Stierbändigerein
Spiele im Sport bringen Abwechslung, Spaß und bereichern den Selbsterfahrungsschatz um ein vielfaches.
Schon die Mannschaftsbildung wird zu einer Herausforderung für die Kleinen. Von 20 Kindern heben 20 Kinder die Hand "Ich will die Mannschaft aussuchen dürfen" brüllt es von allen Seiten in meine Ohren. 2 Kinder sind schnell bestimmt und schon donnert es in der Lautstärke eines Raketenstarts an meine Ohren "Das ist ja ungerecht. Ich war noch nie der Kapitän" Ich stelle mich taub und höre so nichts mehr.
Dann suchen die glänzenden Kapitäne sich ihre Favoriten für ihre Mannschaft aus, die in wenigen Minuten Stockhocky spielen wird.

Sie erhalten alle einen Stock. Ein fester Gummiring ist das Objekt, das mit dem Stock auf den Boden ins Tor geschoben wird. Einer aus der Mannschaft wird zum Torward ernannt und auf Pfiff beginnt das Spiel.

Und schon stürmen die Kleinen wie kleine Stiere durch die Halle. Jeder ist auf den Gummiring und das Tor fixiert, jeder von ihnen sieht ein bißchen rot, wenn Ring und Tor wieder an die gegnerische Mannschaft verloren gehen.
"Das ist ja ungereeeeecht" donnert es von allen Seiten in meine Ohren. Jeder, aber auch wirklich jeder will den Gummiring in seinen Besitz. Was kümmer der Mannschaftsgeist, was kümmert das Tor. Der Ring wird zur einzigartigen Beute erklärt und verbissen hängt sich jeder dran, so gut er kann.
Dann fallen doch die ersten Tore und mit den ersten Tränen kommen die kleinen Böcke ins Spiel, sie setzen sich kurzentschlossen auf die Bank "Ich spiel nicht mehr mit" , "Warum nicht?" frage ich. "Deeer hat mir den Ring weggenommen" erhalte ich zu Antwort. "Dann hole ihn dir wieder zurück" ermuntere ich zum weitermachen.
Aus dem Bock wird wieder ein Stier und der stürzt sich ins Treiben, sieht nur den Ring und dabei wieder rot. Das ein Mitspieler im Wege steht, entgeht dem kleinen Stier und schon ist der andere über den Haufen gelaufen.
Sein Aufschrei ist nicht zu überhören, die Tränen fließen in Strömen. "Der hat mich gestoßen" ein schwerer Vorwurf gegen den Mitspieler. "Das war keine Ansicht und Hockey ist eben ein hartes Spiel" mit den Worten trockne ich dem Kleinen die Tränen.
Nach ein paar Brüllern hat er sich vom Schreck erholt und stürzt sich auch wieder ins Spiel. Der Ring ist fast in seiner Nähe, fast in einem Stock, er sieht das Tor schon vor sich und den Erfolg schon in seinen Augen.
Da kommt aus dem Hinterhalt ein Stock und der entreißt ihm frech den Ring, der schon fast am Ziel war. Der Aufschrei des Kleinen überfordert mein Trommelfell. Schmerzhaft zieht es sich zusammen, ich reagiere sofort und schaffe es im letzten Augenblick. Der Kleine hat seinen Stock schon zum entscheidenden Schlag erhoben. Er wollte seinem Gegner grade einen überziehen, als mein fester Griff seinen Stock festhält.
"Ich spiel nicht mehr mit" schreit der enttäuschte Kleine dann unter Tränen, setzt sich auf die Bank und läßt den Rest seiner Mannschaft Mannschaft sein.
Ich rede ihm ins Gewissen und das nagt doch etwas. Dann entschließt sich der Kleine "Ich mache wieder mit".

Der Torwart läßt sich austauschen, er will auch mal mit Stock und Ring durch die Halle flitzen.
Ein kleines Mädel übernimmt die Torwacht.
Souverän hält sie fast jeden Ring, der durch ihr Tor geschoben werden soll. So, als wäre es nichts besonderes hält sie dann das Objekt der Begierde, den Ring in ihrer Hand und übergibt es abwechslend jedem männlichen Mitspieler ihrer Mannschaft für das weitere Spiel. Wird sie von ihnen zu sehr bedrängelt: "Ich will den Ring haben" antwortet sie "Nein, du hattest den Ring schon. Jetzt kriegt Paul den Ring, damit der nicht wieder heult".

Mit der Kleinen kommt wieder etwas Ruhe in das Spiel, die kleinen Stiere kämpfen weiter tapfer um jeden Ring und jedes Tor....
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