Traum

Nach einer Bootsfahrt mit einer Freundin und noch einer Bekannten durch die Landschaft meiner Jugend, gingen wir zu Fuß weiter. Da kam ein Kaninchen und knabberte an die Baumwolltasche die ich bei hatte, worin meine Arbeit war. Ich schaute erstaunt zu. Auf einmal schluckte das Tier die Tasche auf, ja die ganze. Nur noch die beiden Trageschleifen ragten heraus.  Meine Freundin griff sie und zog die Tasche wieder aus. Sie war kaum beschädigt. Das Tier starb bei diesem Eingriff.
(Es wäre bei der Verdauung meiner Arbeit wohl auch gestorben. Ich verstehe es: heute soll ich meinen Artikel ausbessern und zu Ende schreiben.)

 

Fremdsprache

Diese Woche war Besuch aus England da, und ich habe mit Schrecken festgestellt, wie dünn mein Englisch geworden ist. Natürlich konnte ich mich noch verständlich machen, aber die besseren Wörter wollten manchmal nicht kommen. Noch mehr verschwunden war die unterliegende Grammatik des englischen Dauerhumors. Als ich noch neu war in Deutschland hat mich eine neue Bekannte mal verzweifelt gefragt, ob ich mich selbst dann gar nicht Ernst nähme? Aber nein, um Gotteswillen, nie Ernst nehmen, das wäre doch das letzte! Nach elf Jahren Deutschland bin ich aber doch ernster geworden. 

 

 

Zwetschgenmarmelade

So, den Zentner Zwetschgen, die ich geschenkt bekommen hatte, habe ich in Marmelade verwandelt. That will teach them! Was soll man sonst damit machen? Nie in meinem Leben habe ich mich solchen unstädtischen Aufgaben gewidmet, aber es ist gleich gut gelungen.
Marburg ist eine Stadt, aber hat gewisse ländliche Züge. Man redet über Gärtengewächse und Blumen. Man tauscht Stecklinge aus. Man verschenkt Obst, Nüsse, Eier; von allem scheint es viel zu viel zu geben. Sogar Wurst aus eigener Schlacht habe ich schon bekommen.
Ich bin nur ein Parasit; noch nicht mal einen eigenen Garten habe ich; ich sitze auf meinem Balkon und genieße die Gärten anderer Leute. Was ich zurücktun kann, ist lecker zubereitete Speisen mit einem Flair von Großstadt anbieten.

 

Mügeln 2

Es passiert wieder was immer passiert. Es gab ein Zwischenfall mit Ausländern und das ganze Land ist kurz aufgeregt. Es soll die extreme Rechte energisch bekämpft werden. Wird sie aber nicht. Jemand hat sogar darauf hingewiesen, daß die Städte bereits Nazibekämpfungsprogramme haben. Das ist frech: diese Programme gibt es ja nur, weil die auf höherer Ebene heruntergefahren worden sind. Und wenn man manche Städte und Gemeinde anschaut, versteht man sofort, daß die Nazibekämpfung dort milde gesagt nie Priorität haben wird. 
Die Konservativen, die Äußerungen wie im Bericht hier unten von sich geben, werden nicht bekämpft; die sitzen ja in der Regierung.
Wie immer wird sich die Empörung nach einer Woche wieder legen, und das war's dann, bis zum nächsten Mal. 

 

Mügeln

Da war sie wieder, die Begründung: Man soll keine Inder hetzen, weil das schlecht ist für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Traurig. Jahrzehnte Auschwitzaufarbeitung haben keine bessere Gründe hervorgebracht als diese. Wird das je noch was mit diesem Land?
 

Radfahrt

Nein, nichts geschrieben heute, sondern nach Treysa geradelt. Das lästige am Anfang ist immer die Überquerung der Lahnberge. Jetzt hatte ich wenigstens einen guten Fahrradweg entdeckt, wo ich nicht schieben muß: am Ende des Alter Kirchhainer Wegs äußerst rechts und es geht ein brauchbarer Weg Richtung Hansenhäuser. Warum steht so etwas nicht auf der Karte? Oben angekommen habe ich jedoch viel Zeit vertan mit dem richtigen Weg finden. Auf die vierstreifige Autostraße hatte ich keine Lust, und andere Pfade und Wege sind nicht ausgeschildert; auch hier enttäuschen Landkarten. Wenn man falsch fährt verliert man auch gleich wieder Höhe. Letztendlich doch auf der Autostraße gelandet; gehässige Schilder weisen darauf hin, daß man nicht schneller als siebzig fahren darf. Nach Bauerbach gekommen und von da an liegt das weite Land offen. Kurz Neustadt besichtigt und dann weiter nach Treysa.
Ein Städtchen aus der Vergangenheit, Treysa. Wird es sich in die Zukunft hinüberretten können? Es ist sehr nett, aber etwas ärmlich. Die viele Fachwerkhäuser zu sanieren kostet Geld; ob das hier vorhanden ist? Zu wenig Bevölkerung, zu wenig Arbeit. Sie aber abzureißen würde das Ende bedeuten.
Am meisten mochte ich Roßdorf, auf dem Rückweg. Charaktervoll, bodenständig. Dort habe ich Freunde besucht. R. gab mir einen guten Tipp für die Überquerung der Lahnberge aus diese Richtung: über Schröck und den Elisabethbrunnen. Ein bißchen Schieben war auf dieser Strecke unvermeidlich, aber es hielt sich sehr in Grenzen.
Insgesamt 63 KM gefahren; ein Teil des Rückwegs mit dem Zug zurückgelegt. Für meine Verhältnisse ist das eine Verbesserung; um so mehr weil ich danach nicht mal ganz erschöpft war. Die Kondition geht deutlich wieder aufwärts.
 

Hannelore Hoger

Hannelore Hoger war fantastisch als Parkinsonpatientin, in Der letzte Zeuge heute Abend. Ja, die anderen auch, es war eine überhaupt eine spannende Lieferung, aber Frau Hoger als herrische Oberärtzin und dann zusammenbrechende Patientin und Mutter fand ich ganz besonders gut.

 

 

Fehlschlag

Es gibt so Tage. Heute wollte ich die letzte Hand anlegen an einem Artikel, und siehe da, als ich ihn noch mal ganz durchlas sah ich, daß er schlecht ist. Das kann so nicht weggeschickt werden. Ich muß jetzt kurz weg, aber werde mich ein Großteil des Wochenendes noch mal daran setzen müssen. So verliert man schon sein Selbstwertgefühl! Aber ich weiß, daß es öfter vorgekommen ist; es gehört wohl zum Schreibeprozess.

 

 

Huhn

Das sterbende Huhn, das in einem sehr verwirrten Traum vorgestern aufgetreten war, hat mich letzte Nacht wieder besucht. Ich saß mit einigen Leuten am Küchentisch beim Essen, als jemand mir durch die Tür das moribunde Geflügel zuwarf. Das Tier war noch stark genug um seine Krallen in meinen Unterarmen festzuschlagen.
 
Über mich
Als ob ich eine Wahl hätte! Ich werde einfach dorthin versetzt. Nicht daß ich das schlimm finde. Ich war eh reif für einen Umzug ins Grüne, und die Uni ist in Ordnung. Aber das Städtchen, das ist schon klein ...
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