hier
Also dann. Ich habe mir ein Auto gekauft und werde mein langjähriges Verhältnis mit der Deutschen Bahn beenden. Schade, denn ich war von Kindesbein an ein Bahnbegeisterter Mensch. Was für mich gegen das moderne Bahnreisen spricht:
- Privatisierung und Börsengang. Das war in anderen Ländern auch das Ende.
- Wenigstens die Trennung von Bahn und Gleise war beschlossen, aber kommt jetzt vielleicht doch wieder nicht, oder nicht so ganz.
- Immer mehr ICEs. Die sind unkomfortabel, teuer und längst nicht immer schnell. Dafür immer weniger normale Züge.
- Stillegung von Strecken und Verlangsamung oder Verdünnung von Verbindungen. Heute z. B. in den Nachrichten: weniger Züge von NRW nach Thüringen. Und so geht es weiter und weiter und weiter, bis die DB den British Railways ähnelt.
- Die Erfindung des Handys macht die Züge unbewohnbar. Dafür kann die DB nichts, oder nur zum Teil. Man hätte mit Hilfe Faradayscher Käfige kräftig durchgreifen können. Sowie es früher Rauchen und Nicht-Rauchen gab, so hätte es jetzt Handy und Nicht-Handy Abteilungen geben sollen. Und dann wirklich; nicht nur als fromme Absichtserklärung.
- Das Verschwinden des Abteils. Immer sitzt man heutzutage im Großraumwagen, knallhart eingerichtet, so daß Geräusche nicht gedämpft werden, sondern auch von zehn, zwanzig Meter weiter regelrecht ins Ohr knallen.
- Der Zerfall der ersten Klasse. Es gibt eigentlich nur noch zweite und dritte.
- Die Bahn stimmt immer knapper die Anzahl der Reisende auf der Zahl der Plätze ab. Das kann man ihr nicht übel nehmen, das ist gesundes kommerzielles Denken. Aber für den Reisenden bedeutet das: immer in vollen Wagons sitzen, und nie mehr den Luxus erfahren von breit sitzen, entspannt lesen, die Beine baumeln lassen. Es wird fast so knapp wie ein Flugzeug.
Das kumulative Unbehagen ist so groß geworden, daß ich dann doch lieber meinen eigenen Chauffeur spiele.

Freitag, 27. Oktober 2006
Mit Schädeln spielen
Ist es schlimm, wenn Soldaten mit Totenschädeln posieren? Die Nation ist entsetzt, empört, zutiefst betroffen über das unfaßbare, widerwärtige Verhalten einiger Bundeswehrsoldaten in Afghanistan, oder tut wenigstens so. Nun, fein ist ein solches Verhalten natürlich nicht, aber es ist Krieg, und es muß in Deutschland doch noch viele alte Herren geben, die sehr wohl wissen, wie sich Soldaten in Kriegsgebieten in ihren freien Augenblicken beschäftigen? Das posieren mit Schädeln ist eine relativ unschuldige Art der Soldatenunterhaltung. Die Afghanen hatten schon etliche Truppen zu Gast gehabt, die auch mit lebendigen Schädeln schlimmes anstellten, und ihnen selbst ist das auch nicht fremd.
Wie kann es doch sein, daß unsere Soldaten so schamlos, so verroht geworden sind? Wir haben sie doch als hochanständige, stabile Männer gekannt? Zu Hause hätten sie nie so etwas getan! Offenbar ist es nötig, die Binsenwahrheit noch mal zu sagen: Der Aufenthalt in einer Kriegszone und die ständige Konfrontation mit Gefahr und Tod verändern einen Mann. Nette Jungs können dann sogar zu Bestien werden, zumindest in Teilzeit. Das dürfte bekannt sein. Aber Deutschland wird bestimmt wieder völlig überrascht sein, wenn es später feststellen muß, daß seine Soldaten seelisch beschädigt sind. Oder vielleicht muß das gar nicht festgestellt werden; es kann ja auch vertuscht werden. Dann kann man später wieder aufs neue entsetzt und bestürzt sein.
Inzwischen sind die Afghanen so verwestlicht, daß sie riechen wie sie eine Prise Empörung in den Medien für sich ausnutzen können. Deshalb soll die deutsche Regierung jetzt unbedingt bestürzt sein: um den Schaden zu begrenzen.
Die Frau auf dem Foto hat im Zweiten Weltkrieg einen Schädel zugeschickt bekommen von ihrem Freund, der bei der Kriegsmarine in Neuguinea tätig war. Das Foto stand in der neuen Nummer von New York Review of Books (LIII, 17; November, 2, 2006), stammt aber aus Life.
 
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Montag, 16. Oktober 2006
Nicolet
Im Radio gerade Flötenmusik gehört, Bach und Haydn, gespielt von Aurèle Nicolet. Hervorragend! Eine sehr besondere Kostbarkeit; so hört man es heute nicht mehr. Woran liegt es? Wie immer ist es natürlich der ganze Mensch, aber es sind auch Auffassungen: über musikalische Satzbau, über ... hier fehlt mir ein Wort, soll man es Stauung nennen? über Gefühl..

Donnerstag, 5. Oktober 2006
Grenzzaun
Und wer soll dann diesen Grenzzaun zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko bauen? Mexikanische Gastarbeiter wahrscheinlich.

Dienstag, 27. September 2006
Budapest
Lektion aus Budapest: niemals soll ein Politiker eingestehen, daß er vor den Wählen mehrmals gelogen hat! Zu dieser Einsicht kommt man nämlich auch bequem ohne Eingeständnis.

Mittwoch, 27. September 2006
Knieschmerzen
Nicht nur das Bildungssystem und das Gesundheitswesen sind im Eimer, auch von den elektrischen Fahrtreppen ist mindestens ein Drittel ständig kaputt. Ist dieses Land noch reparabel?

Gin Lime
Der Anblick einer Flasche Rose Lime Juice Cordial, eine in Deutschland eher seltene Erscheinung, brachte mir einen frühen Ausbruch aus das Elternhaus in Erinnerung. Vielleicht war ich 16 Jahre alt; ich war in die Bar eines großen Hotels gegangen und hatte einen Gin Lime bestellt. Das schmeckte: nach Leben, nach Freiheit, Lust und Rausch! For old time's sake wollte ich diese Geschmackserfahrung heute mal wiederholen, obwohl mir der Arzt Spirituosen längst verboten hat. Das schmeckte auch; aber nur noch nach Gin Lime.

Sonntag, 10. September 2006
Papst
Der Papst ist nicht nach Bayern gekommen um Gammelfleisch zu essen. Nein, wie er selber gesagt hat:, er möchte seine alte Heimat noch mal wieder sehen, die Orte wo er früher gewesen. Für einen Mann in seinem Alter ein verständliches Verlangen. Aber rein privater Natur! Wir werden dafür aber gesegnet mit wieder einer Woche Papst-TV.

Dienstag, 11. Juli 2006
Arbeitslos
Warum ist K. langzeitarbeitslos? Das hat natürlich mehrere Gründe, aber ein Grund ist einfach, daß er langzeitarbeitslos ist. Als ich ihm eine kleine Arbeit vermitteln konnte, stellte sich heraus wie lästig das ist. Er hat kein Telefon, keine e-Mail (Hartz 4). Man muß also hin, oder man verliert Zeit mit der Post. Dann ist er ziemlich ungeschickt mit Terminen usw.. Als ich z. B. sagte: ich komm zu Ihnen, so kam er zu mir (vor lauter Diensteifer?), so daß wir uns gar nicht trafen. Und etwas ähnliches passierte noch mal. Die gelieferte Arbeit war gut, hervorragend sogar. Schließlich ist er ‘überqualifiziert,’ wie das immer so gehässig heißt. Aber er hat viel zu lang daran gesessen. Nicht weil er es nicht schneller könnte, sondern weil er das nicht mehr gewöhnt ist. Er hat wohl immer soviel Zeit, daß der innere Zeitdruck bei ihm nicht mehr da ist. Nebeneffekt dieses langen Arbeitens: eine übertriebene Akribie, ein herumbasteln auch an unwichtigen Einzelheiten und Sachen, die nicht bestellt waren. Wenn er sich da ein wenig umgewöhnen könnte, so wäre er ein wunderbarer Arbeitnehmer.

Freitag, 7. Juli 2006
Gesundheit
Eine Gesundheitsreform wäre gewesen, wenn die Deutschen in Zukunft um ein Drittel weniger Medikamente zu schlucken bekommen hätten. Das wäre gesunder für sie, und es hätte zur gleicher Zeit ihr Portmonnaie geschont.


Montag, 3. Juli 2006
Ungemütlich
Hatte ich unrecht, als ich den Mann abwimmelte, der auf der Straße mit mir reden wollte? Das mag ich gar nicht: jemand abwinken, der Annäherung sucht! Die Erfahrung in der Großstadt lehrt aber, daß niemand je jemand anders anredet für ein schönes oder gemütliches Gespräch, sondern nur a) um zu betteln, b) um jemand eine Religion oder Sekte anzudrehen, c) um eine Befragung für die Marktforschung durch zu führen. Sehr unangenehm. Das Auto und das Handy hatten von dem öffentlichen Raum schon so wenig übrig gelassen.


Montag, 26. Juni 2006
Ewige Wiederkehr
Gehört: ein Handy, das klingelt wie ein Telefon. Ich meine ein Festnetztelefon von vor fünfzehn Jahren: trring trring trringg. Wenn dieser Trend sich durchsetzt, hört sich die Welt bald wieder an wie gehabt. Nur daß dann das Büro leider nicht mehr nur im Büro da ist.

Montag, 26. Juni 2006
Deutschlandlied
Fußballfreunde, die sich schwer tun mit dem Deutschlandlied, können doch die Österreichische Fassung singen: „Gott erhalte Franz den Kaiser...“.
 
Montag, 26. Juni 2006
Fernsehdurchblick
Gnadenlos und knapp faßte die Reporterin die Pferderennen von Ascot zusammen: „The trend is to smaller hats.“ Dann zoomte die Kamera ein auf einige Ufo-große Riesenräder, Kompositionen aus Blumen, Obst oder Geflügel, getragen von Amerikanerinnen oder Eastenders: mega-out! Geht nach Hause Mädels, und laßt euch hier nicht mehr blicken. Zum Schluß ein Schnappschuß der Queen, mit einem schlichten Normalhut. Beruhigend.

Sonntag, 18. Juni 2006
Enthüllendes Fernsehen
Queen Elisabeth wünschte in ihrer Ansprache ihrer Familie noch many happy years. Die Kamera zeigt Prinz Philip, über dessen Gesicht ganz kurz ein abfälliges Lächeln gleitet. Nur der Bruchteil einer Sekunde; dann hat er sich wieder im Griff.

Freitag, 16. Juni 2006
Bär
Und wieder ist der bayrische Bär entwischt. Gut so, Bruno! Inzwischen entwickelt sich der bayrische Bärenbeauftragter Manfred Wölfle zu einem richtigen Fernsehpromi.
 
Freitag, 2. Juni 2006
Inflation des Jahrtausends
‘Das größte Sportevent dieses Jahrtausends in Deutschland rückt näher,’ lese ich gerade in einem Werbetext. Nach den in jedem dritten oder vierten Jahr auftretenden Jahrhundertfluten ist jetzt das Jahrtausend daran, seine Bedeutung zu verlieren. Wir sind erst in 2006; was wissen wir schon? An die Olympischen Spiele, die 2584 in Hoyerswerda stattfinden, hat der Verfasser wohl nicht gedacht. Die werden mit Sicherheit ein größeres Event in diesem Jahrtausend als jetzt die WM!

Freitag, 26. Mai 2006
Private Post
Die Deutsche Post hat die Briefe nach Europa erheblich teurer gemacht; ich brauchte also andere Briefmarken. ‘Nein, die haben wir hier überhaupt nicht, nur Inlandpost,’ sagte der Herr im Postamt. ‘Dazu müssen Sie zum Hauptpostamt.’
Was war das noch mal, ein Postamt? Was war das noch mal, Europa?

Dienstag, 23. Mai 2006
Bär
Das Ministerium für Integrationsangelegenheiten hat gesprochen: Der Bär muß tot! Österreich hat er überlebt, aber in Bayern soll er abgeknallt werden, weil er sich nicht Bayerngerecht verhalten kann. Hätte man ihn nicht in so ein übergroßes BMW-Auto setzen und nach Tschechien fahren können? Dort hätte er es geschafft.
Jedoch, Wildtieren jetzt pauschal davon abzuraten, nach Bayern zu reisen ginge zu weit


Sonntag, 14. Mai 2006
Korkenzieher und freie Marktwirtschaft
Ein neuer Korkenzieher sollte her, denn der alte war gebrochen. Im Institut haben wir einen, den ich als den ultimativen Korkenzieher weltweit betrachte. Er hat vor einigen Jahren mal DM 7,95 gekostet, liegt angenehm in der Hand und zieht tadellos Korken, auch wenn sie fest sitzen. So einen wollte ich jetzt privat auch haben. Aber die (weltbekannte, deutsche) Firma, stellt sie nicht mehr her. Dafür bietet sie zwei neuere Modelle an, die aber beide weniger gut sind, das sah man schon aus der Ferne.
Dann die Produkte anderer Firmen studiert. Nein, da war auch nichts. Es sei denn ein Exemplar, das € 29,90 kosten sollte. Das geht mir zu weit, für einen so einfachen Gegenstand. Auf einmal dachte ich nostalgisch an meinen ersten Korkenzieher, der eine Mark gekostet hatte, vielleicht von JVA-Insaßen in der DDR angefertigt--wo ist der geblieben? Ein Stück Holz und ein Schweineschwanz darin befestigt. Der hatte null Schickschnack, aber zog auch Korken.
Also zurück zur ersten Marke und ein suboptimales Exemplar mit nach Hause genommen. Ach ja, der Neue tut es auch, aber hat nicht die hervorragenden Eigenschaften des Institutsziehers.
Schön wäre gewesen, wenn der ultimative Korkenzieher, nachdem er einmal erfunden war, einen Siegeszug über die Welt angefangen hätte und alle Weintrinker der Erde beglückt hätte. Nie hätte man mehr andere gebraucht. Aber so ist es nicht mit dem Markt. Die Firmen müssen ständig erneuern, die Produkte dürfen nicht dieselbe bleiben, und gegebenenfalls steigt man von gut auf weniger gut um. Zu gut sollen die Produkte eh nicht sein, sonst kann man ja bald zumachen.
Wenn ich demnächst den Job wechsle, werde ich den Korkenzieher stehlen--nein, nicht doch! vielmehr tauschen gegen den neuen. Ich habe ja was übrig für das Institut und möchte es gerne in den Genuß eines hochwertigen, innovativen Topmodells bringen.
 
Samstag, 13. Mai 2006
Schadenfreude
Beim Himbeereis essen fiel mir ein Stückchen aufs Hemd. Ein hellroter Fleck auf einem weißen Hemd. Eine Frau kommentierte das und meinte, das ginge nie mehr raus. ‘Ich sage Ihnen das als Hausfrau: damit bekommen Sie große Schwierigkeiten.’ Dabei guckte sie, als seien anderer Leute Schwierigkeiten ihre Nahrung und Lebenserfüllung.
Inzwischen ist das Hemd in der Waschmaschine gewesen: kein Himbeereis mehr zu sehen. Aber auf jeden Fall hat die Frau einen schönen Tag gehabt.
 
Samstag, 6. Mai 2006
Einbürgerung
Alles Quatsch, das Getue um die Einbürgerung von Migranten. Die Juden hatten damals alle einen deutschen Paß und waren perfekt integriert. Es hat ihnen nichts geholfen; sie wurden immer noch als Fremdkörper betrachtet. Gelinde gesagt.
Kommentare
7. Mai 2006 Iba
Endlich spricht das mal jemand deutlich aus! Danke!
7. Mai 2006 agrippina
weiss nicht ob man das vergleichen kann, aber was die (un-)nützlichkeit der einbürgerungstests betrifft, gebe ich dir recht.

Dienstag, 18. April 2006
Fahrrad
Das Fahrrad, das ich bestellt hatte, war endlich angekommen. Ein Stevens Primera, Rahmenhöhe 61 cm, genau was ich brauche. Blöd, daß ein Fahrradhändler versucht hatte, mir einen Rahmen von 58 cm. anzudrehen, und ein Kollege von ihm sogar einen 55er. So laufen doch die Kunden davon? Wahrscheinlich waren einfach ihre Scheunen noch voll nach dem langen Winter.
Es ist ein gutes Rad, aber mein Körper hatte noch Heimweh nach dem vertrauten Trek-Gefühl. So ein Trek, wie ich hatte, wird nicht mehr hergestellt.
Natürlich gleich losgefahren, am Samstag 40 Km und gestern 60 Km, wobei ich gestern starke Steigungen nicht gescheut habe. Es war schön, aber danach war ich natürlich kaputt. So blöd kann nur ein älterer Mann sein: sich nach Monaten sitzen auf einmal so überzustrapazieren. (Oder: zu überstrapazieren, was ist korrekt?)
Erst allmählich konnte ich mich der Charme des neuen Rades hingeben. Für die endgültige Akzeptation war auch nötig, daß ich es während des Kaffeetrinkens unterwegs kurz aus der Ferne stehen sah, und es gut fand. Es hat auch Gabel- und Sattelfederung; ich wäre nie auf so was gekommen, aber das ist heutzutage Standard. Ist schon komfortabel, und die Behörde muß dann nicht immer die Wege neu ebnen.
Gut, daß jetzt Schlamm am Rad is; dann sieht es nicht mehr so ganz neu aus.

Sonntag, 9. April 2006
Osterinsel Hitzacker
Wie viele Jahrhundertfluten brauchen das von Wasser umspülte Hitzacker und etliche andere Orte noch bevor deren Bevölkerungen und/oder Landesregierungen sich auf der Einrichtung von Vorkehrungen einigen können? Vielleicht hat es ganz früher auch den Friesen ein Jahrhundert gekostet bevor sie sich die Disziplin aneigneten, Warften und Deiche zu bauen.
Auf der Osterinsel haben bekanntlich Starsinn und Stupidität die Rettung vereitelt und die Lebensmöglichkeiten endgültig um einigen Stufen zurückgeworfen. In Hitzacker wird es so weit nicht kommen, weil es eine nicht so isolierte Insel ist. Mit einem Boot kann man ja leicht die nächste Ortschaft erreichen und dort (wenn auch unverdient) wieder am Leben der Trockenfüßler teilhaben, zur Not unter Aufgabe der früheren Wohnsitze.
Demokratie und Föderalismus scheinen verheerend für die Anrainer. Keiner interessiert sich für das, was in stromabwärts gelegenen Bundesländern passiert. Gezänk von irgendwelchen Dorfältesten führt zu gewaltigem Zeitverlust. Hier wäre eine machtvolle Stimme aus Berlin oder Brüssel nötig gewesen: ‘Und jetzt Vorkehrungen bauen, aber dalli, und keine Widerrede!’
 
Dienstag, 4. April 2006
Durchgefallen ist abgeschoben
Jetzt habe ich einen Student ins Elend schicken müssen. Mit Glanz und Gloria durchgefallen, zum dritten Male schon. Ungeeignet für das Studium oder irgendein anderes akademisches Studium.
Gut, das gehört zum Job. Was es extra unangenehm macht, ist daß der Student ein Ausländer ist, dessen Aufenthaltsgenehmigung vom Studieren abhängig gemacht worden war. Durchgefallen ist abgeschoben! Aber ein Fünf ist ein Fünf. Man kann ihn doch schwerlich bestehen lassen, bloß weil man ihm einen längeren Deutschlandaufenthalt gönnen würde.
Und dieser Student war noch nicht mal ein Härtefall. Wie wäre es, wenn er ein Flüchtling aus einem schlimmen Land gewesen wäre? Dann hätte sein akademischer Mißerfolg vielleicht zu seiner Hinrichtung geführt.
Da ist etwas falsch, erstmal wenn jedes denkbare Abitur aus der weiten Welt mit einem deutschen gleichgesetzt wird, zweitens wenn der Unidozent ein Instrument zur Visa-Verlängerung wird.
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4. April 2006 [unbekannt]
Eine ganz unschuldige Frage :
Warum hast du ihn denn nicht einfach durchkommen lassen ?
5. April 2006 [ich]
Unschuldige Antwort: weil die Leistung unter aller Sau war. Wenn der durchgekommen wäre, könnte man besser gleich das ganze Prüfungswesen abschaffen.
5. April 2006 [unbekannt]
DAS ist eine gute Idee ! Damit würden die Dozenten auch gleich abgeschafft werden. Ich weiß ja nicht, auf welchem Fachgebiet du tätig bist, aber wahrscheinlich kostet das den deutschen Steuerzahler nur Geld. Und du hast Recht : Weg mit diesen unfähigen, ausländischen Studenten !
Ich meine das natürlich nur ironisch, bitte verstehe mich nicht falsch.
Gerne würde ich unser Thema vertiefen, ich schaue allerdings nicht regelmäßig auf meinen blog und zu bloghof.
beste Grüße !
 
Wahl
Democracy is the right to vote for the wrong one, und dieses Recht wird immer wieder gerne in Anspruch genommen. Wie das damals in Deutschland gelaufen ist, ist bekannt. Später gab es Algerien, Iran, Serbien, die USA, Italien und etliche andere Länder, und jetzt wieder die Ukraine. In der Slowakei sah es erst ganz düster aus, mit diesem wie hieß er noch, Meciar oder so. Dann wurde es auf einmal besser und hat die Slowakei sich einige Jahren erstaunlich hoch katapultieren können. Aber vielleicht wird dort demnächst doch wieder der Falsche gewählt. In West-Europa eiert die Demokratie noch dezent weiter, weil es eigentlich nichts zu wählen gibt. Is die Demokratie ein Auslaufmodell? Die Tatsache, daß sie jetzt auch nach Afrika exportiert wird, läßt fast darauf schließen.
 
Dienstag, 28. März 2006
Verrückt
Merkwürdig, mit welcher Selbstverständlichkeit die USA, aber auch Deutschland, auf die afghanische Rechtsprechung Einfluß nehmen. Das umgekehrte gelingt nie; es ist einfach eine Machtsfrage.
Da der Verrückte von Kabul neun Jahre in Deutschland gelebt hat, soll Frau Merkel ihm jetzt Aufenthalt in Deutschland anbieten; oder sie hätte gar nicht nach Kabul anrufen sollen. Bestimmt ist in Brandenburg noch irgendwo ein Platz in einer Anstalt frei. Ein Glaubensabtrünniger, der nach Afghanistan zieht, muß ja wohl verrückt sein, oder?
Man kann sich aber auch vorstellen, daß gewisse risikobereite Asylanten sich in eine Position manövrieren, in der ein Weststaat ihnen den Schutz bieten muß, den er ihnen eigentlich vorenthalten wollte. Gab es da nicht bereits einen islamischen Karikaturenmaler?

Mittwoch, 22. März 2006
Kinder
Deutschland stirbt aus! Das tut es schon länger, aber der Spruch ist gerade wieder in Mode. Sollen die müden Deutschen jetzt auf einmal Kinder machen? Arme Kleinen! Die werden doch nur gezeugt um Renten für die Alten auszuspucken.
Wie wäre es, wenn man sich erst mal der bereits vorhandenen Kinder annehmen würde? Nicht zuletzt der doch gar nicht so wenigen Kinder ausländischer Herkunft, die entweder wie chancenlose, aggressive Zeitbomben heranwachsen oder, wenn die Behörde eine Möglichkeit sieht, abgeschoben werden. Verpaßt ihnen eine Ausbildung, dann können sie später das Land übernehmen. Aber nein, Deutschland geht lieber kaputt als ‘Ausländer’ an sich heranzulassen. Im allerersten Fernsehprogramm, das ich vor zehn Jahren in Deutschland sah, hörte ich Günther Beckstein sagen, daß er zu gegebener Zeit nicht von einer Altenpflegerin mit Akzent gepflegt werden möchte.
 
Dienstag, 14. März 2006
Deutsch beim Frisör
In einer fremden Stadt hatte ich einige Stunden frei. Für einen längeren Stadtspaziergang war es zu kalt, so entschloß ich mich, bei einem Frisör vorbeizuschauen. Es war nur ein Kunde da und der saß schon im Stuhl. Der Frisör sprach Türkisch mit ihm, was mich nicht weiter beschäftigte. Als der Kunde weg war und ich dran war, entschuldigte sich der Frisör bei mir dafür, daß sie Türkisch gesprochen hatten. Der Kunde sei noch nicht lang in Deutschland und könne noch nicht richtig Deutsch.
Soll man jetzt nicht nur auf dem Schulhof, sondern auch beim Frisör immer nur Deutsch reden? Das kommt mir doch ziemlich bekloppt vor. Soll doch jeder reden, was er will!

Mittwoch, 18. Januar 2006
Fernsicht
Meine Mutter ist richtig alt und „hat sie nicht mehr alle” - es ist nicht unfreundlich gemeint, aber so ist es halt. Aber auch in so einer Lage kann man gewisse Strategien durchführen. In ihrem Fernseher war plötzlich BBC 2 ausgefallen, wahrscheinlich weil sie mit der Fernbedienung herumhantiert hatte und versehentlich etwas in der Programmierung verschoben hatte. Ich wohne zu weit weg, aber mein Schwager, meine Cousins und Neffen kommen regelmäßig bei ihr vorbei und könnten so etwas leicht beheben. Aber darauf wollte sie nicht warten, auch nicht wenige Tagen. Es muß auch wohl unangenehm sein, für jede Kleinigkeit von anderen Abhängig zu sein.
Also hat sie den Lieferanten angerufen. Der wollte gerne jemand vorbei schicken, aber dann würden Vorfahrtkosten und Stundenlohn mit einem Minimumbetrag fällig werden, und die Garantie würde in diesem Fall nicht gelten. Sie bestellte ihn trotzdem her, sagte dann aber gleich zu dem Mann der vorfuhr - ein junger Mann von ungefähr 20 vielleicht? - daß sie nicht vorhatte, zu bezahlen, denn das Gerät war ja noch fast neu, es sei ein teueres Ding gewesen, die Garantie dies und das, es sei eine Schande, und sie könne doch nicht auf die Fußballspielen im BBC 2 verzichten! (Meine Mutter, Fußball? na ja). Im Kurzen, sie hat den Jungen mit ihrer Irrationalität so in Verwirrung gebracht - ich kenne das sehr gut von ihr!, - daß er sich hat einwickeln lassen, die Einstellung korrigierte und eine Rechnungsblatt hinterließ worauf stand: „Muß nicht bezahlen!” Damit hat er vielleicht später Schwierigkeiten bekommen; er war so ein großes Kettengeschäft, nicht ein nachbarschaftsfreundlicher Kleinladen. Aber meine Mutter war bedient, und das ohne wieder mal jemand aus der Familie beanspruchen zu müssen.
Nicht daß sie so oft BBC 2 schaut; höchstens mal BBC 1.

Donnerstag, 12. Januar 2006
Deutsche
Ein Landsmann fragte mich, welche die unangenehmste Eigenschaft der Deutschen sei. Mir fiel keine ein, oder doch: daß sie immer mit ihren Fahrrädern auf dem Gehweg fahren!

Donnerstag, 24. November 2005
Angst
Es geht mir beschissen. Jede Nacht wache ich um vier Uhr auf, verängstigt, an Tod und Selbstmord denkend; kann dann kaum noch einschlafen. Wenn das so weiter geht, geht mir demnächst die Puste aus. Es ist mal wieder eine richtige Angstwelle, wie ich sie früher öfter gehabt habe.
Ich sehe in meiner Zukunft nur alt und schwach und krank werden, einsam sein und noch einsamer werden, und vielleicht kommt noch Armut dazu.
Soll ich darüber bloggen? Vielleicht ist es nicht schlecht, um es einigermaßen in Griff zu bekommen. Andererseits, andere Leute soll man damit nicht belästigen; die haben ja selbst schon genug Leid. Vielleicht mache ich es erst mal in einem verborgenen Eckchen des Blogs.

Tot sein, nicht mehr hier sein, scheint mir herrlich; der vielleicht lange Weg dorthin aber nicht. Könnte es doch so gehen wie damals bei einer Operation, als ich eine Vollnarkose verpaßt bekam. Ein seliges Wegsinken und dann nichts mehr. Aber ich werde es wohl selber machen müssen. Früher habe ich Selbstmord immer als etwas Schmutziges betrachtet. Aber noch einmal nach Griechenland zu fahren, mich von einem hohen Felsvorsprung ins Meer zu stürzen, z.B. auf der Insel Hydra, damit könnte ich leben. Sterben, meine ich.
Man sollte sich eigentlich töten kurz bevor man wirklich gebrechlich wird, ein Pflegefall. Die Ironie des Schicksals will aber, daß dieser Zustand einen meistens überrascht und man es dann nicht mehr kann.
Es sei denn, Europa ändert seine Haltung den Senioren gegenüber. Viele von Ihnen hatten noch nie eine so ruhige und wohlhabende Zeit wie jetzt, aber nach dem 80. oder 85. Lebensjahr wird es doch für alle eine Hängepartie. In zwanzig Jahren sieht es eh anders aus; da werden die Alten nicht mehr so umsorgt und verpflegt werden. Die wenigen jüngeren Leute die es dann gibt werden irritiert sein durch die vielen Alten und werden bestimmt Wege finden, sie zu töten.
Es sind auch freundliche Lösungen wie Euthanasieprogramme denkbar. Auf Anfrage kann man sich entfernen lassen. Noch einmal eine schöne Musik nach Wahl hören, eine Tasse Kaffee oder meinetwegen Champus—es darf ja was kosten—und dann die wohlige Spritze. So wird es aber nicht gehen; aus religiösen Gründen wird man die Leute langsam zu Tode quälen wollen.
 
Dienstag, 4. Oktober 2005
Rettet des Genitivs
Soll man sich nicht endlich mal des Genitivs annehmen? Der Dativ hat sich eine Lobby zu organisieren gewußt, weil er so leidend, so seehündchenhaft aus der Wäsche schauen kann. Weniger rührende Fälle haben da des Nachsehens.

Montag, 1. August 2005
Unterwegsliedchen
Ich bin die Grube Messel,
ich trinke aus dem Kessel.
Mein Bruderherz heißt Florian,
er lebt von Schnaps und Baldrian.


 

Tagbücher Archiv 1

Fürs Archiv: altes Weblog Tagebuch ab 2005. Nummer 1.
Ins neue Blog herübergerettet. Natürlich habe ich gedacht: das meiste ist Unsinn und kann weg, aber das ist nicht der Sinn eines Weblogs. Darin ist auch Platz für Skizzen, unreife Gedanken, häßliches. Papier und Tinte haben früher etwas gekostet, bites sind ganz umsonst und die meisten eh überflüssig.


Deutsche Sprache, schwere Sprache
„... Und dann mieteten wir einen guide ... ” Der Sprecher war Deutscher und redete von einer Expedition in den Anden. Dort spricht man kein Englisch. Das englische Wort hatte er wohl gewählt um das Wort  „Führer” zu vermeiden.
Auch schon mal gehört: „die Lösung am Ende”, statt das kürzere und elegantere „Endlösung”.
Ja, Wörter können verseucht sein. Wie lang noch müssen die Deutsche auf Teile ihre Sprache verzichten? Wenn man bedenkt, wie lange die Napoleon-Verarbeitung gedauert hat, würde ich tippen, nach ungefähr ein Jahrhundert kann man wieder emotionslos über den Adolf reden. Dann wird auch die Sprache zurückerobert werden.
Freitag, 1. April 2005, 12:29 

Terri
Bekommt Terri nach zwölf Tagen Verdursten doch wieder eine Magensonde? Sonde raus, Sonde rein, Sonde raus, dann verdursten, zwischendurch das Leib Christi auf die Zunge gedruckt bekommen und dann Sonde wieder rein? Und dann noch Papa und Mama und das Fernsehen am Krankenbett. Hätte sie das alles mitbekommen, wäre es grausam gewesen; jetzt ist es nur skurril und unappetitlich. Vor den Lebensrettern soll man sich hüten; demnächst machen sie es auch mit Leuten, die noch empfinden können. Zum Sterben lieber nach Holland. Gibt es schon Sterbetourismus, wie früher Abtreibungstourismus?
Merkwürdig, daß Themen hier erst besprochen werden, wenn sie in den amerikanischen Medien groß gebracht worden sind. Haben wir selbst keine Themen? Vor ein Paar Jahren war das auch so, als dieser Junge zu seinen Eltern nach Kuba abgeschoben werden sollte. Das Terri-Thema könnte auch unseres sein; blöd nur, daß wir selbst nicht darauf gekommen waren. Aber das mit dem Junge, das hatte doch gar nichts mit uns zu tun? Viele Fernsehstunden und Zeitungsseiten sind trotzdem an ihn verschwendet worden.
Mittwoch, 30. März 2005, 17:53 

Konferenz
Der Beitrag für die Konferenz ist fertig und weggeschickt. Nur noch eine mündliche Kurzfassung machen für den Vortrag in Frankfurt.
Jetzt sollte ich also entspannt und zufrieden sein. Der Artikel ist ja nicht mal schlecht! Ich bin aber eher deprimiert, weil ich habe feststellen müssen, daß das ganze mich total nicht interessiert und daß ich Konferenzen stinklangweilig finde. Ach, könnte ich doch weg aus der Uni! Aber das wird nicht mehr gelingen. Nun, andere Menschen haben solche Gedanken auch, über ihren jeweiligen Job. Nicht meckern; man soll sein Schicksal geduldig hinnehmen.
Fragen andere Menschen sich auch, ob es bei der Konferenz noch etwas zu vögeln gibt? Angesichts der Teilnehmerliste sieht das eher traurig aus. Die Konferenz ist auch viel zu seriös. In England, da gab es mal eine Zeit lang so Sauf-, Fress- und Vögelkonferenzen. Aber dort haben sie ja Elite-Universitäten. Hier ist das alles staubtrocken und mit Fußnoten.
Mittwoch, 30. März 2005, 17:34 

Rußpartikel
Ein Gebiet, in dem Deutschland vielleicht gut sein könnte, ist Umwelttechnik. Aber auch dort Rückständigkeit. Zum Glück kann man auch französische Autos kaufen.
Mittwoch, 30. März 2005, 14:02 

Fitnè
Fitnè, so heißt eine Gesundheitsdrogerie. Statt Fitneß? Liegt das Mißverständnis zu Grunde, daß das Wort Französisch ist und deshalb der letzte Konsonant nicht gesprochen werden soll? Es erinnert mich an dieser Frau, beim Autos ausladen im Hafen von Patrai, die meinte, daß sie berechtigt war, als erste durch die Kontrolle zu gehen, weil sie einen Mercedè fuhr, mit der Betonung auf der letzten Silbe. Die ärmste meinte, diese Aussprache sei schicker.

Hang nach Unten
- Steuervergünstigung für Arbeitsplatzabwanderung abschaffen.
- Daraus Entlastungen für  mittelständische Betriebe finanzieren.
- Mehrwertsteuer erhöhen.
- Daraus Senkung der Arbeitslosenversicherungsbeiträge finanzieren.
- Subventionen abbauen, Soli streichen.
Hervorragende Ideen, die durch die Medien schweben. Sobald ich sie höre, verstehe ich sofort, wie klug das alles wäre. Wann werden diese Vorschläge umgesetzt? Im nächsten Monat, in drei Monaten? Nicht nur könnte die Bevölkerung davon profitieren, auch Schröder würde es helfen bei seiner Wiederwahl, denn erste Ergebnisse wären im nächsten Jahr schon sichtbar. Aber ach nee, so schnell geht das hier nicht, immer mit der Ruhe, auf keinem Fall überstürzen; ... und wahrscheinlich geht es nie. Es darf hier ja nicht gut werden! Als der Nachrichtenleser dann auf den Erfolg Skandinaviens mit den Mehrwertsteuern hinwies, verstand ich es endgültig: es wird nicht werden. So gut wie Skandinavien darf es Deutschland einfach nicht gehen. Das würde doch niemand wollen?

Rhythm is it
Freunde haben mich ins Programmkino mitgeschleppt. Das soll ich sie ab und zu tun lassen, sonst käme ich dort nie hin. Rhythm is it, hieß der Film, eine wunderbare Überraschung. Der Berliner Philarmoniker, oder besser gesagt der Dirigent Simon Rattle, wollte die Sacre du Printemps ausführen mit Tanz von 250 Kindern und Jugendlichen. Diese waren zum Großteil in traurigen Vierteln zu Hause; für die war es eine Chance mal mit etwas gutem in Berührung zu kommen. Und mit sich selbst, mit einander, und mit anderen netten und interessanten Menschen. Rattle trainierte sein Orchester; die Kinder würden von zwei englischen Tanzlehrer der absoluten Superklasse eingeübt. Es war faszinierend: man sah sie wachsen, manch einen von Widerwillen über so was albernes (Klassik!) bis die totale Hingabe und Stolz. Nicht nur bis zur Ausführung sind sie gewachsen, auch menschlich, nachhaltig. Es war wunderschön. Tanzen macht dich zu einem besseren Menschen, ja das war sichtbar. Dasselbe kann man auch sagen von Musik, Theater, Literatur, Kunst; kurzum alle diesen Bereichen in denen Bildungs- und Kultusminister gerne sparen, weil bessere Menschen nicht wirtschaftsrelevant sind. Dieses Projekt hat ein Paar Pfennige gekostet, aber wirklich nur ein Paar! Wenn Kinder so aufgezogen werden, dann muß man keine ausländischen Entwicklungshelfer mehr importieren; dann werde sie auf Dauer auch selbst etwas wollen können. Kinder statt Inder, so könnte der Spruch über einen Umweg noch wahr werden. Aber diejenigen, die das damals gerufen haben, hatten von so etwas keine Ahnung, die meinten etwas ganz anderes. Deren Kinder hätten diese Chance wohl nie bekommen—falls man sie überhaupt gezeugt hätte.
Dann gab es noch die beiden Lehrkräfte der Schule. Die eine war anfangs etwas besorgt, ob man es den Kindern zumuten könnte, aber sie ließ sich überzeugen und mischte mit wertvollen Beiträgen mit. Die andere war eher verbohrt und sah nur Probleme.
Es war auch außerordentlich gut gefilmt. Der Film läuft schon einige Zeit; es würde mich nicht wundern, wenn das ganze Projekt sich selbst auch noch zurückverdient.
Zum Schluß haben wir zu viert noch ein Glas getrunken und darüber geredet. Das war sehr angenehm. Ist das nicht ganz normal? Ja, sollte es sein, aber ich erlebe es selten, bin doch irgendwie in einer geistigen Wüste gelandet. Nicht nur Kinder sollen sich aufraffen, auch Erwachsene. Ich wenigstens entnehme diesem Film eine persönliche Lektion; wenn ich auch hin und wieder neue Injektionen brauchen werde.
Was ist doch mit mir passiert, daß ich mich durch die Umgebung habe verholzen lassen? Die Umgebung ist nie eine Entschuldigung; die armen Kinders in dem traurigen Berliner Viertel waren viel, viel schlimmer dran als ich.
Samstag, 26. März 2005, 16:28
1 Kommentare (0 ): Vielen Dank für den Tip! Der Film war das Highlight am Ostersonntag.   stolle

Die Macht des Kalenders
Donnerstagnachmittag vor Ostern, es war nicht auszuhalten am Arbeitsplatz und in der Stadt. Überall Leute, die im Begriff waren, alles hinzuschmeissen, weg zu fahren. Ostern paßt mir nicht, ich bin kein Christ, begehe weder Karfreitag noch Ostern, aber muß mich dem Kalender beugen. Will jetzt kein Urlaub, habe zwei große Aufgaben für die nächsten Tage und hatte schon meinen Kurzurlaub. Dann eben zu Hause sitzen. Nein, auch keine Schokohase, danke.
Donnerstag, 24. März 2005, 23:11 

Distanz
„Eine deutsche Freundschaft halt,“ sagte mein ungarischer Freund C. als er von zwei Bekannten redete. Ich verstand sofort was er meinte. Die Deutsche sind ja Meister im ausklammern von allem persönlichen aus ihren Beziehungen, mit Ausnahme, will ich hoffen, der allerintimsten. Es tut mir noch oft weh, diese Distanz; ich vermisse die Wärme. Gott sei dank wohnen hier auch viele Ausländer, wie C..
Ich meine nicht, daß ich mit jedem intim sein möchte. Und unter Arbeitskollegen ist es sogar gut, eine gewisse Distanz zu wahren. Aber sonst? Als ich nach Schweden fuhr, war ich an Bord des Schiffes schon gleich in Gespräch mit zwei verschiedenen, mir völlig unbekannten Schweden. Natürlich wurden wir nicht intim, aber wir warfen schon unsere Person ins Gespräch. Und in Schweden selbst war das nicht anders. In dem angeblich so kaltem Land fand ich doch mehr Wärme als hier.
Wie sind die Deutsche so distanziert geworden? Ich kann mir nicht vorstellen, daß sie im 19. Jahrhundert schon so waren. Es muß etwas zu tun haben mit der deutschen Geschichte: Kaiserreich, zwei Weltkriege. Aber was genau, das entzieht sich meiner Beobachtung. 

Höhenangst 3
Dann auf einmal war sie da, die Höhenangst. ich war beim besteigen des Münsterturms, in Freiburg. Es ging rund und rund, die Treppe nahm kein Ende, aber dann war der Turm auf einmal offen, man war einfach an der Luft, und es wurde mir zu mächtig, ich habe dann umkehren müssen. Das war neu für mich; bei Bergwanderungen hatte ich nie etwas gespürt.
Dienstag, 22. März 2005, 13:19 

Kurzer Dämpfer
Ich suchte etwas im Atlas und blätterte danach ziellos noch etwas weiter. Die Landkarten von Kanada, Sibirien, der Mongolei kamen vorbei, und auf einmal sah ich diese mir unbekannten Gegenden vor Augen. Riesige, kalte Gebiete ohne nennenswerter Stadt, nur kleine, ungehobelte Ortschaften voller saufenden Holzfäller und Fischer, Pelzjäger und Viehzüchter, Orte wo ich nicht hin gehöre, mich nie zu Hause fühlen könnte. Verlangt jemand das etwa von mir? Nein, aber trotzdem wurde dieser Gedanke auf einmal Anlaß zu großer Einsamkeit, ein sich in der Welt verloren Fühlen.
So kann, wenn bloß die ‘richtige’ Grundstimmung da ist, jede Kleinigkeit mich in die Tiefe ziehen. Hat aber nicht lange gedauert.
Dienstag, 22. März 2005, 04:55 

Ruhestand?
Also, das war der Job-Gipfel. Parturient montes, nascetur ridiculus mus. Es könnte schon ein Anfang sein. Ungefähr so wie vor wievielen? Jahren mit der Steuerreform. Da schrieb die FAZ gleich, daß jetzt Frankreich und Italien unserem glänzendem Vorbild folgen würden. Nie mehr etwas von gehört.
Immer geht das Gespräch über Steuer, Rahmenbedingungen, Prozentsätze. Nie fragt man sich, was die Deutsche in nächster Zukunft tun oder machen sollen oder wollen. Mehr Autos herstellen, Bio-Käse, Kuckucksuhren? Dienstleistungen? Bildung? Keiner hat so richtig eine Idee. Wenn es mit den Zahlen stimmt, kommen dann die Ideen von selbst? Nur steht fest, daß es hier zu Lande zu viele Kurärzte, Anwälte, Verwaltungsbeamte und Fabrikarbeiter gibt, und zu wenig ausländische Computertypen mit einer interessanten Biographie. Das war vor zehn Jahren auch schon so.
Samstag, 19. März 2005, 15:07 

Frühling
Es ist, als ob der Frühling nicht weg gewesen ist; er kommt gar nicht wie ein Schock. Beim Spaziergang durch die Prachtstraße bemerkte ich einen schicken neuen Herrenmodeladen, und fast daneben hatte ein sehr teurer Damenfrisör aufgemacht. Im Herrenladen kann man sich Anzüge kaufen bis zu 2000 Euro. Ich werde das nicht tun, ich kann sie nicht bezahlen, und wenn ich es könnte, möchte ich es nicht. Aber ich sehe gerne Reichtum; es freut mich, daß es wieder bergauf geht. Und das noch vor dem Frühlingsputz des Bundeskanzlers! Dieser Verfall, den man da beobachten konnte: der Einzug von Ramschläden, Billigdrogerien und Kaffeehändler die alles verkaufen außer Kaffee, das war mir peinlich.
Donnerstag, 17. März 2005, 00:08 

Fahrrad 2
Gut, mein Fahrrad war vorgestern gestohlen worden. Und die Diebe haben auch noch in Tüten gewühlt, wo aber nur alter Kram drin war. Und sie hatten einige Flaschen Wein in eine Plastiktasche getan, die sie dann aber zurückgelassen haben, weil die Tasche zu schwach war um ihren großen Durst zu tragen. Allzu schlau vielleicht nicht, dieses Publikum.
Ich habe den Vorfall noch nicht verarbeitet. Klar, es soll ein anderes Fahrrad her, und ein neues Türschloß. Vielleicht bezahlt die Versicherung auch etwas, obwohl Versicherungen bekanntlich dazu nicht da sind. Wenn das nun alles wäre ..., aber das ganze hat eine alte Wunde aufgerissen, aus einer Periode, in der es selbstverständlich war, daß fremde Leute in die Wohnungen eindrangen und darin herumwühlten, daß man die Sachen schon extra für sie bereit legte damit sie sie bloß gut sehen könnten. Dabei ist allerdings nie etwas verschwunden. Die Staatsdiener hatten ein anderes Interesse: gucken und einschüchtern.
Man ist in meine Welt eingedrungen, auch jetzt, nachdem ich schon fast vergessen hatte, wie sich das anfühlte.
Mittwoch, 9. März 2005, 23:18 

Fahrrad 1
Mein Fahrrad ist gestohlen worden, aus eigenem Keller. Daß der Mensch schlecht ist, wußte ich. Nicht, daß er auch rad fährt..,
Dienstag, 8. März 2005, 21:17

Morgenstimmung
Hat eigentlich jemand mal die Doktorarbeit von Dr. Oetker gelesen? Ich glaube, der Mann ist gar nicht promoviert. Und dieser Dr. Best ist um kein Haar besser. Alles Hochstapler.
Guten Morgen. Sie verstehen, ich habe gerade Müesli gegessen und meine Zähne geputzt.

Lecker Griechisch
Wer hätte denken können, daß in der Frankfurter Nibelungen Schänke, gleich bei der Deutschen Bibliothek gegenüber, nicht eine gestandene Brunhilde den Kochlöffel schwingt, sondern ein kompetenter und liebevoller griechischer Koch? Das war eine sehr angenehme Mahlzeit, anspruchslos aber hochfein, und völlig sirtaki- und tourismusfrei.
Das vorige Mal daß ich so lecker Griechisch gegessen habe, nein, das war sogar noch leckerer, war in Nea Makri bei Marathon. Eine Fischtaverne war das, wo alles persönlich war. Der Fisch war aus eigenem Meer, das Gemüse und die Kräuter waren aus eigenem Garten, vermutlich von der Großmutter vor einer Stunde geerntet. So knusprig! Der Wein war eigenes Fabrikat, wie auch der Öl und der Essig. Alles vom feinsten! Und das fünf Meter vom Meer, mit herrlichen Blick auf Skinias, oder ist es schon Evia? So ein Laden bekommt nie einen Stern in einem Reiseführer. Das ist vielleicht besser so, dann bleibt man unter sich.
Montag, 7. März 2005, 22:40 

Ferngespräch
S. hat mich aus Australien angerufen. Fünf Jahre lang nichts von ihm gehört, aber ich fühlte mich gleich wohl mit ihm am Apparat. Er möchte vorbeikommen im April, okay, gerne. Nachdem wir darüber sachliches verabredet hatten, blieben wir noch ungefähr fünfzehn Minuten in Gespräch über Gott und die Welt. Mir wurde auf dem Hintergrund immer unbehaglicher. Nicht wegen S., nicht wegen dem Inhalt des Gesprächs; nein es war ein schönes Gespräch. Bloß weil ein altes Wissen sich aufdrängte: Ferngespräche sind sauteuer, da soll man sich kurz fassen. Was hätte das noch vor zehn Jahren nicht gekostet, aus Australien? Vielleicht 2 Euro die Minute! Jetzt so wenig, daß man es nicht mal mehr wissen will.

Tot?
Als der Hausarzt gestern die Befunde der routinemäßigen Körperuntersuchung mit mir besprach, meinte er, daß ich kerngesund bin. Bis auf die vermatschte Patella im linken Knie, die ich seit drei Jahre habe und die mich um den Sport gebracht hat, Jogging unmöglich macht und mich viel langsamer radfahren läßt. Damit habe ich schon zu leben gelernt. „Sie können neunzig werden!“ sagte der Arzt begeistert. Natürlich bin ich froh, daß ich nichts habe. Aber die neunzig Jahre begeistern mich gar nicht. Da kann man doch nur hoffen, daß die Euthanasie noch rechtzeitig genehmigt wird. Am besten kann ich anfangen, etwas energischer zu leben, so daß ich schneller aufgebraucht bin.
Sonntag, 6. März 2005, 00:54 

Religion
Wenn in meiner Herrenrunde das Gespräch auf Religion kommt, fällt mich immer auf, daß ungefähr die Hälfte der Anwesenden religiös ist, und die andere total nicht.
Unter den Religiösen gibt es z.B. zwei, die aus der katholischen Kirche ausgetreten sind, aus Ärger, Enttäuschung und Scham. Erledigt, würde man meinen, aber nein: sie beschäftigen sich immer noch mit besagter Einrichtung, ärgern sich über Kardinäle, beschnuppern aber auch andere Religionen und Sekten; kurzum, Religion läßt sie nicht los. Die anderen sind nicht interessiert, gelangweilt sogar, und verlangen ein anderes Gesprächsthema.
Auch die Wörter ‘schlechthinniges Abhängigkeitsgefühl’ sind wieder gefallen.
Als Kleinkind ist man von seinen Eltern sehr abhängig. Meine Jugend war schlechthinnig schlecht; ich habe früh lernen müssen, daß auf meine Eltern kein Verlaß ist. Kann es vielleicht so sein, daß diese Erfahrung mich beigebracht hat, mich auf ein noch höheres Wesen ebenfalls nicht zu verlassen?
Die in einer Kirche enttäuscht sind, haben auch schlechte Erfahrungen gemacht, aber nicht als Kleinkind, und nicht in einem so wesentlichen Punkt, das macht vielleicht den Unterschied. Der Glaube an die Möglichkeit eines Vertrauens ist nicht erschüttert.
Freitag, 4. März 2005, 16:51 

Muskelneid
Im Fitneßstudio: ein Mittdreißiger, muskelbepackt, aber nicht übertrieben, sich geschmeidig bewegend, dazu eine sympathische und intelligente Ausstrahlung. So einer kann mich neidisch machen: Ach, sähe ich doch so aus! Tue ich aber nicht, und durch die natürliche Veranlagung und den Altersunterschied komme ich nicht mal in seiner Nähe.
Wer beschreibt aber meine Verwunderung, als ich bei zwei Übungen ihm gegenüber sitze an den Geräten und er erheblich niedrigere Gewichte stemmt als ich?
Freitag, 4. März 2005, 03:07 

Das Rätsel der (Aus)bildung
Zwölf Jahre, oder Gott weiß wie lang verbringen die Kinders in der Schule und lernen lesen. Und wenn sie es dann können, tun sie es nicht.
Donnerstag, 3. März 2005, 16:44 

Das Rätsel der Kälte
Im November trage ich mittelleichte Bekleidung und fühle mich noch sonnig; jetzt benutze ich dicke Winterkleider und friere ich. Klar, wird man sagen, es jetzt kälter. Aber ist das so? Bei diesem Schnee- und Frostwetter gehe ich kaum aus. Ich hüpfe nur noch von Haus zu Haus, von Gebäude zu Gebäude. Daher ist mein ganzer Tag behaglich, denn es ist überall satte +20˚ Celsius, also genau so warm wie im Mai/Juni ohne Heizung. Aber frieren tue ich trotzdem. Frieren ist wohl eine seelische Aktivität.
Die gesetzlichen Krankenkassen haben das Jahr 2004 mit einem etwas größeren Überschuß als erwartet abgeschlossen. Das ist also eine gute Nachricht. Hat sich jemand gefreut, hat irgendwo ein bescheidenes Hurrah erklungen? Nein, nein; man möchte sich doch nicht die miese Grundstimmung verderben lassen...
Mittwoch, 2. März 2005, 22:25 

Der gläserne Kunde
Ja, Herr Karstadt, Sie wissen es jetzt: Bei der Unterwäsche habe ich Größe 7. Ich bin nämlich Ihr gläserner Kunde, ich benutze die Kundenkarte, die Ihnen einen Überblick über alle meine Einkäufe ermöglicht. Jetzt war aber die Belohnung da: Auf der Karte waren so viele Punkte gesammelt worden, daß ich Gutscheine zu 60 Euro bekam. Vielen Dank, das hatte ich nicht erwartet. Habe die Punkte gleich in neue Wäsche umgesetzt; Größe 7 also. Aber halten Sie bitte die Slips auch in Größe 6 auf Lager. Wenn es mit dem Abspecken mal Ernst wird, werde ich die wieder brauchen.
Jetzt weiß es auch die Welt.
Dienstag, 1. März 2005, 17:12 

Unordentlich
Es mußte kommen. An meinem elektronischen Telefon habe ich zwei Funktionen eingeschaltet, die ich gar nicht wollte. „Direkt Babyruf“ und dazu noch etwas mit der Buchstabe A. Ich habe irgendwann aus Versehen eine falsche Taste eingedruckt. Bei meinem Versuch, das ungetan zu machen, wurde es noch schlimmer. Wie kriege ich das weg? Das steht in der Gebrauchsanleitung. Und die habe ich verlegt, irgendwo. Ich bleibe also Babies rufen, direkt.

Bei der Digitalkamera ist es nur die halbe Katastrophe. Da ist die Gebrauchsanleitung auch verschwunden; es wurde aber noch eine mitgeliefert: in Russisch und Schwedisch. Ich ringe mit dem Schwedischen; ist ja dem Deutschen nicht unverwandt.
Montag, 28. Februar 2005, 17:28

Unvergeßlich
Ein guter Freund von mir hatte die Telefonnummer 314162. Das war 1970–1971. Der Freund ist längst umgezogen und hat schon etliche andere Telefonnummer hinter sich. Ich sehe den Freund nur noch selten, aber seine damalige Telefonnummer bleibt mir bei. Ich kann sie nicht vergessen, obwohl ich statt dessen viel lieber andere, aktuelle Telefonnummer behalten würde.
Damals habe ich den Freund gerne und oft angerufen, aber lebenswichtig war mir die Nummer nicht. Warum behält man solche Nummer?

Fischer
Schade, was jetzt um Joschka Fischer passiert. Er ist der best denkbare Außenminister, und nun diese possierliche Visa-Affäre! Aber faßt er es klug genug an?
Gängig ist in Politik und Diplomatie, gemachte Fehler immer zu leugnen, bis die Beweise überdeutlich auf dem Tisch liegen und in den Medien verbreitet werden. Dann kurz eine Entschuldigung murmeln und einfach weiter machen; es sei denn, man wird gefeuert.
Aber Fischer ist auch Sympathieträger; wäre hier nicht ein anderes Verhalten angebracht? Ein schnelles Zugeben der Fehler, wenn auch noch so unbedeutend, sogar wenn es nicht mal seine Fehler wären; Zerknirschung, tiefstes Bedauern? Dann bleibt man ihn mehr mögen, würde ich meinen.
Nun ja, seine Beamten werden ihm alle Effekte schon durchgerechnet haben. Und es ist allmählich zu spät.
Freitag, 25. Februar 2005, 21:57 

Vaters Wetter?
Interessiert mich die Wettervorhersage? Ja und nein. Ich schalte immer das Radio ein um die Nachrichten und anschließend die Wettervorhersage zu hören. Aber wenn der Sprecher dann so weit ist, höre ich gar nicht zu! Es wäre doch manchmal praktisch zu wissen, ob man einen Schirm mitnehmen soll oder Schneeschuhe anziehen soll.  Aber weil ich nicht zuhöre, werde ich doch oft durch das Wetter überrascht. Und so geht das nicht einmal, sondern in der letzten Zeit eigentlich immer.
Offensichtlich interessiert die Vorhersage mich tatsächlich nicht (mehr). Ich werde einfach ab und zu mal naß, und das ist mir egal. Immer wieder angeblich über das Wetter hören wollen kann ein Überrest sein aus der Vergangenheit, als es mir schon noch etwas bedeutete. Es kann sogar zurückgehen auf das Verhalten meines Vaters, der immer gespannt die Vorhersage hörte, die für ihn viel wichtiger war als die Nachrichten.
Donnerstag, 24. Februar 2005, 15:17 

Höhenangst 2
Woher stammt meine heutige Höhenangst, die ich doch früher gar nicht hatte? Vielleicht von dem Zwischenfall in Edinburgh. Dort besuchte ich mal eine Konferenz. Es wurde viel gegessen, getrunken und geraucht, zu viel nach meinem Geschmack. Kollege C. und ich verabredeten uns um morgens früh, vor Anfang der Sitzungen, einen langen Spaziergang zu machen auf dem bewachsenen Felsen, der in Edinburgh die Funktion eines Stadtparks hat. Da bin ich dann auf einem Abhang ins rutschen gekommen. Das Gras war durchnäßt; mein Schuhwerk eher für die Stadt gedacht. Ich konnte nicht mehr stoppen und rutschte auf einen Abgrund zu. Park hin, Park her, aber das war ein rohes Gelände, und das Gesetz der Schwerkraft war völlig in Kraft. Ich glaube, daß C. dort mein Leben gerettet hat.
Dienstag, 22. Februar 2005, 23:15 

Jawlensky
Ein trauriges Künstlerleben, das von Jawlensky. Gestern die J.-Austtellung in Wiesbaden besucht. Sie führt durch die aufeinander folgenden kreativen Phasen des Künstlers, und das Ganze ist doch eher traurig.
Erst sieht man wie er sich entwickelt, wie er alle Malerei aus seiner Zeit in sich aufsaugt: van Gogh, Gauguin und mehr. Dann erreicht er seinen eigenen Stil, sein eigenes Level, und das ist hoch. Ein Fachmann bin ich keineswegs, aber es würde mich nicht wundern, wenn er zu den großen Erneuerern gerechnet wird. Viele mit Lust, Liebe, und Engagement gemalten Frauenporträts, um 1920.
Dann aber entwickelt sich die Biographie in die falsche Richtung. Nach der russischen Revolution blieben die Schecks aus St. Petersburg aus. Seine Wahl für Wiesbaden als Wohnort, ein reicher Kurort mit einem wohlhabenden und kunstliebenden Publikum, erwies sich als die falsche. Die Französische und Englische Besatzung nach dem 1. Weltkrieg verdarb die Szene dort; die Inflation von 1923 tat den Rest.
Dann sieht man, daß seine Frauengesichter oft mit Variationen wiederholt werden. Er brauchte Geld, ohne Zweifel. In den dreißiger Jahren kam das Nazi­regime; natürlich galt Jawlensky als entartet und mußte er sich ganz ruhig halten. Die damals noch unbehandelbare Krankheit arthritis deformans verdarb, was ihm seines Lebens noch blieb. Seine letzte Werke sind endlose abstrakte Wiedergaben seiner Seeleninhalt: noch immer gut, aber tief dunkel.
So sieht man, wie eine Biographie, für die man nichts kann, einem das Leben kaputt machen kann. Gut, auch so hat Jawlensky der Welt mehr, mehr als genug geboten, aber es hätte auch anders kommen können. Wer weiß, wie er in anderen Umständen noch gewachsen wäre.
Sonntag, 20. Februar 2005, 20:41 

Angst zu versagen
Was ich noch immer nicht verstehe ist die Angst der Deutsche, Fehler zu machen. Gestern beim Zappen, ganz kurz: Ein Herr meinte, der Schulunterricht sollte anspruchsvoller werden. Eine Frau, ich glaube es war sogar die Unterrichtsministerin, wies darauf hin, das schon jetzt Nottelefone eingerichtet werden müssen wenn es Abiturzeit ist, weil die Schüler sich so unter Druck gesetzt fühlen.
Aber von wem dann? Die Schulen sind doch eher schlaff. Die Angst zu versagen muß tief in ihnen drin sein, früh durch die elterliche Erziehung eingepflanzt.
Ich merke es immer wieder mit dem Englisch. Anfangs dachte ich, die Deutsche kennen kein Englisch. Aber eine Englischlehrerin har mir mal die Abituraufgaben gezeigt, und die waren eindrucksvoll. Ein Deutscher mit Abitur hat viel Englisch gelernt! Warum es dann nicht benutzt? Studenten und Kollegen geben sich oft beträchtliche Mühe, Situationen zu vermeiden, in denen sie Englisch reden oder sogar nur lesen sollen. Wenn ich frage, warum diese Scheu, kommt sehr oft die Antwort: weil ich Angst habe, Fehler zu machen.
Diese Angst ist so unproduktiv! Ich bin mir sicher, in den meisten europäischen Ländern gibt es sie nicht, und im Nahen Osten noch weniger. Bei den Japanern vielleicht, ja. 
Mittwoch, 16. Februar 2005, 13:34 

Schröder meint,  man solle jetzt doch etwas gegen die NPD unternehmen, und zwar im ‘vorpolitischen Raum’. Obwohl gerade alle Skinheadbekämpfungs- und Entnazifizierungsprogramme heruntergefahren waren. Es sieht so aus, daß man hier nur Nazi-Alarm schlägt, wenn gerade wieder ein Ausländer totgeschlagen worden ist, oder sowie jetzt eine Nazi-Partei bei den Wählen gewonnen hat. Zwischen den Zwischenfällen passiert gar nichts. Ich erinnere mich aus den Neunzigern noch eine FAZ-Kommentar: man soll jetzt etwas tun, weil Deutschland sonst im Ausland blöd da steht und das Investitionsklima gefährdet wird. Der Wunsch, die Nazis los zu werden, steckt offensichtlich nicht sehr tief.
Schröder wirft Stoiber vor, daß er ‘ein bißchen unhistorisch denkt’. Selbst denkt er vielleicht ein bißchen unjuristisch. Ein Berufsverbot für NPD-Mitglieder möchte er nicht. Wenn sich jemand an Recht und Gesetz halte, ‘dann darf man ihm nicht allein wegen seiner Gesinnung ein Berufsverbot erteilen.’ Es komme darauf an, was einer tue, nicht was er denke.
Da liegt aber ein interessanter Präzedenzfall vor: das Berufsverbot für Kopftuchtragende Muslimfrauen. Bei denen reicht die (mutmaßliche!) Gesinnung.
Montag, 14. Februar 2005, 03:19 

Urlaub?
Es ist Mittwoch 14.50 Uhr, und meine Arbeit ist fertig. Die Klausuren für nächste Woche sind vorbereitet. Morgen früh noch eine Veranstaltung, die auch vorbereitet ist; dann sofort zum Bahnhof. Gleich um 10.15 soll dort der Zug nach Sachsen abfahren. Mein alljährlicher Kurzausflug, allein, um mich neu zu gruppieren und nächste Woche frisch und anders zu sein.
Schon jetzt verbreitet sich eine wohlige Müdigkeit in meinem Körper. Der Körper, der  in der letzten Zeit so vernachlässigt wurde, aber auch das wird wieder anders werden, sei es schon, weil die Sonne scheint und der Frühling fast schon da ist. Bis November Sommerstimmung.
Es ist verrückt, das Leben an der Uni. Die Wintersemester sind immer so verheerend; der Rest des Jahres ist gut verträglich, sogar angenehm. Im Winter oft arbeiten bis 22.00 Uhr, fast immer auch im Wochenende. Sowohl meine Gesundheit als meine Freundschaften leiden darunter.
Bautzen, Görlitz; Zittau vielleicht noch? Es sind immer wieder Variante auf das ‘nirgendwo’, wo ich kurze Zeit absteigen möchte. Orte mit denen ich nichts zu tun habe, neutrale Umgebungen, die es genau so gut nicht hätte geben können. Die sich dann aber meistens als nicht neutral entpuppen und eine Bedeutung bekommen. Genau in dem Moment, daß ich wieder reif bin für meine Rückkehr in die Welt.
Ein Schläfchen wäre jetzt vielleicht angebracht, oder eine festliche Zigarre? Oder beide.
Mittwoch, 9. Februar 2005, 19:57 

„Der Heilige Vater hat eine ruhige Nacht gehabt.“ Ich wußte es! Jedes Mal, wenn ein Papst krank ist oder im Sterben liegt, kommt dieser Satz. Wie sind dann seine Nächte, wenn er nicht krank ist?
Freitag, 4. Februar 2005, 18:38 

Lärm
Heute 258 Euro gespart, indem ich mir kein i-Pod mini gekauft habe. Es ist so ein appetitliches Ding! Aber sei mal ehrlich, wann höre ich überhaupt Musik? Und alle elektronischen Gadgets, die ich in den letzten zwei Jahren gekauft habe, liegen mehr oder weniger unbenutzt im Schrank. Eigentlich wollte ich es nur kaufen, weil ich in der nächsten Woche sechs Stunden im ICE-Zug sitzen muß, und das Geklingel und Gelaber mit den Handys im Großraumwagen mich ankotzt. Bei solchen Gelegenheiten möchte ich am liebsten taub sein. Oder den Lärm eben abblocken mit selbst gewählten Geräuschen. Als Motiv zur Anschaffung reicht das aber nicht.
Freitag, 4. Februar 2005, 01:03 

Unerklärbar fröhlich bin ich heute, und in Aufbruchsstimmung. Das ist trügerisch, denn das Semester ist noch nicht zu Ende! Am Montag muß ich wieder hungrige Studenten mit neuem Wissen stillen. Aber nur noch zwei Wochen, es wird überschaubar. Und die gute Jane hat noch nicht mal wütend angerufen, wo mein Artikel bleibt.

Die Wohnung ist ein Chaos. In der schlimmen Arbeitsperiode (November bis vorgestern) habe ich einfach alles so hingeschmissen. Jetzt werde ich allmählich aufräumen. Überall Papiere und Rechnungen und unbeantwortete Briefe. Gut, daß die Sonne scheint; dann sieht man, wo der Staub ist.
Auch am Körper, der Wohnung im engeren Sinne, hat sich einiges angesammelt: 94 Kilo, das sind zehn zuviel! Oder mindestens acht. So schwer war ich noch nie, und Muskelmasse ist das alles nicht, ha ha. Nein, die Waage ist nicht kaputt. Und das, wo ich doch Menschen mit Bauch total unattraktiv finde.
Selbst kochen soll ich; in der letzten Zeit habe ich ja aus Zeitmangel nur in Restaurants gegessen.

Der Anfang meines Weblogs ist nichts gewesen. Hätte ich nicht in der Vergangenheit schon so viele Tagebuchseiten gefüllt, so könnte man meinen, daß ich mich mit diesem Vorhaben übernommen hatte. Der Grund meines Nicht­Schreibens lag jedoch außer mir: die Arbeit war in der letzten Zeit so schwer, daß kein Raum für Privates übrigblieb. Nicht nur gab es mehr und anderen Unterricht als früher; auch die Universitätsreform hat mich ausgemerzt. Fast kein Tag in dem ich vor 22.00 Uhr fertig war; einige Male auch im Wochenende arbeiten müssen. Ich bin froh, daß ich nicht umgefallen oder krank geworden bin.
Nun, und was geht jetzt in mir vor? Ehrlich gesagt noch gar nichts; ich bin noch so leer und platt gemacht; die Erholung wird langsam sein. Jetzt aber, in den kommenden Monaten wird es ruhiger.
Sofort nach Semesterende werde ich mir drei Urlaubstage gönnen. Ich will mal nach Bautzen und Görlitz fahren, um auch die entlegensten Ecken meiner Wahlheimat kennen zu lernen. Keine Ahnung was mich dort erwartet, aber es soll schön sein.
Samstag, 29. Januar 2005, 05:45 

Wieder allein
Der Jahreswechsel ist jetzt eine Woche her. Herrliche drei Tage und zwei Nächte waren das, bei W. in der Wohnung und in Bett. Danach ... ach, es war eher traurig. Soll man solche wilden Abenteuer wirklich noch nachgehen, wenn danach wieder der Kälteschock und die Einsamkeit auf der Lauer liegen? Nachhaltig wirkt das schöne Wochenende doch eher negativ. Eine weitere Zukunft hat das nicht.
Montag, 10. Januar 2005, 01:28 

CDU
Wir hatten den lieben Gott gebeten, daß er G. eins auf die Nase geben würde. Darauf ist er verständlicherweise nicht eingegangen. Jetzt hat es aber den Roland Koch erwischt: Nase gebrochen bei einem Skiunfall. Er bestraft wen er will, nicht wen wir wollen; das sollte noch mal klar sein.
Im Fernsehen und auf den vielen Fotos guckt Frau Angela Merkel immer so bedrückt und gestreßt aus der Wäsche. Jedoch, auf zwei Bilder aus ihrem privaten Bereich, die ich zu Gesicht bekam, sieht sie ganz normal aus! Vielleicht hat sie einfach den falschen Beruf gewählt.
Sonntag, 9. Januar 2005, 14:04 

Anfang
Werde ich das können, auf Deutsch schreiben? Ach, sogar geborene Deutsche machen jede Menge Fehler, und was soll's. Ich möchte dieses Medium üben, und wenn es nichts wird, höre ich einfach wieder auf. 
Sonntag, 9. Januar 2005, 04:58 

 
Über mich
Als ob ich eine Wahl hätte! Ich werde einfach dorthin versetzt. Nicht daß ich das schlimm finde. Ich war eh reif für einen Umzug ins Grüne, und die Uni ist in Ordnung. Aber das Städtchen, das ist schon klein ...
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