Infekt - der Anfang
Weil keiner so richtig Zeit hatte, sollte unser gemeinsame Abend nicht länger als 1- 2 Stunden dauern.
Mit einem versteckten Zähneknirschen nehme ich nun zur Kenntnis, meine Gäste machen noch einen munteren Eindruck und denken gar nicht an einen Aufbruch. Sie sind puppenlustig und in tiefen Gesprächen verwickelt.
Mit einer gut gespielt unterhaltsamen Mimik und einem verstohlenden Blick auf meine Uhr plaudere ich munter mit und warte doch ungeduldig auf ihren Aufbrauch.
Emma brachte heut - so nannte sie ihn - ihr Anhängsel mit.
Mark, ein Flirt aus vergangener Zeit. Der Flirt war heiß aber kurz. Der Kontakt zwischen ihnen aber brach nie ganz ab. Telefonieren oder gemeinsam Essen gehen, einfach so zum ausquatschen. Eine gute Freundschaft, das war was von ihrem heißen Flirt übrig blieb und das ist schon eine ganze Menge.
Ich hatte nichts dagegen, dass ein Mann sich zu unserer alten weiblichen Studienrunde dazu gesellte. Die Abwechslung in der kleinen Frauenrunde brachte vielleicht etwas frischen Wind in die Reihen. Die Gesprächsinhalte der letzten Wochen hatten eine steigende Tendenz zum Thema "Männer sind Schweine" angenommen.
Jeder meiner Freundinnen hatte eine gescheiterte Beziehung schon hinter sind und jede von ihnen schleppet eine Sack voller Enttäuschundklagen mit sich herum. So hörte das Lamentieren über die Männer an manchen Abenden nicht auf.
Wenn Männer von Frauen behaupten, sie seien viel zu kompliziert, dann wurden sie durch die Weibergespräche Lügen gestraft. Die Frauen verstanden die Männersprache ebenso wenig wie die Männer die Frauensprache verstanden.
Das Thema " verkorkste Beziehungskisten" beherrschte in den letzten Wochen unseren Geist und unsere Gespräche.
Heut war es anders. Die Gegenwart von Mark zwang uns zu Themenwechsel.
Die Mädels blühten ja richtig auf und kokketierten um Mark herum wie flatternde Hühnchen. So als hätten sie als Nonnen viele Jahre im Kloster verbracht, stürtzen sie sich auf den ersten besten Mann, der ihn unter die Augen kam.
Mark schlug sich wacker zwischen den Hühnern. Er begegnete jeder mit einem freundlichen Lächeln, mit einem freundlichen Blick. Höflich übersah er die unbeholfenen Gebaren der Mädels, wenn sie sich bei ihn einen guten Platz erobern wollten. Jeder Blick, den Mark ihnen schenkte, machte sie noch trunkener, als schon durch den Wein waren, der heut fast in Strömen floß wie die Gespräche.
Wo war ihr Männerfrust geblieben?
Mark hatte den Frust der Frauen mit wenigen Blicken weggeblasen.
Seine Augen waren die eines exotischen Falters.
In seinen Augen spiegelten sich viele dieser kleine bunten Falter wider, die wie wild zu flattern begannen, wenn man in sie hinein sah. Und wenn sich die Blick der Frauen mit seinen trafen, dann sprangen die Falter wie eine Infektion über und machten sich in ihrem Bäuchen breit.
Ich begrüße jeden Menschen mit einem festen Handgriff und einen festen Blick in seine Augen. Schon von der ersten Sekunde der Begegnung will Standhaftigkeit signalisieren. Deutliche Sprache - nichts kann mich ins Wanken bringen, niemand wird mich ins Wanken bringen.
Als Emma und Mark in meiner Tür standen, tat ich es ebenso. "Hallo Emma, ich freu mich, dass du doch noch gekommen bist" Stürmisch um den Hals fallend begrüßte ich Emma. "Naja, du hast ja gesagt, es stört nicht, wenn ein Mann in unserer Runde mal Platz nimmt" Emma wendet sich Mark mit einem Blick zu, so als würde sie ihn mir vorstellen " Mark wollte unseren Weiberclan sowieso mal kennenleren. Da habe ich mir gedacht, ich bringe ihn heut einfach mit"
Emma stellt uns auf die Schnelle formell vor "Mark, das ist Frieda" andeutunsgweise zeigen ihre Fingerspitzen zu mir Frieda - das ist Mark" flüchtig weisen ihre Fingerspitzen auf mich.Leicht hinter der Schulter von Emma versetzt trat Mark vor.
Souverän und Selbstgewußt wie immer reiche ich Mark meine Hand zur Begrüßung "Hallo Mark" ich lasse ihn meinen Handgriff spüren. Dann sah ebenso souverän mit meinen festen Blick in seine Falteraugen und fiel hinein, in die Tiefe, in die haltlose Leere.
"Hallo Frieda" hörte ich Mark schon aus der Ferne und löste mich erschrocken aus dem Fall und von Mark.
Mit einem heißen Schwindelgefühl im Kopf weise ich Emma und Mark in das Wohnzimmer, in dem die anderen schon fröhlich plaudernd sitzen...
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