Schrottsockel
Ich stehe daneben und wundere mich. "Was soll denn das werden" frage ich mich.
Menschen agieren und reagieren, d.h. in zeitlicher Folge geht der Reaktion eine Aktion voraus.
Betrete ich Neuland oder ein "abgestecktes Revier" einer anderen Person, ziehe ich mich selbst auf Stufe 2 zurück und reagiere auf das, was der Akteur mir vorgibt. Er íst sozusagen der Vorturner, der seinen Gefolge zeigt, wo es lang geht.
Das Gefolge reagiert darauf und folgt den Anweisungen. je klarer die Vorgabe, je besser die Umsetzung durch das Gefolge.
Aber dann kommen Vorgaben, die dem Gefolge inhaltlich unentschlossen bleiben. Weder nachahmenswerte noch vorgabetaugliche Inhalte sind zu erkennen. Und das Gefolge steht ratlos da und weiß nicht, wie es den Verrenkungen des Vorturners folgen soll. Das Gefolge weiß nicht, was der Vorturner von ihnen will.
Von ihnen will? Mein kritischer Blick offenbart mir dann die neuste Version: "Des Kaisers neuen Kleider"

Der Kaiser, der in der Illusion lebt, er trüge die teuersten und schönsten Kleider der Welt. In Wirklichkeit präsentiert er sich seinem Volk nur in seiner Unterwäsche. Der Kaiser ist Opfer seiner Eitelkeit, sie hatte ihn blind gemacht.
Ja, ähnlich ratlos stehe ich vor meiner "Kaiserin", die mir ihre nachahmenswerte Vorlage zum Besten gibt.

Aber wenn ich sie mit meinen noch intakten Kinderaugen sehe, ja, dann sehe ich nur - Flügelschlagen - sonst nichts. Nur das sinnlose Flügelschlagen einer Henne.
Flügelschlagen von einem Geflügel, das mir seinen Flug vorführen möchte, obwohl es nicht fliegen kann.
"Was soll das den werden?" frage ich mich und sehe liebe weg als hin, peinlich der Anblick des wichtigtuerischen Flügelschlages und es fehlen mir die Worte. Die sinnlosen und kräftezerrenden Aktionen, sie wirbeln Staub auf und mit ihm mein Respekt, der sich ebenfalls in Staub auflöst.
Die Oberhand für das Agieren hat der Status.
Die Angst um Status- und Imageverlust geben sich mit dem Zwang die Hand, sich als Vorturner permanent produzieren zu müssen. Der Vorturner kann durch seine blinde Eitelkeit nicht mehr erkennen, dass es sich bei dem Produktionsausstoß der Anteil der Abfallprodukte stetig zunimmt. Abfall, untauglich als Vorlage und untauglich zur Nachahmung. Produkte die mit seiner Fertigstellung schon zerbrechen.
Der Vorturner ist der Annahme, das es sich bei seinen Produkten um Quälitätsprodukte handelt und produziert am laufenden Band.
So türmen sich Berge von Abfallprodukten vor ihm auf. Aber durch die Brille der blinden Eitelkeit sieht der Müllberg wie ein Sockel aus.
Stolz steigt der Vorturner auf den selbst erschaffenen Sockel . Nun kann er noch weit sichtbar und werbewirksamer mit ausgebreiteten Flügel schlagen.
Oh mein Gott, was soll denn das werden?
Der selbstgebastelte Sockel kann gar nicht hoch genug werden um auch noch den hintersten aus dem Gefolge zu beeindrucken.
Und plötzlich steht da ein Kind und es ruft laut:
" Das ist ja alles Schrott, was du unter deinen Füßen hast!"

Auswirkungen auf Einwirkungen
Reflektionen sind die Spiegelbilder des Geschehens aus der Umwelt. Facettenartig strahle ich wie ein Spiegel die Wirkungen der Einwirkungen auf mich an die Außenwelt wieder zurück. Die zahlreichen Facetten enthalten die Basis für den Spiegel.
Alles mögliche ist in mir vorhanden, nicht alles gleich stark ausgeprägt, anderes verschüttet oder gar verdrängt und in die Ecke geschoben. Am liebsten würde ich die niederen Instikte aus mir eliminieren, sie von mir weisen, sie jemand anders in die Schuhe schieben oder unterjubeln. Aber das klappt nicht. Die niederen Instikt haften unreschüttelich schlummernd in ihren Nischen. Aber wehe dem, der sie weckt!!!!!
"Ich fühle mich eingeengt, ich fühle mich bedrängt. Seit mir der neue Kollege an meine Seite gesetzt wurde, grollt es in mir. Wir unterhalten uns mit einem freundlichen Umgangston. Wir begrüßen uns wie enge Freunde, lieblich und umarmend.
Umarmend? Oh, nein, ich werde umarmt und halte für die Zeit meine Arme gekreuzt vor die Brust. Die Arme schützen mich vor einen Einbruch in mein Herz.
"Was will der Mann von mir?" schreit es in mir. "Er will dich nur ganz nett und freundlich begrüßen", antwortet mein Verstand unmißverständlich. Er kann nichts anderes erkennen. "Aber es klebt etwas an seiner umarmenden Begrüßung" antwortet mein Gefühl widerspenstig. "Was du dir nur einbildest"antwortet wieder mein nüchtener Verstand und macht meinem Gefühl ein schlechtes Gewissen.
Und doch läßt mein Herz die begrüßende Umarmung nur mit einem schweren Schutzschild grollend über sich ergehen. Aber schon nach wenigen Sekunden der an die Brust drückenden Umarmung erwacht mein Groll, der sich nicht mehr zur Ruhe legen will. Wo kommt der den her? Wo will er hin?

Mein neuer Kollege sucht meinen Blickkontakt und lächelt mich mit Charm an. Ich kann ihn grade mal nicht in die Augen sehen, bin mit meinem zuckenden Groll beschäftigt. Aber als freundlichen Mensch antworte ich mit einem durch die Zähne gequetschtem Lächeln und der Groll wächst von einem Baby zu einem Kleinkind heran, er braucht jetzt schon mehr Platz, als vor dem Lächeln.
Was will der Groll? Wo will er hin? Noch kann ich ihn wie ein Kleinkind unter Kontrolle halten. So klemme ich ihn mir unter den Arme und stecke ihn in seine Nische wieder zurück. Mit einem Erziehungsfinger lege ich ihn nahe, sich nicht mehr von der Stelle zu rühren.
Mein neuer Kollege und ich, wir sind mehrmals die Woche auf einer längeren Autotour. Er und ich, in ein viel zu kleines Auto eingequetscht rasend über die Autobahn. Die Zeit ist lang, wir unterhalten uns harmlos über Gott und die Welt. Seine Hände am Lenkrad, sein Blick auf der Straße, kein Blickkontakt, keine herzlichen Begrüßungsumarmungen, ich entspanne mich.
Das Gott-und-die-Welt-Gespäch ist durchwoben von klebrigen Komplimenten. Ich habe Mühe, den Leim nicht auf meinen Leib zu lassen und händeringend schiebe ich jeden Leimbatzen scheinheilg bescheiden wieder zurück.
Der Leim erweckt meinen Groll aus seinem Kinderschlaf und holt ihn ungebremst aus seinem Traumland zurück. Noch verschlafen aber ungeleimt wächst er hochtourig und entwickelt sich zu einem tollkühnen Burschen im besten Flegelalter. Das Geschiebe von den Leimbatzen geht ihm auf die Nerven und er rebelliert, will dem Gegenüber eins auf die Nuß geben.
"Das erlaube ich dir nicht!!" weise ich meinen Groll in die Schranken. Er ist nur noch schwer zu bändigen. Ich lasse ihn Atemübungen machen, atme ein paar mal tief durch. "Das war eine klare Drohung" gestehe ich mir ein, bin mir nicht mehr sicher, wie lange ich meinen Groll noch unter Kontrolle halten kann. Jungs im Flegelalter schießen gern mal über die Strenge und ich versuche tolerant zu meinem flegeligen Groll zu sein. "Die Tagestour ist ja bald beendet" beruhige ich ihn. Mit den Worten "Wir sind ja schon auf der Heimfahrt" buxiere ich ihn wieder in seine Nische zurück, aus der schon inzwischen schon längst herausgewachsen ist. So stopfe ich noch etwas nach und ersehne die Ankunft.
Die Reise ist für heut beendet.. Der Wagen fährt vor meine Haustür. Ich sollte mich toll fühlen. Mein neuer Kollege fährt mich vor die Tür. Ich steige aus, mein Kollege auch. Strahlend kommt auf meine Seite und verabschiedet sich, wie er mich begrüßt hat. Strahlend, herzlich und umarmend. Mein Schutzschild fährt sogleich in die Höhe und der Groll ebenfalls. Seine Gereitztheit ist kaum noch zu bändigen und er wächst in wenigen Sekunden zu einem kräftig ausgewachsenen Mann heran. In dieser Größe werde ich ihn kaum noch in die Nische zurückschieben können.
Dann werde ich aus der klebrigen Umarmung gelassen. Ich kann endlich durchatmen. Befreit laufe ich zu meiner Haustür und veraschiede mich mit einemfreundlichen Blick von meinem neuen Kollgen undschon bin ich im Hausflur verschwunden.
So, der Tag heut wäre geschafft. An morgen mag ich noch nicht denken und tauche ab und falle in meine Sessel, ich entspanne mich. Kurze Zeit später klingelt das Telefon. Mein Kollege, er will noch eine Nachlese des Tages machen. Das ärgert meinen Groll, der sich jetzt schon ungehindert in meiner Wohnung bewegen kann. Ungeduldig setzt er sich neben mir auf die Sessellehne und tippt mir mit seine Fingern auf die Schulter. "Lege endlich den Hörer auf" befiehlt er mir. "Der will dich nur einseifen und dich seine Komplimente einwickeln" "Jaaaa" anworte ich meinem Groll und versuche das Gespräch freundlich zu beenden.
Aber mein neuer Kollege ist ein erfahrener Vertreibler und glaubt, solange er redet hat er die Situation in der Hand. Er irrt. Mein Groll hat sie in der Hand und der schwill weiter an. Schon aufgeplustert wie ein Kraftprotz bewegt er sich schwerfällig durch meine Wohnung. An ein versteciken in eine Nische ist gar nicht mehr zu denken. Nur schwere Kerkerketten können meinen Groll noch zügeln.
Der Kollege verabschiedet sich, wünscht mir eine gute Nacht "Bis morgen dann" endet er. "Ja, bis morgen" antworte ich und weiß nicht, wie in den nächten Tag über die Runden bekommen soll. Mein zur Übergröße herangewachsene Groll läßt mich jetzt nicht mehr aus seinen Augen und begleiet mich wie ein Schatten.
Er folgt mir ins Bad und ins Bett. Er kriecht sogar zu mir unter die Bettdecke und macht sich breit. Ich habe kaum noch Platz und kann die Nacht nicht schlafen. Das Engegefühl des Tages hat jetzt auch die Nacht erfaßt und treibt mir die Alpträume in die Stirn.
Es klingelt. Mein Wecker reißt mich aus dem grade begonnenen Schlaf. Die Enge unter meiner Bettdecke hat mir die Nacht zum Tag gemacht. Erst in den frühen Morgenstunden schlief ich vor Erschöpfung. Der Groll quälte mich in der Nacht und überwucherte mein Bett. Ich öffne die Augen und sehe gleich die Bescherung. Der Groll ist in der Nacht zu einer ausgewachsenen Aggression mutiert. Ich kann das Monster nicht mehr regieren.
Er läuft tobend durch meine Wohnung und sucht nach einer geeigneten Keule. Wo er sie auch immer gefunden hat, ich habe keine Ahnung, aber plötzlich steht der mutierte Groll mit einem Baseballschläger vor mir.
Er ist fest entschlossen, es zu tun. Ich will ihn überreden und bitte ihn, sich wieder zurückzuziehen. Aber wohin? "Bin ich Aladin aus der Wunderlampe" fragt er mich. "Das wäre schön, dann könnte ich dich wieder in die Flasche verschwinden lassen, aus der du gekommen bist" antworte ich niedergeschlagen und habe keine Ahnung, wo ich mit dem Monster jetzt hin soll.
In wenigen Minuten wird es an meiner Haustür klingeln und dann geht es wieder auf die Autobahn. Das Monster paßt auf keinen Fall in das Auto. Nicht einmal in Kofferaum würde es Platz finden. Ich stehe kurz vor einer Panik. Aber ich hoffe, kurz vor dem Eintreffen meines Kollegen, eine Lösung für das Monster zu finden. In einen Schrank? Meine Schränke sind zu klein und außerdem nur eine Panzertür hätte mein Monster die Tür nicht öffnen können.
Ich bin am Ende, da klingelt es an meiner Wohnungstür. Jetzt gibt es kein zurück und in der Hoffnung, dass sich mein Monster wie ein Flaschengeist in Nebel aufgelöst hat, öffne ich die Tür. Mein Kollege betritt die Wohnung und ich bin erleichtert. Mein Monster bleibt ganz friedlich. Es steht in der Ecke mit einem Baseballschläger in der Hand und sieht ganz gelassen zu.
Mit einem strahlenden Lächeln werde ich von meinem Kollegen begrüßt und dann weitet er seine Arme aus und schon umschlingen sie mich. Mein Monster hebt ebenfalls die Arme und schlägt zu. Ohne ein Wimpernzucken zieht er meinem Kollegen eins über die Birne und er sackt vor mir auf die Knie. Sein lächeln verschwindet unter seinem Schmerzschrei.
Vielleicht hätte ich ihn warnen sollen, hätte ihn sagen sollen, das sich seit der letzten Nacht ein gefährliches Monster nicht mehr von meiner Seite weicht.........
Tornado
Ausnahmen bestimmen nicht die Regel und fallen daher aus dem alltäglichen Rahmen. Sie prägen sich ein, wenn sie so weit unter die Haut gehen, dass sie dabei sogar das Gemüt erfassen.
Ein Ausnahmezustand bringt das Gemüt in eine Rotationsbewegung eines Tornados, in dessen Kern sich eine unheimliche Stille erleben läßt.
Der Sturm in der Ruhe läßt sich nur erahnen. Erahnen läßt sich auch nur die Bewegung, die dann in kürzester Zeit ins Leben kommt, die das normal Maß übersteigt.
Das was ich vor dem Ausbruch als informations- und gedankenlose Ruhe wahr nahm, wechselte nach dem Ausbruck des Sturms in ein Überangebot an Emotionen.
So löste manchmal tornadoartige Gemütsbewegungen ein einziger Satz aus. Wie ein Windrad brachte er Bewegung ins Leben und ins Gemüt. Überschlagende Gedanken, die sich wie hohe Wellen auftürmten und mich zu überschwemmen drohten:
"Der zurückliegende Stress der letzten Monate höhlte mich wie Parasiten einen jungen aufstrebenden Baum aus. Äußerlich war ich die Selbe, innerlich jedoch nur eine weiche wattige Masse, die nur noch dazu taugte, die hohle rauhe Schale auszufüllen, damit sie bei dem leisesten Windzug nicht umfiel.

Die Parasiten, sie fraßen und fraßen sich durch meine Haut in mein Gemüt, das vor dem Stress noch die kindliche Naiviät eines Dorfkindes besaß.
Die Überempfidlichkeit, die ich durch ihren Verlust besaß, belastete mich. Sie lies jeden leisen Satz der anderen zu einem Brüller werden.
Das war die Zeit, als ich schmerzvoll lernen mußte, das nicht jeder Mensch, der nett zu mir war, auch ein netter Mensch ist. In einer Krisensituation nahmen einige von ihnen ihre Masken ab und präsentierten mir gnadenlos ihr wahres Gesicht. Sie verwandelten sich vor meinen Augen zu hemmungslosen Raubtieren, die sich auf angeschlagenes Wild warfen, es auseinanderrissen und das, weil es ihnen Genuß versprach.
Das war die Zeit, in der ich ein Katzenmiauen von einem Löwengebrüll nicht mehr unterscheiden konnte. Die Überempfindlichkeit der freigelegten Nerven hatten meine Unterscheidungsfähigkeit zu einem Wrack gemacht. Sie war unfähig, Gut und Böse auseinander zu halten.
Zu Tode erschrocken versteckte ich mit hinter meine äußere Schale und verschanzte mich dahinter wie in eine schützende Höhle. Aber auch sie hatte gelitten und war fast zerstört. Der Gemütstornado hatte nur noch eine haltlose breiige Masse zurückgelassen. Sie nur war noch als Füllung für die rauhe Schale zu gebrauchen.
Das war die Zeit, in der ich der Welt abschwor, der ich mich vor dem Tornado mit einer kindlichen Neugier zuwandte. Ich schwor der Welt ab, um mich zu verstecken und den Rest meines Lebens hinter der rauhen Schale zu verbringen, das wattige weiche Innenleben wieder zu sanieren und zu einer wohnlichen Höhle umzugestalten.
Es war die Zeit, in der ich die feste Absicht hatte, jeden Kontakt mit der Außenwelt zu meiden, da nahm ich ein Telefongespräch, das für mich war, entgegen.
"Ja, hallo?". Eine fremde Stimme, ein freundliche Männerstimme. Sie gibt mir das Gefühl, es klopft mir freundschaftlich jemand auf die Schulter.
"Bist du I... ?"´fragt die fremde Stimme. Die Stimme hatte etwas, was im Sicherheitraum meiner grade geschaffenen Höhle rote Lämpchen aufleuchten lies. Sie blinkten ausgeregt, sie warnten mich "Gefahr in Verzug".
"Ja, ich bin I..." während ich meinen Namen noch einmal bestätige, halte ich meinen Blick auf die Lämpchen, die weiter heftig blinken. Unruhig springen sie von der Stufe "Vorsicht" bis zu "Alarm".
Die fremde Stimme hatte nicht grade das, was man sich unter einer angenehmen Stimme vorstellt. Nichts von einer warmen weichen Stimme, wie das wärmende Feuer eines Kaminofens.

Nein, seine Stimme war hell und schrill, wie eine Trompete. Die Stimme hatte etwas, das mich an die Hand nahm. Mit seiner Stimme schwang etwas mit, was mich an mein beschütztes zu Hause erinnerte.
Die fremde Stimme gehörte einen zukünftigen Mitarbeiter, der mit mir noch ein paar organisatorische Fragen vor meiner Arbeitsaufnahme klären wollte. Brav antworte ich auf alle gestellten Fragen, sie Sicherheitslampen springen wie wild die Skala der Warnstufen weiter nach oben.
Der Hörer brennt mir fast in der Hand. Mit den Worten "Nicht schon wieder" lege ich den Hörer auf die Gabel."
Die Stimme, sie muß einen Weg in mein Inneres gefunden haben der außerhalb meiner Kontrolle lag.
"Der Welt entsagen" mein fester Vorsatz.
Jetzt kam der Eindringling über mein Ohr mit seiner Stimme in meine selbstgebaute Festung und verschwand in einem Schlupfwinkel, wie eine Maus , auf Nimmerwiedersehen.
Der Boden schwankte unter meinen Füßen. Die Welt lies sich mit meiner Entsagung nicht so leicht abschütteln, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Der Eindringling verursachte mir Bauchschmerzen. Im Bauch, dort wo sich die Vorahnungen sammeln, dort, wo die Aufregung kribbelt, dort, wo sich die Falter ausbreiten, wenn das Fenster zur Sonnenseite zu weit geöffnet wird. Dabei hatte ich das Fenster zur Sonnenseite fest verschlossen und mit einem Riegel versehen.
Ich war hin und her gerissen, zwischen meinen Vorsätzen und meinen Drang, meinen Vorsatz zu brechen. Ich ging ich ihm aus dem Weg, so oft ich konnte. Ich suchte seine Nähe, so oft ich konnte. In der Freizeit war ich damit beschäftigt, die Mauer, die ich um mich gezogen hatte, zu prüfen. Akribisch genau suchte ich sie nach verdächtigen Rissen ab und flickte sie bei Bedarf.
Dann, irgend wann und wie aus der Pistole geschossen, kam von ihn der Satz: "Dich heirate ich".
Ich sah ihn mit großen Augen an, die Mauer brachen, ein noch nie dagewesener Tornado pfiff mir um die Ohren. Ich bewegte mich wie auf einem Schiff, dass bei Sturm auf hoher See war. Meine Beine stelzten durch die Luft, weil der Boden unter meinen Füßen grade im Wellental war.

Ich sah ihn mit meinen großen Augen an und verlies wortlos den Raum in dem er die Worte sprach. Ich zog mich zurück, in meine Höhle, in der ich für Jahre keinen Frieden fand. Der Tornade rüttelte an den Fensterläden und den Gemäuern. Ích ging abends mit Sturmgetöse ins Bett und wachte am Morgen damit wieder auf..
Vertreibung
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Es ist passiert ! Die Langweile ist über mich hereingebrochen. Schon seit Wochen hing sie wie schwere Wolken über meinem Kopf und es war nur eine Frage der Zeit, wann sich über mich absenken wird. Diese düstere Wolke läßt sich weder abschüttleln noch ausweichen, ich muß durch sie hindurch Sie haftet sich über dem Kopf und folgt mir so wie mein Schatten. Mein Blick schaut auf schon 1000 mal Gesehenes, meine Ohren hören Wiederholungen zum 1000 sten mal. Die Wolke ist weit und Neues ist nicht in Sicht. Die Langeweile ist ein Gewässer, auf dem es weder frischen Wind noch Wellengang gibt. Die Wellen plätschern gleichförmig am Ohr vorbei und ermüden den Geist bis zur Schläfigkeit. So weit das Auge reicht, nur kleine winzige Wellen ohne wirkliche Bewegungen. Die Sonne hat sich hinter der Wolke verkrochen und läßt den Horizont so grau wie das Wasser erscheinen. Kein Übergäáng, kein Kontrast, kein Reiz, nur die Wiederholungen der Wiederholungen. Das Leben kopiert sich dabei von selbst und vervielfältig sich so auf diese simple Weise. Eifrig produziert es von Tag zu Tag ein Einerlei , das wie feiner Staub unter den Beinen festsetzt. Täglich, stündlich, ohne Unterbrechung und ohne Unterscheidungsmerkmale. Täglich eine neue Lage, täglich eine neue Schicht, eine Schicht trägt sich auf die andere auf und läßt so die unsichtbaren Klötze an den Beinen wachsen. Die Langweile ist über mich hergefallen und zerfetzt genüßlich den Tag in Sinnlosigkeiten. Mit dem ersten Augenaufschlag beginnt sie ihr SinnlosWerk und hält mich damit schon unter der Decke fest. Wer geht schon freudig in den Tag, wenn das programmatische Einerlei wie ein Uhrwerk abläuft. Tick - Tack - Tick - Tack - Tick - Tack - immer der selbe Rhythmus, immer der selbe Takt, ohne Dynamik und ohne Spannung. Einzig das Kopiergerät, es läd sich auf, schnurrt und kopiert den heutigen Tag von der Vorlage von gestern und der heutige Tag wird die Vorlage für morgen sein. Tick - Tack - Tick - Tack - Tick - Tack - ohne Unterbrechung zieht das Einerlei weiter durch den Tag und verlangt unerbittlich nach seinem Platz mit großem Raumanspruch. Das Einerlei ist unkreativ und langweilig, produziert Tage ohne Sonne, ohne Regen, ohne Wind. Das Einerleii, es schafft ein reizloses Klima, das das Gefühl ertauben läßt.... |
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