Geistertürme

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Ein Jahr oder noch länger ist es her, daß die brüchigen, engen Türme aus den Sechzigern, in den die Geisteswissenschaften der Marburger Universität untergebracht sind, mit Gerüsten und Zäunen umgeben wurden. Es waren nämlich einige der natursteinernen Dekorationsplatten von einer Fassade nach unten gefallen. Wenn so ein schweres Stück auf einen Menschen fällt, stirbt er; daher die Schutzmaßnahme. Jetzt sind die Gerüste wieder weg; die verbliebenen Platten sind auf Festigkeit geprüft, die kaputten sind mit häßlichen Kunststoffplatten ersetzt worden. Das macht nichts; die Türme sollen in wenigen Jahren ohnehin abgebrochen werden. Aber daß diese kleine Operation mehr als ein Jahr hat dauern müssen, das ist schlimm, und lächerlich auch.
Wenn die Uni für so eine Lappalie ein Jahr braucht statt einen Monat, dann wird der neue geisteswissenschaftliche Campus im Klinikviertel, dessen Bau genehmigt worden ist, nie Wirklichkeit werden. Es sieht also danach aus, daß die Türme noch ein halbes Jahrhundert stehen werden. Wenn die Kunststoffplatten auch kaputt sind, so um 2015, dann doch bitte wieder natursteinerne! Vielleicht können die chinesischen Alumnen mal Entwicklungshilfe leisten?

 

Geisterstunden

Eine kleine Stadt kann auch mal groß sein. In Marburg gab es gestern die Geisterstunden. In einer Reihe von Darbietungen haben die Geisteswissenschaften gezeigt was sie darauf haben.
Nicht die Uni hatte das organisiert, sondern die Stadt. Eine große und gut gelungene Großveranstaltung. Kompliment, Marburg!

 

Umbau der Kinderklinik

In Frankfurt baut man in einem halben Jahr einen Wolkenkratzer, aber die Marburger Uni hat es nicht geschafft, innerhalb eines Jahres die ehemalige Kinderklinik zu renovieren. Das Haus hätte im April, dann endlich im Oktober durch geisteswissenschaftliche Institute bezogen werden sollen; jetzt ist es noch immer nicht so weit. Laut Gerücht wird man letztendlich die alte Bestühlung, irgendwelche verwohnte und bekratzte Bänke aus den Fünfzigern, dort wieder installieren und die Wandtafel aus den Zwanzigern stehen lassen. Worauf dann wieder mit Kreide geschrieben werden muß; wird das Zeug überhaupt noch hergestellt?
Da fehlt doch die wahre Größe, oder? Vielleicht liegt es an einer Meute auf Lebenszeit verbeamteten Inkompetenzlinge im Bauamt oder bei der Verwaltung. Aber beim Straßenbau im Umland zeigt sich dasselbe: endlose Baustellen, die nie fertig werden. Dörfliche Langsamkeit, das ist es. Das verspricht nicht viel Gutes für das Klinikviertel, das in den nächsten Jahren ganz für die Geisteswissenschaften umgebaut werden soll.
 

Neubau der Uni

defaultWo jetzt das angenehme Café Vetter ist, hätte auch der Neubau der Uni stehen können. Wenigstens wenn ein Utopist aus 1909 seinen Traum durchgesetzt hätte. Parkplätze brauchte man damals noch nicht; alles bequem mit der Pferdebahn zu erreichen. Dort wäre dann wohl auch der erste Aufzug in Marburg entstanden.

 

Beinahe

Der Dalai Lama ist doch nicht wie erhofft in Marburg erschienen um die Ehrendoktorwürde verliehen zu bekommen. Wollte er nicht, oder hat er sich in dem Ort vertan? Er ist nämlich nach Hamburg; das schreibt sich ähnlich und ist etwas größer. Daß er beinahe nach Marburg kam, hat er gemeinsam mit den Beatles.

 
Über mich
Als ob ich eine Wahl hätte! Ich werde einfach dorthin versetzt. Nicht daß ich das schlimm finde. Ich war eh reif für einen Umzug ins Grüne, und die Uni ist in Ordnung. Aber das Städtchen, das ist schon klein ...
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