stories, tales and nonsense Spaß am geschriebenen Wort

Einträge "Beobachtendes":

Samstag, 31. Dezember 2005

Go West, der Halbjahresrückblick

Ich wurde von vanini gebeten einige Worte über meine bisherigen Erfahrungen im ausländischen Studienumfeld zu verlieren. Da ich mir vorgenommen hatte dies noch im alten Jahr getan zu haben kommt nun mein persönlicher Bericht. Im Anschluss an diesen Text findet ihr noch einen Frage-Antwort-Katalog mit Fragen, die Themenbezogenes Wissen beinhalten.

Ich kann kaum glauben, dass es schon ein halbes Jahr her ist, dass mein Studium anfing. Ich hatte bis zu meiner Abschlussprüfung am HKBK keine Ahnung, was mir die Zukunft bringt. Die deutschen Unis hatten wie jedes Jahr ihre Aufnahmeprüfungen zur selben Zeit wie das HKBK die Abschlussprüfung oder schon einige Zeit zuvor, also kam dies für mich aus terminlichen Gründen schon fast nicht in Frage. Ich bemühte mich zwar um viele Infos und war auch auf einigen "Tag der offenen Tür" Veranstaltungen, doch richtig zufrieden war ich mit den Meisten nicht, viele wirkten ein wenig distanziert, um nicht zu sagen elitär.
Mein Klassenlehrer hatte einmal im Unterricht ein paar Flyer zum Thema studieren an der Kunstakademie in Enschede (kurz AKI) verteilt und ich entschloss mich diese Option etwas ernsthafter in Betracht zu ziehen. Auf der Homepage der AKI (www.aki.nl) gab es auch einige Infos in deutscher Sprache, da ich zu diesem Zeitpunkt der niederländischen Sprache noch nicht mächtig war, war dies eine große Hilfe für mich. Ich laß dort - ich denke es muss so mitte Mai gewesen sein - dass es zwei Tage später eine Infoveranstaltung geben sollte. Ich war mir erst unschlüssig, ob ich dort hingehen sollte, da die Veranstaltung schon am frühen Vormittag beginnen sollte, und ich dadurch einen Tag in der Schule fehlen würde. Doch entschloss ich mich dafür, einen Blick zu riskieren. Ich meldete mich bei jedem Lehrer, bei dem ich an diesem Tag Unterricht haben würde ab, und fuhr mit meinen Eltern zu dem Infotag, da diese auch Interesse daran hatten, die Ausländische Uni kennen zu lernen. Ich muss sagen, ich war sehr verwundert über dieses Neuland, war doch alles, was ich an deutschen Unis bisher erlebt hatte an dieser Akademie ins Gegenteil verkehrt. Der Leiter der Akademie stellte sich mit seinem Vornamen vor, nicht etwa mit prof. XY.

Also ich könnte vermutlich stunden weiter über diesen Infotag erzählen, aber ich muss mich ein wenig am Zurückhalten, da ich sonst mit überflüssigen Details einiges an Konzentration strapazieren würde. Um wirklich zu erkennen, was ich meine sollte man mal selbst einen solchen Infotag besuchen. Zu sagen ist wohl noch, dass die Akademie eine absolut praktische Ausrichtung hat. Nach einem Rundgang durch die Uni, in denen uns alle möglichen Studienrichtungen und Werkstätten gezeigt wurden, durften wir uns das Department ansehen, welches uns am meisten interessierte, und haben dort einen tieferen Einblick in das Studienfach bekommen. An diesem Tag war ich davon überzeugt, dass dies die richtige Wahl für mich war.

Ich war überrascht, als ich erfuhr, dass es im Juni sogar noch Aufnahmeprüfungen geben sollte, für das Studienjahr, welches im September anfangen sollte. 
Die Aufnahmeprüfung bestand aus einer Aufgabe im Zeichnen, und in einem "Mappenvorstellungsgespräch" mit zwei Professoren und einem Studenten der höheren Jahrgänge. Jeder Bewerber bekam etwa 15 Minuten Zeit seine Werke vorzustellen und seine Arbeiten zu begründen. Wie ich später erfahren habe, diente die Aufgabe im Zeichnen vorrangig dem Zeitvertreib bis zu dem Gespräch. Die Zeichnung selbst wird immer nur dann mit in das Aufnahmeverfahren genommen, wenn die Entscheidung ob ein Bewerber aufgenommen werden soll unklar ist. Der Student, der mit bei dem Gespräch ist, trägt zu einem drittel dazu bei, ob ein Student aufgenommen wird, oder nicht.

Nachdem ich die Zusage zum Studium erhalten hatte kam noch gleich ein Brief mit, in dem stand, dass drei Wochen vor Studienbeginn ein Sprachkurs in Niederländisch gegeben wird, der zwar keine Pflichtveranstaltung sei, allerdings dabei helfe viele Sprachprobleme im Vorfeld zu beseitigen.  Die kosten betrugen 100 Euro, meiner Meinung nach, eine gute Investition.

Ein weiterer Unterschied zum deutschen Studium ist das Zeitmaß, in den Niederlanden gibt es keine Semester, wie es beispielsweise bei uns üblich ist. In den Niederlanden gibt es nur ganze Jahre. Im ersten Jahr lernt man an der Aki so gut wie jede Studienrichtung kennen und entscheidet nach diesem Jahr mit den Dozenten zusammen, welche Studienrichtung für einen selbst die beste Wahl ist. Als Studienrichtung stehen bisher noch auf dem Plan: Fotografie, Visuelle Kommunikation, Bildhauen, Malerei, Zeichnen, Innenarchitektur, Mediakunst, gemixte Medien, und Monumentalkunst, wobei sich Studienrichtungen im Laufe der Zeit auch verändern können. Bis vor kurzem gab es an der Aki auch noch Modedesign, mittlerweile ist dies aber an eine andere Institution verlegt worden.

Das war vorerst das Wichtigste zu Bewerbung und Start an der Aki, zu den Details komme ich nun in kurzen Worten.

Was studiere ich mit welchem Abschluss?
Im Zuge der Globalisierung gibt es nur noch Bachelor und Master Studiengänge. Die Fächer sind ohne Garantie für ihre Gültigkeit geben zu können im Text angegeben.

Was kann ich danach machen?
Das ist natürlich eine wichtige Frage, allerdings sollte klar sein, dass ohne Eigeninitiative gar nichts läuft, vor allem nicht in den Niederlanden. Wenn man etwas erreichen will, muss man selbst Kontakte knüpfen, und versuchen seine Sparte zu finden. Außerdem kann ich dies nicht so genau aufzählen, da es eine Vielzahl von Studiengängen gibt. So kann man beispielsweise von einem Fotografenposten bei einer Zeitschrift, bis hin zum freischaffenden Künstler alles mögliche werden. Nur eine Garantie wird niemand geben können.

Was bezahle ich?
In den Niederlanden gibt es eine Studiengebühr von 1500€ pro Jahr (auch in Raten von 190€ Zahlbar). Wenn man allerdings keine Niederländisches Bafög, sondern deutsches Pendler-Bafög bezieht bekommt man zwischen 800 und 900€ zurück, also bleibt auf ein deutsches Semester umgerechnet 300€ bis 350€.

Wo genau studiere ich?
Wenn man es genau nimmt, studiere ich an einer Fachhochschule (Akademie für bildende Künste) in Enschede.

Welche Vorurteile habe ich gegen ein deutsches Studium?
Ich denke, dass das deutsche Universitätssystem mit seinen teilweise langatmigen Vorlesungen nicht die richtige Art ist, um Kunst  und Design, welche maßgeblich von Kreativität und Experimentieren, bzw. Lockerheit  und einer gewissen Verspieltheit leben zu vermitteln.

Warum studiere ich dort?
erstens macht es sich immer gut zu zeigen, dass man Auslands-Erfahrungen hat, dass man eine weitere Fremdsprache beherrscht und viele weitere dieser Aushängegründe.
Dazu kommt, dass ich das Land schon immer sehr beeindruckend fand.
Außerdem ist bekannt, dass die Niederländer einen großen Vorsprung im Bereich Service und Werbung den Deutschen gegenüber haben.

Ist es schwer mit der Sprache zu Recht zu kommen?
Eigentlich ist Niederländisch, wie eine Mischung aus Deutsch und Englisch. Man kann vieles auch ohne Sprachkurs verstehen, allerdings haben nach meiner Erfahrung die deutschen Studenten, die diesen mitgemacht haben viel weniger Probleme, die Sprache zu sprechen und zu verstehen.

Kann man mit Fachabi studieren?
Anders, als im deutschen System, welches sogar auf Noten achtet, welche nichts mit dem eigentlichen Fach zu tun haben, kommt es den Niederländern darauf an, dass sie den Willen der Person sehen können dieses Fach zu studieren. Fachabi ist an der AKI die Mindestvorrausetzung. Es können allerdings auch Personen, die nicht einmal ihr Fachabi abgeschlossen haben dort studieren, allerdings müssen diese Personen eine gesonderte Aufnahmeprüfung ablegen, um ihre fachliche Eignung unter Beweis zu stellen.

Was würde ich anderen auf den Weg geben?
Nun, in den Niederlanden ist Eigeninitiative das wichtigste, und der Wille zum Durchhalten. Die Bemutterung, wie wir sie von der Schule und dem Staat gewöhnt sind gibt es dort nicht. Am Anfang wird man so mit Aufträgen eingedeckt, dass man kaum noch Zeit für was anderes hat. Der Studientag geht bis 17 Uhr. Ich bin zumeist gegen 18 Uhr zu Hause und muss dann meist noch viel für die Aufträge erledigen. Außerdem darf man dort nicht alles so genau nehmen, es werden oft abgesprochene Termine nicht eingehalten oder es gibt lange Wartepausen etc. und die Organisation von Veranstaltungen ist zumeist sehr chaotisch. Allerdings funktioniert alles, wenn auch nicht immer perfekt. Also, wenn man wirklich vor hat sein Studium dort anzufangen, sollte man lernen ein wenig lockerer zu werden, sonst kann es sein, dass man aufgrund der fremden Mentalität enttäuscht wird.

Bereue ich es?
Nein, ich denke für die Entwicklung  meiner Fähigkeiten war es genau die richtige Entscheidung. Das einzige, was ich vielleicht ein wenig bereue ist, dass die Meisten meiner Freundschaften, aufgrund meiner geradezu „besessenen“ Arbeitshaltung einzuschlafen drohen.

Wie Lange dauert das Studium?
Ein normales Bachelorstudium dauert vier Jahre, man kann in einigen Fächern noch ein zweijähriges Masterstudium dranhängen.

Ich denke das war soweit das Wichtigste, wenn noch spezifische Fragen sein sollten beantworte ich sie gerne.

Grüße Nilsen

Current mood: Alles klar
von: Nilsen
Entry modified
Geändert am 31. Dezember 2005 um 18:23

Donnerstag, 4. August 2005

Wasser ...

... irgendwo gefunden, nicht weggeschmissen und jetzt hier:

Vorsicht: Höherer Blödsinn!!!!!!!!

Gedanken über das Wasser
Wasser besteht aus Wasserstoff und Sauerstoff.
Sauerstoff wird in großen Mengen im Sauerland angebaut,
während Wasserstoff fast überall vorkommt.
Wasser hat einen neutralen Geschmack.
Da der Sauerstoff das Wasser sauer macht,
muß der Wasserstoff süß sein, wegen dem
neutralen Geschmack des Wassers.
Man sollte den Wasserstoff daher Süßstoff nennen.


Großen Wert legen wir auf sauberes Wasser.
Aus diesem Grund wird das Wasser in
Wasserwaschanlagen gewaschen.
Merkwürdigerweise werden die Wasserwaschanlagen
Kläranlagen genannt. Dabei ist doch allgemein bekannt,
daß Kläranlagen techn. Hilfsmittel der Polizei sind, die zur
Klärung schwieriger Kriminalfälle eingesetzt werden.

Für viele Katholiken hat das Wasser eine ganz besondere
Bedeutung. So stehen an vielen rituellen Orten Wasserbehälter
aus Sandstein, die sogenanntes Weihwasser enthalten.
Weihwasser ist ganz normales Wasser, in das der Stoff Weih in
homöopatischer Dosis gelöst ist.
In dieses Weihwasser werden Neugeborene geworfen,
obwohl Sie nichts gemacht haben.
Während der hl. Messe, die eine sehr ernstes Ritual ist,
versucht der Schamane die Stimmung dadurch aufzulockern,
daß er die Anwesenden völlig unmotiviert mit Wasser bespritzt.
Diesen Vorgang nennt man Segnen. Man erkennt deutlich die
Wortähnlichkeit zu Regnen. Leider führt das in den seltensten Fällen zu einer Verbesserung der Stimmung. Vermutlich liegt das
daran, das die meisten Katholen ein eher ambivalentes Verhältnis
zum Wasser haben. So wissen sie, das zwar einerseits der Papst selbst, zu 80% aus Wasser besteht, andererseits im Wasser aber auch Fische ficken.



PS:
An dieser Stelle muß daraufhingewiesen werden, daß es neben dem Weih- und normalen Wasser noch eine ganz besondere Form des Wassers, das sogenannte Trinkwasser gibt. Es ist meist aufwendig in Wasserwaschanlagen gereinigt und stellt, da es zum Trinken vorgesehen ist, ein Lebensmittel da. Es untersteht daher der Lebensmittelverordnung. Merkwürdigerweise wird unsere Scheiße mit aufwendig gereinigtem Trinkwasser abgespült. Die Vorrichtungen in denen das geschieht heißen Toiletten. Sie werden unterschieden in Flach und Tiefspüler.
Dieses Thema soll an dieser Stelle nicht weiter vertieft werden.

Zum Schluß noch ein Hinweis:

"Einem Land, daß es sich leisten kann, Scheiße, egal ob in Flach- oder Tiefspülern, mit Trinkwasser abzuspülen, kann es nicht ganz schlecht gehen."

ciao Vanini

von: vanini

Donnerstag, 7. Juli 2005

Novum plus additum

Hey Leute, ich habe beim "Ferienaufräumen" ein nettes aber unvollendetes Zitat aus der Fachzeitschrift "Novum" gefunden. Ich weiß nicht mehr welcher Autor, welcher Zusammenhang und welche Ausgabe es war. Der erste Teil ist also zitiert, der Schluß allerdings, das Unvollendete ist von mir ... beides zusammen ist ist mir sozusagen "aus der Seele gesprochen" und verbindet sich mit der Hoffnung auf Änderung hin zu der skizzierten Maxime.

"In einem Land, dessen Perspektive Schadensbegrenzung, dessen Zustand Verdrossenheit ist, in dem Biertischparolen zu politischen Programmen gestylt werden, indem jeder nur noch die Hälfte glaubt und das Doppelte will, in dem Egoismus, Materialsucht und Sichraushalten die stillen Parolen des Alttags sind" ... da gibt es nur noch eines zu sagen: Das Glas ist halb voll, wir brauchen Inspiration, Mut, den entsprechenden Einsatz und das MACHEN. You will never walk allone, kneifen gilt nicht!!!

vanini

von: vanini

Mittwoch, 6. Juli 2005

Zeit

Die Zeit

ist eine komische Gefährtin

sie beginnt ganz plötzlich

ohne Bedeutung

ohne Wissen

dann ist sie dort

und bleibt für immer

unerbittlich

manchmal vergisst man sie

dann fehlt sie nicht

wird man erinnert

sich sie zu nehmen

ist unmöglich

weil sie immer rennt

niemals steht

man hält sie fest

indem man erinnert

man lässt sie los

indem man vergisst

sie geht so plötzlich

wie sie kommt

sie lässt los und

wird losgelassen

Für andere ist man

Zeit

weil man erinnert

 

Currently playing: vanini
von: vanini

Montag, 4. Juli 2005

Anspruch

Ich war der Meinung, dass es seit relativ kurzer Zeit sehr schlecht mit dem Anspruch im Fernsehen steht (die Außnahmen sind ARTE, 3sat, N24 und vielleicht noch Phoenix, einfach tolle Dokus *g*). Ein Gedicht von Kurt Tucholsky hat meine Augen in dieser Beziehung ein wenig öffnen können. Das 1931 veröffentlichte Gedicht mit dem Titel "An das Publikum" zeigt auf satirische Weise, dass das Niveau seit viel längerer Zeit immer schlechter wird und das nicht nur auf Fernsehen bezogen (ob der Anspruch jemals hoch war?)

An das Publikum

O hochverehrtes Publikum,
sag mal: Bist du wirklich so dumm,
wie uns das an allen Tagen
alle Unternehmer sagen?
Jeder Direktor mit dickem Popo
spricht: "Das Publikum will es so!"
Jeder Filmfritze sagt: "Was soll ich machen?
Das Publikum wünscht diese zuckrigen Sachen!"
Jeder Verleger zuckt die Achseln und spricht:
"Gute Bücher gehn eben nicht!"
Sag mal, verehrtes Publikum:
Bist du wirklich so dumm?

So dumm, daß in Zeitungen, früh und spät,
immer weniger zu lesen steht?
Aus lauter Furcht, du könntest verletzt sein;
aus lauter Angst, es soll niemand verhetzt sein;
aus lauter Besorgnis, Müller und Cohn
könnten mit Abbestellung drohn?
Aus Bangigkeit, es käme am Ende
einer der zahllosen Reichsverbände
und protestierte und denunzierte
und demonstrierte und prozessierte...
Sag mal, verehrtes Publikum:
Bist du wirklich so dumm?

Ja dann...
Es lastet auf dieser Zeit
der Fluch der Mittelmässigkeit.
Hast du so einen schwachen Magen?
Kannst du keine Wahrheit vertragen?
Bist also nur ein Griesbrei-Fresser-?
Ja, dann...
Ja, dann verdienst dus nicht besser

 

Erschreckend aktuell nicht wahr?

Gruß an Olli Kalkofe *g*

Currently playing: Madsen - Die Perfektion
Current mood: Grinsend
von: Nilsen
Entry modified
Geändert am 4. Juli 2005 um 20:26