Alte Zeiten - neue Zeiten - die selben Zeiten

Im Vorflur zu den Büros der Sporthallenmitarbeiter hängt das Bild, was schon 45 Jahre alt ist. Es ist das bekannteste Bild aus der DDR Zeiten- Als ich es das erste mal an diesem Platz sah, fühlte ich mich noch mal in die alten Zeiten zurückversetzt.

Ich bin keine Kunstkennerin oder Möchtegern-Kunstkenner, doch dieses Bild prägte sich in mein Gedächnis tief ein. Und das nicht nur, weil wie es in der Schule eine Vorlage für eine Bildbeschreibung war, sondern weil das Bild auch etwas perfektes oder harmonsiches in sich eingebunden hat. Ich sehe auf dem Bild ohne Romantik eine Jungend, die scheinbar auf ewig dauert.

Bei Wikepedia findet man einen Eintrag zum Bild "Am Strand" und noch weitere intessante Informationen zum Bild.

 

"Der Maler stellte das Bild kurz nach seiner Entstehung auf einer Ausstellung des Berliner Künstlerverbandes aus, wo es bei Kritikern zunächst auf Ablehnung stieß." Zitat aus Wikepedia. Doch das Leben wollte es anders. Zumindest in meinem Kopf hat es sich für immer eingeprägt und es wurde später zum beliebtesten Bild gewählt.

Mit 3 Millionen Reproduktioen und als Vorlage für 12 Millionen Briefmarken trat das Bild dann seinen Siegeszug an.

Walter Womacka - der Maler dieses Bildes lebt heut noch und hatte seine letzte Austellung - so Wikepedia - 2006.


LaWe
 
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Traurig und 1000fach wahr

Traurig und 1000fach wahr
Das Wetter war konspirativ, grau und verregnet. Wie sollte es anders sein, wenn man auf den Friedhof geht.  Er hätte darauf bestimmt einen Spruch gewusste, aber er ist nun nicht mehr da.

Betäubt nahm ich die Nachricht von seiner Mutter auf.  Während ich auf Arbeit war, rief sie mich an. Das taten sie öfter. Mein Sohn ist sein Sohn und so gab es wegen des einzigen Enkelsohn hier und da immer etwas besprechen. Diesmal sagte sie mir mit ganz ruhiger Stimme. „Wir haben eine schlimme Nacht gehabt“ und ich nahm an, sie hätte wie schon so oft, unter einem starken Asthmaanfall gelitten. Ihre Nachricht wurde beendet mit den Worten „Er ist gestorben“. Gestorben?  Gestorben ?  was soll das. Er ist 41 Jahre und kann nicht sterben ! „Er ist gestorben“ es klang wie eine unrealistische Botschaft aus dem Jenseits. Sie war aber wahr.Dann stand ich das erste Mal vor seinem Grab. War es überhaupt ein Grab? Ich kenne nur die Dorfriedhöfe mit ihren großen Flächen, großen Grabsteinen und den vielen Koniferen. Aber was war das? Eine klitze kleine Fläche, ein Grabstein und darauf stand der Name des Vaters. Ein paar Osterglocken standen in der Vase und ich tat meine Rose dazu. Rosen, die er mir früher schenkte, jetzt bringe ich sie ihm wieder zurück. Wie konnte ein Mann wie er in dieses kleine Loch passen? Er war doch fast 1.90 groß. Mit dem Erstaunen kam dann meine Wut hoch, eine unvorstellbare Wut. Wo war meine pflichtgemäße Trauer? Ich spürte nur die Wut über seinen sinnlosen Tot.

„ Der Kampf gegen eine Übermacht

O.,  O.,  O.  warum nur. Du hast nicht auf mich gehört. Niemand hat auf mich gehört. Dein Alkoholismus, er war schon lebensbedrohlich geworden und nicht nur für dich. Delirien gab es schon, ich habe einige miterlebt. Die Angst, die ich damals hatte, war unterdrückte Panik. Du solltest zum Arzt gehen, aber es war nur ein psychologisches Gespräch die Woche auf dem Plan. Mehr nicht, ich wusste es, es war zu wenig. Aber niemand glaubte mir. Am wenigsten du selbst. Mit feindlichen Augen hast du mich angesehen, wenn ich dich nach deinem Alkoholkonsum fragte. Nun bist du nicht mehr, das hast du davon....nein, so kann ich nicht denken, aber ich war zu anderen Gedanken nicht in der Lage. Zu stark war noch die innere Abwehr, über diese Tatsache, das du dort liegen solltest. Ich stand vor deinem Grab, verloren auf dem großen Friedhof. Verloren deshalb, weil wir beide verloren hatten. Wir hatten 3 Jahre zuvor gekämpft, wir wollten ihn gemeinsam besiegen, den Alkohol. Wir kannten nicht die Kraft und die Wucht, die dahinter steckt. Der Sog war so groß, zu übermächtig der Druck. Ohne ärztlich Hilfe  konnten wir ihn nie besiegen konnten. Und genau das wolltest du nicht. Du wolltest keinen Arzt. Nein, es war bisher zwar der größte und wichtigste Schritt getan „ich bin Alkoholiker“ sich dies einzugestehen, aber der Schritt allein reichte nicht mehr aus. Ich stand hilfloser denn je dem gegenüber: Die Anfälle durch die Rückfälle nahmen zu. Ich hatte sogar Todesangst, denn ich wusste nicht, ob er im volltrunkenen Zustand noch bei Bewusstsein war, oder er schon in die Schattenwelt des Deliriums hinüber glitt. In solchen Fällen suchte er immer alle dunklen Stellen ab, weil er glaubte, der Tot hätte sich da versteckt. Das er ihm tatsächlich schon so nahe im Nacken stand, ahnte niemand von uns. Obwohl ich meiner Tochter kurz vorher sagte „wenn Er so weiter säuft, dann ist er bald tot“ glaubte ich selber nicht daran.

Die Trennung

Die Situation  immer unerträglicher und ich bekam nun schon Angst von ihm. Der gutmütigste Mensch, den ich kannte, bekam nun schon mal ab und zu bösartige Züge. Ich befürchtete ein Drama. Das Delirium suggerierte ihm lebensbedrohliche Erscheinungen, zu schnell konnte sich in seinem Bewusstsein, stark durch Alkohol getrübt, mein Erscheinungsbild in eine für ihn wahrgenommene Lebensbedrohung darstellen. Er wehrt sich gegenfiktive Monster  und erkennt nicht, dass er dabei mich angreift. Am letzten Tag, an dem ich ihn in meiner Wohnung sah, war er kurz vor der Volltrunkenheit, der Körper in kürzester Zeit voll Alkohol gepumpt. Er musste dies tun, ich hätte ihm die Flasche sonst weggenommen. Das musste er vermeiden, und so trank er schätzungsweise eine ganze Flasche sehr in 20 Minuten. Das bedrohliche Delirium war zu erwarten. Ich verließ so schnell wie möglich meine Wohnung, um nicht zu sagen, ich geflüchtete. Im letzten Moment sah ich seine Schlüssel am Schlüsselbrett und nahm sie mit. Er war lahm gelegt. Er konnte die Wohnung nicht mehr verlassen, ohne  sich selber auszusperren. Das Telefon konnte ich Gott sei dank nächsten Tag von einer Bekannten bei der Telekom abschalten lassen. Er konnte selber nicht mehr anrufen, sondern nur noch angerufen werden. Ich behandelte ihn wie einen Verbrecher, das tat mir weh.. Aber es sollte noch schlimmer kommen. Nach einer Woche musste er zwangsläufig die Wohnung räumen, denn es gab nichts mehr zu essen und was noch schlimmer für ihn war, nichts mehr zu trinken. Geld besaß er, so weit ich weiß, keins mehr. Eines Tages verließ er meine Wohnung und ich konnte mich mit meinem und seinem Sohn hier zurückziehen. Eines abends war ein schauriges Klopfen an meiner Tür. Ganz leise und unheimlich.  Dieses Klopfen erinnerte mich an frühere Berührungen. Wenn er wie eine verlorene Seele von seiner Arbeit kam, er arbeitet als Selbstständiger auf dem Markt. Ich öffnete die Tür und lies ihn herein. Schon an der Tür spürte ich die Aura, von der er umgeben war. Wie durch Wand sah ich ihn. Er versuchte mich zu streicheln. Wie von einer Tarantel gestochen sprang ich aus seiner Reichweite. Vor meinem inneren Auge sah ich gespenstisch, wie eine Hand im Moor zu sehen ist. Diese von Moorschlamm beschmutzte Hand will mich berühren, sich an mir festhalten, sie wird mich aber in die Tiefe ziehen. Die Person, die an der Hand hängt, ist schon zu tief drin. Ich fühle mich schaurig  und werde bissig.  Nur über diese Bissigkeit gelingt es mir, ihn aus meiner Wohnung zu bekommen. Ging er dann, fühlte ich mich erst erleichtert, danach fühle ich mich äußerst schlecht und ein schlechte Gewissen stellte sich anschließend ein. Auch an diesem Abend wusste ich, an der Art und Weise, wie es klopfte, es war Er. Die Hand aus dem Moor. Ich konnte und wollte ihn nicht mehr hereinlassen. Ich hatte furchtbare Angst, denn ich wusste nicht, wie tief er diesmal im Moor versunken war. Das Klopfen lies nicht nach, wenn ich nicht unternehme, dauert es die ganze Nacht. Sein Sohn schlief zwar noch, aber außer meine Angst wollte ich auf jeden Fall eine traurige Szene  ersparen, die er dann miterlebt hätte.  Also nahm ich meinen Mut zusammen, ich rief die Polizei. Die erschienen auch bald. Als Er die Polizei kommen sah, verzog er sich wie ein Hund. Ja, es ist der richtige Ausdruck. Wie ein räudiger Hund. Mir tat das entsetzlich weh, ihn so zu sehen. Wie schäbig kam ich mir vor. Was hat der Alkohol aus uns, aus mir und nun auch aus ihm gemacht.. Aber ich durfte kein Mitleid haben und kein Wort mehr mit ihm reden. Die Gespräche gaben ihm immer wieder neuen Zugang zu mir. Über diesen Kanal wäre er vielleicht in der Lage gewesen, mich um zu stimmen. Diesen Kanal durfte ich ihm auf keinen Fall zur Verfügung stellen. Ich sperrte ihn für immer. Deshalb konnte er nicht wissen, warum ich ihn konsequent mied. Auch wenn er im nüchternden Zustand gewesen wäre, ich hätte in einem schwachen Moment nachgegeben und ihn wieder in meine Wohnung gelassen. Eine eigene hatte er nicht mehr. Er lebte bei seiner Mutter, zu der er wie ein gestraucheltes Kind  nach fast vierzig Jahren wie in die Kinderzeit zurück fiel. Sah er mich mal in der Stadt oder Straßenbahn, dann kam er gleich zu mir, er wollte mit mir reden. Ich blockte konsequent den Zugang zu mir ab. Auf meine Frage nach dem Alkohol sah er mich feindselig an, ich wusste, es hat sich nichts getan. Sein Kopf hat die Krankheit Alkoholismus noch nicht angenommen.  Bei der nächsten Gelegenheit stieg ich aus der Bahn. Mit einem unendlich traurigen Hundeblick sah er mir nach, als sich unserer ein letztes mal trafen, ging mir das durch  Mark und Bein. Diesen hilflos traurig blickenden Hundblick konnte ich auf Stunden nicht los werden. Er hatte versucht, mich zu erweichen. Er wollte  mein Mitleid und ich durfte es ihm nicht geben. Bekam er mein Mitleid, dann hätte der Katzenjammer wieder von vorne angefangen. Meine ganze Kraft brachte ich auf,  um dem Wunsch ihm  aus Mitleid nicht nachzugeben und wir wieder mit ihm so wie früher zu sprechen. Unsere Gespräche waren früher immer voller Geist. Niemand kannte mich so gut wie er, niemand wusste so gut mit mir umzugehen wie er. Das änderte sich, je mehr der Alkohol Besitz von ihm nahm. Wenn Er nüchtern war, dann war der dieser Druck besonders groß, ihm nachzugeben. Zu gern hätte ich die alten Zeiten wieder gehabt Aber ich wusste, er trug unseren Feind einer gesunden Beziehung in sich herum und er behütete ihn wie seinen Augapfel.Niemand sollte ihn sein liebstes nehmen, auch ich nicht. Niemand duldete er zwischen sich und seinem Glücksbringer, man könnte es als eine heiß geliebte Geliebte bezeichnen, dem Alkohol. Meine Unnachgiebigkeit sollte ihn aufwache und ihn zur Vernunft kommen lassen, sich sozusagen „trockenlegen“ Bis zu seinem Tod bekam er keinen Zugang mehr zu mir.. Er ist gestorben, ohne zu wissen, warum ich dies tat. Jetzt ist es zu spät, jetzt kann ich es ihm nicht mal mehr wissen lassen. Auch das hat uns der Alkohol genommen, eine menschenwürdige Verabschiedung. Wir konnten nicht mehr miteinander reden und er starb ohne ein freundliches Wort von mirEtwas gab mir Trost. Als ich vor dem Grab stand, es war eine unbeschreibliche Ruhe. Eine Ruhe, die auf Friedhöfen zwar üblich ist, aber diese Ruhe war noch etwas anders. Er hatte wieder seinen Frieden gefunden. In seinen letzten Jahren wurde er immer mehr von Alkohol gehetzt  und endlich war die Hetzjagd für ihn vorbei. Und es gab noch einen weiteren Grund. Er konnte ohne seinen Vater nicht leben und nicht streben. Also wurde er im Leben immer mehr zum Zombie, für mich ein lebender Toter. Die Worte die er im Suff sagte „Ich muß die Mission meines Vaters erfüllen“, bestätigte er im nüchternden Zustand. Sein Vater verstarb an derselben Krankheit. Was auch immer damit gemeint war, er klärte mich darüber nie auf, sondern nickte bei vieler meiner Nachfragen geheimnisvoll. Ich wusste es jetzt, er hatte diese Mission erfüllt, er war zu seinem in Leben vermissten Vater zurückgekehrt. Beide haben sie jetzt ihren Frieden gefunden. Schlimm ist diese Tragik „nur“ für die Hinterbliebenen. Seine Mutter, sein Bruder und Sein Sohn.  Sie müssen jetzt damit leben, dass sie keinen Sohn, keinen Bruder und keinen Vater mehr haben. Ach warum nur, dein sinnloser Tot. Was hättest du noch alles mit deinem Sohn anstellen können. Wie viele seiner Fragen an seinen Vater  werden für ihn nun unbeantwortet bleiben. Wo soll er sich die so wichtigen Tipps wegen der Mädles holen über die ihr euch schon unterhalten habt. Alles was du konntest wolltest du  einmal deinem Sohn beibringen. Nun ist daraus nichts mehr geworden.Das Glück aus der Flasche wird immer mit den höchsten Preis bezahlt, mit dem absoluten Verlust des Lebens. Der Schnaps lässt sich mit barem Leben bezahlen und verspricht dafür das  Glück. Jetzt liegt er nun hier, in der eisigen Kälte, seine Träume und sein Körper nicht größer eine Handvoll Staub. geworden. Sein großer kräftiger Körper, mit der dichten Körperbehaarung außer ein paar unbewegliche Bilder gibt es nichts mehr von ihm.. alles zu Staub und Asche.....
 
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