Sucht man zur Zeit nach einer Band, die es geschafft hat, im Bekanntheits- und grösstenteils auch Beliebtheitsgrad zu Szenegrößen wie bspw. Blind Guardian oder Stratovarius aufzuschliessen, so fällt zwangsläufig fast immer der Name Sonata Arctica. Auch meine Wenigkeit zählt sich zu der ständig wachsenden treuen Anhängerschar. Kaum eine andere, grössere Band ist derzeit so unverwechselbar wie Sonata Arctica, was nicht zuletzt am prägnanten Organ von Sänger Tony Kakko liegen dürfte, dass für diese Art von Musik geradezu prädestiniert ist. Das der Kerl laut eigener Aussage in seinem Leben noch nicht eine Gesangsstunde absolviert hat sollte für sich sprechen...
Die Geschichte von Sonata Arctica beginnt im Jahr 1996 als sich Tony Kakko ( der damals neben dem Gesang auch noch für die Keyboards zuständig ist ), Jani Liimatainen, Tommy Portimo und Pentti Peura unter dem ( reichlich behämmerten ) Banner "Tricky Beans" zusammenfinden um gemeinsam Musik zu spielen, die angeblich mit Metal nicht allzu viel zu tun hat.
1999 ändert man den Namen dann in das weitaus weniger sinnfreie, dafür aber immer noch recht ordinäre "Tricky Means" und beginnt damit Power Metal zu fabrizieren.
Als dann auch noch ein Vertrag mit Spinefarm Records winkt, setzen sich die 4 Jungspunde nochmals zusammen um diesmal weit mehr als nur einen Buchstaben zu ändern. Der ( nun auch weitaus "metallischere" ) Name "Sonata Arctica" ist geboren und man begibt sich gleich darauf an die Aufnahmen zum Debütalbum "Ecliptica". Da Tony vor allem live die Doppelbelastung Sänger/Keyboarder zu gross wird, gibt er sein Tasteninstrument an Neuzugang Mikko Härkin ab. Fortan kann er sich voll und ganz auf seine nicht gerade simplen und alltäglichen Gesangslinien konzentrieren. Auch das Gesicht hinter dem Viersaiter ist ein anderes, ab sofort bearbeitet Marko Paasikoski die Stahltrossen.
"Ecliptica" schwimmt zwar noch deutlich im Fahrwasser der grossen Vorbilder von Stratovarius und Helloween, offenbart allerdings auch schon einige charakteristische eigene Elemente im Sound, darunter Janis virtuoses Gitarrenspiel und eben Tonys recht ungewöhnliche Vocals. Zudem enthält schon der erste Silberling mit u.a. "My Land", "FullMoon" und "Replica" einige der absoluten Bandklassiker, die auch heute noch regelmässig live zum Zuge kommen.
Im Jahr 2001 wird mit "Silence" ein zumindest ebenbürtiges Zweitwerk nachgeschoben, das zwar nicht mehr mit der ungezügelten Frische, die das Debüt auszeichnete, aufwarten kann, aber doch grosse Fortschritte im Songwriting offenbart. Mit "San Sebastian ( revisited )" hat es auch eine Nummer der kurze Zeit vorher veröffentlichten ( und eher unnötigen ) Mini-CD "Succesor" auf den Silberling geschafft. Auf "Silence" schwimmen sich Sonata Arctica ein weiteres kleines Stück von dem übermächtigen Stratovarius-Schatten frei und versuchen sich mit "The Power of the One" auch erstmals an einem mit über 10 Minuten Laufzeit epischen Track.
Auf der anschliessenden Japan-Tour ( auf der Sonata abgefeiert werden wie Superstars ) schneiden sie dann schon das erste ( und eher unnötige, zumal auch primär für den japanischen Markt veröffentlichte ) Live-Album "Songs of Silence - Live in Tokyo" mit, welches 2002 veröffentlicht wird.
Nach der "Silence"-Tour kehrt Keyboarder Mikko Härkin der Band den Rücken, so dass die Keyboards für das 2003 erscheinende dritte Album "Winterheart's Guild" wieder von Tony eingespielt werden müssen, der dabei allerdings Unterstützung von Stratovarius-Flitzefinger Jens Johansson ( übrigens Bruder von HammerFall-Drummer Anders ) erhält. Kurz danach kann aber mit Tasten-Wizard Henrik Klingenberg ein vollwertiges neues Mitglied begrüsst werden. "Winterheart's Guild" ist das von der Grundausrichtung bisher schnellste Sonata Album, welches allerdings ein wenig unter der zu schwach produzierten Gitarre leidet. Trotzdem sind mit u.a. "The Cage", "Victoria's Secret" und "Broken" weitere Live-Standards und absolute Klassesongs enthalten.
Schon 2004 steht mit "Reckoning Night" der nächste reguläre Output auf der Matte, der diesmal stärker im Mid-Tempo angesiedelt ist und so auch um einiges abwechsulngsreicher aus den Boxen tönt. Zudem gelingt es Sonata Arcitca nicht zuletzt dank Nummern, wie dem für die bisherigen Bandverhältnisse recht ungewöhnlichen, aber nichtsdestotrotz erstklassigen "The Boy who wanted to be a real Puppet" einen weiteren grossen Schritt in Richtung eigene Identität zu tun.
Auf der sich an das Album anschliessenden Tour ( auf der ich sie als Special Guest von Nightwish in Nürnberg zum ersten Mal live erleben darf ) werden zwei Konzerte in Tokyo für eine DVD- und CD-Auslese mitgeschnitten. Das Doppel-Live-Packet namens "For the Sake of Revenge" erscheint 2006 und stellt eine rundum gelungene Vollbedienung für den geneigten Fan dar.
Nach weiteren Auftritten ( unter anderem auf dem Rock Hard Festival 2006, auf dem ich die Band zum zweiten Mal live geniessen konnte ) verschanzt sich die Band wieder im Studio, um an ihrem mittlerweile fünften Studioalbum zu feilen.
"Unia" ( fin. für "Träume" ) erscheint genau heute (25.05.07^^ ) und dürfte einige Fans gehörig vor den Kopf stossen. Sonata sind nämlich genau nicht den "gewöhnlichen" Melodic Power Metal-Weg weitergegangen, sondern folgten eher dem Pfad, den sie bereits mit "The Boy who wanted to be a real Puppet" erfolgreich beschritten haben. Will heissen: Sonata zeigen sich 2007 deutlich vertrackter, verspielter, teils gar progressiver, etwas schwerer zugänglich und teilweise auch recht radikal anders als auf ihren bisherigen Wegen. Dennoch sollte man das Album nicht bereits nach dem ersten Hördurchlauf in die Ecke pfeffern, denn die typischen Trademarks sind nach wie vor präsent, wenn auch ein wenig unterschwelliger als zuvor. Nüchtern muss man Sonata Arctica bescheinigen mit "Unia" ihr ambitioniertestes Werk vorgelegt und endgültig ihre eigene Schublade gefunden zu haben. Hier könnte die neue Marschrichtung aufgezeigt werden, die dem Melodic Power Metal Genre entscheidende kreative Impulse geben könnte. Definitiv eines der Highlights des bisherigen Jahres und mit einer nicht zu unterschätzenden Halbwertszeit ausgestattet.
Sonata Arcitca kann man uneingeschränkt jedem Fan von härterer Gitarrenmusik ans Herz legen. Die Band besitzt genügend Eigenständigkeit um sich einen ganz eigenen Platz im Kopf des Hörers zu sichern. Einfach erfrischend anders.^^
Anspieltipps sind: "My Land", "FullMoon", "Unopened", "Replica", "San Sebastian ( revisited )", "The End of this Chapter" ( mit fiesem Text^^ ), "Victoria's Secret", "Broken", "Gravenimage", "My Selene", "The Boy who wanted to be a real Puppet", "Blinded No More", "White Pearl, Black Oceans", "Paid in Full", "For the Sake of Revenge", "Under Your Tree" und "My Dream's but a drop of fuel for a Nightmare".
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Der Mensch is schon was seltsames - und manche seltsamer als andere....