Geisterstunden

Eine kleine Stadt kann auch mal groß sein. In Marburg gab es gestern die Geisterstunden. In einer Reihe von Darbietungen haben die Geisteswissenschaften gezeigt was sie darauf haben.
Nicht die Uni hatte das organisiert, sondern die Stadt. Eine große und gut gelungene Großveranstaltung. Kompliment, Marburg!

 

Vive la Belgitude, leve het Belgendom

Oder soll die Folgereihe umgekehrt sein?

Ach, die komischen Belgier; die scheinen hin und wieder zu glauben, daß es sie nicht gibt. Aber von außen betrachtet ist es sonnenklar, daß es sie gibt. Flamen haben mehr mit Wallonen gemeinsam als mit Holländern, Wallonen mehr mit Flamen als mit Franzosen. Die Belgier sind halt Belgisch; man erkannt sie von weitem.

 

 

Alter Adel

Es fällt mich auf, daß die Deutschen, wenn sie auf einem Gläschen zusammensitzen, relativ oft über ihre früheren Fürsten reden. Auch hier in Mittelhessen ist das wieder der Fall. Und sie kennen sie auch, wissen genau welcher Fürst damals bei der Erbteilung ..., wen der dann heiratete, daß dadurch auch das Fürstentum Dings zu Bums dazu kam, daß XY der Dritte dann 1567 evangelisch wurde, und so weiter. Solche Sachen zu wissen, und darüber auch fröhlich zu plaudern, gehört hier einfach zur Bildung. In Staaten, die noch eine Monarchie haben, ist das nicht so der Fall. Ist es Heimweh?
 

Sterbehilfe

Ministerin Zypries meint, in Deutschland gebe es kein Bedarf an Sterbehilfe! Tja, weil sie noch fit ist und noch nicht ganz verzweifelt. Man würde fast hoffen, daß sie, wenn es bei ihr dann so weit ist, langsam und schmerzhaft krepiert. Aber ach, da hat auch niemand was davon. Also doch ab in die Schweiz.

 

Umbau der Kinderklinik

In Frankfurt baut man in einem halben Jahr einen Wolkenkratzer, aber die Marburger Uni hat es nicht geschafft, innerhalb eines Jahres die ehemalige Kinderklinik zu renovieren. Das Haus hätte im April, dann endlich im Oktober durch geisteswissenschaftliche Institute bezogen werden sollen; jetzt ist es noch immer nicht so weit. Laut Gerücht wird man letztendlich die alte Bestühlung, irgendwelche verwohnte und bekratzte Bänke aus den Fünfzigern, dort wieder installieren und die Wandtafel aus den Zwanzigern stehen lassen. Worauf dann wieder mit Kreide geschrieben werden muß; wird das Zeug überhaupt noch hergestellt?
Da fehlt doch die wahre Größe, oder? Vielleicht liegt es an einer Meute auf Lebenszeit verbeamteten Inkompetenzlinge im Bauamt oder bei der Verwaltung. Aber beim Straßenbau im Umland zeigt sich dasselbe: endlose Baustellen, die nie fertig werden. Dörfliche Langsamkeit, das ist es. Das verspricht nicht viel Gutes für das Klinikviertel, das in den nächsten Jahren ganz für die Geisteswissenschaften umgebaut werden soll.
 

Können und nicht können

Ein Gutachten soll ich schreiben, es ist jetzt dringend, man hat schon nachgefragt. Ein kleines Gutachten über ein Buch, ob das übersetzt werden soll oder nicht. Ich hatte das schon zwei drei Mal zur Hand genommen und festgestellt, daß ich das Buch gar nicht verstehe. Ein Gutachten wäre also Bluff! Ist auch nicht schlimm; so viele Gutachten sind Bluff. Aber die Arbeit war mir zuwider, und ich habe es aufgeschoben. Eine Konfrontation mit dem eigenen Nicht-Können ist ja immer unangenehm.
Aber siehe da: gestern habe ich das Buch noch mal aufgeschlagen, und auf einmal verstand ich es. Woran liegt das? Das Buch hat sich nicht geändert, mein Fachwissen auch nicht. Also muß es einfach mit Sachen sowie Tageskondition  zu tun haben. Mit Stimmung? Oder liegt es an dem schönen Abend, den ich gestern in geselliger Runde erlebt habe?

 
Über mich
Als ob ich eine Wahl gehabt hätte! Ich bin einfach dorthin versetzt worden. Nicht daß das schlimm ist. Ich war ohnehin reif für einen Umzug ins Grüne, und die Uni ist in Ordnung. Aber das Städtchen, das ist schon klein ...
Nein, es ist keine Faulheit, daß ich das vorgegebene Foto nicht ersetzt habe. Es gibt nämlich genau wieder, wer und was ich bin.
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