LouFerrigno Besser!

kleiner Dialog zu den wesentlichen Dingen des Lebens

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Der Teufel sitzt in seiner Höllenstube in einem alten Lehnsessel, im Raum befindet sich ein knisternder Kamin, beheizt mit menschlichen Körperteilen. Der Raum ist weiterhin ausgestattet mit großen Regalwänden, in denen neben klassischer Literatur auch Werke zeitgenössischer Autoren in alphabetischer Reihenfolge zu sehen sind. Neben dem Lehnsessel befindet sich ein Tischchen, auf dem ein antiquiertes Telefon, ein Glas Kirschsaft und eine kleine Schale mit mexikanischem Knabbergebäck abgestellt sind, wobei er sich aus Letzterer gelegentlich bedient. Im Hintergrund dahinplätschernde Musik, die stark an HipHop erinnert. Hin und wieder sind aus verborgenen Räumen schmerzerfüllte Schreie und Klagelaute zu hören. Links und rechts des Teufels stehen groteske Gestalten, die wie zerschnittene und falsch wieder zusammengesetzte Menschen aussehen und dem Teufel mit riesigen Palmwedeln Luft zufächern.

Der Teufel legt gelangweilt ein Buch beiseite, das in neumodischer Beschriftung den Titel "Der dunkle Pfad - wie ich aus den Fängen der Satanistensekte entkam"  trägt. Er nimmt seinen Zwicker ab, sieht sich müde um und ergreift nach einem Moment des Innehaltens sein Telefon und wählt eine lange Nummer. Das Freizeichen ertönt.

Angerufener: Hmmm!?

Teufel: Mit wem spreche ich?

Angerufener: Wieso, wer ist denn da?

Teufel: Beelzebub, mein Name. Wen zu sprechen habe ich die Ehre?

Angerufener: Meier.

Teufel: Guten Tag, Herr Meier. Sie wissen, weshalb ich anrufe?

Meier: Nö.

Teufel: Sind sie sicher? Ich meine, haben sie verstanden, wer ich bin?

Meier: Na, Werdenfelser oder so ähnlich. Wollen sie was verkaufen oder wollen sie vielleicht meine Frau sprechen? Die ist nämlich nicht da.

Teufel: Nein, Herr Meier. Ich will schon sie sprechen. Sie sind ja an den Apparat gegangen, oder? Und mein Name ist nicht Werdenfelser. Ich bin der Erzengel Gabriel, falls ihnen das weiterhilft.

Meier: Wie? Mengel-Gabriel? Nie gehört. Sagen sie mal, weshalb rufen sie denn jetzt überhaupt an? Ich hab nämlich keine Zeit.

Teufel: Entschuldigen sie, störe ich? Ich meine, halte ich sie von wichtigen Angelegenheiten ab?

Meier: Nein, aber trotzdem. Was wollen sie jetzt von mir?

Teufel: Nun gut. Ich will es ihnen etwas leichter machen. Ich werde auch der Widersacher genannt, weil ich der Gegner von dem bin, an den sie glauben und zu dem sie ihre Gebete sprechen.

Meier: Wie. Was? Wer sind sie? Von der Konkurrenz? Soll die Firma übernommen werden? Warum rufen sie denn dann mich an, ich hab doch eh nix zu sagen, das machen doch die Chefs. Oder sind sie von der CDU? Oder vielleicht ein Schalker?

Teufel: Nein, auch das nicht. Herr Meier, ich bin der Teufel.

Meier: Ah. Teufel. Sag ich doch: Politiker. Von welcher Partei noch gleich? Sind sie nicht im Bundestag? Aber was wollen sie denn dann von mir? Es sind doch gar keine Wahlen in der nächsten Zeit.

Teufel: Nein, ich bin kein Politiker. Warten sie, Herr Meier. Darf ich ihnen ein paar Fragen stellen?

Meier: Na, wenn's schnell geht.

Teufel: Aber ja doch. Danke übrigens für ihre Geduld. Also, Herr Meier. Wieviel Uhr ist es bei ihnen?

Meier: Öhm. Moment, so zwei Uhr. Äh nein, ich schau mal. Ah ja. halb vier ist es.

Teufel: Danke. Was machen sie denn gerade, Herr Meier.

Meier: Ich? Ich sitz hier nur vorm Fernseher. Hab grad Urlaub und deshalb guck ich mir so'n paar Talkshows an bis meine Frau vom Einkaufen zurückkommt. Und dann gibt's ja Abendessen.

Teufel: Sehr gut. Und was machen sie sonst so? Ich meine, was arbeiten sie, was machen sie in ihrer Freizeit?

Meier: Ja, ich bin seit zwanzig Jahren angestellt. Bei der großen Firma hier in der Stadt. Sind damals hergekommen, aus Amerika. Seither gibt's hier genug zu arbeiten für alle. Und ja, deshalb geht's uns hier allen ganz gut. Sind zwar nicht reich, aber haben's doch zu was gebracht. Was wollten sie noch wissen?

Teufel: Was sie sonst noch so machen, Herr Meier. In ihrer Freizeit.

Meier: Achso, ja, Freizeit. Puh, ja. Fußball schau ich mir immer an. Hab ja meine Mannschaft. Dieses Jahr schaut's auch ganz gut aus. Und sonst. Ja, sonst lass ich halt die Abende immer gemütlich ausklingen. Und natürlich hab ich auch viel für die Natur übrig, wissen sie? Ich halte in meinem Garten gern alles in Ordnung und hab es nicht gern, wenn da so Unkraut wächst und so.

Teufel: Ja, gut. Und darf ich fragen, was sie so vom aktuellen Geschehen im Land und in der ganzen Welt halten?

Meier: Ja, ich weiß nicht. Irgendwie weiß man als kleiner Mann heutzutage gar nicht mehr, was man denken soll. Die Politiker machen eh nur, was sie wollen. Deshalb achte ich auch gar nicht so drauf, was die da immer alles beschließen. Außer, wenn sie mir ans Geld wollen. Da pass ich auf. Da sind die nämlich schnell. Und immer nur auf die Kleinen, was anderes machen die nie. Wählen geh ich aber schon, falls sie das auch interessiert. Das find ich, kann man ja nicht machen, nicht zum Wählen gehen. Dann bestimmen ja bloß noch die Reichen. Und die haben ja eh schon viel zu viel Einfluss. Wenn ich noch mal jung wäre, dann würde ich so einiges hier verändern. Aber nun lässt sich's auch nicht mehr ändern. Sie wissen  ja, wie's ist, nicht!? Herr...

Teufel: Teufel.

Meier: Ja genau. Und wissen sie, was mich noch aufregt? Ich mein, ich bin schon auf dem Laufenden. Bin nicht ungebildet. Wenn ich gewollt hätte, hätt ich schon auch studieren können oder Meister werden. Aber unsereins musste halt Geld verdienen, damals. Auf jeden Fall; ich informiere mich schon, jeden Morgen les ich in der Arbeit die Zeitung und abends guck ich dann noch mal Nachrichten. Und ich sag's ihnen. Was da auf der Welt alles passiert, das kann man sich ja gar nicht anschauen. Überall nur Kriege, Mord undsoweiter. Zum Glück gibt's das hier nicht. Aber wer weiß, eines Tages kommen die bestimmt auch noch hierher mit ihrer ganzen Kriminalität und so. Ganz bestimmt...

Im Hintergrund hört man, wie jemand die Tür aufschließt.

Ah, meine Frau kommt. Was wollten sie noch mal wissen, Herr...

Teufel: Teufel. Ich wollte nur wissen, wie es ihnen so geht und was sich so tut bei ihnen, Herr Meier. Ich habe sie nur zufällig ausgewählt, um...

Frauenstimme im Hintergrund: Herbert, mit wem redest du da?

Meier: Ach, jemand vom Fernsehen wollte mich sprechen...

Frauenstimme, am Hörer: Hallo!? Wer ist denn da? Wollen sie was verkaufen?

Meier, im Hintergrund: Also, Gisela. Was soll denn...

Frau Meier: Hallo? Wer ist da?

Der Teufel legt auf, lehnt sich zufrieden zurück, nimmt noch einen Schluck von seinem Kirschsaft und widmet sich wieder seinem Buch.

Währenddessen im Hause Meier.

Frau Meier: Hallo. Hallo? Hören sie nicht? (hört das Freizeichen und legt auf) Herbert, da ist niemand dran. Was war das eben?

Herr Meier: Wie, was war das? Ich habe telefoniert.

Frau Meier: Und mit wem?

Herr Meier: Ja, da hat so einer angerufen. Herr... na, den Namen hab ich schon wieder vergessen. Huber, glaub ich. Ja, doch, das war sein Name.

Frau Meier: Und was wollte der? Warum hat er hier angerufen? Oder hast du etwa angerufen?

Herr Meier: Nein, nein. Das war schon er. Ich bin hier bloß vor dem Fernseher gesessen und da hat dann das Telefon geklingelt. Da bin ich halt dran gegangen. Und...

Frau Meier: Und was wollte der jetzt?

Herr Meier: Ja, das weiß ich auch nicht so recht. Du hast ihn ja abgewürgt.

Frau Meier: Wie, ich hab ihn abgewürgt. Aufgelegt hat er. Sonst nichts. Manieren sind das. Ich sag "wer ist da" und der legt auf. Falls da überhaupt einer dran war.

Herr Meier: Natürlich war da einer dran. Der hat mich angerufen und wollte ein paar Dinge von mir wissen...

Frau Meier: Wie, ein paar Dinge von dir wissen? Was war denn das jetzt? Der wollte dir doch bestimmt was verkaufen, ja!

Herr Meier: Nein, nein. Der war von der Politik und wollte meine Meinung haben, was er so verbessern könnte. Und da hab ich ihm halt gesagt, was ich so denke.

Frau Meier: Soso, deine Meinung wollte er haben, und wozu bitteschön?

Herr Meier: Na, dass er weiß, was er besser machen kann. Und ich hab ihm ganz schön die Meinung gesagt, du. "Hörn sie gut zu" hab ich gesagt, "hörn sie gut zu, jetzt sag ich ihnen mal, was ich von ihrer Politik so halte." Und da wusste der nicht mehr, was er sagen soll.

Frau Meier: Also, wie jetzt, der war aus der Politik? Hier vom Rathaus?

Herr Meier: Nene, von ganz oben hat der angerufen. Aus dem Bundestag war das einer.

Frau Meier: Aus dem Bundestag? Und der ruft bei dir an?

Herr Meier. Na, warum denn nicht. So ganz unbedeutend bin ich ja nun auch nicht. Ich bin schließlich in der Gewerkschaft.

Frau Meier: Ja, in der Gewerkschaft. Wie hieß der noch mal, der da angerufen hat?

Herr Meier: Hmm, Herr...ähm...

Frau Meier: Schröder, Schröder hast du vorhin gesagt.

Herr Meier: Ja? Ja. Stimmt, das war's. So hieß der.

 

Dunkel.

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Abb.1: Die Ärmsten!

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