Vorwort
Aije ... Jetzt noch n'Vorwort für meine Arbeit schreiben. Ich dachte, das schwierigste wäre, über 25 Seiten zu kommen, doch das war leicht zu schaffen. Nur noch das eine Interview transkribieren, ein Vorwort, eine Einleitung und ein Resümee auf Englisch. Yes ... und ich will's nach dieser Reihenfolge machen. Denn schließlich muss ich vom Vorwort auf die Einleitung leiten und damit zur Arbeit und anhand der Arbeit ein Resümee verfassen. Ich zitiere meine Betreungslehrerin: "Ja, das Vorwort sollte persönlich sein. Du sollst als Johanna da sein und nicht nur als die Verfasserin dieser Arbeit. Natürlich musst Du selbst wissen, wie weit Du mit diesem Thema verbunden bist - auch wenn es gut ist, weil Du damit direkt in Verbindung stehst." Ha, DAS ist das Problem. Ich stehe damit direkt in Verbindung. Und dann war das unsere Schulpsychologin und versteht da mein Problem nicht. -.-'
Wie fängt man so etwas überhaupt an?
In den meisten Filmen und Büchern stehen irgendwelche Beziehungen im Vordergrund. Wenn es sich nicht um eine Liebesbeziehung handelt, oder um beste Freundschaft, so nimmt der Autor gerne einmal die Familie zur Hand. Will dieser dann auch nicht die Eltern einbeziehen, so bleiben nur noch die Geschwister übrig. Und egal, wie sehr sich der Autor bemüht, eines sticht immer heraus: Gleichgültig, wie sehr sich die Geschwister hassen, ihre nahe, enge Beziehung ist deutlich herauszulesen und im gesamten Text, im gesamten Film zu spüren. Eine Geschwisterbeziehung dauert ein Leben lang. Dies sagt schon aus, wie wichtig die Geschwisterbeziehung für die Kinder ist. Und wie sieht eine Geschwisterbeziehung unter einer besonderen Situation aus? Was ist, wenn eines der Kinder behindert ist?
Meine um zwei Jahre ältere Schwester sitzt im Rollstuhl und leidet unter DMD. Unsere Beziehung wurde von dieser Krankheit sicherlich beeinflusst, auch wenn ich nicht behaupten mag, dass es negativ ist. Die Krankheit hat mir gezeigt, was Leben wirklich heißt. Natürlich war es mir im Kleinkindalter noch nicht bewusst. Sie war meine Schwester, was gab es da großartig zu diskutieren? Ich weiß nicht einmal mehr, wie alt ich war, als ich zum ersten Mal realisierte: Sie ist anders. War es schon bevor sie auf die Schienen angewiesen war, damit sie noch laufen konnte? Oder erst, als sie im Rollstuhl saß? War ich so gescheit und hab es schon früher bemerkt? Doch im Grunde genommen ist solch eine Frage unwichtig. Es verdeutlicht nur, dass die Behinderung eine Beziehung nicht unbedingt einschränken muss - vor allem dann nicht, wenn man damit aufwächst.
Es gab für mich nie einen Unterschied. Meine Eltern haben uns gleich behandelt. Natürlich war mir das Schlagen irgendwann nicht mehr erlaubt. Ich konnte nie mit ihr rangeln, unsere Streitereien liefen auf verbaler Ebene und gaben mir oft nicht die Befriedigung, die ich gebraucht hätte. Ich glaube nicht, dass ich damals wirklich verstehen konnte, warum. Ich wusste, dass sie sich nicht so gut wehren konnte wie ich, aber sie hatte ihre Mittel. Sie hatte keinen kräftigen Faustschlag, dafür konnte sie umso gemeiner Zwicken und damit auch blaue Flecken hinterlassen. (Geheim habe ich dann trotzdem noch oft noch geschlagen, bis ich selber merkte, dass es einfach nur noch unfair war.)
Vielleicht, weil ich gerade ein so genanntes Geschwisterkind bin, ist es seltsam sich vorzustellen, warum ich mich für dieses Thema entschieden habe. Aber dieser direkte Zugang hat mir geholfen, auch einmal andere Sichtweisen zu sehen. Als Geschwisterkind fühlt man sich manchmal doch oft alleine. Man lebt in einer besonderen Familiensituation und kann sich gar nicht vorstellen, dass es da noch andere Kinder gibt, die genau das selbe erleben. Ich kannte nur meine Situation, konnte beurteilen, wie es mir geht und konnte nie klagen. Umso mehr interessierte und interessiert es mich, wie es anderen Kindern / Jugendlichen / junge Erwachsenen dabei geht. Buchtitel wie "Kinder im Schatten"; "... und um mich kümmert sich keiner." irritierten mich am Anfang, doch ergaben auch einen Sinn. Und doch fragte ich mich, noch ehe ich die Bücher gelesen habe, ob sie schon auch die positiven Seiten heraus filtern. Und ja, sie tun es.
Ich merke es an mir selber: Ich übernehme Verantwortung und scheue mich nicht davor. Ich kann selbstständig sein (auch wenn ich ab und an gerne auf andere angewiesen bin). Ich habe eine klare Meinung über Toleranz und Integration. Und ich weiß, was es bedeutet, auf einen anderen Menschen Rücksicht zu nehmen. Das alles sind Aspekte, die ein anderes Kind vielleicht erst in fortgeschrittenen Entwicklung lernt.
Unsicher ... ah. Ich hasse meine Lehrerin. -.- Die sieht nicht, dass das genauso ein Verrat an meine Familie sein kann, auch wenn jetzt eh nur das Positive dort steht. Die erwartet doch nicht ehrlich, dass ich unsere Familienprobleme öffentlich zur Schau stelle?
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Und somit muss ich Dir da n'wenig wiedersprechen, was das rationale betrifft. Das will sie nicht. -.-' Ich steh im Konflikt mit meinem Ehrgeiz. Entweder ich mach's sehr nüchtern und riskiere eine schlechtere Note, oder ich mach's in der Art und lass' den Leuten vom Land keine andere Chance als mir die 1 zu geben. (Mein Theorieteil finden die Deutschlehrer, die's durchgelesen haben, klasse. Und eine davon ist eben auch Psychologielehrerin, meine Betreuungslehrerin eben.) Und genau so was stellt sie sich vor. Hab ja ungefähr 45 Minuten mit der drum gestritten, weil's mich nervt. :/ ... Sie weiß leider, dass ich n'ziemlichen Ehrgeiz habe. Ah, es nervt. o_O ... Und ich lese viele Bücher und hab auch in Vorwörter von Diplomarbeiten reingeschmöckert. Hab leider keinen Fall gefunden, indem der Autor mit dem Thema selbst betroffen war, aber es war schon immer recht persönlich ... Und 'ne Freundin schreibt über übergewichtige Kinder und ihre kleine Schwester ist n'Brummer. Und da ist das Vorwort auch sehr persönlich. Knurr. -.-' ... Andere Menschen, die's jetzt durchgelesen haben, meinen, es trifft den Effekt, dass es n'wenig nachdenklich über das Thema stimmt und man mich also sozusagen "spürt". Aber ob das ganz so gut ist, weiß ich nicht. -g-
Ich danke Dir herzlich für dein Kommentar. <3 Es hilft mir. Lässt mich nochmals überlegen, das vllt. nochmals umzuschreiben, auch wenn mir die Idee noch fehlt.
: / also mit so viel Ehrgeiz packst du das alles schon *schulter-klopf*. Mein Glück nur das ich vorher so viel punkte gesammelt hab sonst wärs eher ernüchternd gewesen ^^. Naja jeder so seine Probs ich kann eben mit Prüfungen nich und die auch nich mit mir.