Eine tolle Überschrift, nicht wahr? Es könnte natürlich auch heißen: Gyros-Wurst dank Edeka-Bier - aber dazu müsste ich extra gedanklich nach Münster reisen, denn nur dort hatte ich bisher die Gelegenheit, Gyros-Würste zu mir zu nehmen. Leider musste ich diese Gelegenheit ungenutzt verstreichen lassen, da ich mir mit Gratis-Mensa-Essen, Edeka-Bier und gelbem Schnee den Magen ruiniert hatte. Entsprechend darbte ich den ganzen Abend - soll heißen, ich litt! Aber das Leiden hatte ein baldiges Ende, da wir nicht allzu lange in Münster waren. Außerdem hat mir die Stadt mitsamt ihrem Nachtleben hervorragend gefallen. Ich gelobe wiederzukommen und die Gyros-Wurst zu verspeisen! Vielleicht mag man sich ja schon mal auf meine Ankunft vorbereiten und sich einfallsreiche Beilagen ausdenken - wie Currywurst-Nudeln oder Steak-Reis. Das wäre toll! Dann würde ich auch all meinen hungrigen Freunden erzählen, wie vortrefflich es sich doch im schönen Münster speist und dieses schöne Münster würde fortan nur noch „die Stadt der einfallsreichen und vortrefflichen Speisen" genannt werden, wenn nicht gar „Paris des Münsterlands". Dieses deshalb, weil Paris von den Michelin-Männern (bzw. denjenigen, die die Michelin-Sterne vergeben) zur weltbesten Gourmet-Stadt erkoren wurden. Interessant auch der Titel eines Internetbeitrags zu diesem Thema: New Yorks Gastro-Stars kochen vor Wut (New York wurde nämlich „nur" zweitbeste Gourmet-Stadt - auf dem dritten Platz folgte London).
Ich will diese Anregungen nun aber nicht weiter ausführen, sondern es der Klugheit und Vernunft der Münsteraner überlassen, etwas aus dieser Idee zu machen und vielleicht schon im nächsten Jahr für folgende Schlagzeile verantwortlich zu sein: „Paris' Gastro-Stars dünsten in eigenem Sud - Münster erringt den ersten Platz der Michelin-Männer - das Geheimnis der Gyros-Wurst". Soviel zu diesem Thema. Eigentlich wollte ich ja die Überschrift erklären. Dazu muss ich von meinem heutigen Tage berichten.
Manchmal habe ich das Gefühl, einen Tag so erfolgreich durchlebt zu haben, dass ich fortan nur noch mit geschwollener Brust und erhobenen Hauptes durch das Leben schreiten möchte, um allen Menschen „Hah!" entgegen zu rufen. „Hah! Ihr Würmer könnt mir doch weder Wasser noch sonst was reichen." Leider ist solches Verhalten nicht erwünscht und ich werde mich hüten, mich unbeliebt zu machen. Also schweige ich. Aber irgendein Ventil braucht die Freude. Dieses Ventil heißt bei mir nicht selten „Bier". Das bedeutet also, um die Sachlage noch einmal vollends zu klären: Ich war fleißig und habe den ganzen Tag lang erfolgreich mein Hirn zermartert. Ich bekomme also mit voranschreitender Stunde das Gefühl, mir nach Vollendung aller Tagesmüh' ein Feierabendbier verdient zu haben. Ein Feierabendbier. Diese Formulierung bedeutet in Fachkreisen noch lange nicht, dass es sich tatsächlich nur um ein Bier handeln muss. Ich sage auch „Lass uns ein Bier trinken gehen" und meine „Lass uns losgehen, ein Bier zu trinken und sehen, wie viele wir anschließend noch schaffen.". Beispielsweise sage ich auch „Lass uns einen Kaffee trinken gehen." - meistens bedeutet das zwar schon, dass ich einen Kaffee trinken werde. Es gibt aber ganz besondere Freunde, die wissen, dass dieser Spruch bedeutet „Lass uns ein Bier trinken gehen aber nicht darüber reden, da es eigentlich noch zu früh ist, um schon Alkohol zu trinken."
Also meine ich mit dem Feierabendbier auch, dass ich losgehe und mir eine Handvoll Bier kaufe. Wenn was übrig bleibt, gut, wenn nicht, auch gut. Genau dieses hatte ich im Sinn. In Marburg. In der Stadt, in der ich schon sehr früh den Eindruck gewann, dass hier erstens „gutes" Bier wenig geschätzt wird (nicht umsonst schmeckte das „Marburger Bier", das es glücklicherweise seit fast 3 Jahren nicht mehr gibt, wie erbrochenes Spülwasser). Zweitens legt man hier offenbar überhaupt keinen Wert auf kaltes Bier. Nun mag ja mancher Ur-Marburger freiwillig lauwarmem Pennerglück frönen, ich habe dies jedoch nicht vor. Ich erwarte, dass man mir zumindest ein neutrales (also nicht schlecht schmeckendes) Bier (wie Beck's) reicht, und zwar mit einer angemessenen Temperatur (also 8 bis 10 Grad). In jeder anderen Stadt ist das möglich, in Marburg mit Glück in einer Bar, mit mehr Glück in einer Tankstelle oder einem Getränkeladen, mit Sicherheit jedoch nicht im Supermarkt! Und in der Innenstadt gibt es keine Tankstellen oder Getränkeläden - und Flaschenbier zum Mitnehmen kostet in den Kneipen keinen Cent weniger als das, das man im Lokal trinkt. So war die Lage bis vor kurzem.
Zur WM-Zeit hat jedoch irgendein schlaues Kerlchen gemerkt, dass alle tagsüber schon anfangen zu trinken. Dieses Kerlchen gehörte wohl außerdem zu den wenigen Menschen in Marburg, die wissen, dass kaltes Bier besser schmeckt als warmes. Und so kam es, dass im strategisch wertvollsten Supermarkt der Kette „tegut" (es gibt derer in Marburg gefühlte 10) ein zweiter Kühlschrank neben den für gekühlte Nudeln, Plastikschalen und Mehl gestellt wurde! Und, man glaubt es kaum, die Bier-Sixpacks, die vorher noch im Sauna-Bereich des Supermarktes vorzufinden gewesen waren, wanderten tatsächlich in den Bier-Kühlschrank! Welch Segen für den durstigen Biertrinker!
Leider musste ich bei meinem ersten Versuch, mich an diesem Quell kalten Bieres zu laben, feststellen, dass es sich bei dem vermeintlichen Bier um Alcopops, Malzbier, Guiness und sonstige Verbrechen am Reinheitsgebot handelte. Da aber die am Kühlschrank angebrachten Preisschilder ein reichhaltiges Sortiment inklusive einiger genießbarer Sorten versprachen, dachte ich zunächst, diese Sorten seien aufgrund der WM immer schnell vergriffen und der Ramsch bliebe halt übrig.
Das war mein Stand der Dinge. Die WM ging zu Ende und das Tagsüber-Biertrinken wurde auch wieder den Randgruppen überlassen. Deshalb hatte ich an den Bier-Kühlschrank seither auch keinen Gedanken mehr verschwendet. Bis ich heute vor dem Problem stand, so fleißig gewesen zu sein, dass es eines Feierabendbieres bedurfte, um meinen Vorsprung zum Rest der Menschheit aus Gründen der Fairness ein wenig zu nivellieren. Also ging ich um 19 Uhr zum genannten tegut, steuerte dort auf den Bier-Kühlschrank zu, der etwa 30 Sixpacks fasst, und stellte fest: 10 verschiedene Sorten Alcopos, Licher-Weizen in Einweg-Dosen, Guiness in Erdbeerform, Red Bull mit Nikotin, aber nichts, was man auch nur annähernd hätte trinken können! Nichts. Ich war den Tränen nahe. Ehrlich. Als ich schon mein Taschentuch zücken wollte, um meine gewaltige männliche Ehre nicht vor aller Augen in Rotz und Wasser zu ertränken, kam mir die Idee: Döner-Bier! Es gibt nämlich in Marburg genau einen Dönerladen, der sich nicht zu fein ist, das deutsche Publikum mit bezahlbarem Bier zum Mitnehmen zu versorgen. Und zwar aus einem echten „Adler"-Kühlschrank, der das Bier nicht nur auf 8 Grad kühlt, sondern auf 7. Vom Feinsten. Der Abend war gerettet! Ich konnte mich also wieder fleißig an meinen Schreibtisch in der Bibliothek setzen, um mein Tagewerk zu vollenden, in der Gewissheit, später noch Döner-Bier kaufen zu können, um dann munteren Schrittes in die weite Welt hinaus zu eilen und mit lieben Freunden das Leben zu begießen genießen. Gibt es etwas Schöneres im Alltag eines armen Schweines? Ganz sicher nicht. Und der Rest des Titels erklärt sich hoffentlich von selbst. So lautet eigentlich nur der Eintrag, den ich nach dem erfolglosen tegut-Besuch zornig in meinen Terminplaner schrieb. So, jetzt muss ich los, um mein Döner-Bier zu kaufen!
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