„Egal, was passiert: Wir haben immer noch uns!“
In den Straßen von Prag
Die Fahrt für die Klassen des Hugo-Kükelhaus-Berufskollegs begann an einem Sonntagmorgen am Essener Hauptbahnhof. Das Ziel ihrer Fahrt war das von ihnen allen ausgewählte Prag, die Hauptstadt Tschechiens und die Heimat von Franz Kafka und Budweiser.
Nach einer mehrstündigen und deshalb auch sehr strapazierenden Busfahrt – welche durch sich durch Komplikationen an der Grenze noch um einiges in die Länge zog – kamen sie abends am Hostel Spoas an, welches ihnen bis Donnerstag als Unterkunft dienen sollte. Das Hostel war, wenn man es überhaupt in Worte fassen kann, eine Mischung aus dem Norman-Bates-Hotel aus Alfred Hitchcocks „Psycho“ und einen Altbau in einem Dritte-Welt-Ghetto.
Nach einem kleinen Kantinenabendessen, bei welchem die Köche allem Anschein nach versuchten, eine typisch deutsche Küche nachzuahmen, auch wenn nach dem Genuss schnell ersichtlich wurde, dass der letzte Aufenthalt dieser Leute in deutschen Landen schon einige Dekaden zurücklag, wurden die Zimmer verteilt.
Nachdem nach einigem Umorganisieren jeder auf ein Zimmer gebracht werden konnte, war der dortige Anblick ebenso wie der der anderen Räume: schäbige Einrichtungen, Möbelstücke, die wirken, als hätte sie jemand von den letzten Baracken und Müllkippen mitgehen lassen und mit dicken Eisenstangen vergitterte Fenster, auch wenn sich deren Sinn nicht recht erschließen will, da der äußere Eindruck des Hauses allein schon ausreichend zur Sicherheit wäre.
Der ersten Nacht, welche im 2-Stunden-Takt von vorbeifahrenden Polizeisirenen untermalt wurde, folgte der erste richtige Tag, welcher für einen Stadtrundgang durch die von Hundekot veredelten Straßen von Prag führte. Am Abend dieses Tages gönnte man sich in einem Schwarzlichttheater ein wenig Kultur, dessen Aufführung manchen Schülern aufgrund ihres vorigen Drogenkonsums sehr zu schaffen machte.
Nachdem die nächste Nacht wieder von einigen dazu genutzt wurde, sich den Aufenthalt im Hostel Spoas durch Schöntrinken zumindest ein wenig angenehmer zu gestalten, ging es am darauf folgenden Tag zum ehemaligen KZ-Lager Theresienstadt, welchem am Abend ein Besuch in der größten Disco Europas zur kollektiven Verdrängung folgte.
Der nächste Tag, dessen Gestaltung den Schülern freistand, begann mit einer Weckungsaktion des unausgeschlafenen Busfahrers, indem er bei jedem einzelnen Zimmer in der oberen Etage wiederholt gegen die Tür schlug und liebevoll „AUFSTEEEEHHHHN!“ brüllte. Die meisten nutzten den Tag zum Besuch des sich in nordvietnamesischer Hand befindenden Basars oder haben weiter getrunken.
Nach einer letzten Nacht voller Trinkereien und Polzeisirenen ging es am Donnerstagmorgen wieder Richtung Deutschland. Gegen Abend kamen die Klassen wieder an ihrem Abfahrtort Essen an und alle freuten sich auf die Osterferien, die im Anschluss an diese Klassenfahrt waren. Doch Hand aufs Herz, es hat schon einen Heidenspaß gemacht in Prag, denn wir hatten immer noch uns – und Alkohol.
)