Der nachträgliche Beweis für die kulinarisch-kreative Weltklasse der sympathischen Stadt Münster - ersichtlich in Abbildung 1.

Abb.1: Hackbraten meets Opium
Der nachträgliche Beweis für die kulinarisch-kreative Weltklasse der sympathischen Stadt Münster - ersichtlich in Abbildung 1.

Abb.1: Hackbraten meets Opium
Alles klarEine tolle Überschrift, nicht wahr? Es könnte natürlich auch heißen: Gyros-Wurst dank Edeka-Bier - aber dazu müsste ich extra gedanklich nach Münster reisen, denn nur dort hatte ich bisher die Gelegenheit, Gyros-Würste zu mir zu nehmen. Leider musste ich diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen lassen, da ich mir mit Gratis-Mensa-Essen, Edeka-Bier und gelbem Schnee den Magen ruiniert hatte. Entsprechend darbte ich den ganzen Abend - soll heißen, ich litt! Aber das Leiden hatte ein baldiges Ende, da wir nicht allzu lange in Münster waren. Außerdem hat mir die Stadt mitsamt ihrem Nachtleben hervorragend gefallen. Ich gelobe wiederzukommen und die Gyros-Wurst zu verspeisen! Vielleicht mag man sich ja schon mal auf meine Ankunft vorbereiten und sich einfallsreiche Beilagen ausdenken - wie Currywurst-Nudeln oder Steak-Reis. Das wäre toll! Dann würde ich auch all meinen hungrigen Freunden erzählen, wie vortrefflich es sich doch im schönen Münster speist und dieses schöne Münster würde fortan nur noch „die Stadt der einfallsreichen und vortrefflichen Speisen" genannt werden, wenn nicht gar „Paris des Münsterlands". Dieses deshalb, weil Paris von den Michelin-Männern (bzw. denjenigen, die die Michelin-Sterne vergeben) zur weltbesten Gourmet-Stadt erkoren wurden. Interessant auch der Titel eines Internetbeitrags zu diesem Thema: New Yorks Gastro-Stars kochen vor Wut (New York wurde nämlich „nur" zweitbeste Gourmet-Stadt - auf dem dritten Platz folgte London).
Ich will diese Anregungen nun aber nicht weiter ausführen, sondern es der Klugheit und Vernunft der Münsteraner überlassen, etwas aus dieser Idee zu machen und vielleicht schon im nächsten Jahr für folgende Schlagzeile verantwortlich zu sein: „Paris' Gastro-Stars dünsten in eigenem Sud - Münster erringt den ersten Platz der Michelin-Männer - das Geheimnis der Gyros-Wurst". Soviel zu diesem Thema. Eigentlich wollte ich ja die Überschrift erklären. Dazu muss ich von meinem heutigen Tage berichten.
Manchmal habe ich das Gefühl, einen Tag so erfolgreich durchlebt zu haben, dass ich fortan nur noch mit geschwollener Brust und erhobenen Hauptes durch das Leben schreiten möchte, um allen Menschen „Hah!" entgegen zu rufen. „Hah! Ihr Würmer könnt mir doch weder Wasser noch sonst was reichen." Leider ist solches Verhalten nicht erwünscht und ich werde mich hüten, mich unbeliebt zu machen. Also schweige ich. Aber irgendein Ventil braucht die Freude. Dieses Ventil heißt bei mir nicht selten „Bier". Das bedeutet also, um die Sachlage noch einmal vollends zu klären: Ich war fleißig und habe den ganzen Tag lang erfolgreich mein Hirn zermartert. Ich bekomme also mit voranschreitender Stunde das Gefühl, mir nach Vollendung aller Tagesmüh' ein Feierabendbier verdient zu haben. Ein Feierabendbier. Diese Formulierung bedeutet in Fachkreisen noch lange nicht, dass es sich tatsächlich nur um ein Bier handeln muss. Ich sage auch „Lass uns ein Bier trinken gehen" und meine „Lass uns losgehen, ein Bier zu trinken und sehen, wie viele wir anschließend noch schaffen.". Beispielsweise sage ich auch „Lass uns einen Kaffee trinken gehen." - meistens bedeutet das zwar schon, dass ich einen Kaffee trinken werde. Es gibt aber ganz besondere Freunde, die wissen, dass dieser Spruch bedeutet „Lass uns ein Bier trinken gehen aber nicht darüber reden, da es eigentlich noch zu früh ist, um schon Alkohol zu trinken."
Also meine ich mit dem Feierabendbier auch, dass ich losgehe und mir eine Handvoll Bier kaufe. Wenn was übrig bleibt, gut, wenn nicht, auch gut. Genau dieses hatte ich im Sinn. In Marburg. In der Stadt, in der ich schon sehr früh den Eindruck gewann, dass hier erstens „gutes" Bier wenig geschätzt wird (nicht umsonst schmeckte das „Marburger Bier", das es glücklicherweise seit fast 3 Jahren nicht mehr gibt, wie erbrochenes Spülwasser). Zweitens legt man hier offenbar überhaupt keinen Wert auf kaltes Bier. Nun mag ja mancher Ur-Marburger freiwillig lauwarmem Pennerglück frönen, ich habe dies jedoch nicht vor. Ich erwarte, dass man mir zumindest ein neutrales (also nicht schlecht schmeckendes) Bier (wie Beck's) reicht, und zwar mit einer angemessenen Temperatur (also 8 bis 10 Grad). In jeder anderen Stadt ist das möglich, in Marburg mit Glück in einer Bar, mit mehr Glück in einer Tankstelle oder einem Getränkeladen, mit Sicherheit jedoch nicht im Supermarkt! Und in der Innenstadt gibt es keine Tankstellen oder Getränkeläden - und Flaschenbier zum Mitnehmen kostet in den Kneipen keinen Cent weniger als das, das man im Lokal trinkt. So war die Lage bis vor kurzem.
Zur WM-Zeit hat jedoch irgendein schlaues Kerlchen gemerkt, dass alle tagsüber schon anfangen zu trinken. Dieses Kerlchen gehörte wohl außerdem zu den wenigen Menschen in Marburg, die wissen, dass kaltes Bier besser schmeckt als warmes. Und so kam es, dass im strategisch wertvollsten Supermarkt der Kette „tegut" (es gibt derer in Marburg gefühlte 10) ein zweiter Kühlschrank neben den für gekühlte Nudeln, Plastikschalen und Mehl gestellt wurde! Und, man glaubt es kaum, die Bier-Sixpacks, die vorher noch im Sauna-Bereich des Supermarktes vorzufinden gewesen waren, wanderten tatsächlich in den Bier-Kühlschrank! Welch Segen für den durstigen Biertrinker!
Leider musste ich bei meinem ersten Versuch, mich an diesem Quell kalten Bieres zu laben, feststellen, dass es sich bei dem vermeintlichen Bier um Alcopops, Malzbier, Guiness und sonstige Verbrechen am Reinheitsgebot handelte. Da aber die am Kühlschrank angebrachten Preisschilder ein reichhaltiges Sortiment inklusive einiger genießbarer Sorten versprachen, dachte ich zunächst, diese Sorten seien aufgrund der WM immer schnell vergriffen und der Ramsch bliebe halt übrig.
Das war mein Stand der Dinge. Die WM ging zu Ende und das Tagsüber-Biertrinken wurde auch wieder den Randgruppen überlassen. Deshalb hatte ich an den Bier-Kühlschrank seither auch keinen Gedanken mehr verschwendet. Bis ich heute vor dem Problem stand, so fleißig gewesen zu sein, dass es eines Feierabendbieres bedurfte, um meinen Vorsprung zum Rest der Menschheit aus Gründen der Fairness ein wenig zu nivellieren. Also ging ich um 19 Uhr zum genannten tegut, steuerte dort auf den Bier-Kühlschrank zu, der etwa 30 Sixpacks fasst, und stellte fest: 10 verschiedene Sorten Alcopos, Licher-Weizen in Einweg-Dosen, Guiness in Erdbeerform, Red Bull mit Nikotin, aber nichts, was man auch nur annähernd hätte trinken können! Nichts. Ich war den Tränen nahe. Ehrlich. Als ich schon mein Taschentuch zücken wollte, um meine gewaltige männliche Ehre nicht vor aller Augen in Rotz und Wasser zu ertränken, kam mir die Idee: Döner-Bier! Es gibt nämlich in Marburg genau einen Dönerladen, der sich nicht zu fein ist, das deutsche Publikum mit bezahlbarem Bier zum Mitnehmen zu versorgen. Und zwar aus einem echten „Adler"-Kühlschrank, der das Bier nicht nur auf 8 Grad kühlt, sondern auf 7. Vom Feinsten. Der Abend war gerettet! Ich konnte mich also wieder fleißig an meinen Schreibtisch in der Bibliothek setzen, um mein Tagewerk zu vollenden, in der Gewissheit, später noch Döner-Bier kaufen zu können, um dann munteren Schrittes in die weite Welt hinaus zu eilen und mit lieben Freunden das Leben zu begießen genießen. Gibt es etwas Schöneres im Alltag eines armen Schweines? Ganz sicher nicht. Und der Rest des Titels erklärt sich hoffentlich von selbst. So lautet eigentlich nur der Eintrag, den ich nach dem erfolglosen tegut-Besuch zornig in meinen Terminplaner schrieb. So, jetzt muss ich los, um mein Döner-Bier zu kaufen!
Alles klar
Der Teufel sitzt in seiner Höllenstube in einem alten Lehnsessel, im Raum befindet sich ein knisternder Kamin, beheizt mit menschlichen Körperteilen. Der Raum ist weiterhin ausgestattet mit großen Regalwänden, in denen neben klassischer Literatur auch Werke zeitgenössischer Autoren in alphabetischer Reihenfolge zu sehen sind. Neben dem Lehnsessel befindet sich ein Tischchen, auf dem ein antiquiertes Telefon, ein Glas Kirschsaft und eine kleine Schale mit mexikanischem Knabbergebäck abgestellt sind, wobei er sich aus Letzterer gelegentlich bedient. Im Hintergrund dahinplätschernde Musik, die stark an HipHop erinnert. Hin und wieder sind aus verborgenen Räumen schmerzerfüllte Schreie und Klagelaute zu hören. Links und rechts des Teufels stehen groteske Gestalten, die wie zerschnittene und falsch wieder zusammengesetzte Menschen aussehen und dem Teufel mit riesigen Palmwedeln Luft zufächern.
Der Teufel legt gelangweilt ein Buch beiseite, das in neumodischer Beschriftung den Titel "Der dunkle Pfad - wie ich aus den Fängen der Satanistensekte entkam" trägt. Er nimmt seinen Zwicker ab, sieht sich müde um und ergreift nach einem Moment des Innehaltens sein Telefon und wählt eine lange Nummer. Das Freizeichen ertönt.
Angerufener: Hmmm!?
Teufel: Mit wem spreche ich?
Angerufener: Wieso, wer ist denn da?
Teufel: Beelzebub, mein Name. Wen zu sprechen habe ich die Ehre?
Angerufener: Meier.
Teufel: Guten Tag, Herr Meier. Sie wissen, weshalb ich anrufe?
Meier: Nö.
Teufel: Sind sie sicher? Ich meine, haben sie verstanden, wer ich bin?
Meier: Na, Werdenfelser oder so ähnlich. Wollen sie was verkaufen oder wollen sie vielleicht meine Frau sprechen? Die ist nämlich nicht da.
Teufel: Nein, Herr Meier. Ich will schon sie sprechen. Sie sind ja an den Apparat gegangen, oder? Und mein Name ist nicht Werdenfelser. Ich bin der Erzengel Gabriel, falls ihnen das weiterhilft.
Meier: Wie? Mengel-Gabriel? Nie gehört. Sagen sie mal, weshalb rufen sie denn jetzt überhaupt an? Ich hab nämlich keine Zeit.
Teufel: Entschuldigen sie, störe ich? Ich meine, halte ich sie von wichtigen Angelegenheiten ab?
Meier: Nein, aber trotzdem. Was wollen sie jetzt von mir?
Teufel: Nun gut. Ich will es ihnen etwas leichter machen. Ich werde auch der Widersacher genannt, weil ich der Gegner von dem bin, an den sie glauben und zu dem sie ihre Gebete sprechen.
Meier: Wie. Was? Wer sind sie? Von der Konkurrenz? Soll die Firma übernommen werden? Warum rufen sie denn dann mich an, ich hab doch eh nix zu sagen, das machen doch die Chefs. Oder sind sie von der CDU? Oder vielleicht ein Schalker?
Teufel: Nein, auch das nicht. Herr Meier, ich bin der Teufel.
Meier: Ah. Teufel. Sag ich doch: Politiker. Von welcher Partei noch gleich? Sind sie nicht im Bundestag? Aber was wollen sie denn dann von mir? Es sind doch gar keine Wahlen in der nächsten Zeit.
Teufel: Nein, ich bin kein Politiker. Warten sie, Herr Meier. Darf ich ihnen ein paar Fragen stellen?
Meier: Na, wenn's schnell geht.
Teufel: Aber ja doch. Danke übrigens für ihre Geduld. Also, Herr Meier. Wieviel Uhr ist es bei ihnen?
Meier: Öhm. Moment, so zwei Uhr. Äh nein, ich schau mal. Ah ja. halb vier ist es.
Teufel: Danke. Was machen sie denn gerade, Herr Meier.
Meier: Ich? Ich sitz hier nur vorm Fernseher. Hab grad Urlaub und deshalb guck ich mir so'n paar Talkshows an bis meine Frau vom Einkaufen zurückkommt. Und dann gibt's ja Abendessen.
Teufel: Sehr gut. Und was machen sie sonst so? Ich meine, was arbeiten sie, was machen sie in ihrer Freizeit?
Meier: Ja, ich bin seit zwanzig Jahren angestellt. Bei der großen Firma hier in der Stadt. Sind damals hergekommen, aus Amerika. Seither gibt's hier genug zu arbeiten für alle. Und ja, deshalb geht's uns hier allen ganz gut. Sind zwar nicht reich, aber haben's doch zu was gebracht. Was wollten sie noch wissen?
Teufel: Was sie sonst noch so machen, Herr Meier. In ihrer Freizeit.
Meier: Achso, ja, Freizeit. Puh, ja. Fußball schau ich mir immer an. Hab ja meine Mannschaft. Dieses Jahr schaut's auch ganz gut aus. Und sonst. Ja, sonst lass ich halt die Abende immer gemütlich ausklingen. Und natürlich hab ich auch viel für die Natur übrig, wissen sie? Ich halte in meinem Garten gern alles in Ordnung und hab es nicht gern, wenn da so Unkraut wächst und so.
Teufel: Ja, gut. Und darf ich fragen, was sie so vom aktuellen Geschehen im Land und in der ganzen Welt halten?
Meier: Ja, ich weiß nicht. Irgendwie weiß man als kleiner Mann heutzutage gar nicht mehr, was man denken soll. Die Politiker machen eh nur, was sie wollen. Deshalb achte ich auch gar nicht so drauf, was die da immer alles beschließen. Außer, wenn sie mir ans Geld wollen. Da pass ich auf. Da sind die nämlich schnell. Und immer nur auf die Kleinen, was anderes machen die nie. Wählen geh ich aber schon, falls sie das auch interessiert. Das find ich, kann man ja nicht machen, nicht zum Wählen gehen. Dann bestimmen ja bloß noch die Reichen. Und die haben ja eh schon viel zu viel Einfluss. Wenn ich noch mal jung wäre, dann würde ich so einiges hier verändern. Aber nun lässt sich's auch nicht mehr ändern. Sie wissen ja, wie's ist, nicht!? Herr...
Teufel: Teufel.
Meier: Ja genau. Und wissen sie, was mich noch aufregt? Ich mein, ich bin schon auf dem Laufenden. Bin nicht ungebildet. Wenn ich gewollt hätte, hätt ich schon auch studieren können oder Meister werden. Aber unsereins musste halt Geld verdienen, damals. Auf jeden Fall; ich informiere mich schon, jeden Morgen les ich in der Arbeit die Zeitung und abends guck ich dann noch mal Nachrichten. Und ich sag's ihnen. Was da auf der Welt alles passiert, das kann man sich ja gar nicht anschauen. Überall nur Kriege, Mord undsoweiter. Zum Glück gibt's das hier nicht. Aber wer weiß, eines Tages kommen die bestimmt auch noch hierher mit ihrer ganzen Kriminalität und so. Ganz bestimmt...
Im Hintergrund hört man, wie jemand die Tür aufschließt.
Ah, meine Frau kommt. Was wollten sie noch mal wissen, Herr...
Teufel: Teufel. Ich wollte nur wissen, wie es ihnen so geht und was sich so tut bei ihnen, Herr Meier. Ich habe sie nur zufällig ausgewählt, um...
Frauenstimme im Hintergrund: Herbert, mit wem redest du da?
Meier: Ach, jemand vom Fernsehen wollte mich sprechen...
Frauenstimme, am Hörer: Hallo!? Wer ist denn da? Wollen sie was verkaufen?
Meier, im Hintergrund: Also, Gisela. Was soll denn...
Frau Meier: Hallo? Wer ist da?
Der Teufel legt auf, lehnt sich zufrieden zurück, nimmt noch einen Schluck von seinem Kirschsaft und widmet sich wieder seinem Buch.
Währenddessen im Hause Meier.
Frau Meier: Hallo. Hallo? Hören sie nicht? (hört das Freizeichen und legt auf) Herbert, da ist niemand dran. Was war das eben?
Herr Meier: Wie, was war das? Ich habe telefoniert.
Frau Meier: Und mit wem?
Herr Meier: Ja, da hat so einer angerufen. Herr... na, den Namen hab ich schon wieder vergessen. Huber, glaub ich. Ja, doch, das war sein Name.
Frau Meier: Und was wollte der? Warum hat er hier angerufen? Oder hast du etwa angerufen?
Herr Meier: Nein, nein. Das war schon er. Ich bin hier bloß vor dem Fernseher gesessen und da hat dann das Telefon geklingelt. Da bin ich halt dran gegangen. Und...
Frau Meier: Und was wollte der jetzt?
Herr Meier: Ja, das weiß ich auch nicht so recht. Du hast ihn ja abgewürgt.
Frau Meier: Wie, ich hab ihn abgewürgt. Aufgelegt hat er. Sonst nichts. Manieren sind das. Ich sag "wer ist da" und der legt auf. Falls da überhaupt einer dran war.
Herr Meier: Natürlich war da einer dran. Der hat mich angerufen und wollte ein paar Dinge von mir wissen...
Frau Meier: Wie, ein paar Dinge von dir wissen? Was war denn das jetzt? Der wollte dir doch bestimmt was verkaufen, ja!
Herr Meier: Nein, nein. Der war von der Politik und wollte meine Meinung haben, was er so verbessern könnte. Und da hab ich ihm halt gesagt, was ich so denke.
Frau Meier: Soso, deine Meinung wollte er haben, und wozu bitteschön?
Herr Meier: Na, dass er weiß, was er besser machen kann. Und ich hab ihm ganz schön die Meinung gesagt, du. "Hörn sie gut zu" hab ich gesagt, "hörn sie gut zu, jetzt sag ich ihnen mal, was ich von ihrer Politik so halte." Und da wusste der nicht mehr, was er sagen soll.
Frau Meier: Also, wie jetzt, der war aus der Politik? Hier vom Rathaus?
Herr Meier: Nene, von ganz oben hat der angerufen. Aus dem Bundestag war das einer.
Frau Meier: Aus dem Bundestag? Und der ruft bei dir an?
Herr Meier. Na, warum denn nicht. So ganz unbedeutend bin ich ja nun auch nicht. Ich bin schließlich in der Gewerkschaft.
Frau Meier: Ja, in der Gewerkschaft. Wie hieß der noch mal, der da angerufen hat?
Herr Meier: Hmm, Herr...ähm...
Frau Meier: Schröder, Schröder hast du vorhin gesagt.
Herr Meier: Ja? Ja. Stimmt, das war's. So hieß der.
Dunkel.

Abb.1: Die Ärmsten!
Gelangweilt
Ach, die Studentenzeit. Die war ja damals so lustig. Ganz anders als heute. Damals waren wir noch so spontan und haben immer alles gemacht, wonach uns gerade so war, ohne groß darüber nachzudenken.
Mittlerweile hat man halt so seine Pflichten, da kommt man gar nicht mehr dazu, mal so richtig die Sau rauszulassen. So richtig in den Tag hinein gelebt haben wir damals, halt einfach so richtig sorgenfrei. Ja, eigentlich hätte man ja viel mehr lernen müssen, aber wo's doch so lustig war. Da konnte man halt nie nein sagen.
Ja, da gab's immer so Studentenkneipen, da waren die immer alle, da haben wir auch manchmal von draußen reingeschaut, wenn wir aus abends der Uni kamen. Ja, wir waren da aber immer zu müde, weil wir ja am nächsten Tag wieder so früh aufgestanden sind.
Außerdem haben die da immer so Alkohol getrunken, das war natürlich nix für uns. Aber sonst haben wir schon so richtig gelebt, so wie man sich das so vorstellt bei Studenten.
Es gab da ja auch immer so Feste, das haben wir natürlich auch mitgekriegt, aber die waren immer unter der Woche, da hatten wir dann doch keine Zeit, weil wir ja immer früh aufgestanden sind. Aber am Wochenende, da haben wir manchmal den Wecker ne Stunde später gestellt.
Gut, dafür haben wir dann abends ne Stunde länger gelernt, aber trotzdem, das war schon was, einfach mal länger zu schlafen, könnte man sich heute gar nicht mehr so vorstellen.
Gut, die Semesterferien haben wir dann immer bei unseren Eltern verbracht, aber was soll man denn auch sonst machen, wenn's grad nix zu lernen gibt. Und Sport wollten wir auch immer machen, aber das wär dann doch zu weit gegangen, da wären dann ja doch ein paar Stunden die Woche draufgegangen.
Aber wir waren immer lustig und missen wollen wir unsere Studentenzeit nun wirklich nicht. Es gab da ja auch so viele junge Leute damals, die hat man immer mal wieder irgendwo gesehen.
Aber kennen gelernt hat man sich nicht. Man hatte ja so viel zu tun. Außerdem hatte man ja noch seine Familie zuhause.
Manche von denen sind dann ja auch immer in die Mensa gegangen. Aber das war uns dann doch zu aberwitzig, ganz allein unter so vielen fremden Leuten. Zum Glück hatten unsere Mütter uns immer vorgekocht.
Aber trotzdem, so eine lustige Zeit. So richtige Studenten waren wir, so mit Fahrrad und allem was dazu gehört.
Gut, Fahrrad gefahren sind wir eigentlich nie, das war uns dann doch zu gefährlich, weil da kann einem dann ja der Helm runterfallen, wenn man mal stürzt und dann wär guter Rat teuer gewesen.
Aber wohin hätten wir auch fahren sollen, außer in die Uni? Manche, die waren ja den ganzen Tag und die ganze Nacht immer unterwegs, waren ständig in diesen Kneipen, haben immer alles Mögliche gemacht und sind sogar ohne Helm mit dem Fahrrad herum gefahren.
Völlig unverantwortlich, sowas. Naja, aus denen ist bestimmt nix geworden, die haben ja gar nix gelernt in ihrer Studentenzeit. Und dass die so richtig gelebt haben, so wie unsereins, das möchte ich doch ganz stark bezweifeln...
Ja, wenn ich so dran denk, an damals, da wünsch ich mir fast, ich wär noch mal so jung und würd so ein Studentenleben führen wie damals.
Aber heutzutage hat man ja so seine Pflichten, da geht das natürlich nicht mehr. Ja, aber immerhin ist was geworden aus uns. Wir stehen jetzt so richtig auf eigenen Beinen. Gut, bei unserern Eltern wohnen wir noch, aber wie soll man sich auch eine eigene Wohnung leisten von der Sozialhilfe!?

Abb. 1 for the treble
Abb. 2 for the bass
Abb. 3 for the ladies and
Abb. 4 for the blaze

Mein Name ist Edgar B. Taugeviel. Ich bin 32 Jahre alt und lebe in Deutschland. Überall dort. Montags bin ich in München, Dienstags in Stuttgart, Mittwochs in Düsseldorf, Donnerstags in Hamburg, Freitags in Berlin, Samstags in Dresden und Sonntags in Nürnberg.
Das klingt nach Stress. Eigentlich macht es mir aber eine ganze Menge Spaß, da ich gerne Zug fahre. Das hindert mich kein bisschen daran, ca. 10% meiner Privatgespräche mit Kritik an der Deutschen Bahn, insbesondere in Bezug auf deren Pünktlichkeit zu vergeuden. Macht man halt so, denn wir sind ja alle Deutsche und Deutsche meckern nun mal gern.
Man kann sich darüber aufregen oder sich gar darüber lustig machen, dass das so ist, aber ich finde es völlig in Ordnung. In anderen Ländern wird auch über eigenartige Umwege kommuniziert. Und ob wir nun Interesse am Familienleben unseres Gesprächspartners heucheln oder einfach über alles meckern macht doch letztlich keinen Unterschied.
Beide Kommunikationsformen zeigen jedoch eines: unsere Leben sind relativ langweilig. Und was noch schlimmer ist: andere finden sie noch viel langweiliger als wir selbst. Genau deshalb meckern wir, statt uns darüber zu unterhalten, ob wir unsere morgendliche Koffeinspritze nun mit fettarmer Milch, Vollmilch oder gar mit Kaffeesahne geölt haben. Wir könnten uns statt alledem natürlich auch darüber unterhalten, wieso wir überhaupt Koffein zu uns nehmen und wieso wir dieses pur eher unbeliebte Anregungsmittel mit Fett und Zucker aufpeppen müssen, damit uns nicht schon morgens schlecht wird. Man könnte sich natürlich auch über das alte Gerücht unterhalten, Kaffee würde dem Körper ungeheure Mengen an Flüssigkeit rauben und wieso es sich immer noch hält. Aber zu solchen Gesprächen fehlen einem meist die Partner. Deshalb wird gemeckert. Und ich kann nicht behaupten, es würde mir keinen Spaß machen. Ganz im Gegenteil: ich meckere gerne. Ich meckere gerne über fast alles. Nur bei dem Wetter hört der Spaß auf.
Denn das Wetter in Deutschland macht mir wirklich nur wenig Spaß. Einerseits weiß ich es zwar zu schätzen, dass mein Heimatland zu den wenigen Regionen auf der Welt zählt, die zu keiner Zeit einen Mangel an Wasser zu beklagen haben. Das kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Und wer einmal im Frühsommer aus einem Wüstenstaat zurück nach Deutschland zurück zu kommen das Glück hatte, der weiß wovon ich spreche. Wer Ähnliches nicht selbst erlebt hat, der weiß gar nicht, was für intensive Eindrücke der Farbe Grün das menschliche Gehirn wirklich erleben kann.
Ein weiterer sehr angenehmer Punkt, den ich ursächlich mit dem deutschen Klima in Zusammenhang bringe, ist dass in Deutschland alles einigermaßen so funktioniert, wie ich es mir wünsche. Damit meine ich, dass mir selbst beim schönsten Wetter die Laune vergeht, wenn alle Leute, von denen ich Dienstleistungen oder das Einhalten von Verabredungen erwarte, in einen müden Trott verfallen und so zuverlässig funktionieren wie eine 5-Euro-Kaffeemaschine. Das ist mein Eindruck. Vielleicht geht es anderen anders, aber mein Eindruck ist, dass in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern bei allem Gejammere immer noch alles erfreulich gut funktioniert und auch die Menschen (wie gesagt: gemessen an anderen Ländern, nicht an Idealvorstellungen) auch erfreulich zuverlässig ihren Geschäften nachgehen.
Was ich natürlich nicht verschweigen darf, ist die Tatsache, dass ich bei 35 Grad auch nicht eben zielstrebig oder gar zuverlässig arbeiten kann.
Genau deshalb ist das mit dem Wetter so eine Zwickmühle. Einerseits haben wir unserem Klima alle Annehmlichkeiten, die unser Land zu bieten hat, zu verdanken. Andererseits macht es uns mürrisch und traurig und bewirkt bei manchem, dass er 5 Monate am Stück das Haus am liebsten gar nicht mehr verlassen würde. Kaum wird es Sommer, kommen die ganzen blassen und vormals zutiefst trübsinnigen Gestalten aus ihren Häuschen, legen ihre Schreibfeder aus der Hand, werfen die über den Winter verfassten tiefsinnigen Gedanken über Bord, reiben sich die Augen, blinzeln in die Sonne und werden gesellig. Dann sitzen sie 4 Monate in Biergärten und liegen auf Wiesen und haben keine grauen Gedanken im Kopf. Wenn der obligatorische Sommerregen kommt, gehen sie nachhause, telefonieren mit ihren Biergartenbekanntschaften und gehen mit ihnen lebensfrohe Dinge unternehmen.
Doch bald ist dieser Sommer wieder vorbei. Dann werden die Biergärten verschlossen, die Wiesen werden zugedeckt und alle sitzen wieder zuhause, schreiben Gedichte über den Tod und verlorene Liebe, trinken schweren Wein und stürzen sich am Tage auf ihre Arbeit. In diesen Phasen erfinden sie Automotoren, überarbeiten das Seerecht, organisieren Messen und halten das Weltgefüge im Gange. Im Sommer falten sie Papierschiffchen, spielen Solitaire und denken an gar nichts. Auch bleibt der schwere Wein im Sommer fest im Keller versperrt. Wer will schon mit schwerem Kopf durch das Leben tänzeln? Hier sind leichte Getränke gefragt, die jedermann versteht und die Freude bereiten. Daher denken sie sich im Winter Modegetränke für den Sommer aus: leichtes Bier in Flaschen, die sich nicht für die Lagerung von Bier eignen - oder Schnaps mit Limo - Hauptsache alles in klaren Flaschen, denn die werden im Sommer reichlich benötigt. Worin sonst als in klaren Flachen sollte man sonst die ganze Flaschenpost mit fröhlichen Sprüchen verschicken?
Aber wie schon gesagt: zu solchen Gesprächen fehlen mir zumeist die Partner. Vor allem hier vorne in der Fahrerkabine. Verdammte AXT! Bei dem schönen Wetter lassen sie auch nur die ärmsten Hunde Arbeiten! TUUUT...
Alles klar