Hallo meine Freunde!
Es ist geschehen, ich habe mich verliebt.
Es ist nicht dieses Schmetterlinge im Bauch feeling und auch nicht dieses OH MEIN GOTT, sie ist ein Engel auf Erden Gefühl, dass spätestens dann nachläßt, sobald man sich der ganzen Fehler des Anderen bewußt wird.
Es ist eher dieses Gefühl der starken Sympathie bei der man sich der ganzen Fehler bewusst ist, es einem aber überhaupt nichts ausmacht und den Anderen so nimmt wie er ist.
Nun ihr werdet euch fragen wer diese Unbekannte ist, von der er spricht. Ich sage es euch auch. Ihr Name ist Enschede.
So nun ist es raus und es gibt kein zurück mehr *g*
Es sind die kleinen Unterschiede, die einen zu so einem Geständnis bringen.
1. Die Mentalität:
Für die Niederlande gilt im allgemeinen: "Wenn man es nicht erfolgreich verbieten kann, so wird es eben unter dem Deckmantel der Legalität kontrolliert.". Der Ausschlag, der zu dieser Erkenntnis führte war, dass ich mich gestern am Enscheder Hauptbahnhof aufgehalten habe und dort einen kleinen Skatepark gesehen habe. Ja wirklich, dort am Bahnhof befindet sich ein länglicher Platz mit Rails und kleinen Ramps auf denen junge Skater ihre Techniken übten. Ich ertappte mich bei einem Gedankengang: "So machen sie wenigstens nichts kaputt oder "verärgern" Passanten.". Es gibt viele Beweise für diese Theorie, Beispiel: Drogen (Kiffer etc. werden nicht kriminalisiert und der Staat verdient sogar ziemlich gut an den Touries, die extra für ihren Rausch dorthin kommen, die Einheimischen selbst kiffen gar nicht so viel, da es bei ihnen legal und deshalb denke ich uninteressant ist).
Niederlande 1:0 Heimat
2. Keine bis geringe Ghettobildung:
Mir wurde gesagt, das es in den Niederlanden keine echten Ghettos gibt, da Wohnungen über zentrale Verteilungseinheiten vergeben werden, deren Aufgabe es ist dafür zu sorgen, dass im JEDEM Teil einer Stadt X% Arbeitslose, X% Studenten, X% Ausländer, X% Mittelständische, X% Arbeiter etc. verteilt sind. Die Wohnungen werden nach den Bedürfnissen des bzw der Betreffenden vergeben.
Eine meiner Meinung nach eine geniale Lösung des Integrationsproblems nicht wahr?
Niederlande 2:0 Heimat
3. Service
Ich hab mir in den Enschede ein Konto angelegt, da dies für Studiengebühren benötigt wird. Ich wurde mit ungewohnt ausgesuchter Höflichkeit empfangen, keiner war mir böse, dass ich die Landessprache noch nicht sprechen konnte, im Gegenteil, der Mitarbeiter schien sich sehr zu freuen, das ich in Enschede studieren wollte (ok, dass ich ein Konto in der Bank eröffnen wollte hat wohl auch ein wenig dazu beigetragen
), er bat mich höflichst platz zu nehmen, und bot mir kostenlosen Kaffe oder Tee an, (es gab eine nicht geringe Auswahl an interessanten Pickwick Teesorten *g*) ich setzte mich und genemigte mir einen schwarzen Tee mit Vanillearoma. Der Mitarbeiter kam alle 2-3 Minuten wieder, da gerade kein geeigneter Arbeitsplatz zur Einrichtung eines Kontos frei war. Er erledigte aber in der Zwischenzeit schon einmal ein paar formalien, kopierte meinen Perso, für die Unterlagen, fragte mich nach meinem Befinden etc. ABER wer jetzt meint, ein ZUFALL, dem kann ich eines sagen. Ich war am selben Tag noch in 2 weiteren Einrichtungen um nach einer Wohnung zu suchen. Kein einziger Mitarbeiter wäre auch nur auf den Gedanken gekommen mich mürrisch anzusehen und überall gab es Kaffe, Tee oder Kakao, ich bin so an noch weitere leckere Heißgetränke gekommen *g* und von der ausländischen Sprache zeigte sich niemand beeindruckt, und bei denen, die kein Deutsch sprechen konnten, (welches nur wenige waren) kam man immerhin noch mit englisch weiter.
Niederlande 3:0 Heimat
Darüber hinaus hatten wir wunderschönes sonniges Wetter und die Luft war geschwängert von Lindenblütenduft, als wir draußen an einem Straßenkaffe in der schönen Altstadt saßen, wärend wir Pommes und eine dieser super leckeren gefüllten Kroketten aßen wärend uns eine wirklich vortreffliche Combo dunkelhäutiger Manner mit schönen Blues- und Jazzklängen verwöhnte.
Es war wie der lange erwartete Jahrhundert- Wellnessurlaub, obwohl wir fast den ganzen Tag von A nach B gefahren sind um Dinge zu erledigen.
Wer jetzt noch nicht weiß warum ich hier diesen Liebesbrief an Enschede geschrieben hab kann mir nur leid tun. Ich denke wir können eine ganze Menge von unserer Nachbarin lernen, sie ist uns human- und sozial gesehen um einiges Vorraus *g*
Allerdings möchte ich noch folgendes Anmerken, in Bier und Brotvielfalt kann Antje durchaus noch was von uns lernen. Während sie ungeheuer gut weiß, wie man mit Kartoffeln und Milch umgehen muß (einfach toll der Vla und die Pommes, chips, Kroketten und was nicht alles noch) ;)
Nilsen