Brief an einen Freund - Gefühle zeigen _
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Hallo S.,
heut endlich habe ich die Zeit, auf deine Mail zu antworten. Du hast dir sehr viel Mühe gegeben, sie gut durchdacht und logisch aufgebaut. Ich erkenne, du hast den Gedanken begonnen, entwickelt um dann weiter in die Tiefe zu gehen, ohne dabei den Boden unter den Füßen zu verlieren. Was bei den Themen wie Glück, Langeweile und Emotionen schnell passieren kann. Alles Dinge die man nicht sehen kann und die ausschließlich der eigenen Wahrnehmung zu Grunde liegen. Diese Wahrnehmung, die dann diese Emotionen wie auch andere zu interpretieren versteht, richtig zu interpretieren, richtig kanalisieren und um sie dann die richtigen Bahnen lenken soll. In der Tat, ich bin ein sehr gefühlsbetoner Mensch, der in Folge der Wahrnehmung dann aber sehr rational handeln kann. Das heißt meine Wahrnehmung erfolgt immer erst auf der emotionalen Ebene (d.h. rational kann ich in dem Fall nicht eins und eins zusammenzählen) und meine Reaktionen werden darauf rational sein, die wieder bei anderen starke Emotionen auslösen. Also empfinde ich Unbehagen, wie Ängste, Furcht, Unwohlsein u.ä. oder Behagliches wie Freude und Glück, dann lösen sich in mir immer erst mit der unterschiedlichsten Stärke Erschütterungen aus. Eine Weile halte ich einem Gefühl stand, mein Verstand hält ihn derweil unter Kontrolle, aber dann komme ich um den „Durchbruch“ der Emotionen nicht herum. Das hat so manchen in Verwirrungen gebracht, weil ich nach außen hin ruhig und rational wirke. Nur über der Gefühlsebene nehme ich wahr, wenn mich jemand bedrängt oder unter Druck setzten will, ohne es sozusagen beim „Namen“ zu nennen. Ich habe auch schon versucht, die Gefühlsebene etwas herunter zu fahren, aber es gelingt mir nicht. In der Regel lande ich dann in einen Konflikt, der mich zu zerbrechen droht. Also, meine Emotionen verlangen von mir, ihnen Rechnung zu tragen, sie dulden auch keine Kompromisse oder was noch schlimmer für sie ist, Täuschungen oder Selbsttäuschung. So kann bei mir von einem Mischtyp sicher nicht die Rede sein ;-). Gefühle wahrzunehmen und sie zu zeigen sind sicher auch zwei verschiedene Schuhe. Wenn sie wahrgenommen und zugeordnet werden können, dann ist schon ein sehr großer Schritt getan. Selbstwahrnehmung das ist oft schon das Problem sehr vieler. Die Selbstwahrnehmung ist so unterschiedlich bei jeden ausgeprägt, wie es Menschen gibt. Wie oft fällt es jemanden schwer, seine eigenen Schwächen einzugestehen, oder zu erkennen. Zu erkennen, dass seine Reaktion einen emotionalen Impuls wie der Eifersucht, des Neides oder der Enttäuschung erwachsen ist. So werden mitunter aus dieser Irritation heraus wie mit „Messer“ messerscharf argumentiert und zwingt den anderen in einer Verteidigungsposition. Dann ist oft die Basis für ein konstruktiver Gespräch nicht mehr möglich, er sei denn, es wird erkannt, aus welcher „Ecke“ der „Stich“ kam. Das heißt, in diesem Fall ist es auch eine Form von Gefühle zeigen, jedoch verdeckt oder verfälscht.
Es gibt auch Menschen, die lieben diese falschen Gefühle und können sich von ihnen nicht mehr trennen. Sie sind dann euphorisch, himmelhoch jauchzend oder tiefbetrübt. Das heißt, sie haben einen Katalog von Emotionen unter den Arm und holen dann das entsprechende Gefühl heraus, von dem sie glauben, das es verlangt und passend ist. Gefühle zeigen macht verletztbar und deshalb dosieren wir das Sichtbar machen. Insbesondere geht dabei um die empfindsamen Emotionen, wie Zuneigungen z.B. Das sind große Öffnungen zu unserer Seele und machen so so verletztbar. Mitunter ist es auch die Angst davor, sich lächerlich zu machen. Also hat Gefühle zeigen auch etwas mit Ängsten zu tun und kann so zur Vertauenssache gemacht, zum Selbstschutz, sozusagen. Wichtig ist dabei, nicht in eine Starre zu fallen, aus der man dann schließlich nur noch schwer herausfindet. Ich sehe sehr oft Unbeholfenheit, wenn Gefühle gezeigt werden und das verunsichert das Umfeld. Gefühle zeigen, was als Kind das normalste der Welt ist, kann auch verlernt werden, wie das laufen, wenn der Mensch an Bewegungsarmut leidet. Aber nur wer Gefühle zuläßt, sie zeigt, kann sie dann auch erleben. Entscheidungen fälle ich ebenfalls wie du. Ich gehe dann gedanklich immer einer große Zeit voraus und stelle mir dann die Frage, was ich von der Entscheidung gehalten habe, ob es mir später leid tun würde. Meine Schwester hat jetzt die lebensrettende Therapie überstanden, nun kommen aber andere Schwierigkeiten dazu, die ihr das Leben schwer machen.
So...das wäre es für heut wieder. Lasse dir Zeit mit der Antwort ;-). Wie hat die der Film "The last Samurai" gefallen? Die schwarzen Hosenröcke tragen wir auch beim Aikido. Einiges kam mir sehr bekannt vor an ihren Übungen.
Also dann bis zum nächsten mal
Gruß I. | |||
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