Ich hatte mir alles ein wenig anders vorgestellt.
Nach dem Triumpf meiner "Nils geht studieren" Party war mein erster Gedanke den Jahreswechsel betreffend: "Ich wohne nun alleine, diesesmal wird es eine noch bessere Party". Ich hatte schon Monate vorher telefoniert, organisiert und vorsichtige, Anfragen bei Freunden, Bekannten, Abi-kollegen, Ausbildungs- und Studiengenossen getätigt und alles schien perfekt zu laufen.
Die Einführungsparty für 2000-sex sollte ein echter brüller werden. Etwa 35 Namen zierten meine Liste und noch einige weitere bekundeten ihr Interesse.
Nun, dazu muss ich sagen, dass mein Studium gefordert hat, dass ich in einen Ort ziehen musste, der etwa 130 bis 150km weit von Familie, Freunden, Bekannten etc. entfernt liegt und deshalb war ich etwas verwundert, dass es trotzdem so viele waren, die zusagten.
Aber wie sich herausstellte, sollte meine Verwunderung begründet sein. Nach und nach wurden fast alle Zusagen storniert (bitte nicht als Vorwurf auffassen meine Lieben, ich finde es nur herrlich grotesk), und so ging es auch meinem Mitbewohner Maxim, der Anfangs noch mit sechs Freunden und seiner Freundin rechnete, allerdings am Vorabend der Party zugeben musste, dass sich gerade der letzte seiner Gäste telefonisch entschuldigen ließ.
Nun, langer Rede kurzer Sinn. Am Ende waren wir sechs Personen, meine drei Brüder, einer meiner zwei Mitbewohner (der andere ist wie gewöhnlich mit seinen Eltern über Silvester Snowboarden gegangen), ein Freund von mir und meinen zwei kleinen Brüdern und natürlich ich. Also fast ein Familienfest wenn man so will.
Die Party selbst war ziemlich lahm, hatten sich doch drei meiner Gäste entschieden, aufgrund der geografischen Lage meines Refugiums lokale Spezialitäten zu kredenzen. Daraufhin herrschte bei ihnen nur noch der Wunsch nach einem berieselnden Medium namens Fernsehen, und etwas, dass ein Fachmann wohl als Fressanfall bezeichnen würde. (Ihr glaubt gar nicht, wie schnell eine Tüte Chips weggehen kann "respekt" g*.) Jedenfalls, wurden so zwei Lager gebildet, die es unmöglich machten ein zumindest geselliges Beisammensein zu zelebrieren. Gruppierung eins wollte nurnoch ausruhen und essen, während die zweite Gruppierung sich ein einfaches "Sitzen und Saufen-Program" einfallen lassen hat. Ich stand zwischen diesen Lagern, hatte ich doch Lust auf Partyspiele, spaß... was auch immer, und schließlich verging mir aller Spaß an der ganzen Angelegenheit, da sich keine der beiden Seiten von meinem Enthusiasmus anstecken lassen wollte. Meinem dies bezüglichen Gemütszustand war selbst für außenstehende klar und deutlich in meinem Gesicht zu lesen.
Mit Feuerwerk hatte ich diesmal überhaupt nichts am Hut, ich stand auf unserer Dachterrasse und bewunderte die Raketenpracht im sonst so monochromen Firmament, während auf der rückwärtigen Hausseite große Gruppierungen von vermutlich stark angetrunkenen Mitbürger türkischer Ahnenschaft minderer und voller Jahre standen und mit Feuerwerkskunst, vermutlich polnischen Ursprungs, sich gegenseitig vergeblich zu beweisen versuchten, dass es möglich sei, meine Fensterscheibe mittels einer perfektionierten Wurftechnik zu sprengen.
Die Sprengungsversuche dauerten von 22.00Uhr bis in etwa 05.00Uhr morgens und waren mit vulgärem geschrei und sinnentleerten Plattheiten gespickt.
Dies weiß ich ziemlich genau, da ich mit meinem älteren Bruder im Netz episoden aus Harald Schmidts Archivmaterial begutachtete (im Übrigen mein persönliches Highlight dieser Party, zusammen mit "Dinner for one").
Als ich am nächsten Tag im Radio hörte, dass zwei Häuser im Ort in Brand gestanden hatten, war ich froh, um mein, doch mildes Schicksal, es hätte ja auch schlimmer kommen können. *g
PS
Ich bin ehrlich keinem böse Leute, könnt ihr mir glauben. Im Gegenteil, auch wenn ich jetzt hier fast nur die negativen Seiten der Veranstaltung geschildert habe, so gab es doch auch viel zu lachen. Ich musste nur einfach mal alles mehr oder weniger Erwähnenswerte loswerden, da das ganze doch ziemlich grotesk war.