Das Geheimnis

 

Erst werden die Dinge auf den Weg gebracht und dann kommen sie ins rollen, um sich schließlich selbstständig und unaufhaltsam weiter zu bewegen. Wie in einem Perpetuum Mobile ist die Eigendynamik in ihre Schwungmasse zu finden, die sich über die selbstgeschöpftende Energie in Gang hält.

 

Ebenso wie das Perpetuum benötigen die Dinge nur einen einzigen Anschub von außen und ein filigraner Bewegungsmechanismus setzt sich in Gang. Die Konstruktion dafür ist ausgeklügelt und zweckbestimmt. Alles dient der Bewegung, die das Ziel der Energieschöpfung aus der Konstruktion verfolgt, diese wieder der Bewegung dient. Darüber hält sich die Zirkulation in sich geschlossen.

 

So bleibt die Energie das belebende Element der Dinge. Erst ist da der Gedanke, dann folgen Handlungen. Die gewonnene Energie wird wieder in den nächsten Gedanken eingespeist und in seiner Folge werden sich wieder neue Handlungen anschließen.

 

Die Konstruktion - ein Fantasiegebilde, ein großes Gebäude, ein Schloss?  Ja, ein Schloss mit unzähligen Räumen auf ober- und unterirdischen Etagen verteilt. Sie sind untereinander verbunden und erreichbar über Leitern, Treppen und lange Gänge. Auf den oberen Etagen sind in der Regel frei zugänglich und vom Tageslicht erhellt. Andere wieder sind im Untergrund in einem in sind verschlungenes 3-dimensinales Labyrinthgebilde zu finden. Nicht nur Raum und Zeit können sich im Labyrinth verlieren.

 

Die Bauzeichnungen sind unter Verschluss und die unterirdischen Kammern nur mit einer Geheimtinte eingezeichnet. Für den unwissenden Betrachter sind sie nur ein unbeschriebenes Blatt, doch für den Bauherren selbst sehr aufschlussreich. Nur er kennt das Geheimnis - nur er weis, wie die verborgenen unsichtbaren Zeichen sichtbar gemacht werden können -  nur er weiß, wie und was in den Kammern zu finden sind.  Denn nur nach seinem Geheiß wurden die Kammern in die unteren Etagen des Schlosses, die er für das Verfolgen seiner dunklen Gedanken benötigt, gebaut.

 

Was niemand sehen und erfahren darf, hier wird es versteckt gehalten. Jeder hat sein Geheimnis,  jeder hat sein kleines Mysterium und am leichtesten lassen sich Geheimnisse in die Tiefen der Dunkelheit versenken. Dafür lies sich der Herr ein Schloss errichten und einrichten nach seinen Vorstellungen, nach seinem Geschmack und wusste die unerkannten Räume nach der Fertigstellung geschickt zu verbergen. Die Türen wurden vermauert und mit Wandgehänge kaschiert. Die unteren Gänge verwandelten sich in harmlos erscheinende Galerien des Untergrundes. Die Galerie  wirkte abgestanden und zurückgestellt. Aber in einem blauen Kunstlicht der modernen Zeit erscheint jedes Kunstwerk wieder bizzar und erhaben.

 

Für den Tagmenschen sind die Bilder Rätsel, für den Nachtmenschen enträtseln sie  sich als schattenhaften Wesen, die leichtfüßig die nun scheinbar vermauerte Türen ungehindert durchdringen können und sie bewegen sich geisterhaft in den bis dahin versiegelten Gedankengängen.

Schwach Genervte  zuckten schon beim Betreten der Räume zusammen, doch die Türen, nur einseitig durchlässig, vermauern sich schon im Moment des Eintritts. Der Ängstliche erstarrt schon im Augenblick seines ersten Fluchtgedankens. Der Mutigen durchschreitet den Raum und geht den Weg  in die Unendlichkeit von Raum und Zeit.

 

Nur im Schutz der Dunkelheit werden die geheimen Räume betreten. Sie ist die sicherste Ummantelung für ein ungesehenes Durchstreifen der geheimen Gedankengänge. Der Herr des Schlosses überprüft  von Zeit zu Zeit den Zustand der Gänge und Räume. Kleine Erschütterungen des Tages können mitunter ein paar lose Steine aus dem Gemäuer lösen. Sie liegen dann als Geröll im Gang und behindern dann die nächtlichen Streifzüge.

 

Die Räume öffnen sich aber nur, wenn er sie mit einer besonderen Frau betritt.

Über seine Ausstrahlung als Schlossherr versendet er einen codierten Ruf an eine unbekannte Gleichgesinnte. So wartet er geduldig auf den Tag, bis die erlesene weibliche Person seinen Code empfängt, ihn entschlüsselt und sich auf dem Weg zu ihm macht.

 

In seiner Reichweite gekommen, empfängt sie seinen Ruf und nimmt sogleich eine nonverbale Kommunikation auf. Eine unsichtbare Anziehungskraft spannt einen Bogen zwischen ihren Polen. Die Spannung ist erzeugt und setzt den ersten Impuls für den überspringenden Funken. Das Licht des Funkens beleuchtet ihr den Weg und sie kann die ersten Schritte auf den gespannten Bogen wagen. Das andere Ende des Bogens taucht auf der gegenüberliegende Seite in das Schloss ein, in dem der Herr des Schlosses schon auf sie wartet. Ein unsichtbarer Navigator leitet sie weiter und schon bald schreitet sie ohne Rückblick durch den Torbogen und das Tor schließt sich sofort hinter ihrem Rücken. Alles geschieht automatisch, ist von langer Hand vorbereitet.

 

Mehr ängstlich als leise geht sie weiter hinein, in sein Reich des Geheimnisse. An der Eingangtür empfängt sie der Schlossherr überaus höflich und leitet sie weiter in sein Gebäude. Wieder fällt die Tür in ihrem Rücken ins Schloss und verriegelt sich gegen einen Rückzug. Die Empfangshalle ist hell erleuchtet und der Schlossherr steht in seinem blauen Licht, dass den Tageshimmel wiederspiegelt.

 

Seine Magie zieht sie in den Lichtkegel, der sie im selben Augenblick mit dem blauen Licht überflutet. 

Bisher keine Kommentare vorhanden.

Eintrag kommentieren

Hier klicken um sich zum Kommentieren einzuloggen




Graphical Security Code


Über mich
Von Wildfängen
und Windfängen
Mehr über mich
« Dezember 2008 »
  • Mo
  • Di
  • Mi
  • Do
  • Fr
  • Sa
  • So
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
  • 11
  • 12
  • 13
  • 14
  • 15
  • 16
  • 17
  • 18
  • 19
  • 20
  • 21
  • 22
  • 23
  • 24
  • 25
  • 26
  • 27
  • 28
  • 29
  • 30
  • 31
  • .
  • .
  • .
  • .

21Publish - Cooperative Publishing

guenstige buecher
Konzerttickets
Online Hotelbuchung
Notebook Schutzfolien