Auswirkungen auf Einwirkungen
Reflektionen sind die Spiegelbilder des Geschehens aus der Umwelt. Facettenartig strahle ich wie ein Spiegel die Wirkungen der Einwirkungen auf mich an die Außenwelt wieder zurück. Die zahlreichen Facetten enthalten die Basis für den Spiegel.
Alles mögliche ist in mir vorhanden, nicht alles gleich stark ausgeprägt, anderes verschüttet oder gar verdrängt und in die Ecke geschoben. Am liebsten würde ich die niederen Instikte aus mir eliminieren, sie von mir weisen, sie jemand anders in die Schuhe schieben oder unterjubeln. Aber das klappt nicht. Die niederen Instikt haften unreschüttelich schlummernd in ihren Nischen. Aber wehe dem, der sie weckt!!!!!
"Ich fühle mich eingeengt, ich fühle mich bedrängt. Seit mir der neue Kollege an meine Seite gesetzt wurde, grollt es in mir. Wir unterhalten uns mit einem freundlichen Umgangston. Wir begrüßen uns wie enge Freunde, lieblich und umarmend.
Umarmend? Oh, nein, ich werde umarmt und halte für die Zeit meine Arme gekreuzt vor die Brust. Die Arme schützen mich vor einen Einbruch in mein Herz.
"Was will der Mann von mir?" schreit es in mir. "Er will dich nur ganz nett und freundlich begrüßen", antwortet mein Verstand unmißverständlich. Er kann nichts anderes erkennen. "Aber es klebt etwas an seiner umarmenden Begrüßung" antwortet mein Gefühl widerspenstig. "Was du dir nur einbildest"antwortet wieder mein nüchtener Verstand und macht meinem Gefühl ein schlechtes Gewissen.
Und doch läßt mein Herz die begrüßende Umarmung nur mit einem schweren Schutzschild grollend über sich ergehen. Aber schon nach wenigen Sekunden der an die Brust drückenden Umarmung erwacht mein Groll, der sich nicht mehr zur Ruhe legen will. Wo kommt der den her? Wo will er hin?

Mein neuer Kollege sucht meinen Blickkontakt und lächelt mich mit Charm an. Ich kann ihn grade mal nicht in die Augen sehen, bin mit meinem zuckenden Groll beschäftigt. Aber als freundlichen Mensch antworte ich mit einem durch die Zähne gequetschtem Lächeln und der Groll wächst von einem Baby zu einem Kleinkind heran, er braucht jetzt schon mehr Platz, als vor dem Lächeln.
Was will der Groll? Wo will er hin? Noch kann ich ihn wie ein Kleinkind unter Kontrolle halten. So klemme ich ihn mir unter den Arme und stecke ihn in seine Nische wieder zurück. Mit einem Erziehungsfinger lege ich ihn nahe, sich nicht mehr von der Stelle zu rühren.
Mein neuer Kollege und ich, wir sind mehrmals die Woche auf einer längeren Autotour. Er und ich, in ein viel zu kleines Auto eingequetscht rasend über die Autobahn. Die Zeit ist lang, wir unterhalten uns harmlos über Gott und die Welt. Seine Hände am Lenkrad, sein Blick auf der Straße, kein Blickkontakt, keine herzlichen Begrüßungsumarmungen, ich entspanne mich.
Das Gott-und-die-Welt-Gespäch ist durchwoben von klebrigen Komplimenten. Ich habe Mühe, den Leim nicht auf meinen Leib zu lassen und händeringend schiebe ich jeden Leimbatzen scheinheilg bescheiden wieder zurück.
Der Leim erweckt meinen Groll aus seinem Kinderschlaf und holt ihn ungebremst aus seinem Traumland zurück. Noch verschlafen aber ungeleimt wächst er hochtourig und entwickelt sich zu einem tollkühnen Burschen im besten Flegelalter. Das Geschiebe von den Leimbatzen geht ihm auf die Nerven und er rebelliert, will dem Gegenüber eins auf die Nuß geben.
"Das erlaube ich dir nicht!!" weise ich meinen Groll in die Schranken. Er ist nur noch schwer zu bändigen. Ich lasse ihn Atemübungen machen, atme ein paar mal tief durch. "Das war eine klare Drohung" gestehe ich mir ein, bin mir nicht mehr sicher, wie lange ich meinen Groll noch unter Kontrolle halten kann. Jungs im Flegelalter schießen gern mal über die Strenge und ich versuche tolerant zu meinem flegeligen Groll zu sein. "Die Tagestour ist ja bald beendet" beruhige ich ihn. Mit den Worten "Wir sind ja schon auf der Heimfahrt" buxiere ich ihn wieder in seine Nische zurück, aus der schon inzwischen schon längst herausgewachsen ist. So stopfe ich noch etwas nach und ersehne die Ankunft.
Die Reise ist für heut beendet.. Der Wagen fährt vor meine Haustür. Ich sollte mich toll fühlen. Mein neuer Kollege fährt mich vor die Tür. Ich steige aus, mein Kollege auch. Strahlend kommt auf meine Seite und verabschiedet sich, wie er mich begrüßt hat. Strahlend, herzlich und umarmend. Mein Schutzschild fährt sogleich in die Höhe und der Groll ebenfalls. Seine Gereitztheit ist kaum noch zu bändigen und er wächst in wenigen Sekunden zu einem kräftig ausgewachsenen Mann heran. In dieser Größe werde ich ihn kaum noch in die Nische zurückschieben können.
Dann werde ich aus der klebrigen Umarmung gelassen. Ich kann endlich durchatmen. Befreit laufe ich zu meiner Haustür und veraschiede mich mit einemfreundlichen Blick von meinem neuen Kollgen undschon bin ich im Hausflur verschwunden.
So, der Tag heut wäre geschafft. An morgen mag ich noch nicht denken und tauche ab und falle in meine Sessel, ich entspanne mich. Kurze Zeit später klingelt das Telefon. Mein Kollege, er will noch eine Nachlese des Tages machen. Das ärgert meinen Groll, der sich jetzt schon ungehindert in meiner Wohnung bewegen kann. Ungeduldig setzt er sich neben mir auf die Sessellehne und tippt mir mit seine Fingern auf die Schulter. "Lege endlich den Hörer auf" befiehlt er mir. "Der will dich nur einseifen und dich seine Komplimente einwickeln" "Jaaaa" anworte ich meinem Groll und versuche das Gespräch freundlich zu beenden.
Aber mein neuer Kollege ist ein erfahrener Vertreibler und glaubt, solange er redet hat er die Situation in der Hand. Er irrt. Mein Groll hat sie in der Hand und der schwill weiter an. Schon aufgeplustert wie ein Kraftprotz bewegt er sich schwerfällig durch meine Wohnung. An ein versteciken in eine Nische ist gar nicht mehr zu denken. Nur schwere Kerkerketten können meinen Groll noch zügeln.
Der Kollege verabschiedet sich, wünscht mir eine gute Nacht "Bis morgen dann" endet er. "Ja, bis morgen" antworte ich und weiß nicht, wie in den nächten Tag über die Runden bekommen soll. Mein zur Übergröße herangewachsene Groll läßt mich jetzt nicht mehr aus seinen Augen und begleiet mich wie ein Schatten.
Er folgt mir ins Bad und ins Bett. Er kriecht sogar zu mir unter die Bettdecke und macht sich breit. Ich habe kaum noch Platz und kann die Nacht nicht schlafen. Das Engegefühl des Tages hat jetzt auch die Nacht erfaßt und treibt mir die Alpträume in die Stirn.
Es klingelt. Mein Wecker reißt mich aus dem grade begonnenen Schlaf. Die Enge unter meiner Bettdecke hat mir die Nacht zum Tag gemacht. Erst in den frühen Morgenstunden schlief ich vor Erschöpfung. Der Groll quälte mich in der Nacht und überwucherte mein Bett. Ich öffne die Augen und sehe gleich die Bescherung. Der Groll ist in der Nacht zu einer ausgewachsenen Aggression mutiert. Ich kann das Monster nicht mehr regieren.
Er läuft tobend durch meine Wohnung und sucht nach einer geeigneten Keule. Wo er sie auch immer gefunden hat, ich habe keine Ahnung, aber plötzlich steht der mutierte Groll mit einem Baseballschläger vor mir.
Er ist fest entschlossen, es zu tun. Ich will ihn überreden und bitte ihn, sich wieder zurückzuziehen. Aber wohin? "Bin ich Aladin aus der Wunderlampe" fragt er mich. "Das wäre schön, dann könnte ich dich wieder in die Flasche verschwinden lassen, aus der du gekommen bist" antworte ich niedergeschlagen und habe keine Ahnung, wo ich mit dem Monster jetzt hin soll.
In wenigen Minuten wird es an meiner Haustür klingeln und dann geht es wieder auf die Autobahn. Das Monster paßt auf keinen Fall in das Auto. Nicht einmal in Kofferaum würde es Platz finden. Ich stehe kurz vor einer Panik. Aber ich hoffe, kurz vor dem Eintreffen meines Kollegen, eine Lösung für das Monster zu finden. In einen Schrank? Meine Schränke sind zu klein und außerdem nur eine Panzertür hätte mein Monster die Tür nicht öffnen können.
Ich bin am Ende, da klingelt es an meiner Wohnungstür. Jetzt gibt es kein zurück und in der Hoffnung, dass sich mein Monster wie ein Flaschengeist in Nebel aufgelöst hat, öffne ich die Tür. Mein Kollege betritt die Wohnung und ich bin erleichtert. Mein Monster bleibt ganz friedlich. Es steht in der Ecke mit einem Baseballschläger in der Hand und sieht ganz gelassen zu.
Mit einem strahlenden Lächeln werde ich von meinem Kollegen begrüßt und dann weitet er seine Arme aus und schon umschlingen sie mich. Mein Monster hebt ebenfalls die Arme und schlägt zu. Ohne ein Wimpernzucken zieht er meinem Kollegen eins über die Birne und er sackt vor mir auf die Knie. Sein lächeln verschwindet unter seinem Schmerzschrei.
Vielleicht hätte ich ihn warnen sollen, hätte ihn sagen sollen, das sich seit der letzten Nacht ein gefährliches Monster nicht mehr von meiner Seite weicht.........
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