System unter Beschuß

System unter Beschuß

Träume, eine bizarre Welt.

Die Darsteller und Kulisse verschlossen und komponiert aus den Einwirkungen des Tages. Als unbedeutend versinken Eindrücke in die Untiefen der Erinnerung.

Dann, wenn die Mitternacht vorbei und der Mondschein  ins Schlaffzimmerfenster fällt, dann steigt ein bunter Chocktail der Erinnerungen wieder auf und wandelt als Gespenst durch die schlafende Nacht:

"In meiner Wohnung,  alles ist ruhig, alles unverändert. Ich horche und prüfe, etwas ist im Raum. Nichts zu sehen, nichts zu hören. Ich bleibe in meiner Nische, von dort kann ich den Eingang meiner Wohnung übersehen.

Etwas ist in Wohnung, ich kann nichts sehen, kann nichts hören. Meine Nische, meine Ecke, meine Höhle, meine Zuflucht, das Bett. Von  dort aus beobachte ich den Eingang.

Ein kleiner Türspalt läßt mir den Einblick.

Ich höre eine Bewegung, ein rascheln im Flur. Ich sehe genauer hin, es ist eine Person, eine vertraute Person und schenke ihr nicht viel Beachtung. Ich sehe an ihrem Rücken, dass die Person sich in meinem Flur irgendwie zu schaffen macht und nehme das argwönisch nehme zur Kenntnis.

Wer hat die Person eingeladen? Hatte ich sie erwartet und es nur vergessen? Wer hat die Person in die Wohnung gelassen?

Mißtrauisch verfolge ich die Bewegungen weiter, finde aber keine Antwort auf meine Fragen.

Die Person macht sich an Regalen zu schaffen, die seit dem Traum in den Raum stehen.  Die Ablage in den Regalen ist unsortiert und unaufgeräumt.

Mit hastigen Bewegungen durchstöbert die Person die Regale.

Sie heizt sich auf.

Sie pumpt sich hoch.

Sie schaukelt sich in die Höhe.

Ich kann den Blick nicht mehr von ihr wenden. Die Person wirkt aufgestachelt und unkoordiniert.

Ein Kontrolleur mit einen Kragen, einem weißen Kragen, der viel zu eng am Hals liegt. 

Ein Reagalkontrolleur, der die Kontrolle über sich verliert?

Instinktiv von mir erwartet, die Person zieht ein schweres Geschütz und schießt aus vollen Rohren.

Abwechselnd nimmt sie meinen Sohn und mich unter Beschuß. Mein Sohn und ich, wir sind getrennt. Er flieht in sein Zimmer und wir verschwinden beide unter der Bettdecke. Wir bleiben in Verbindung, auch wenn wir uns nicht sehen.

Ich halte einen kleinen Ritz duch die Bettdecke offen. Die vertraute Person wütet weiter und schießt aus vollen Rohren, einfach drauf los, einfach durch die Gegend.

Sie weiß, wir sind in der Wohnung, sie weiß nicht, in welcher Ecke wir uns versteckt haben. Sie kann den Vorraum meiner Wohnung nicht verlassen, die Schwellen zu uns nicht überwinden.

Sie nimmt sich die Wohnung flächen haft vor. Die vertaute Person ist gebrechlich und kann das schwere Geschütz nicht tief halten.

Mein Sohn und ich, wir liegen tief, sehr tief und ziehen den Kopf ein, schützen ihn mit bloßen Händen.

Dann ist es still, unheimlich still. Die vertraute Person hat ihr Pulver verschossen, zieht sich unbeholfen und erschöpft zurück.

Mein Sohn und ich, wir haben uns getrennt geschützt. Jeder auf seine Weise, jeder mit seinen Fähigkeiten......"

Warum muß man sich von einer vertrauten Person unter Beschuß nehmen lassen, wenn der Kragen, den er sich selber zu eng geschnürt hat, platzt?

Warum muß man sich sich vor einer vertrauten Person schützen, bei der man Schutz finden sollte?

Was schnürte dem Vertrauten wirklich den Kragen zu?

War sie unfähig, in das System anderer zu blicken, registriert dies unbekanntes System?

Ja, sie eleminiert unbekannte System der Angehörigen wie einen Virus in einem Betriebssystem.......


 
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Zerfall

Zerfall

Eindrücke sprechen mich an, ohne dass ich darauf reagieren kann.

Der Verstand, er will keinen Stau, dann fährt unverdauten Eindrücke in einen Boxenstop und sie verschwinden aus meinem Blickfeld.

Der Eindruck aber arbeitet weiter, stellt Verbindungen zu alten Eindrücken her, arbeitet alles zu einem schrecklichen Traum um:

"Die ersten Bilder des Traumes schleichen sich an meinem Gedächnis vorbei.

Das Fach bleibt leer, die Vorgeschichte bleibt aus.

In der nächsten Sequenz bin ich mit meiner Freundin in einem weiß gefließten Raum. Sie ist schwer krank, ich habe ihre Pflege übernommen.

Sie steht mir nah.

Sie liegt mir am Herzen.

Ihr Leid, es nagt an auch an meiner Substanz.

Es hat sie arg erwischt, sie ist geknickt.

"Laß den Kopf nicht hängen" ich muntere sie auf.

Ich weiß, was ich sage, ist eine Farce. Ich sehe sie verstohlen an und hoffe, sie kann mir meine Ohnmacht nicht ansehen. Nach außen strahle ich Optimismus aus, während innerlich die Verzweiflung an meiner Substanz nagt.

Ich hoffe auf Ablösung meiner Pflege, ich muß mich erholen, einen neuen Stapel Substanz in Ruhe nachwachsen lassen.

Flüchtig sehe ich meine Freundin an, tue so, als hätte sie eine leichte Grippe. Über die Haut, die die Knochen zusammenhält sehe ich hinweg. Den Anblick ertrage ich schon lange nicht mehr.

Ihr Kopf hängt tief über das Waschbecken, viel zu tief.

"Hebe deinen Kopf" bitte ich sie. Kritisch sehe ich die oberen Halswirbel an, sie dehnen sich schon viel zu weit auseinander. Meine Freundin nickt in dieser Haltung mit zu, verändert sie aber nicht.

"Du mußt deinen Kopf heben" sage ich schon etwas schärfer im Ton.  Dieser Ton, er verursacht mir Schmerzen.

"Ja" antwortet meine Freundin mit schwacher Stimme "aber mir fehlt die Kraft, den Kopf zu heben. Er ist so schwer geworden"

Vor Ohnmacht frißt die Verzweiflung an meiner Substanz, wie in aufgeregtes Mädchen an den Fingernägeln. Oh mein Gott, was soll ich nur mit ihr machen? Ihr Kopf hängt zu tief, ihre Knochen sind schon sehr mürbe von der Krankheit.

Ich kann meine Freundin nicht länger mit meinen Ermahnungen quälen, mir fehlt die mentale Kraft, schalte den Hebel auf Grippe um.

Der schwereKopf zieht den Oberkörper weiter nach unten. Mehr hängend als gebeut steht meine Freundin am Waschbecken. Besorgt sehe ich auf die auseinander gedehnten Wirbelknochen im unteren Rücken an. Die dünne Haut wird sie nicht mehr lange zusammenhalten können.

"Richte dich auf" bitte ich meine Freundin. "Du stehst zu weit nach vor gebeut, dass ist nicht gut für deinen schwachen Rücken" will ich begreiflich machen, hoffe auf ihre Mitwirkung.

"Ja" antwortet sie mir wieder mit schwacher Stimme "du hast Recht" und bezeugt mir ihre Mitwirkungsabsicht. "Aber ich habe keine Kraft mehr , mich aufzurichten" Die Verzweiflung knappert weiter an meiner Substanz. Sie ist bis auf eine hauchdünne Schicht aufgebraucht und zerbrechlich wie ein ausgetrockenes Blatt geworden.

Ohnmächtig greife ich nach dem Umschalter für Grippe und helfe meine Freundin bei der Morgentoilette. Ich fürchte, mein innerer Aufschrei schallt von den Fliesen des kalten Raumes aus allen Ecken wieder zurück.

Die Morgentoilette ich beendet, ich habe das Handtuch nicht zur Hand, muß es noch schnell vom Hacken holen. Er ist nur 2 Meter vom Waschbecken entfernt.

Ein paar Schritte, ein Griff zum Handtuch.

Qäulende Aufschreie gehen in mehreren dumpfen Geräuschen unter.

Blitzschnell drehe ich mich um.

Grade sehe ich noch, wie sich der Rumpf meiner Freundin vom Unterkörper löst. Er fällt am Beckenrand herunter, in dem schon der abgelöste Kopf mit weit aufgerissenen ängstlichen Augen liegt.

Ich schreie so laut ich kann, aber der Aufschrei kann den Verfall ihres Körpers nicht mehr aufhalten.

Stückweise zerbricht er vor meinen Augen und mit ihm  meine nur noch hauchdünne Substanz.

Für einen Moment möchte ich an der Stelle meiner Freundin sein, dann müßte ich mir das grauenvolle Bild ihres zerbrochenen Körpers nicht ansehen.....

 
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