Ich wurde von vanini gebeten einige Worte über meine bisherigen Erfahrungen im ausländischen Studienumfeld zu verlieren. Da ich mir vorgenommen hatte dies noch im alten Jahr getan zu haben kommt nun mein persönlicher Bericht. Im Anschluss an diesen Text findet ihr noch einen Frage-Antwort-Katalog mit Fragen, die Themenbezogenes Wissen beinhalten.
Ich kann kaum glauben, dass es schon ein halbes Jahr her ist, dass mein Studium anfing. Ich hatte bis zu meiner Abschlussprüfung am HKBK keine Ahnung, was mir die Zukunft bringt. Die deutschen Unis hatten wie jedes Jahr ihre Aufnahmeprüfungen zur selben Zeit wie das HKBK die Abschlussprüfung oder schon einige Zeit zuvor, also kam dies für mich aus terminlichen Gründen schon fast nicht in Frage. Ich bemühte mich zwar um viele Infos und war auch auf einigen "Tag der offenen Tür" Veranstaltungen, doch richtig zufrieden war ich mit den Meisten nicht, viele wirkten ein wenig distanziert, um nicht zu sagen elitär.
Mein Klassenlehrer hatte einmal im Unterricht ein paar Flyer zum Thema studieren an der Kunstakademie in Enschede (kurz AKI) verteilt und ich entschloss mich diese Option etwas ernsthafter in Betracht zu ziehen. Auf der Homepage der AKI (www.aki.nl) gab es auch einige Infos in deutscher Sprache, da ich zu diesem Zeitpunkt der niederländischen Sprache noch nicht mächtig war, war dies eine große Hilfe für mich. Ich laß dort - ich denke es muss so mitte Mai gewesen sein - dass es zwei Tage später eine Infoveranstaltung geben sollte. Ich war mir erst unschlüssig, ob ich dort hingehen sollte, da die Veranstaltung schon am frühen Vormittag beginnen sollte, und ich dadurch einen Tag in der Schule fehlen würde. Doch entschloss ich mich dafür, einen Blick zu riskieren. Ich meldete mich bei jedem Lehrer, bei dem ich an diesem Tag Unterricht haben würde ab, und fuhr mit meinen Eltern zu dem Infotag, da diese auch Interesse daran hatten, die Ausländische Uni kennen zu lernen. Ich muss sagen, ich war sehr verwundert über dieses Neuland, war doch alles, was ich an deutschen Unis bisher erlebt hatte an dieser Akademie ins Gegenteil verkehrt. Der Leiter der Akademie stellte sich mit seinem Vornamen vor, nicht etwa mit prof. XY.
Also ich könnte vermutlich stunden weiter über diesen Infotag erzählen, aber ich muss mich ein wenig am Zurückhalten, da ich sonst mit überflüssigen Details einiges an Konzentration strapazieren würde. Um wirklich zu erkennen, was ich meine sollte man mal selbst einen solchen Infotag besuchen. Zu sagen ist wohl noch, dass die Akademie eine absolut praktische Ausrichtung hat. Nach einem Rundgang durch die Uni, in denen uns alle möglichen Studienrichtungen und Werkstätten gezeigt wurden, durften wir uns das Department ansehen, welches uns am meisten interessierte, und haben dort einen tieferen Einblick in das Studienfach bekommen. An diesem Tag war ich davon überzeugt, dass dies die richtige Wahl für mich war.
Ich war überrascht, als ich erfuhr, dass es im Juni sogar noch Aufnahmeprüfungen geben sollte, für das Studienjahr, welches im September anfangen sollte.
Die Aufnahmeprüfung bestand aus einer Aufgabe im Zeichnen, und in einem "Mappenvorstellungsgespräch" mit zwei Professoren und einem Studenten der höheren Jahrgänge. Jeder Bewerber bekam etwa 15 Minuten Zeit seine Werke vorzustellen und seine Arbeiten zu begründen. Wie ich später erfahren habe, diente die Aufgabe im Zeichnen vorrangig dem Zeitvertreib bis zu dem Gespräch. Die Zeichnung selbst wird immer nur dann mit in das Aufnahmeverfahren genommen, wenn die Entscheidung ob ein Bewerber aufgenommen werden soll unklar ist. Der Student, der mit bei dem Gespräch ist, trägt zu einem drittel dazu bei, ob ein Student aufgenommen wird, oder nicht.
Nachdem ich die Zusage zum Studium erhalten hatte kam noch gleich ein Brief mit, in dem stand, dass drei Wochen vor Studienbeginn ein Sprachkurs in Niederländisch gegeben wird, der zwar keine Pflichtveranstaltung sei, allerdings dabei helfe viele Sprachprobleme im Vorfeld zu beseitigen. Die kosten betrugen 100 Euro, meiner Meinung nach, eine gute Investition.
Ein weiterer Unterschied zum deutschen Studium ist das Zeitmaß, in den Niederlanden gibt es keine Semester, wie es beispielsweise bei uns üblich ist. In den Niederlanden gibt es nur ganze Jahre. Im ersten Jahr lernt man an der Aki so gut wie jede Studienrichtung kennen und entscheidet nach diesem Jahr mit den Dozenten zusammen, welche Studienrichtung für einen selbst die beste Wahl ist. Als Studienrichtung stehen bisher noch auf dem Plan: Fotografie, Visuelle Kommunikation, Bildhauen, Malerei, Zeichnen, Innenarchitektur, Mediakunst, gemixte Medien, und Monumentalkunst, wobei sich Studienrichtungen im Laufe der Zeit auch verändern können. Bis vor kurzem gab es an der Aki auch noch Modedesign, mittlerweile ist dies aber an eine andere Institution verlegt worden.
Das war vorerst das Wichtigste zu Bewerbung und Start an der Aki, zu den Details komme ich nun in kurzen Worten.
Was studiere ich mit welchem Abschluss?
Im Zuge der Globalisierung gibt es nur noch Bachelor und Master Studiengänge. Die Fächer sind ohne Garantie für ihre Gültigkeit geben zu können im Text angegeben.
Was kann ich danach machen?
Das ist natürlich eine wichtige Frage, allerdings sollte klar sein, dass ohne Eigeninitiative gar nichts läuft, vor allem nicht in den Niederlanden. Wenn man etwas erreichen will, muss man selbst Kontakte knüpfen, und versuchen seine Sparte zu finden. Außerdem kann ich dies nicht so genau aufzählen, da es eine Vielzahl von Studiengängen gibt. So kann man beispielsweise von einem Fotografenposten bei einer Zeitschrift, bis hin zum freischaffenden Künstler alles mögliche werden. Nur eine Garantie wird niemand geben können.
Was bezahle ich?
In den Niederlanden gibt es eine Studiengebühr von 1500€ pro Jahr (auch in Raten von 190€ Zahlbar). Wenn man allerdings keine Niederländisches Bafög, sondern deutsches Pendler-Bafög bezieht bekommt man zwischen 800 und 900€ zurück, also bleibt auf ein deutsches Semester umgerechnet 300€ bis 350€.
Wo genau studiere ich?
Wenn man es genau nimmt, studiere ich an einer Fachhochschule (Akademie für bildende Künste) in Enschede.
Welche Vorurteile habe ich gegen ein deutsches Studium?
Ich denke, dass das deutsche Universitätssystem mit seinen teilweise langatmigen Vorlesungen nicht die richtige Art ist, um Kunst und Design, welche maßgeblich von Kreativität und Experimentieren, bzw. Lockerheit und einer gewissen Verspieltheit leben zu vermitteln.
Warum studiere ich dort?
erstens macht es sich immer gut zu zeigen, dass man Auslands-Erfahrungen hat, dass man eine weitere Fremdsprache beherrscht und viele weitere dieser Aushängegründe.
Dazu kommt, dass ich das Land schon immer sehr beeindruckend fand.
Außerdem ist bekannt, dass die Niederländer einen großen Vorsprung im Bereich Service und Werbung den Deutschen gegenüber haben.
Ist es schwer mit der Sprache zu Recht zu kommen?
Eigentlich ist Niederländisch, wie eine Mischung aus Deutsch und Englisch. Man kann vieles auch ohne Sprachkurs verstehen, allerdings haben nach meiner Erfahrung die deutschen Studenten, die diesen mitgemacht haben viel weniger Probleme, die Sprache zu sprechen und zu verstehen.
Kann man mit Fachabi studieren?
Anders, als im deutschen System, welches sogar auf Noten achtet, welche nichts mit dem eigentlichen Fach zu tun haben, kommt es den Niederländern darauf an, dass sie den Willen der Person sehen können dieses Fach zu studieren. Fachabi ist an der AKI die Mindestvorrausetzung. Es können allerdings auch Personen, die nicht einmal ihr Fachabi abgeschlossen haben dort studieren, allerdings müssen diese Personen eine gesonderte Aufnahmeprüfung ablegen, um ihre fachliche Eignung unter Beweis zu stellen.
Was würde ich anderen auf den Weg geben?
Nun, in den Niederlanden ist Eigeninitiative das wichtigste, und der Wille zum Durchhalten. Die Bemutterung, wie wir sie von der Schule und dem Staat gewöhnt sind gibt es dort nicht. Am Anfang wird man so mit Aufträgen eingedeckt, dass man kaum noch Zeit für was anderes hat. Der Studientag geht bis 17 Uhr. Ich bin zumeist gegen 18 Uhr zu Hause und muss dann meist noch viel für die Aufträge erledigen. Außerdem darf man dort nicht alles so genau nehmen, es werden oft abgesprochene Termine nicht eingehalten oder es gibt lange Wartepausen etc. und die Organisation von Veranstaltungen ist zumeist sehr chaotisch. Allerdings funktioniert alles, wenn auch nicht immer perfekt. Also, wenn man wirklich vor hat sein Studium dort anzufangen, sollte man lernen ein wenig lockerer zu werden, sonst kann es sein, dass man aufgrund der fremden Mentalität enttäuscht wird.
Bereue ich es?
Nein, ich denke für die Entwicklung meiner Fähigkeiten war es genau die richtige Entscheidung. Das einzige, was ich vielleicht ein wenig bereue ist, dass die Meisten meiner Freundschaften, aufgrund meiner geradezu „besessenen“ Arbeitshaltung einzuschlafen drohen.
Wie Lange dauert das Studium?
Ein normales Bachelorstudium dauert vier Jahre, man kann in einigen Fächern noch ein zweijähriges Masterstudium dranhängen.
Ich denke das war soweit das Wichtigste, wenn noch spezifische Fragen sein sollten beantworte ich sie gerne.
Grüße Nilsen
Alles klar
)
Grinsend