Samstag, 29. September 2007
Latein
Wie man hört, wird an deutschen Gymnasien wieder mehr Latein gelernt. Schön, sehr schön! Aber es geht natürlich auf Kosten des Französischen. Latein wählen kann sogar ein Fluchtverhalten sein. Weil man eine tote Sprache doch nie so richtig kennen muß, kann man es sich dabei bequem machen, während es bei Französisch sofort auffällt, wenn man es schlecht beherrscht.
Die Lösung wäre natürlich, das erlernen mehrerer Sprachen zu ermöglichen. Warum ist das überhaupt je abgeschafft worden? Das war doch der Anfang der deutschen Bildungstalfahrt. Pisa, Pisæ, ad Pisam. Wer zieht den Kindern diese elenden Kopfhörer aus den Öhrchen und bringt ihnen noch mehr wertvolles bei?
Sonntag, 23. September 2007
Moderne Ausreden
Wenn Studenten bei einer Klausur nicht erscheinen oder zu spät sind mit ihrer Hausarbeit, brauchen sie eine Ausrede. Früher wurde dazu gerne das Ableben eines Verwandten genommen. Vater oder Mutter wäre zu drastisch, also starb meistens ein der Großeltern einen Nodtod. Theoretisch ist die Ausrede bis vier Mal brauchbar, aber das ging schlecht, das verstanden die Studenten auch.
Heutzutage wird oft ein kaputter Laptop als Ausrede benutzt. Ich habe schon drei Mal von einer endgültig zerstörten Festplatte zu hören bekommen und einmal von einem ganz gestohlenem Laptop. Nein, Kopien ihrer Arbeit auf einem USB-Stick hatten diese Studenten selbstverständlich nicht.
Samstag, 22. September 2007
Radfahren
Das Fahrrad in den kleinen Zug geladen bis Friedensdorf und einen kurzen Fahrradtour gemacht. Sowohl beim Einladen wie beim Ausladen bot mir ein junger Mann seine Hilfe an; sehe ich schon so gebrechlich aus? Und das wo ich doch stärker bin als seit langem; trotz Knie habe ich die Hügelstrecken gut bewältigt und mußte nirgendwo schieben. Drei noch funktionierende, richtig landwirtschaftliche Dörfer gesehen: Damshausen, Diedenshausen und Weitershausen. Sehr schön. Dann ging es über Hermershausen und Wehrshausen wieder nach Hause. Zwei längere, starke Ansteigungen, oder waren es drei? Das Lahntal ist am schönsten von oben. Ich weiß, in solchen Dörfern habe ich nichts verloren, habe ja seit Jahrzehnten keine Beziehung mehr zur Landwirtschaft; überdies ist Deutschland hier deutscher, exotischer als wo anders. Stellvertretend weiß ich Dörfer doch zu schätzen: schließlich bin ich auch in einem zur Welt gekommen, wenn auch weit von hier. Letztendlich sind sie einander alle ähnlich. Tatsächlich kann ich mich in meinem Geist kurz einleben in das Landleben und ich verstehe was ich sehe; in der Praxis könnte ich dort aber längst nicht mehr leben.
Dienstag, 18. September 2007
Zinsverbot
Kann es sein, daß die Muslime richtig liegen mit ihrer Zurückhaltung, Zinsen gegenüber? Angesichts der anrollenden Bankenkrise würde ich es fast vermuten, aber ich weiß so wenig von Wirtschaftslehre. Hoffentlich haben ein Paar Fachleute das mal ohne Vorurteil durchgerechnet. Aus China haben wir Heilkunst importiert, aus Indien Yoga, aus Japan Technik und Kampfsport, aus Polynesien Tattoos; daß die islamische Welt gar nichts mehr zu bieten hätte ist eher unwahrscheinlich.
Freitag, 14. September 2007
Fest?schrift
Das dummste Jawort, das ich je gegeben habe, ist das Versprechen, eine Festschrift herauszugeben. Das frißt Zeit und bringt keinerlei Befriedigung. Man rührt einfach herum in anderer Leute Dreck. Was die nicht alles an Kram eingeliefert haben; renommierte Wissenschaftler versteht sich, die gespürt haben, daß sie noch einmal diesen ganz altmodischen Luxus genießen können: jemand ediert, redigiert, korrigiert, kontrolliert ihren Kot bis es nach etwas ausschaut und riecht. Die style sheets hatte natürlich niemand gelesen; das Englisch hatte auch niemand korrigieren lassen, bis auf drei Schreiber, so daß ... ja, Sie verstehen schon. Gerade bei der Arbeit bemerkt man, wie wenig die zugrundeliegenden deutschen Gedankengänge manchmal bedeuten.
Das einzige was ich dabei gewinne, ist die schärfere Einsicht, wie es um unsere Forschung gestellt ist.
Mittwoch, 5. September 2007
Zwetschenblog
Wird dieses Blog gelesen? Ja und nein. Nicht weniger als 161 Menschen haben bei mir in den letzten fünf Tagen das Wort ‘Zwetschgenmarmelade’ nachgeschlagen. Die sind natürlich enttäuscht worden, die wollten ein Rezept. Die Zwetschgenflut erstreckt sich ja über ganz Deutschland. Und statt dessen bekommen sie dann das Gelaber eines Wahlmarburgers. Nun, um Ihnen doch noch etwas nützlich mitzugeben: ich nehme die Häutchen schon ab, bevor ich sie einkoche. Weiß nicht ob anderen das auch so tun. Kurz blanchieren und dann das Häutchen ab, ja. Es ist Arbeit, aber dann bekommt man eine schöne gelb-orangene Marmelade.
Wußten Sie, daß ich nach elf Jahren Deutschland noch immer das Wort ‘Zwetschgen’ nicht aussprechen kann? Es ist ein schwieriges Wort, schwieriger noch als ‘bißchen’.
Dienstag, 4. September 2007
Unfallschutz
Es muß also doch einen Gott geben, und zwar einen, der Modellbau liebt. Wie sonst ist zu erklären, daß so wenige Unfälle stattfinden? Gestern bin ich mit dem Auto nach Frankfurt gefahren, bei Starkregen auf der Hinfahrt, im Spitzenverkehr auf der Zurückfahrt.
5% der Fahrer ist unzurechnungsfähig, noch erheblich mehr sind in schlechter Verfassung (Streß, Liebeskummer, Durchfall), und 5% der Wagen ist schlecht gewartet. Trotzdem, und trotz erschwerter Bedingungen, hat es wieder mal nicht geknallt. Das ist bestimmt, weil Er das Ganze mit seinem Trafo von oben ansteuert.
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